Archiv für den Monat: November 2011

25 Jahre HIV-Test – die IVD-Forschung machte es möglich

Berlin, 30.11.11 – Im Jahr 1983 entdeckten Wissenschaftler erstmals das HI-Virus, den Verursacher der Immunschwächekrankheit Aids. Bereits ein Jahr nach Entdeckung des Virus konnte eine HIV-Infektion erstmals getestet werden – eine Revolution im Kampf gegen eine bis dahin tödliche Krankheit.

Möglich wurde die HIV-Diagnose durch Bereitstellung eines Antikörper-Tests, den internationale Forscher aus dem Feld der Life-Science-Research (LSR) weltweit gemeinsam mit Experten aus dem In-Vitro-Diagnostika-Bereich (IVD) entwickelten. In der Diagnostik kommen dazu heute die Testverfahren ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay), Western Blot und PCR (Polymerase Chain Reaction) zum Einsatz. „Der HIV-Test in ein prominentes Beispiel dafür, wie eng die LSR-Forschung mit IVDs zusammengeht und wie schnell die Branche Antworten auf lebenswichtige Diagnosen geben kann“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diagnostica-Industrie e.V. (VDGH), Matthias Borst. Sie zeige auch, wie schnell Tests flächendeckend zum Wohle der Gesellschaft zum Einsatz kommen können.

Neuester Stand in der HIV-Diagnostik sind Tests der vierten Generation. Durch den kombinierten Nachweis von HIV-Antigen und -Antikörpern verkürzen sie das sogenannte diagnostische Fenster (Antikörper sind nicht unmittelbar nach der Infektion vorhanden und nachweisbar) auf durchschnittlich 14 bis 17 Tage nach der Infektion. Um aber eine frühe HIV-Infektion zu bestätigen, muss die Viruslast bestimmt werden, das heißt die Anzahl der Viruspartikel im Blut des Patienten. Darüber hinaus ist die Viruslast-bestimmung ein wichtiges diagnostisches Mittel in der HIV-Therapieüberwachung.

„Der HIV-Test hat das Leben vieler Menschen gerettet und dazu beigetragen, die Aids-Prävention voranzutreiben, die Krankheit besser zu verstehen und zu therapieren“, so der VDGH-Vorstandschef. Die schnelle Bereitstellung von Tests sei eine besondere Leistung der Diagnostik-Industrie. „Umso wichtiger ist es, dass IVD-Unternehmen in Deutschland mit ihren Tests und Innovationen nicht länger auf unüberwindliche Hürden stoßen“, sagt Borst. Für die Zulassung eines Tests müsse es Erprobungsregeln geben, die den IVD-Produkten angemessen und für die Hersteller zumutbar sind.

Berufliche Hauterkrankungen werden deutlich häufiger gemeldet BGW: Dunkelziffer geht zurück – Betroffene suchen früher Hilfe

Hamburg (ots) – Im Jahr 2010 sind der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) über 25 Prozent mehr beruflich bedingte Hauterkrankungen gemeldet worden. Beschäftigte aus Gesundheits-, Pflege- und Beauty-Berufen wenden sich bei Hautproblemen inzwischen bereits früher an ihre Berufsgenossenschaft, um sich helfen zu lassen und einen unfreiwilligen Berufsausstieg abzuwenden – für die BGW ein großer Erfolg.

6.686 Meldungen des Verdachts auf eine beruflich bedingte Hauterkrankung erhielt die BGW im Jahr 2010 aus Pflegeinrichtungen, Kliniken, Friseursalons und weiteren Mitgliedsbetrieben, 2009 waren es 5.326 gewesen. Bereits seit einigen Jahren nehmen die Meldungen kontinuierlich zu (siehe Grafik). „Auf den ersten Blick wirkt das besorgniserregend“, erläutert Dr. Verena Kagel von der BGW. „Es bedeutet jedoch nicht, dass es mehr beruflich bedingte Hauterkrankungen gibt.“ Ganz im Gegenteil: Der Anteil der schweren Fälle geht eher zurück. Im Jahr 2010 gab es bei der BGW nicht mehr berufsbedingte Hauterkrankungen mit Berufsausstieg als im Jahr zuvor.

In der Vergangenheit haben Beschäftigte mit beruflich bedingten Hautproblemen oft einfach weiter gearbeitet – so lange, bis es nicht mehr ging und sie den Beruf aufgeben mussten. „Aus Scham oder Angst vor Nachteilen am Arbeitsplatz haben viele ihre Erkrankung verheimlicht oder sie als nicht so gravierend angesehen, bis es zu spät war“, so Dr. Kagel. Mit breit angelegter Informationsarbeit hat die BGW als gesetzliche Unfallversicherung für das Friseurhandwerk, das Gesundheitswesen und die Pflege erreicht, dass ihr beruflich bedingte Hauterkrankungen inzwischen früher gemeldet werden. Sie hat in den vergangenen Jahren bundesweit zehn Schulungs- und Beratungszentren (BGW schu.ber.z) eröffnet, in denen sie zielgruppenorientierte Hautschutz-Seminare und individuelle Hautsprechstunden anbietet. Dies hat sich in den entsprechenden Branchen herumgesprochen, sodass sich immer mehr junge Berufstätige melden, sobald sie erste Hautveränderungen insbesondere an den Händen beobachten. „Auch viele Ausbilder und Chefs sind sensibler für die Hautproblematik geworden und schicken ihren Berufsnachwuchs zu uns, wenn sie Hautprobleme bemerken“, berichtet Dr. Kagel.

Beruflich bedingte Hautprobleme beginnen in vielen Fällen mit wiederkehrenden Reizungen – oft schon zu Beginn der Ausbildung. Sie entstehen zum Beispiel durch den zu häufigen Kontakt mit Wasser, das die Hautbarriere schwächt. Auch zu langes Tragen von Schutzhandschuhen, das die Hände schwitzig und feucht macht, schadet der Haut. Früher oder später können sich aus den Hautreizungen dauerhafte Ekzeme entwickeln. Außerdem ist angegriffene Haut anfälliger für allergieauslösende Stoffe, etwa aus Reinigungs- oder Flächendesinfektionsmitteln. „Wenn eine Allergie auftritt, muss die betreffende Substanz vollständig gemieden werden“, erläutert Dr. Kagel. „Leider ist dies in einigen Berufen manchmal nicht möglich.“ Wer dagegen Hautirritationen rechtzeitig behandeln lässt und dann konsequent auf den richtigen Schutz der Haut achtet, kann meist in seinem Beruf tätig bleiben.

Mittelohrentzündung: Kinder bekommen 26 Prozent häufiger Antibiotika verordnet

Kinder bekommen bei einer Mittelohrentzündung immer häufiger Antibiotika verordnet. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) für den Zeitraum 2008 bis 2010. Die Anzahl der Fälle, bei denen Kinder zwischen drei und zwölf Jahren mit der Diagnose „Mittelohrentzündung“ ein Antibiotikum verschrieben bekommen haben, ist innerhalb von nur zwei Jahren um 26 Prozent gestiegen. Die Ergebnisse sind um das Versichertenwachstum der TK bereinigt.

„Ärzte sollten immer gründlich abwägen, ob bei einer Otitis Media – also einer Mittelohrentzündung – tatsächlich ein Antibiotikum erforderlich ist“, sagt Professor Dr. Gerd Glaeske, Leiter der Forschungseinheit „Arzneimittelanwendungsforschung“ am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen. „In vielen Fällen trägt der Einsatz von Penicillin und Co. nicht zu einer schnelleren Heilung bei. Stattdessen steigt das Risiko einer Antibiotika-Resistenz, wenn die entsprechenden Wirkstoffe schon in frühen Lebensjahren vielfach verabreicht werden.“

Tim Steimle, Apotheker bei der TK, erklärt: „In vielen Fällen ist es gerechtfertigt, vor einem Antibiotikaeinsatz zunächst abzuwarten – dies ist insbesondere bei unkomplizierten Mittelohrentzündungen ohne ernsthafte Begleiterkrankungen möglich.“ Denn es sind nicht die Antibiotika selbst, die zur unmittelbaren Schmerzstillung beitragen. Dafür eignen sich Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol in einer entsprechenden Dosierung. Auch die Gabe von abschwellenden Nasentropfen kann in der akuten Phase förderlich sein. Viele Kinder empfinden auch Wärme wie beispielsweise Rotlicht als angenehm. In jedem Fall sollte man – wie bei allen Erkältungskrankheiten – auf eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit achten. „Egal bei welcher Therapie, entscheidend für den Erfolg und die schnelle Genesung ist die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Eltern“, so Steimle.

Akutschmerztherapie: Mit speziellem Behandlungsplan schneller fit

Einen Krankenhausaufenthalt verbinden viele Menschen automatisch mit Schmerzen. Das ist nicht unberechtigt: Forscher haben Patienten in Krankenhäusern gefragt, ob sie mit ihrer Schmerztherapie zufrieden sind. Über die Hälfte verneinte diese Frage. Viele Kliniken betreuen ihre Patienten nach einer Operation und den damit verbundenen Schmerzen nicht optimal, so dass der Patient sich mit seinem Schmerzempfinden allein gelassen fühlt. Das muss allerdings nicht sein: „Das Krankenhauspersonal sollte den Patienten regelmäßig nach seinem aktuellen Befinden fragen und entsprechende Medikamente verabreichen: Nur so lassen sich Schmerzen zeitnah lindern“, weiß Birgit Kuhlen-Janßens, Expertin für Akutschmerztherapie bei TÜV Rheinland.

Zahlreiche deutsche Kliniken haben ihr Schmerzmanagement optimiert und zertifizieren lassen. Patienten erkennen solche Krankenhäuser an dem Zertifikat „Qualitätsmanagement Akutschmerztherapie“, das unabhängige Prüfdienstleister wie beispielsweise TÜV Rheinland vergeben. TÜV Rheinland hat deutschlandweit bisher über 50 Kliniken zertifiziert. In diesen Kliniken arbeiten die Verantwortlichen – vom Chirurgen bis zur Krankenschwester – eng zusammen. Vor und nach einer Operation befragen sie den Patienten regelmäßig nach seinem Schmerzempfinden auf einer Skala von 0 bis 10 und dokumentieren sorgfältig die Ergebnisse. „Wenn ein Patient Schmerzen äußert, kann es in Kliniken ohne spezielles Therapiekonzept im schlimmsten Fall bis zu einer Stunde dauern, bis er ein adäquates Schmerzmittel erhält“, erklärt Birgit Kuhlen-Janßens. In zertifizierten Kliniken läuft das anders: Das geschulte Pflegepersonal darf im akuten Fall eigenständig Medikamente verabreichen. Vorher haben die Ärzte individuell festgelegt, ab welcher Schmerzstufe der Patient welche Medikamente bekommen darf. Daran orientieren sich die Schwestern. „So lassen sich Schmerzen zwar nicht hundertprozentig, aber deutlich und vor allem rechtzeitig lindern“, so die Expertin.

Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: Er leidet nicht unnötig lange unter Schmerzen und kann dadurch das Bett schneller wieder verlassen. Das führt insgesamt zu einem kürzeren Krankenhausaufenthalt und auch chronische Schmerzen werden minimiert. „Die Patienten in zertifizierten Kliniken sind zufriedener“, spricht Birgit Kuhlen-Janßens aus Erfahrung. Und auch die Krankenhäuser selbst profitieren von ihrem Schmerzmanagementsystem: „Die Betten werden schneller frei und zufriedene Patienten sprechen gern über ihre guten Erfahrungen. Das wirkt sich positiv auf den Ruf eines Krankenhauses aus“, so die Expertin.

Bundesweiter Start der Kampagne „Mit aller Kraft gegen den Krebs“

„Mit aller Kraft gegen den Krebs – gemeinsam für das Leben“ – unter diesem Motto startet heute deutschlandweit die neue Kampagne der Deutschen Krebshilfe. Die Sängerin Maite Kelly, die ihre Mutter durch Brustkrebs verlor, setzt sich zusammen mit Forschern und Betroffenen für die Arbeit der Deutschen Krebshilfe ein. Auf Großflächenplakaten zeigen sie auf kraftvolle und lebensbejahende Weise, dass der Kampf gegen die Krankheit und für das Leben nur mit vereinten Kräften erfolgreich ist.

„Es war für mich eine große Ehre als die Deutsche Krebshilfe mich gefragt hat, ob ich bei der Kampagne mitwirken möchte“, sagt Maite Kelly. „Das ist das erste Mal, dass ich mich für eine Spendenorganisation einsetze. Aber die Deutsche Krebshilfe ist wirklich wichtig, seriös und sie unterstützt die Patienten und deren Familien unheimlich“, so die Sängerin. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie sehr auch die Angehörigen der Patienten von der Krankheit betroffen sind. Die Kraft, mit der ihre Mutter gegen den Krebs angekämpft hat, inspirierte Maite Kelly zu ihrem Engagement.

Die großflächigen Plakate der Kampagne sind vom 23. November bis 2. Dezember 2011 in bundesweit 671 Städten zu sehen. „Mit diesen Plakaten wollen wir Betroffenen und Angehörigen Kraft geben, die schwere Zeit mit der Krankheit zu überstehen“, sagt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Wir wollen aber auch die Bürger auffordern, mit aller Kraft den Kampf gegen Krebs zu unterstützen“, so Nettekoven. Im Mittelpunkt der Kampagne steht eine aufmerksamkeitsstarke Geste: Die geballte Faust visualisiert die Stärke und die gebündelte Kraft. Sie symbolisiert die Leitidee, mit vereinten Kräften gegen die Krankheit zu kämpfen.

Neben der Sängerin Maite Kelly haben sich zwei Forscher und ein Betroffener mit seiner Tochter für die Kampagne zur Verfügung gestellt. Sie zeigen zwei weitere Perspektiven auf die Krankheit: Albert, 65 Jahre alt, erkrankte an Lymphknotenkrebs. Er und seine Tochter Janine stehen stellvertretend für viele tausend Betroffene und Angehörige in Deutschland, deren Leben vom Krebs beeinträchtigt ist. „Ich glaube an den medizinischen Fortschritt und die positive Wirkung einer optimistischen Einstellung“, sagt Albert. Wichtig ist für ihn aber auch die Unterstützung, die er immer wieder von seiner Familie erfahren hat.

Professor Dr. Rita Schmutzler, Stiftungsprofessorin der Deutschen Krebshilfe und Leiterin des Schwerpunkts „Familiärer Brust- und Eierstockkrebs“ an der Universitäts-Frauenklinik Köln, und Privatdozent Dr. Christian Reinhardt, Arzt und Gruppenleiter im Bereich allgemeine onkologische Patientenversorgung im Uniklinikum Köln, forschen mit aller Kraft gegen den Krebs. Die Deutsche Krebshilfe fördert ihre Arbeit und ermöglicht dadurch Forschungsprojekte, die allein aus den Mitteln des Gesundheitssystems nicht zu realisieren wären.

Die Ströer Out-of-Home Media AG unterstützt die Kampagne. Weitere Plakatmotive und Kampagnen sind bereits geplant. Alle Informationen zur Kampagne, ausführliche Interviews mit Maite Kelly, Albert und den Forschern sowie Bilder und Videos stehen unter www.mit-aller-kraft.de bereit.

Krankenzusatzversicherungen klettern auf Rekordniveau

(ots) – Mehr als 800.000 zusätzliche Verträge zum GKV-Schutz haben die Bundesbürger im ersten Halbjahr 2011 bei privaten Versicherern neu abgeschlossen, das zeigen die heute veröffentlichten Zahlen des PKV-Verbandes. Vor allem ergänzende Zahntarife sind dabei gefragt. Sie steigen auf einen Rekordwert von rund 13 Millionen Policen. Einer der entscheidenden Gründe für diese Entwicklung: Die Krankenkassen werben bei ihren Kunden immer offensiver mit den Angeboten privater Partner. Beide Seiten arbeiten aber nicht nur im Vertrieb von Zusatzpolicen zusammen, sondern streben zunehmend auch Kooperationen an, die weit über den Produkt- und Vertriebsbereich hinausgehen. Damit ist die P-GKV ist auf dem Vormarsch. Dies zeigen Marktbeobachtungen von Steria Mummert Consulting.

Obwohl einige Kassen ihren Kunden vermehrt eigene Zusatzpolicen anbieten, wünscht sich die große Mehrheit eine deutlich engere Zusammenarbeit mit privaten Partnern. „Beide Seiten haben erkannt,
dass sie den steigenden medizinischen Kosten und dem demographischen Wandel nur gemeinsam begegnen können“, sagt Herbert Oberländer, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting. „Denn die Schwächen des einen sind die Stärken des anderen.“ So profitieren dieKassen von den Erfahrungen der privaten Unternehmen, etwa bei dem vertrieblichen Know-how zur Gewinnung von Versicherten. Die Krankenkassen wiederum sind alleine schon durch ihre Größe für die privaten Versicherungen attraktiv. Das gilt nicht nur für den Vertrieb von Zusatzpolicen. Auch von der Verhandlungsstärke der GKV bei Verträgen mit den Leistungserbringern erhoffen sich private Versicherungen in Zukunft Vorteile.

Allerdings achten sowohl gesetzliche als auch private Krankenversicherungen bei der Zusammenarbeit stärker als bisher auf den strategischen Fit. „Die Zeiten, in denen Kooperationen häufig ohne gründliche Prüfung eingegangen wurden, ob die Partner zueinander passen, sind vorbei. Und auch bestehende Kooperationen werden schneller als bisher aufgelöst, wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen“, so Herbert Oberländer.

Zukünftig wird es für beide Seiten nicht mehr nur darum gehen, über Vertriebs- und Produktkooperationen mehr Zusatzversicherungen zu verkaufen. Stattdessen tritt die Kosten- und Ressourcensteuerung in den Vordergrund. Angestrebt wird eine Verzahnung der jeweiligen Produkt- und Versorgungsangebote bis hin zum gemeinsamen Leistungsmanagement.

Bei neuen Gerinnungshemmern regelmäßige Messungen unnötig

Patienten, die dauerhaft Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon (z.B. Marcumar® und Generika) einnehmen, müssen zur Festlegung der Dosis regelmäßig ihre Gerinnungswerte überprüfen lassen. Bestimmt wird der so genannte INR-Wert, anhand dessen der Arzt die individuelle Dosis verordnet. Der INR-Wert ist ein Maß für die Gerinnbarkeit des Blutes. Bei INR-Werten über 1 ist die Gerinnungsfähigkeit vermindert, therapeutisch wird meist ein INR-Wert zwischen 2 und 3 angestrebt.

Bei neuen Gerinnungshemmern wie Dabigatran ist die regelmäßige Kontrolle der Gerinnung nicht notwendig. Die Bestimmung des INR-Werts wäre zudem der falsche Parameter. Darüber informiert die aktuelle Ausgabe der Pharmazeutischen Zeitung. „Der Patient muss nicht mehr individuell auf einen bestimmten INR-Wert eingestellt werden,“ sagt Apothekerin Prof. Dr. Susanne Alban, Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). „Patienten, die ihren Gerinnungswert bisher selbst gemessen haben, sollten dies bei der Einnahme eines neuen Gerinnungshemmers nicht fortsetzen. Die zu hohen INR-Werte können sonst verwirren.“ Auch Wechselwirkungen mit Vitamin K-haltigen Lebensmitteln wie grünem Gemüse treten bei den neuen Gerinnungshemmern nicht mehr auf. Grundsätzlich ist aber die Anwendung jedes Arzneimittels, das die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzt, für den Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden.

Vor einer Behandlung mit Dabigatran sollte der Arzt die Nierenfunktion des Patienten überprüfen. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung ist der Wirkstoff kontraindiziert, bei mittelschwerer ist die Dosis zu reduzieren. Gerinnungshemmer mit Dabigatran werden mit weltweit 260 Todesfällen in Zusammenhang gebracht, davon vier in Deutschland. Bei Menschen über 75 Jahren oder bei einer eingeschränkten Nierenfunktion ist das Risiko erhöht. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Einnahme von Dabigatran ist möglich, im Einzelfall aber nicht sicher belegt.

Schnupfensprays nicht länger als eine Woche anwenden

Schnupfensprays mit gefäßzusammenziehenden Wirkstoffen sollten ohne ärztliche Anweisung nicht länger als fünf bis sieben Tage angewendet werden. Darüber informiert der aktualisierte Leitfaden der Bundesapothekerkammer ‚Medikamente: Abhängigkeit und Missbrauch‘. Das betrifft Nasensprays, -tropfen und -gele mit den Wirkstoffen Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Naphazolin. Kurzfristig angewendet führen diese zu einem Abschwellen der Nasenschleimhaut und zu verminderter Schleimbildung. Bei längerem Einsatz kann die Schleimhaut in der Nase aber anschwellen, dadurch wird subjektiv eine wiederholte Anwendung nötig. Bei Langzeitgebrauch dieser Schnupfensprays kann sich eine medikamentös bedingte Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis medicamentosa) entwickeln. Die Folge: In immer kürzeren Abständen sind immer höhere Dosierungen des Schnupfenspraya nötig. Der Dauergebrauch kann auch die physiologischen Funktionen der Nasenschleimhaut einschränken.

„Rezeptfrei heißt nicht harmlos. Auch Medikamente der Selbstmedikation können missbräuchlich angewendet werden,“ sagt Prof. Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Missbrauch geht nicht zwangsläufig mit einer psychischen Abhängigkeit einher. Bei Schnupfensprays zeigt sich der Missbrauch in zu häufiger Anwendung oder zu hohen Dosierungen. Schulz: „Patienten, die auf ein abschwellendes Nasenspray nicht mehr verzichten können, sollten mit ihrem Arzt oder Apotheker über mögliche Alternativen oder eine Entwöhnung sprechen.“

Um auf das Problem des Medikamentenmissbrauchs hinzuweisen, haben die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 3. November 2011 ein gemeinsames Symposium veranstaltet.

Schwimmen stärkt Gesundheit und Wohlbefinden und hat das ganze Jahr über Saison. Ganz besonders viel Spaß macht Schwimmen im Sommer während der Freibad-Zeit.

(obx) – Schwimmen kann süchtig machen. Das schwerelose Gleiten im Wasser verleiht ein ungewohntes Gefühl der Leichtigkeit und Beweglichkeit – und es bringt maximalen Gewinn für die Gesundheit in jedem Alter.

Schwimmen gilt als eine der gesündesten Sportarten überhaupt: Es bringt das gesamte Herz-Kreislauf-System in Schwung und trainiert den Herzmuskel. Nachgewiesen ist auch, dass regelmäßiges, moderates Training den Cholesterinspiegel sowie die Risiken für Diabetes und Arteriosklerose senkt.

Schwimmen trainiert die Muskelkraft, weil die gesamte Körpermuskulatur in Bewegung ist, und lässt durch vermehrten Kalorienverbrauch überflüssige Pfunde schmelzen. Schwimmen stärkt das Immunsystem, hilft uns beim Abnehmen und wirkt sich günstig auf chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck aus. Selbst wenn Arthrose die Möglichkeiten eines körperlichen Trainings eingeschränkt, kann Schwimmen helfen, denn das Wasser nimmt die Körperlast von Rücken und Gelenken. Man fühlt sich schwerelos. Menschen mit Bluthochdruck-Erkrankung werden feststellen, dass regelmäßiges Schwimmen auch zur Blutdrucksenkung beiträgt, Diabetiker eine Senkung des Blutzuckerwerts bemerken.

Warum die richtige Technik so wichtig ist

Gesundes Schwimmen setzt aber die richtige Technik voraus – insbesondere, wenn orthopädische Probleme vorliegen. So kann falsches Brustschwimmen mit krampfhaft nach hinten gestrecktem Kopf die Halswirbelsäule zusätzlich belasten. Auch mit falscher Rückenschwimm-Technik mit dem Kinn auf der Brust wird der Wirbelsäule nicht geholfen. Bei orthopädischen Problemen sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, welche Schwimmtechnik oder welches körperliche Training im Wasser (z.B. Aqua Jogging) für Sie am besten geeignet ist.

Schwimmen bietet unzählige Möglichkeiten, seinen eigenen Stil zu finden: Schwimmstil und Tempo bestimmen Sie selbst. Man kann dabei auch im kühleren Nass durchaus ins Schwitzen geraten. Denn auch wenn das Wasser uns weitgehend trägt, leistet es bei der Fortbewegung erheblichen Widerstand. Jeder Schwimmstil hat seine Vorteile, also kann man sich ruhig für den Stil entscheiden, der einem am meisten Spaß macht.

Gerade wenn Sie lange keinen Sport getrieben haben, sollten Sie bedenken, dass es nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Regelmäßigkeit und Ausdauer ankommt. Sie wollen schließlich keine sportlichen Höchstleistungen erbringen, sondern etwas für Ihr Wohlbefinden tun. Tempo und Strecke können Sie nach und nach steigern.

Keine Angst vor Warzen und Fußpilz

Viele Menschen meiden öffentliche Bäder aus Angst vor Ansteckung mit Krankheiten. Das ist übertrieben. Wasser in modernen Schwimmbädern wird durch Einsatz von Filtern und Chemikalien kontinuierlich gereinigt. Die Wirksamkeit der Filter und die Sauberkeit werden regelmäßig kontrolliert. Chlor im Wasser aber auch Ultraviolettes Licht töten Mikroorganismen ab, ohne den Schwimmern zu schaden. Labile Viren wie Erreger von z.B. Hepatitis A-Virus oder Hepatitis B-Virus überleben das nicht. Schwimmen in öffentlichen Bädern ist deshalb ein gesundes Vergnügen, wenn man einige Regeln beachtet.

Vor Warzeninfektionen zum Beispiel schützen Badesandalen. Sie helfen gleichzeitig, Stürze auf glatten Fliesen zu vermeiden. Ebenfalls ein Muss: intensives Duschen nach dem Schwimmen. Sollten Sie sich trotzdem mal Warzen „einfangen“: Gehen Sie umgehend zum Arzt, damit die Infektion sich nicht ausbreiten kann.

Für viele Schwimmer auch in Seen und Meeren ein Problem: Wasser im Ohr. Das kann zu Entzündungen des äußeren Gehörganges führen, wenn das Wasser nicht wieder abfließt. Hier helfen speziell geformte Ohrstöpsel ebenso wie alkoholhaltige Ohrentropfen nach dem Schwimmen oder Tauchen. Diese sind in der Apotheke erhältlich. Das Chlor im Wasser kann, ebenso wie salzhaltiges Meerwasser, die Augen reizen. Eine Schwimmbrille schützt davor wirksam.

Ebenfalls wichtig: Sie sollten niemals mit vollem Bauch ins Wasser gehen. Mindestens zwei Stunden vor dem Schwimmen sollten Sie nichts mehr essen, damit der Atmungs- und Bewegungsrhythmus nicht gestört wird. Die Bewegungen fallen dann viel leichter.

So finden Sie die richtige Technik

Am Anfang am besonders geeignet: Rückenschwimmen. Das viele Sitzen im Alltag belastet unseren Rücken. Rückenschwimmen entlastet die Wirbelsäule, macht sie beweglich und stärkt die Rückenmuskulatur. Kopf und Nacken werden vom Wasser getragen. Auch das Atmen ist leicht, denn das Gesicht bleibt die ganze Zeit über Wasser.

Der verbreitetste Schwimmstil ist das klassische Brustschwimmen – ein optimales Training für Brust-, Arm- und Schultermuskeln trainiert. Sie sollten möglichst waagerecht im Wasser liegen und den Kopf nur zum Atmen aus dem Wasser heben. Hält man den Kopf beim Schwimmen angestrengt über Wasser, kann sich die Nackenmuskulatur verspannen. Haben Sie keine Angst, das Gesicht ins Wasser zu tauchen.

Am meisten Kraft, Ausdauer und Konditionen fordert das Kraulschwimmen. Diese Schwimmtechnik stärkt und fordert vor allem die Armmuskulatur, die den größten Anteil an der Fortbewegung leistet.

Anfänger und Eingerostete sollten mit einer Kombination aus zwei Schwimmstilen starten: Schwimmen Sie eine Bahn Brust, eine Bahn Rücken und. Nehmen Sie sich eine bestimmte Strecke vor und achten Sie nicht auf die Zeit. Legen Sie ruhig Pausen ein und schwimmen Sie weiter, wenn Sie wieder können.

Antibiotika haben in den vergangenen 70 Jahren Millionen Leben gerettet – vielleicht sogar auch Ihres. Dennoch haben viele Menschen Angst vor Penicillin & Co – dabei beruhen viele der Vorurteile auf einem Irrtum.

Regensburg (obx-medizindirekt) – „Alles, bloß keine Antibiotika!“ Diesen Satz hören Ärzte immer wieder, wenn sie Patienten wirksame Mittel gegen bakterielle Infektionen verschreiben. Bei vielen Menschen herrschen weitgehend unbegründete Vorurteile gegen diese Medikamente. Es geht schon damit los, dass Antibiotika keineswegs Arzneimittel sind, die dem Erfindungsreichtum der Pharmaindustrie entsprungen sind. Antibiotische Stoffe werden im Gegenteil schon seit Jahrmillionen ganz natürlich von Pflanzen, Pilzen und Bakterien erzeugt – die sich damit im Existenzkampf gegen andere Lebewesen schützen.

Das erste Antibiotikum, das der Mediziner Alexander Fleming 1928 zufällig bei einem Laborversuch entdeckte, stammte von dem Schimmelpilz, der ihm auch den Namen verlieh: Penicillium notatum. Fleming hatte entdeckt, dass Stoffwechselprodukte des Schimmelpilzes in der Lage waren, bakterielle Krankheitserreger abzutöten. Noch heute gibt es das Penicillin – und viele abgewandelte Formen, die im Kampf gegen die sich unglaublich schnell verändernden Mikroorganismen entwickelt werden. Inzwischen stehen viele andere Antibiotikaklassen mit sage und schreibe über 160 verschiedenen Antibiotika zur Behandlung der unterschiedlichsten Infektionskrankheiten zur Verfügung. Diese Mittel gilt es gezielt einzusetzen, um möglichst lange Nutzen zu haben.

Antibiotika haben in den vergangenen 70 Jahren wohl Millionen von Leben gerettet – vielleicht sogar auch Ihres. Jedenfalls zählen diese Medikamente zu den wichtigsten medizinischen Entwicklungen. Hier ein paar Beispiele, welche Irrtümer kursieren und was wirklich Sache ist:

1. Antibiotika sind besonders gefährlich.

Antibiotika sind nicht mehr oder weniger gefährlich als viele andere Medikamente. Im Allgemeinen sind sie gut verträglich und arm an Nebenwirkungen. Vor allem machen sie die schnelle und sehr wirkungsvolle Behandlung bakterieller Infektionen möglich. Allerdings gibt es Fälle, in denen Personen allergisch auf
bestimmte Antibiotika reagieren. Dann muss in Ausnahmefällen sofort notfallmäßig gehandelt werden.

2. Antibiotika zerstören die Darmflora.

Das stimmt, aber auch nur teilweise. Da Antibiotika Bakterien vernichten, wird auch ein Teil der über 300 im Darm lebenden bakteriellen Keime abgetötet, was zu Durchfällen führen kann. Aber sobald die Behandlung abgeschlossen ist, baut der Körper die ursprüngliche Darmflora wieder auf. Die Behandlung einer bakteriellen Infektion wird als wichtiger eingeschätzt als die Nebenwirkung auf den Darm.

3. Antibiotika sollte man absetzen, sobald es wieder besser geht.

Dies ist der gefährlichste Irrtum von allen, denn er kann zu schweren Rückfällen der Krankheit und außerdem zur Entwicklung von so genannten Resistenzen führen. Unter Resistenz versteht man, dass Erreger unempfindlich werden und nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Ursache: Wird das Medikament nicht bis zum Ende der Packung genommen, lernen die noch nicht abgetöteten Keime, mit einer abnehmenden Konzentration des Antibiotikums zu leben. Schon folgende Bakteriengenerationen sind dann möglicherweise gegen das Mittel immun.

4. Antibiotika schädigen das Immunsystem.

Im Gegenteil! Antibiotika, die das Wachstum von bakteriellen Erregern bekämpfen, helfen dem Immunsystem, die Infektion zu bekämpfen. Ist das Abwehrsystem geschwächt, etwa bei älteren Menschen oder durch eine vorausgegangene Infektion, dann kann es ohne Einsatz von Antibiotika passieren, dass die körpereigene Abwehr versagt.

5. Antibiotika, die nicht verbraucht wurden, sollte man für spätere Behandlungen aufheben.

Ebenfalls ein gefährlicher Irrtum. Abgesehen von Fällen, in denen ein Antibiotikum nicht vertragen wird, sollte es, wie gesagt, überhaupt keine Reste dieser Medikamente geben. Solche Überreste sollten über die Apotheke entsorgt werden. Außerdem verbietet es sich, auf eigene Faust solche Medikamente einzusetzen. Das Mittel, das einmal so gut geholfen hat, kann bei der nächsten Infektion mit einem anderen Erreger wirkungslos sein.

6. Antibiotika werden zu früh verordnet.

Experten sehen den Gesamtverbrauch an Antibiotika weltweit kritisch. Deutschland steht jedoch im internationalen Vergleich relativ gut da. Vor allem in Ländern mit freiem Zugang zu Medikamenten sind viele preisgünstige Antibiotika nicht mehr wirksam. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt ob das Antibiotikum wirklich zwingend erforderlich ist. Wenn ja, sollten Sie die Arzneimittel sowohl hinsichtlich Dosierung und Dauer nach Weisung des Arztes einnehmen.

Die erwähnte Zahl von 160 verschiedenen Antibiotika signalisiert bereits, dass es für eine Vielzahl von Erregern auch unterschiedliche Antibiotika gibt. Manche davon gelangen zum Beispiel unverändert in den Darm und bekämpfen dort bakterielle Darminfektionen. Andere wurden gezielt auf Infektionen verschiedener Organe, etwa Atemwege, Harntrakt, Lunge oder Weichteile entwickelt. Obendrein erfordert die Art der Infektion und der Erreger unterschiedliche Behandlungszeiträume zwischen einem und 14 Tagen. Nur der Arzt kann also entscheiden, welches Antibiotikum Sie für welchen Zeitraum einnehmen müssen, um wieder gesund und munter zu werden. Und darum geht es doch schließlich, wenn man krank ist.