Archiv für den Monat: Juni 2012

Paracetamol bleibt für Patienten auch weiterhin in der Apotheke frei erhältlich

Der für die Arzneimittelsicherheit verantwortliche Sachverständigen-Ausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn hat nach umfassender Beratung und Anhörung von Sachverständigen entschieden, dass Paracetamol auch weiterhin für Patienten ohne Rezept erhältlich sein soll. Ein Antrag des Erlangener Pharmakologen Prof. Kay Brune, der diesem Gremium selbst angehört, wurde abgelehnt.

Damit ist Paracetamol, das von Patienten seit vielen Jahrzehnten in der Selbstmedikation zur Fiebersenkung und gegen leichte bis mittelstarke Schmerzen eingesetzt wird, auch weiterhin bis zu einer Packungsgröße von 10 g, in der Apotheke, frei erhältlich.

Antrag wissenschaftlich nicht haltbar

Mit seiner Entscheidung unterstreichen die Sachverständigen, dass es hinsichtlich der Anwendung von Paracetamol zu Fragen der Sicherheit keine neuen Erkenntnisse und somit keinen Handlungsbedarf gibt.

Die Studien und Untersuchungen zu angeblich neuen Risiken und Gefahren von Paracetamol, auf die sich Brune in seinem Antrag stützt, basieren auf wissenschaftlich nicht nachprüfbaren Annahmen und bedienen sich fragwürdiger Methoden zur Datenerhebung. „Mit seiner Entscheidung untermauert der Sachverständigen-Ausschuss des BfArM, dass Paracetamol bei bestimmungsgemäßer Einnahme ein sicheres und gut verträgliches Arzneimittel ist.

Durch seinen millionenfachen Gebrauch über die Jahrzehnte ist es für die Patienten in seiner Anwendung umfassend erprobt“, so Dr. Thomas G. Schätzler, FA für Allgemeinmedizin, Dortmund. „Das BfArM hat eine sachgerechte Entscheidung getroffen. Es entlarvt den Antrag Brunes zu angeblichen, bisher nicht bekannten Gefahren und Risiken von Paracetamol als inhaltlich und fachlich nicht fundiert. Das Bundesinstitut macht damit deutlich, dass es in Fragen der Arzneimittelsicherheit nur wissenschaftlich haltbare Studienergebnisse akzeptiert, die dem aktuellen Forschungsstand entsprechen“, kommentiert die Entscheidung der Experte Prof. Harald G. Schweim, Inhaber des Lehrstuhls Drug Regulatory Affairs der Universität Bonn.

Paracetamol für viele Patienten die erste Wahl

Aufgrund seiner guten Verträglichkeit ist Paracetamol für viele Patientengruppen die erste Wahl. Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft gilt als sicher und wird von offizieller Seite empfohlen(Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin). Für die Selbstmedikation bei Säuglingen, die jünger als drei Monate sind, ist Paracetamol das einzige zugelassene Schmerzmittel und Fiebertherapeutikum. Darüber hinaus ist es für ältere Menschen besonders gut geeignet, weil kein erhöhtes Risiko unerwünschter Neben- oder Wechselwirkungen besteht.

Rote Karte dem Schlaganfal

Im Rahmen der Aufklärungskampagne „Rote Karte dem Schlaganfall“ erscheint heute die Broschüre „Eigentor des Körpers – den Schlaganfall verstehen“. Diese ist die zweite aus einer Reihe regelmäßig erscheinender Broschüren der Kampagne. Nachdem die erste Broschüre „Anstoß – Bewegung hilft“ über Möglichkeiten zur Vorbeugung aufklärte, können die Leser der zweiten sich nun detailliert über die Ursachen des Schlaganfalls informieren. Die komplexen medizinischen Abläufe und Zusammenhänge im menschlichen Körper werden gut verständlich dargestellt.

Das gemeinsame Ziel: Aufklärung gegen immer mehr Schlaganfälle Michael Ballack möchte als Schirmherr der Aufklärungskampagne „Rote Karte dem Schlaganfall“ eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit: Schon in jungen Jahren musste er sich mit dem Thema Schlaganfall auseinandersetzen. „Als ich gefragt wurde, eine Kampagne zur Schlaganfallvorbeugung zu unterstützen, fiel mir die Entscheidung deshalb nicht schwer“, so Ballack im Interview.

Der Initiator der Kampagne, Bayer HealthCare Deutschland, rief die Kampagne ins Leben, um über Risiken aufzuklären und so der stetig steigenden Zahl von Schlaganfällen entgegenzuwirken. Kooperationspartner der Kampagne sind die Deutsche Sporthochschule Köln und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Volkskrankheit Schlaganfall

Jedes Jahr erleiden knapp 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die dritthäufigste Todesursache hierzulande. Das Tückische am Schlaganfall ist, dass er kaum vorhersagbar ist. Dennoch sind sich Experten einig, dass rund 70 Prozent aller Schlaganfälle durch rechtzeitiges Vorbeugen mit einem gesunden Lebensstil, einer ausgewogenen Ernährung und genügend Bewegung vermieden werden könnten. Daher wurden von der Deutschen Sporthochschule Köln spezielle Übungen entwickelt, die helfen können, das Schlaganfall-Risiko zu senken. Michael Ballack zeigt auf einem Übungsposter, einer DVD und auch in der Broschüre „Anstoß – Bewegung hilft“, wie es gemacht wird. Alle Übungen sind so konzipiert, dass sie auch für etwas Ältere oder weniger Sportliche gut ausführbar sind.

Nicht immer reicht ein gesunder Lebensstil

Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, wird durch bestimmte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Vorhofflimmern, deutlich erhöht. Im Umgang mit solchen Risikofaktoren reicht ein gesunder Lebensstil und ausreichende Bewegung häufig nicht aus, sodass eine zusätzliche medikamentöse Behandlung notwendig wird. So wird etwa jeder fünfte Schlaganfall durch Vorhofflimmern ausgelöst und nimmt meist einen besonders schweren Verlauf, erläuterte Kardiologe Dr. Thomas Schramm während der Pressekonferenz zum Auftakt der Kampagne „Rote Karte dem Schlaganfall“.

Während des Vorhofflimmerns kann das Blut im Herz nur noch eingeschränkt zirkulieren, wodurch begünstigt wird, dass sich im sogenannten Vorhofohr Blutgerinnsel bilden können. Diese Gerinnsel können über die Blutbahn in Richtung Gehirn transportiert werden und einen Schlaganfall auslösen.

Daher ist es wichtig, schon die Entstehung von Blutgerinnseln zu vermeiden. Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten, dem Schlaganfall-Risiko bei Vorhofflimmern zu begegnen. Mit sogenannten oralen Antikoagulanzien, wie mit einem direkten Faktor-Xa-Hemmer, gelingt dies nach Einschätzung des Kölner Kardiologen Dr. Schramm heute wesentlich einfacher als mit herkömmlichen Vitamin-K-Antagonisten. Beide Therapieformen haben einen ähnlichen Wirkeffekt, jedoch sind die Faktor-Xa-Hemmer deutlich unkomplizierter in der Anwendung.

Aktive Vorbeugung für Jedermann

Die Broschüren „Anstoß – Bewegung hilft“ und „Eigentor des Körpers – den Schlaganfall verstehen“ sowie das Übungsposter, die Bewegungs-DVD und die Autogrammkarte von Michael Ballack können kostenfrei bestellt werden:

– Rote Karte dem Schlaganfall, Postfach 190245, 40112 Düsseldorf
– infomaterial@rote-karte-dem-schlaganfall.de

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.rote-karte-dem-schlaganfall.de. Die komplett neu gestaltete Kampagnenwebsite bietet neben umfangreichen Informationen zum Thema Schlaganfall jede Menge Extras und Services.

Neu patentierte Heilmethode verspricht Erfolg bei Arthrose

Geschätzte fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose, und es werden mehr, denn unsere Gesellschaft wird älter.

Jetzt ist ein Behandlungsverfahren europaweit patentiert worden, das Erkrankten Hilfe verspricht: die Arthrose-Stufentherapie (AST)

Die Behandlungen werden exklusiv im Deutschen Zentrum für Individualmedizin, Ludwigshafen, durchgeführt.

Der Mediziner Dr. Horst Kief ist seit 20 Jahren eine gefragte Adresse für Menschen, die an Arthrose erkrankt sind. Im Deutschen Zentrum für Individualmedizin in Ludwigshafen behandelt der Arzt Arthrose-Patienten aus ganz Deutschland nach dem von ihm entwickelten Verfahren der Arthrose-Stufentherapie (AST). Jetzt ist diese kürzlich weiter entwickelte Behandlungsmethode europaweit patentiert worden. Dr. Kief: „Dem bislang überwiegend eingesetzten Wirkstoff Hyaluron stellen wir heute mit ASTPlus eine überlegene Behandlungsmethode entgegen, die nachweislich Beschwerdefreiheit über einen weitaus längeren Zeitraum ermöglicht. Damit bietet ASTPlus Arthrose-Patienten eine deutlich höhere Lebensqualität.“

Die teils extrem schmerzhafte Arthrose bedeutet im Prinzip Gelenkverschleiß. Ursachen für die Abnutzung sind Alter, Entzündungen oder Übergewicht. Das AST-Verfahren bietet mit der Verabreichung einer Kombination natürlicher Substanzen einen deutlich verbesserten Schutzeffekt für die Gelenkflächen. Der Patient ist fast augenblicklich schmerzfrei.

Bei ASTPlus sorgen u.a. Makromoleküle sowie entzündungshemmende Wirkstoffe wie Vitamin E und eine spezielle ölige Emulsion als im Gelenk verbleibender Langzeitschutz für nachhaltige Wirkung.

Eine retrospektive Studie mit 101 Patienten nach dem bekannten WOMAC Score, einer von kanadischen Forschern entwickelten validen Messmethode, ergab eine Verminderung des Schmerzes um 28 % und der Steifheit von 54,7 %, die physikalische Funktion verbesserte sich um 55 %. Die summarische Verbesserung auf der Basis dieser drei Parameter lag bei 54,7 %! Zwischen den Erhebungen vor der Therapie und der Erhebung danach lagen bei Frauen durchschnittlich 434 Tage, bei Männern 395 Tage, in der Gesamtpopulation 410 Tage.

Kontakt: Deutsches Zentrum für Individualmedizin: Tel.: 0621-669360;
Website: www.zentrum-imed.de; E-Mail: info@zentrum-imed.de

Gesundheit ist keine Ware

Sozialverband Deutschland (SoVD) und Volkssolidarität gegen Ausweitung des Kartellrechts auf die Gesetzliche Krankenversicherung

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) und die Volkssolidarität wenden sich entschieden gegen das Vorhaben der Bundesregierung, die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) durch eine Änderung des Wettbewerbsrechts verstärkt dem Kartellrecht zu unterwerfen.

Zu dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf für ein 8. Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen erklären die Präsidenten des SoVD, Adolf Bauer, und der Volkssolidarität, Prof. Gunnar Winkler:

Wir fordern, die entsprechenden Artikel im Gesetzentwurf ersatzlos zu streichen. Sollten tatsächlich neue Regelungen für die Akteure im Gesundheitsbereich notwendig sein, so muss das im Bereich des Sozialversicherungsrechts geschehen. Ansonsten wird der gesetzliche Versorgungsauftrag der GKV gefährdet. Dies hätte für die Versicherten, für Patientinnen und Patienten über kurz oder lang erhebliche Nachteile. Ihre Interessen dürfen nicht unter die Räder des Kartellrechts geraten.

Das Vorhaben der Regierungskoalition werten wir als Versuch, die gesetzlichen Krankenkassen durch die Hintertür in die Nähe gewinnorientierter Wirtschaftsunternehmen zu rücken, wie sie für die private Krankenversicherung charakteristisch sind.

Tragende Strukturprinzipien der GKV wie Solidarität, Sachleistung und Selbstverwaltung dürfen nicht über das Kartellrecht ausgehebelt werden. Die GKV kann eben nicht primär wettbewerblich ausgerichtet sein, weil Gesundheit keine gewöhnliche Ware ist und auch nicht zu einer solchen gemacht werden darf. In der GKV kann es nur einen Wettbewerb um die beste Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten geben. Die notwendigen medizinischen Leistungen bedarfsgerecht und in hoher Qualität für alle Versicherten, einschließlich für Ältere, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten, muss oberste Priorität von Gesundheitspolitik bleiben.

Die vorgesehene Ausdehnung des Kartellrechts auf die GKV führt dazu, wichtige und bewährte Arbeitsweisen im sozialversicherungsrechtlichen Gesundheitsbereich sachfremden Regelungsmechanismen zu unterwerfen. In der Praxis würde dies die Umsetzung des gesundheitlichen Versorgungsauftrags durch die GKV behindern, so z. B. bei freiwilligen Kooperationen von Krankenkassen.

Wir warnen vor der Gefahr, dass europäisches Wettbewerbsrecht auch für die Beziehungen der Akteure in der GKV anwendbar wird. Als Folge ist zu befürchten, dass sozialrechtlicher Handlungsspielraum verloren geht bzw. an die EU-Kommission abzutreten ist. Würde EU-Recht greifen, so könnten auch Steuern für Leistung und Leistungserbringer zu Lasten der Beitragzahler anfallen.

Wir sind besorgt, dass die Tragweite der geplanten Novellierung des Wettbewerbsrechts für die gesundheitliche Versorgung im Bundestag unterschätzt wird.

Ein Anzeichen dafür ist, dass die Tagesordnung für die Anhörung zum Gesetzentwurf im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie eine Behandlung der die GKV betreffenden Regelungen nicht vorsieht. Weder die gesetzlichen Krankenkassen noch Sozial- und Wohlfahrtsverbände sind zu diesem Themenkomplex als Sachverständige eingeladen.

Wir fordern angesichts der gravierenden sozialpolitischen Auswirkungen der Ausweitung des Kartellrechts auf die GKV eine adäquate Beteiligung der betroffenen Menschen und der Interessenverbände.

19. Krebskongress in der Lüneburger Heide

Moderne Trends in der Krebsforschung – mit diesem Thema beschäftigte sich das Wilsede-Meeting, das in diesem Jahr bereits zum 19. Mal im Ort Wilsede in der Lüneburger Heide stattfand. Rund 50 renommierte Krebs-Experten aus aller Welt gaben vom 16. bis 20. Juni 2012 einen intensiven Einblick in den aktuellen Stand der onkologischen Grundlagenforschung. Insgesamt nahmen rund 200 Besucher an der Tagung teil, darunter auch viele von der Deutschen Krebshilfe geförderte Nachwuchsforscher.

„Seit 1973 ist das Wilsede-Meeting ein besonderer Treffpunkt für anregende Diskussionen und Vorträge“, erklärte Professor Dr. Boris Fehse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die Veranstaltung in diesem Jahr zum ersten Mal leitete. „In dieser Zeit hat sich die Tagung einen festen Platz in den Terminkalendern weltweit angesehener Krebs-Experten erarbeitet.“

Zusammen mit den Ko-Organisatoren Dr. Carol Stocking, Heinrich-Pette-Institut in Hamburg, und Professor Dr. Nicolaus Kröger, ebenfalls Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, hat Fehse das Konzept der Tagung erarbeitet: Schwerpunkt der diesjährigen Zusammenkunft waren neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der Leukämieforschung. Dabei befassten sich die Wissenschaftler unter anderem mit der Frage, welche Signalwege in der Zelle fehlreguliert sind, wenn eine Leukämie entsteht. Hierbei spielen auch so genannte epigenetische Einflüsse eine wichtige Rolle. Die Epigenetik ist ein recht junges Forschungsfeld, das sich damit beschäftigt, wie die Regulation von Genen auch durch äußere Faktoren beeinflusst wird. Beispielsweise kann das fälschliche dauerhafte Abschalten bestimmter Gene zur Krebsentstehung beitragen. Welche Einflüsse das genau sind, ist noch weitestgehend unbekannt. Daher suchen Krebsforscher nach Wegen, epigenetische Prozesse genauer zu verstehen und gegebenenfalls zu korrigieren. Außerdem diskutierten die Krebs-Experten über aktuellste Fortschritte im Bereich der Immun- und Gentherapien bei Krebserkrankungen.

Die Wilsede-Treffen werden bereits seit 1978 von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Das Krebs-Meeting in diesem Jahr wurde von ihr mit 85.000 Euro unterstützt, um den internationalen Wissensaustausch und die Krebsforschung weiter voran zu bringen. Zudem stellte die Organisation auf der Tagung ihr „Career Development Program“ vor, das Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit bietet, an verschiedenen Förderprogrammen teilzunehmen. „Wir ermöglichen wissenschaftlich interessierten Medizinstudenten eine Doktorarbeit in Krebsforschungslaboren, unterstützen junge Ärzte und Naturwissenschaftler mit Auslands-Stipendien, fördern den Aufbau von Nachwuchs-Forschergruppen und stiften personengebundene Professuren“, so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Hintergrund-Information: Krebsforschung

Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren stetig verbessert werden. Diese Erfolge sind der Arbeit der Deutschen Krebshilfe zu verdanken. Sie ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe etwa 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.

Patienten brauchen im Schadensfall ärztliche Expertise

Bundesärztekammer stellt Behandlungsfehlerstatistik 2011 vor:

„Überall wo Menschen arbeiten, passieren Fehler – auch in der Medizin. Hier können Komplikationen oder unerwünschte Behandlungsergebnisse verschiedene Gründe haben. Dabei vermengen sich häufig die Ursachen, was die Beantwortung der Frage schwierig macht, ob ein Behandlungsfehler für eine Komplikation ursächlich ist oder nicht. Umso wichtiger ist es, dass die Patientinnen und Patienten bei einem vermuteten Schadensfall nicht allein gelassen werden. Sie sind bei der Aufklärung eines möglichen Behandlungsfehlers auf die ärztliche Expertise angewiesen.“ Das sagte Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, bei der Vorstellung der Behandlungsfehler-Statistik 2011 in Berlin.

Wie aus der Statistik hervorgeht, haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern im Jahr 2011 insgesamt 7.452 Anträge zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern bearbeitet (11.107 Anträge wurden eingereicht). Dabei lag in 2287 Fällen ein Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel vor. In 1901 Fällen wurde ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren wie in den Vorjahren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterarm-, Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen. In den Krankenhäusern stieg die Zahl der nachgewiesenen Fehler bei Kniegelenkarthrose (71 Fälle) und Unterarmfrakturen (65 Fälle) leicht an. Bei der Behandlung von Brustkrebs im niedergelassenen Bereich hat sich die Zahl der nachgewiesenen Fehler im Vergleich zu den Vorjahren hingegen deutlich reduziert (15 Fälle).

„Eine völlig fehlerfreie Behandlung wird es nie geben. Schon daraus resultiert die Verpflichtung, alles dafür zu tun, das Risiko so klein zu halten wie irgend möglich“, sagte Crusius. Er verwies darauf, dass die Ergebnisse der Gutachterkommission und Schlichtungsstellen seit zwölf Jahren mit Hilfe des Medical Error Reporting Systems (MERS) in einer bundesweiten Statistikdatenbank erfasst und ausgewertet werden. „Die Ergebnisse werden von der Ärzteschaft für Fortbildungs- und Qualitätssicherungsveranstaltungen aufbereitet um Strategien zur Fehlervermeidung zu entwickeln“, berichtete Crusius.

„Jeder Schaden muss Anlass für uns sein, etwas besser zu machen“, sagte Prof. Dr. Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin und Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. „Gleichwohl kann man nicht jeden gesundheitlichen Schaden , der bei einer Therapie auftritt, auf einen ärztlichen Behandlungsfehler zurückführen. Dies sagte Schaffartzik mit Blick auf Anfang des Jahres in den Medien veröffentlichte Zahlen aus der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Diese hatten zum Teil zu irreführender Berichterstattung über eine angeblich massiv gestiegene Zahl von Behandlungsfehlern geführt.

Prof. Dr. Karl Wessel, Chefarzt der Neurologischen Klinik des Klinikums Braunschweig und Ärztliches Mitglied der Schlichtungsstelle der Norddeutschen Ärztekammern in Hannover, wies darauf hin, dass auch und gerade der medizinische Fortschritt mit ein Grund für Behandlungsfehlervorwürfe sein kann. Anhand des Beispiels der Schlaganfallversorgung berichtete er: „Mitunter kommt es zu Fehlervorwürfen, weil Ärzte nicht oder nicht sofort eine Behandlung auf Spezialstationen veranlasst haben.“

Auf die Neuregelungen des geplanten Patientenrechtegesetzes ging Johann Neu, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, ein. „Es ist zu begrüßen, dass mit dem Gesetz die Patientensicherheit erhöht und die Fehlervermeidungskultur gefördert werden soll.“ Neu bemängelte aber, dass die Unterlagen von freiwilligen Fehlermeldesystemen, wie MERS oder das Critical Incident Reporting System, auch künftig nicht durch ein Beschlagnahmeverbot vor dem Zugriff in Strafverfahren geschützt werden. Eine entsprechende Regelung in der Strafprozessordnung könnte das Bemühen unterstützen, Fehler offensiv anzugehen und zu melden.

Gut ein Viertel aller vermuteten Arzthaftungsfälle in Deutschland wird durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern bewertet. Die seit 1975 bei den Ärztekammern eingerichteten Stellen bieten eine Begutachtung durch unabhängige Experten und außergerichtliche Streitschlichtung bei Behandlungsfehlervorwürfen an. Der Patient kann durch ein effizientes und gebührenfreies Verfahren überprüfen lassen, ob sein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt ist. In ca. 90 Prozent der Fälle werden die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt. Wird nach Begutachtung durch diese Institutionen doch noch der Rechtsweg beschritten, werden die Gutachten der Kommissionen überwiegend bestätigt.

Innovativer Vertrag zwischen Apothekern und Krankenversicherung entlastet Patienten

Ein innovativer Vertrag zwischen Deutschem Apothekerverband (DAV) und Allianz Private Krankenversicherung (APKV) soll deren Versicherte von der Bürokratie rund um die Bezahlung von notwendigen, teuren Arzneimitteln entlasten. Nach einem erfolgreichen Modellprojekt in Bayern kann die Direktabrechnung zwischen Apotheke und Krankenversicherung nun auch bundesweit erfolgen, sofern sich der Versicherte damit einverstanden erklärt. Dieser neue Service hilft oft schwerkranken Patienten, die hochpreisige Arzneimittel auf Privatrezept verordnet bekommen.

„Wir freuen uns, eine innovative Kooperation mit der Allianz PKV von einem Modellprojekt in Bayern in einen bundesweiten Vertrag überführt zu haben“, sagt DAV-Vorsitzender Fritz Becker. „Patienten in schwierigen Lebenssituationen erhalten direkt in der Apotheke vor Ort die Entlastung und Unterstützung, die sie brauchen. Als Apotheker wollen wir noch mehr zukunftsweisende und patientenorientierte Projekte und Kooperationen anstreben, auch wenn es manchmal nur wenige Menschen betrifft.“

In der Modellregion Bayern hat sich die Direktabrechnung zwischen DAV und APKV seit dem 1. April 2011 bewährt: Dort waren mehr als 300 Apotheken dem Vertrag beigetreten. Mehr als 200 Abrechnungen zwischen Apotheken und APKV wurden durchgeführt. Während des Modellprojekts hatten sich mehr als 70 Prozent der teilnehmenden Apotheken dafür ausgesprochen, den Vertrag mit seinen Vorteilen für die Patienten fortzuführen.

Normalerweise muss ein privat versicherter Patient die volle Summe für ärztlich verordnete Arzneimittel in der Apotheke bezahlen – in bar, per Karte oder Rechnung. Nach Einreichen der Quittung bei seiner Krankenversicherung bekommt er später Geld zurück. Bei sehr teuren Medikamenten für oft schwerkranke Patienten kann diese Vorkasse jedoch zu Problemen führen. Laut Vertrag zwischen DAV und APKV kann die Direktabrechnung in einer teilnehmenden Apotheke – mit Zustimmung von Patient und APKV – für Rezeptsummen ab 750 Euro beantragt und ausgeführt werden.

Konsequenter Nichtraucherschutz gefordert

Das derzeit geltende Nichtraucherschutzgesetz in Thüringen lässt viele Ausnahmen vom Rauchverbot zu. Im Bundesland Thüringen darf bislang in der so genannten Eckkneipe, in Festzelten, in Spielhallen und in abgetrennten Raucherräumen geraucht werden. „Dieses völlig unzureichende Gesetz soll nun vom Landtag entfristet werden. Eine Entfristung würde jedoch bedeuten, diesen unzureichenden Stand der Dinge festzuschreiben und damit die Chance auf echten Nichtraucherschutz im Land zu verspielen“, sagt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Es sei hinlänglich bekannt, dass Rauchen und Passivrauchen schwere chronische Krankheiten wie Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen verursachen können. Die Deutsche Krebshilfe, das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN und die Landeskrebsgesellschaft Thüringen appellieren daher an die Politiker, die Entfristung des Gesetzes am 20. Juni 2012 zu stoppen und den Nichtraucherschutz in Thüringen zu verbessern.

„Eine Neufassung des Gesetzes in Thüringen ist dringend notwendig“, fordert Dr. Uwe Prümel-Philippsen, Sprecher des AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN. Denn in seiner aktuellen Fassung sei der Schutz vor den Folgen des Passivrauchens nicht gewährleistet. „Das derzeitig geltende Landesgesetz lässt zu viele Ausnahmen und Schlupflöcher zu. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die Bevölkerung endlich umfassend zu schützen, indem er die Ausnahmen vom Rauchverbot ersatzlos streicht“, so Prümel-Philippsen weiter. Eine Befürchtung, die von Politikern immer wieder genannt werde, sei, dass es durch ein Rauchverbot zu einem Kneipensterben komme. Dies sei aber nicht zu befürchten, wie eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg zeige. Diese ergab, dass Kneipen in Bayern nach Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie nicht massenweise schließen mussten.

Professor Dr. Andreas Hochhaus von der Landeskrebsgesellschaft Thüringen weist zudem auf die Gefahren des Passivrauchens hin: „Die Angestellten in den Gastronomiebereichen, wo geraucht werden darf, müssen ihre tägliche Arbeit in einer giftigen Atmosphäre verrichten, wie sie an keinem anderen Arbeitsplatz toleriert würde. Passivrauchen kann zu chronischen, schweren Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsystems sowie zu Krebserkrankungen mit Todesfolge beitragen.“ Studien weltweit belegen außerdem, dass ein komplettes Rauchverbot in der Öffentlichkeit unter anderem die Zahl der Herzinfarkte bei Erwachsenen und der Asthmaanfälle bei Kindern signifikant senkt.

„Die Mehrheit der Bevölkerung, insbesondere unter den Jugendlichen, wünscht sich inzwischen eine rauchfreie Gastronomie und fordert diese auch ein“, sagt Nettekoven. „Nun muss der Gesetzgeber auch in Thüringen Taten folgen lassen und dieser Haltung der Bevölkerung mit einem entsprechend novellierten Landesgesetz Rechnung tragen.“ Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN appelliert daher an die Abgeordneten aller im Landtag vertretenen Parteien, das derzeit geltende Nichtraucherschutzgesetz nicht zu entfristen und Thüringen stattdessen zu einem der Vorreiter beim Nichtraucherschutz zu machen.

Hintergrund-Information: AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN

Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN ist ein Zusammenschluss von elf bundesweit tätigen Organisationen des Gesundheitswesens in Deutschland. Es wurde mit dem Ziel gegründet, Maßnahmen zur Tabakkontrolle auf politischer Ebene anzuregen, zu fördern und zu begleiten. Folgende Organisationen bilden das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, Bundesärztekammer, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, Deutsche Lungenstiftung und Deutsche Herzstiftung.

Verzehr von Obst und Gemüse schützt vor Arthrose

Wenn beim Treppensteigen plötzlich die Knie schmerzen, das Aufhängen der Wäsche Beschwerden im Rücken verursacht oder nach einem Spaziergang immer wieder die Hüfte weh tut, deutet vieles auf Arthrose hin. Das Magazin Reader’s Digest gibt in seiner Juli-Ausgabe wertvolle Tipps, was man gegen diesen Gelenkverschleiß machen kann und welche Therapiemethoden es gibt. So viel steht fest: Arthrose quält keineswegs nur Menschen über 65 Jahre, unter den gut 15 Millionen Arthrosepatienten in Deutschland und Österreich sind zunehmend auch Jüngere. 209.000 Mal pro Jahr tauschen Chirurgen in Deutschland schmerzende Hüften gegen Prothesen aus, rund 175.000 Mal werden defekte Knie erneuert. In Österreich werden jährlich 15.000 Knie- und rund 16.000 neue Hüftgelenke eingesetzt.

Als Risikofaktoren für Arthrose gelten hormonelle Einflüsse, Übergewicht, Gelenkverletzungen, körperlich anstrengende Tätigkeiten und Gelenkfehlstellungen. „Damit ein Gelenk degeneriert, müssen mehrere Ursachen zusammentreffen“, erklärt der Freiburger Orthopäde Michael Lehmann in der neuen Ausgabe von Reader’s Digest. Das Problem: Schon die Fehlbelastung in einem einzigen Gelenk kann die anderen 142 Gelenke im Körper in Schieflage bringen und zu Knorpelschäden führen. Je nach Schwere der Erkrankung raten die Ärzte in einem ersten Schritt meist zur Einnahme von schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln, kurzfristig Linderung bringen auch das Kühlen mit Eispackungen oder Quarkwickeln. Im Fall einer Kniearthrose versuchen die Ärzte häufig mit Kortisonspritzen direkt ins Gelenk den Schmerz und die Entzündung zu bekämpfen. Sollte die Arthrose noch nicht zu weit fortgeschritten sein, gibt es oftmals auch arthroskopische Maßnahmen wie Knorpelglättung und Kniespülungen. „Wenn der Knorpel völlig zerstört ist, bleibt nur noch das Kunstgelenk“, sagt Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regenburg.

Patienten, die unter einer Hüftarthrose leiden, haben meist starke Schmerzen im Leisten- und Lendenwirbelbereich, vor allem das Aufstehen aus der Hocke fällt schwer. Dr. Marc Jungermann, Orthopäde und Sportmediziner aus dem hessischen Fritzlar, ist überzeugt, dass mit einer geeigneten Schmerz- und Physiotherapie eine Operation „um Jahre hinausgezögert werden kann“. Sollten aber schmerz- und entzündungshemmende Mittel ebenso wenig helfen wie Vitamin-E-Therapien oder Präparate mit Teufelskralle, wird der Einsatz einer Prothese immer wahrscheinlicher.

Nicht weniger schmerzhaft ist die Wirbelsäulenarthrose, bei der verknöcherte Wirbel die Nerven in der Wirbelsäule einengen können. Typische Anzeichen sind starke Rückenschmerzen gerade am Morgen, aber auch Schmerzen in den Lendenwirbeln, an den Beinen, am Hinterkopf oder an den Armen. Heublumenbäder und Massagen können für schnelle Linderung sorgen, auch ätherische Öle wie Arnika und Rosmarin. Oftmals bringt auch eine physikalische Schmerztherapie mit Wärme- und Strombehandlungen die erhoffte Besserung. Wenn die Maßnahmen nicht greifen, raten Ärzte meist zu einer Wirbelversteifung.

In der neuen Ausgabe des Magazins Reader’s Digest schildern die Experten aber nicht nur, was im Fall einer Arthrose medizinisch getan werden kann oder muss. Sie geben auch viele Ratschläge, was vorbeugend zu tun ist – zum Beispiel bei der Ernährung. So ist es ratsam, regelmäßig fetten Fisch wie Matjes oder Makrelen zu essen, auch reichlich Obst und Gemüse wie Zitrusfrüchte, Grünkohl und Paprika zu verzehren sowie Raps- und Walnussöl beim Kochen zu nutzen, weil darin Omega-3-Fettsäuren enthalten sind, die Entzündungen hemmen. Neben der Ernährung gilt die körperliche Fitness als wichtiges Kriterium: „Bewegung ist das A und O. Denn nur durch sie bekommt der Gelenkknorpel Nährstoffe“, sagt Facharzt Grifka aus Regensburg. Es sei deshalb entscheidend, Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen. „Je höher das Gewicht, desto früher schmerzt die Arthrose“, so Grifka. Dabei gilt die Faustformel: Mit jedem Extrakilo auf den Hüften steigt das Arthroserisiko um neun bis 13 Prozent.

Aktiv im Urlaub: Besser als manche Medizin

Bewegung ist ein wahrer Gesundbrunnen. Körperliche Aktivität kann Krankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes, Rückenschmerzen, Osteoporose und Depressionen vorbeugen.

Mit Spaß aktiv sein, vor allem im Urlaub, kann heilen. Auf diese einfache Formel bringen führende Sportwissenschaftler heute eine Vielzahl von Forschungsergebnissen über die Auswirkungen von Aktivitäten im Urlaub und im Alltag. Bewegung ist demnach bei vielen Krankheiten ein hoch wirksames Therapiekonzept. „Es scheint kaum noch eine Krankheit zu geben, bei der Bewegung nicht zumindest als ein Teil der Therapie betrachtet werden kann“, sagt Professor Braumann, der Leiter des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin an der Universität Hamburg.
Wissenschaftler sind heute überzeugt: sinnvolle Bewegung ist für die Gesundheit wichtiger als eine gesunde Ernährung. Viele innere Erkrankungen würden verursacht, weil die am Energieumsatz beteiligten Organsysteme im menschlichen Körper gestört sind, weil wir uns zu wenig bewegen: vor allem Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel sind dabei betroffen.

Im Alltag ist es um die Bewegung der Menschen heute allerdings schlecht bestellt: Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden ungefähr 90 Prozent des Wirtschaftsaufkommens durch menschliche Muskelkraft aufgebracht. Bis heute ist dieser Wert auf weniger als ein Prozent geschrumpft. Maschinen haben übernommen, was einst den Menschen gesund erhielt: die Kräfte zehrende Arbeit. Prof. Braumann: „Weil wir uns im Alltagsleben aber nicht mehr körperlich belasten müssen, erhalten die Organe nicht mehr die Reize, die sie brauchen, um ihre Funktion zu erfüllen“, folgert der Sportmediziner. Betroffen sind vor allem das auf körperliche Leistung ausgelegte Herz-Kreislauf-System und die Systeme zur Bereitstellung von Energie in der Muskulatur sowie der ebenfalls auf extreme Belastungen ausgerichtete Bewegungsapparat.

Gerade deshalb ist es immer wichtiger, wenigstens in der Freizeit, vor allem aber im Urlaub den eigenen Körper mit Spaß in Schwung zu bringen. Auch deshalb gilt: Faulenzen am Strand ist der falsche Weg – und überdies oft grenzenlos langweilig.

Wenn Kalorien zum Verhängnis werden

Besonders schlimm wirkt sich bei den meisten Menschen, die körperlich wenig aktiv sind, die hohe Kalorienaufnahme aus, der kein entsprechender Verbrauch durch körperliche Anstrengung gegenüber steht. Nach jeder Mahlzeit tritt Zucker ins Blut über, die Bauchspeicheldrüse setzt Insulin frei, um diesen Zucker in die Körperzellen zu schleusen. Bei Personen, die sich kaum bewegen, sind jedoch die Energiespeicher voll. Dem Körper fehlen aber die Fähigkeiten, sich wie ein Zapfhahn bei der Tankstelle bei vollem Tank abzuschalten. Zivilisationskrankheiten sind die Folge.

20.000 Schritte pro Tag

Bewegung hilft Diabetes positiv zu beeinflussen. Untersuchungen haben gezeigt: Wer die Zahl der im Durchschnitt täglich 5000 Schritte vervierfacht, kann auch in seinem Körper viel Positives bewegen. Ähnliches gilt laut Prof. Braumann für Fettstoffwechselstörungen, für Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und für die geistige Fitness. Durch Ausdauersport, so habe sich gezeigt, lässt sich das Risiko einer koronaren Herzkrankheit innerhalb von zehn Jahren um 50 Prozent senken.

Sich bewegen im Urlaub ist bei vielen Menschen der Anfang. Deshalb zahlen auch viele Krankenkassen Zuschüsse bei Teilnahme an Bewegungs- oder Entspannungskursen am Urlaubsort. Ob in den Ferien oder zu Hause gilt als gesunde Faustformel: „Um positive Effekte für die Gesundheit zu erzielen, sollte man etwa 300 Kalorien pro Tag zusätzlich verbrauchen“, empfiehlt Prof. Braumann.

Bei Übergewicht sind Radfahren, Schwimmen und Rudern ideal

Wer Übergewicht abbauen will, sollte Ausdauerbelastungen wählen, bei denen das Körpergewicht möglichst nicht auf den Füßen und den Beingelenken lastet, etwa Radfahren, Schwimmen oder Rudern. Ansonsten bieten sich Ausdauersportarten wie Joggen, Walking und Nordic Walking, Wandern, Bergwandern und Ski-Langlauf an. Probieren Sie es in Ihrem nächsten Urlaub aus, wie viel Spaß das macht – so wie viele Tausende vor Ihnen, sagen die Experten.

Bewegung bremst auch das Altern. Eine amerikanische Studie hat nachgewiesen, dass sportlich aktive Senioren schneller denken und in vielen Situationen des Alltags auch eine bessere Reaktionsfähigkeit zeigen als inaktive Gleichaltrige. Erste deutliche Effekte zeigten sich bereits, wenn pro Übungseinheit wöchentlich zwei- bis dreimal mindestens 30 Minuten trainiert wurde.

Wie viel Kalorien welche Bewegung verbraucht

Bewegung Kalorienverbrauch: (kcal pro 30 min)
– Radfahren (schnell: bis 25 km/h) 360
– Schwimmen (Kraul) 330
– Skilanglauf (schnell) 330
– Brustschwimmen 330
– Joggen (7 km/h) 300
– Mountainbiken 300
– Bergsteigen 290
– Skilanglauf (mäßig schnell) 285
– Tennis 275
– Inline-Skaten 250
– Treppensteigen 240
– Nordic Walking 210
– Bergwandern 210
– Radfahren (langsam bis 15 km/h) 210
– Walking 175
– Wandern 160
– Spazierengehen 90
(obx-medizindirekt)