Archiv für den Monat: Juli 2012

Deutsche Herzstiftung setzt auf frühzeitige Vorbeugung im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten

Ihre Anstrengungen in der Bekämpfung von Herz- Kreislauf-Erkrankungen sieht die Deutsche Herzstiftung noch stärker verbunden mit einer frühzeitigen Vorbeugung. So lautete der Ausblick des Vorstands bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichts für 2011 im Juni in Frankfurt. Zwar ist die Herzinfarktsterblichkeit in den Jahren 2000 bis 2010 von 81,8 Gestorbenen pro 100 000 Einwohner auf 67,9 gesunken und die Zahl der Sterbefälle konnte von 92 801 im Jahr 1980 auf 56 226 (2009) reduziert werden: ein Rückgang, der großen Fortschritten in der Behandlung des Herzinfarkts durch moderne Therapieverfahren zu verdanken ist. „Allerdings ist die Versorgung von Herzkranken in den verschiedenen Regionen Deutschlands nicht gleich gut“, stellt die Deutsche Herzstiftung im Jahresbericht fest. So schwankt die Infarktsterblichkeit regional stark, etwa zwischen Hamburg mit 53,5 Gestorbenen pro 100 000 Einwohner gegenüber Sachsen-Anhalt mit 111,5 im Jahr 2010.

Vorrangiges Ziel muss deshalb sein, die Versorgung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirklich flächendeckend zu verbessern und die Herzinfarktsterblichkeit zu senken. Neben regionalen Initiativen (Herzinfarktnetze, Projekte gegen Herzinfarkt und plötzlichen Herztod) soll insbesondere die Vorbeugung in der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Krankheiten eine bedeutendere Rolle einnehmen. „Angesichts der aktuellen Studienlage müssen wir der Präventionsarbeit, beginnend im Kindesalter, noch viel mehr Gewicht einräumen, als das bislang geschehen ist“, bekräftigt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Im Fokus: Risiken durch Bewegungsmangel und Übergewicht
Eine große Herausforderung für die Herzmedizin ist der Bewegungsmangel in der Bevölkerung, einer der drei Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen und Grund für Übergewicht und Fettleibigkeit. Allein unter den 18- bis 79-Jährigen in der Bevölkerung sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI)* in Deutschland weiterhin 67,1 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig, das heißt sie haben einen Body-Mass-Index (BMI) höher als 25. Zielbereich für Erwachsene sollte ein BMI von 22,5-24,9 sein. Die Häufigkeit der fettleibigen Menschen mit einem BMI höher als 30 hat in Deutschland zugenommen und beträgt laut RKI 23,3 Prozent bei Männern und 23,9 Prozent bei Frauen. „Diese Daten sind besorgniserregend. Stark übergewichtige Menschen und Diabetiker setzen sich verstärkt dem Risiko eines Herz-Kreislauf-Leidens aus“, sagt Prof. Meinertz. Folglich soll die Förderung von Präventionsprojekten finanziell mehr ins Gewicht fallen, heißt es im Jahresbericht.

Wie fördert die Herzstiftung Vorbeugung bei Kindern und Jugendlichen?
Förderprojekte der Herzstiftung im Bereich Prävention richten sich neben Erwachsenen besonders an Kinder und Jugendliche. So erforscht beispielsweise ein von der Herzstiftung finanziell unterstütztes Projekt der AG Prävention der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) Herz-Kreislauf-Risiken bei Kindern und Jugendlichen; das Projekt „Erstellung von Referenzparametern der Gefäßsteifigkeit mittels Pulswellenanalyse im Kindes- und Jugendalter“ wird mit kooperierenden Schulen durchgeführt. Ein Bewegungsprogramm für übergewichtige Kinder umfasst das Programm „Get Fit – Stay Healthy“ der TU München, das die Herzstiftung seit 2011 fördert. Seit Jahren erfolgreich etabliert ist das Präventionsprojekt Seilspringen an Grundschulen, „Skipping Hearts“, an dem sich sechs Bundesländer beteiligen. Seit Projektbeginn (2006) haben 2 379 Schulen die erste Projektphase, das „Basic“-Programm, durchgeführt.

Kernbereiche: Weiterhin Bevölkerungsaufklärung und Herz-Kreislauf-Forschung
Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Infarktsterblichkeit in Deutschland zu senken, setzt die Herzstiftung auf ihre Kernbereiche der kontinuierliche Bevölkerungsaufklärung und der patientennahen Herz-Kreislauf-Forschung, was auch die Ausgaben im Jahr 2011 wiederspiegeln: Rund € 4 Mio. wurden für die Aufklärungsarbeit und die Mitgliederinformation ausgegeben. Die Herz-Kreislauf-Forschung in Deutschland wurde mit über € 1,4 Mio. gefördert.

Über 70 000 Mitglieder / Positives Jahresergebnis
Mit Einnahmen von € 8,66 Mio. (2010: € 9,65 Mio.) und 7 205 neu gewonnenen Mitgliedern im Jahr 2011 (2010: 6107) erzielte die Deutsche Herzstiftung ein positives Jahresergebnis. Die Mitgliederzahl stieg auf insgesamt 70 885 zum Jahresende 2011. Demgegenüber standen Ausgaben in Höhe von € 7,61 Mio. (2010: € 7,28 Mio.). Die Mitgliedschaften sind neben den Spenden, Erbschaften und Vermächtnissen eine der tragenden Säulen für die Finanzierung der Aufklärungsarbeit der Herzstiftung.

*Kurth, B.-M., Robert-Koch-Institut, Berlin, Erste Ergebnisse aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS), in: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2012

Keine Arzneimittel über das WC oder den Ausguss entsorgen

Magazin Reader’s Digest analysiert den Zustand des Trinkwassers in Deutschland und gibt Tipps, was man selbst für sauberes Wasser tun kann.

Wenn der Sommer da ist und die Hitze sich ausbreitet, wächst auch der Durst. Viele Menschen greifen dann gerne zum Wasser – ob aus der Flasche oder der Leitung. Wie gut aber ist das Leitungswasser in Deutschland, wo lauern Gefahren, was sollte man vermeiden? Das Magazin Reader’s Digest gibt in seiner August-Ausgabe passend zur Sommerzeit viele wertvolle Tipps. Grundsätzlich gilt: Die Trinkwasserqualität gilt sowohl in Deutschland als auch in Österreich als ausgezeichnet. „Bei fast allen mikrobiologischen und chemischen Kriterien werden die rechtlichen Vorgaben zu mehr als 99 Prozent eingehalten“, sagt Dr. Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin Trink- und Badewasserhygiene beim deutschen Umweltbundesamt. Die deutsche Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass die bundesweit mehr als 6000 Wasserwerke das Trinkwasser ständig auf knapp 60 chemische, physikalische und mikrobiologische Parameter hin überprüft.

Dennoch gilt es laut Magazin Reader’s Digest einige Regeln zu beachten. So sollte man das Wasser ablaufen lassen, wenn es länger als vier Stunden in der Hausleitung gestanden hat. Denn für sämtliche Schadstoffe sind in dem sogenannten Stagnationswasser höhere Belastungen zu finden als bei Wasser, das frisch aus der Leitung kommt und in der Regel kühler ist. Wer zuhause einen Warmwasserspeicher hat, sollte diesen regelmäßig reinigen lassen. Damit sich keine gefährlichen Erreger bilden, ist es zudem ratsam, die Mindesttemperatur von 60 Grad einzuhalten. Gleichfalls wird empfohlen, den Filter an der Wasseruhr, der größere Schmutzpartikel aufhalten soll, regelmäßig zu spülen.

Eine klare Absage erteilen die Experten der Entsorgung von Arzneimitteln über das WC oder den Ausguss in Küche bzw. Bad. Stattdessen sollten überzählige oder abgelaufene Medikamente bei Sondermüllstellen oder in der Apotheke abgegeben werden. Überhaupt könnten Arzneimittel zum Problem der Zukunft für das Wasser werden. Während es vor einigen Jahren eher noch darum ging, wie stark das Trinkwasser durch Nitrat oder Pflanzenschutzmittel belastet ist, werden inzwischen immer öfter Rückstände von Arzneimitteln im Wasser nachgewiesen. Bis zum Jahr 2040 erwarten Fachleute eine Zunahme des Medikamentenverbrauchs um bis zu 20 Prozent. Zwar bleiben die meisten Arzneimittelsubstanzen in den Kläranlagen hängen oder sind biologisch abbaubar, von einigen finden sich aber Spuren im Wasser. Vor allem das Schmerz- und Rheumamittel Diclofenac, aber auch andere Schmerzmittel, Medikamente gegen Epilepsie, Betablocker sowie Fettsenker werden immer wieder nachgewiesen. Zwar sehen Experten keinen Grund zur Beunruhigung und halten die Qualität des Trinkwassers in Deutschland nach wie vor für sehr gut. Aber Karsten Zühlke, Diplom-Hydrologe und Dozent an der Fachhochschule Potsdam für den Bereich Siedlungswasserwirtschaft, fordert trotzdem größere Anstrengungen der Medizin: „Die Pharmaforschung sollte sich um abbaubare Substanzen bemühen.“

In Ostfriesland seinen Lebensabend verbringen

Ostfriesland-Land der unendlichen Weiten, abseits des Großstadtlärms und mit einer faszinierenden Naturlandschaft. Nachfolgend sollen die Vorzüge aufgezeigt werden, seinen Lebensabend hier in einer Seniorenresidenz oder einem Pflegeheim zu verbringen.

Aufgrund der flachen Landschaft und der hohen Luftreinheit eignet sich Ostfriesland ideal für Senioren hier ihren Ruhestand zu verbringen. Die Abgeschiedenheit vom Großstadtgetümmel, sowie die entspannte Lebensweise der Ostfriesen helfen dabei, hier einen ruhigen Lebensabend zu verbringen und vor allem zu genießen.

Ostfriesland verfügt über warme Sommer mit relativ langen Sonnenstunden und milden Wintern. Aufgrund dessen und einer salz-, ozon- und jodreichen Luft von hoher Luftfeuchtigkeit und Reinheit, den geringen Temperaturunterschieden und einem ständig wehenden Wind wird ein sogenanntes Reizklima geschaffen. Dieses Klima fördert die Heilung und die Linderung vieler Krankheiten, wie zum Beispiel von Ekzemen, Asthma und Heuschnupfen, um nur einige zu nennen.

In den Sommermonaten ist es sehr empfehlenswert, entlang des gut ausgebauten Rad-und Wanderwegenetzes, gemeinsam mit anderen älteren Menschen, die Natur zu erkunden. Vorbei an Deichen, Leuchttürmen und der breiten Sandstrände lässt sich die Natur am besten erkunden. Wandern ist übrigens eine geeignete gelenkschonende sportliche Betätigung für ältere Menschen, die ihr Herzkreislaufsystem stärken möchten und dabei Geist und Seele entspannen wollen.

Für Menschen, die weniger sportlich aktiv sind, ist wohl ein Tag am Meer zu empfehlen, da Ostfriesland eine relativ hohe Sonnenscheindauer aufweist. Aber auch die traditionelle Kutter-Korso-Fahrt auf hoher See, eine Moorführung durch einen der zahlreichen Moorlehrpfade, eine Kutschfahrt durch die ostfriesischen Wälder oder ein Tag auf einem Bauernhof bei einer gemütlichen ostfriesischen Tasse Tee, ist sehr zu empfehlen.

Für Naturfreunde gibt es in Ostfriesland viel zu entdecken: weiße Sandstrände, die Moorgebiete Südbrookmerlandes oder die Blumenfelder bei Wiesmoor. Aber am interessantesten ist wohl das Weltnaturerbe Wattenmeer mit einer weltweit einzigartigen Natur- und Tierwelt.
Dies sind nur einige Vorzüge die bei der Entscheidungsfindung, über den geeigneten Lebensort für den Ruhestand, helfen können. Unentschlossene lassen sich am besten bei einem Urlaub von Ostfriesland überzeugen.

Gesetzliche Krankenkassen einigen sich mit Hüftendoprothesenhersteller DePuy auf vereinfachtes Regressverfahren

Erstmals haben alle Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland gemeinsam mit dem Hersteller von Hüftendoprothesensystemen DePuy eine Vereinbarung geschlossen, durch die die Kostenerstattung in Folge eines Produktrückrufes vereinfacht wird. Der Produktrückruf war nötig geworden, nachdem unter anderem in England beobachtet worden war, dass bestimmte ASR-Hüftgelenksysteme von DePuy gehäuft zu Wechseloperationen geführt haben. DePuy nahm seine ASR-Hüftgelenke daraufhin im August 2010 vom Markt.

Der amerikanische Mutterkonzern von DePuy, Johnson & Johnson, hat schriftlich erklärt, dass der Konzern den Vorgang ernst nimmt und bekräftigt, dass DePuy in der Lage sein wird, den durch den Produktrückruf entstandenen Verpflichtungen nachzukommen.

Über diese Vereinbarung hinaus unterstützen gesetzliche Krankenkassen betroffene Patienten dabei, ihre Patientenrechte wahrzunehmen. Die Krankenkassen bedauern allerdings, dass es in Deutschland bei Medizinprodukten noch immer nicht die Sicherheitsstandards gibt, die beispielsweise in der Automobilindustrie bei Rückrufen angewendet werden. Hier ist der deutsche Gesetzgeber gefragt. Die gesetzlichen Krankenkassen fordern, dass die Medizinproduktesicherheit zum Wohle der Patienten weiter verbessert wird. Dies gilt insbesondere für Zulassungsstudien und Produktbeobachtungen nach Markteinführung. Denn eine hohe Sicherheit von Medizinprodukten ist ein wirksamer, für die Patienten erlebbarer Patientenschutz und stärkt die Patientenrechte.

Wie kommt es zum Muskelabbau bei chronischer Herzschwäche?

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine ernste Krankheit, die im fortgeschrittenen Stadium zu starken Beschwerden bei den Betroffenen führt und deren Leben bedroht. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2009 über 363 000 Patienten mit einer Herzschwäche in ein Krankenhaus eingeliefert; rund 49 000 von ihnen starben an einer Herzinsuffizienz. Luftnot unter körperlicher Belastung und rasche Ermüdbarkeit sind typische Merkmale dieser Krankheit.

Zu den Ursachen der Leistungseinschränkung bei fortgeschrittener chronischer Herzschwäche zählen neben der verminderten Pumpleistung der linken Herzkammer auch Veränderungen im Skelettmuskel, deren Folge ein Abbau von Muskelmasse (Skelettmuskelatrophie) und Gewichtsverlust sein können. Neue Erkenntnisse über die Skelettmuskelatrophie bei Herzschwäche sind wichtig für die Entwicklung neuer Therapien zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Patienten mit Herzschwäche. Der Ablauf des Skelettmuskelschwunds ist daher Gegenstand einer Forschungsarbeit des Kardiologen PD Dr. med. Stephan Gielen, stellvertretender Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III /Kardiologie am Universitätsklinikum Halle (Saale), die von der Deutschen Herzstiftung mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis in Höhe von 10 000 Euro prämiert worden ist. Das Gutachtergremium, zusammengesetzt aus dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Stiftung für Herzforschung, Tochterorganisation der Deutschen Herzstiftung, gab von insgesamt 16 Arbeiten der Studie aus Halle die höchste Bewertung.
„Die Arbeit liefert die essenzielle Erkenntnis, dass sich die Skelettmuskelatrophie – sie schränkt die körperliche Belastbarkeit von Herzschwächepatienten zusätzlich ein – durch körperliches Training günstig beeinflussen lässt“, sagte Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung über die prämierte Studie. Die Arbeit Gielen, S., et al., Exercise Training Attenuates MuRF-1 Expression in the Skeletal Mucle of Patients with Chronic Heart Failure Independent of Age: The Randomized Leipzig Exercise Intervention in Chronic Heart Failure and Aging (LEICA) Catabolism Study, konnte inzwischen in Circulation, 2012; 125:2716-2727, publiziert werden.

Neues Terrain in der Herzinsuffizienzforschung
Der Ablauf des Skelettmuskelschwunds bei chronischer Herzinsuffizienz auf molekularer Ebene und seine Beeinflussung durch den Alterungsprozess sind PD Dr. Gielen zufolge noch immer weitgehend unbekannt, „obwohl Erkenntnisse auf dem Gebiet eine große Bedeutung für unser Vorgehen in der Herzschwächetherapie haben“, wie er betont. Denn: „Die Skelettmuskelatrophie schränkt die körperliche Belastbarkeit zusätzlich ein und ist damit oft ein Grund für Pflegebedürftigkeit bei älteren Patienten mit chronischer Herzschwäche.“ 120 Teilnehmer nahmen an der Studie teil: 60 Patienten mit chronischer Herzschwäche und 60 gesunde Probanden. Um altersabhängige Effekte zu untersuchen, wurden zwei Altersgruppen gewählt: Teilnehmer 55 Jahre oder jünger und Teilnehmer 65 Jahre oder älter. Per Zufallsprinzip wurden sie zwei Behandlungsarmen – entweder für vier Wochen einem überwachten Ausdauertrainingsprogramm oder der Kontrollgruppe – zugeordnet.

Wie wird der Muskelabbau ausgelöst?
PD Dr. Gielen und Kollegen untersuchten ganz bestimmte stoffwechselbedingte Abbauprozesse von Muskeleiweißen, die für den Skelettmuskelabbau bei Herzschwäche verantwortlich sind. Dabei haben sie erstmals die Aktivierung des entscheidenden Abbauwegs für Muskeleiweiße, des sog. Ubiquitin-Proteasom-Systems (UPS), in Gewebeproben aus dem Oberschenkelmuskel von Herzschwächepatienten und gesunden Kontrollprobanden gemessen. Bemerkenswert ist, dass bei Herzschwächepatienten unabhängig vom Alter eine Aktivierung des UPS im Skelettmuskel gefunden werden konnte. Zudem war das Schlüsselenzym MuRF-1 in den Gewebeproben deutlich vermehrt nachweisbar. Es dient dazu, defekte Proteine in der Zelle zu markieren, die dann im Proteasom, das wie eine Art „Mülltonne“ für angegriffene Proteine funktioniert, abgebaut werden. Durch ein 4-wöchiges Ausdauertrainingsprogramm wurde die Menge von MuRF-1 im Skelettmuskel bei Herzschwächepatienten wieder auf normale Werte reduziert.

Das Fazit der Studie: Körperliches Ausdauertraining verbessert effektiv die körperliche Leistungsfähigkeit bei chronischer Herzschwäche unabhängig vom Alter und blockiert die Ubiquitin-Proteasom-Aktivierung. Die erstmalige Bestimmung dieses molekularen Aktivierungswegs für die durch Herzschwäche bedingte Skelettmuskelatrophie eröffnet laut vorliegender Studie viel versprechende Perspektiven für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien zur Vorbeugung von Muskelabbau bei chronischer Herzschwäche.

Der Wilhelm P. Winterstein-Preis der Deutschen Herzstiftung wird alljährlich für eine wissenschaftlich herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bevorzugt aus einem patientennahen Forschungsbereich, vergeben. Wilhelm P. Winterstein und Frau Ursula sind seit 15 Jahren die Stifter dieses Wissenschaftspreises.

Herzwochen 2012 – Herz in Gefahr: Koronare Herzkrankheit erkennen und behandeln

„Herz in Gefahr“ ist das Motto der Herzwochen 2012 der Deutschen Herzstiftung, die sich der Koronaren Herzkrankheit widmen und bundesweit vom 1. bis zum 30. November 2012 stattfinden.
Die Koronare Herzkrankheit (KHK) zählt weltweit zu den häufigsten Herzerkrankungen. Millionen von Menschen leiden an Verengungen der Herzkranzgefäße. Allein in Deutschland werden jährlich rund 665 000 Patienten wegen einer KHK in Krankenhäuser eingeliefert. Bei dieser Erkrankung kommt es infolge einer Verengung der Herzkranzgefäße zu einer Mangeldurchblutung des Herzens, im schlimmsten Fall führt sie zum Herzinfarkt und zur Herzschwäche. Die KHK zählt zu den bedeutendsten Ursachen für Invalidität und Tod, dies gilt für Männer wie für Frauen. Beeinflussbare Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes) und nichtbeeinflussbare (Alter, Genetik) spielen für ihre Entstehung eine wichtige Rolle.

„Leider wird die Koronare Herzkrankheit oftmals erst dann ernst genommen, wenn sie zu einem Herzinfarkt geführt hat. Dabei lassen sich diese Erkrankung und ihre Symptome frühzeitig – d. h. schon in der Frühphase der stabilen Angina pectoris* – erkennen und durch Lebensstiländerung oder Medikamente wirksam behandeln“, betont der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Ein weiteres Problem: Viele Patienten meinen nach einer Stentimplantation oder Bypass-Operation, sie seien gesund, weil sie keine Beschwerden haben. „Ihnen ist nicht bewusst, dass sie noch immer an einer chronischen Herzerkrankung leiden und deshalb ihren Lebensstil ändern und auf Dauer ihre Medikamente einnehmen müssen. Hier besteht dringlicher Aufklärungsbedarf“, bemerkt Prof. Meinertz.

Informationsangebot: Kardiologen und Herzchirurgen klären auf, Messaktionen bundesweit, neuer Experten-Ratgeber
Ziel der bundesweiten Aufklärungskampagne ist es, die breite Öffentlichkeit für die Ursachen und Gefahren der Koronaren Herzkrankheit sowie für die Wichtigkeit der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung dieser Volkskrankheit zu sensibilisieren. Herzspezialisten auf dem Gebiet der KHK informieren über den heutigen Stand der Medizin und über wichtigste Entwicklungen.

Inhaltliche Grundlage der Kampagne ist die neue Experten-Broschüre „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit erkennen und behandeln“ mit Beiträgen von renommierten Kardiologen, Herzchirurgen und Pharmakologen, die über die Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten laienverständlich informieren.

Zu den Themen und Fragestellungen gehören:
Wie kann man sich vor der Koronaren Herzkrankheit (KHK) schützen?
Diagnostik heute: Alternativen zum Herzkatheter
Überraschend: die Effekte von Bewegung
Medikamente: Welche? Wann? Wie lange
Cholesterin: Wann Medikamente?
Behandlung mit Stents: Was ist neu?
Die Bypass-Operation: Was heute möglich ist
Stent oder Bypass? Kann die PCI die Bypass-Operation ersetzen?
KHK bei Frauen: Was ist bei Frauen anders?
Herzinfarkt: Was tun im Notfall?

Unterstützt werden die Herzwochen von zahlreichen Aktionspartnern wie Krankenhäusern, Herzzentren, niedergelassenen Kardiologen, Krankenkassen, Apotheken, Gesundheitsämtern, Volkshochschulen und Betrieben. Insgesamt finden über 1 000 Veranstaltungen wie Vorträge, Seminare, Telefonaktionen und Gesundheitstage statt.

Infos zu den Herzwochen 2012 unter: www.herzstiftung.de/herzwochen.html Veranstaltungstermine können ab Mitte Oktober im Internet (s.o.) abgerufen oder unter Telefon 069 955128-333 erfragt werden.

*Stabile Angina pectoris: Eine Phase der KHK, bei der sich durch den Prozess der Arteriosklerose, die in der Umgangssprache Gefäßverkalkung genannt wird, die Herzkranzgefäße verengt haben.

Nach Hersteller-Rückruf des Adrenalin-Autoinjektors Anapen: AOK übernimmt Zuzahlung für Ersatz der Notfallspritze

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Allergikern geraten, die Notfallspritze Anapen, die bei einem allergischen Schock eingesetzt wird, dringend gegen ein anderes geeignetes Arzneimittel auszutauschen. Der Grund: manche dieser Spritzen können möglicherweise ihre Wirkung nicht entfalten. Jetzt weigert sich jedoch das Unternehmen, für die Kosten des Ersatzmedikaments aufzukommen. Die Folge: Versicherte und Krankenkassen drohen auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes: „Um finanziellen Schaden von unseren Versicherten abzuwenden, springt die AOK an dieser Stelle ein. Betroffenen, die die Spritze gegen ein anderes Medikament austauschen müssen, erstatten wir die Zuzahlung. Dass sich ein Unternehmen einfach aus der Verantwortung stehlen will, ist inakzeptabel. Die Krankenkassen beraten deshalb über gemeinsame juristische Schritte gegen den Anbieter. Dieser Rechtsstreit darf jedoch nicht auf dem Rücken unserer Versicherten ausgetragen werden. Deshalb tritt die AOK für ihre Versicherten in Vorleistung.“

Winzige Tumorpartikel könnten Krebsausbreitung begünstigen

Winzige Abschürfungen von Tumoren könnten die Ursache dafür sein, dass sich Krebs im Körper ausbreitet. Münchner Wissenschaftler untersuchen nun diese sogenannten Mikropartikel. Die Forscher vermuten, dass sie die Fähigkeit besitzen, durch den Körper zu wandern und gesunde Zellen in Krebszellen zu verwandeln. Sie hoffen, durch Blockade der Mikropartikel die Krebsausbreitung zu verhindern. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsvorhaben mit 346.000 Euro.

Eine besondere Eigenschaft von Krebszellen ist ihre Fähigkeit, sich aus dem Zellverband eines Tumors zu lösen. Sie gelangen in die Blut- oder Lymphbahnen, werden durch den Körper transportiert und dringen in andere Gewebe ein. Dort können sie sich ansiedeln und Tochtergeschwülste des ursprünglichen Tumors bilden, in der Fachsprache Metastasen genannt. Geschieht dies, sinken die Heilungschancen des Patienten drastisch.

Auf welche Weise die bösartigen Zellen die Blut- und Lymphbahnen verlassen, in das Gewebe eindringen und neue Tumoren bilden, ist noch weitgehend unbekannt. Doch möglicherweise helfen ihnen winzige Mikropartikel, die von der Krebszellhülle abbrechen, bei ihrem Feldzug durch den Körper. Denn Tumorzellen geben ständig solche kleinen Zellhüll-Brocken in die Blutbahn ab. Diese Krebsboten können leichter in das Gewebe eindringen als die um ein Vielfaches größeren Krebszellen und diesen den Weg ebnen. Damit nicht genug: Die Tumorabschürfungen können einen molekularen Schutzwall um sich herum errichten, der verhindert, dass sie vom Abwehrsystem des Körpers erkannt und entfernt werden.

Die gefährlichen Abschürfungen werden nun von Professor Dr. Bernd Engelmann, Institut für Klinische Chemie, und Professor Dr. Christiane Bruns, Chirurgische Klinik und Poliklinik am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München, untersucht. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Mikropartikel neben ihrer Fähigkeit zum Eindringen in das Gewebe zudem gesunde Zellen in Krebszellen umwandeln können. Sie untersuchen das Phänomen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einer Krebsart, die nach wie vor sehr schlecht heilbar ist und an der jährlich rund 14.000 Menschen in Deutschland erkranken.

Langfristig erhoffen sich die Münchner Forscher ein verbessertes Verständnis der Metastasierung von Krebs sowie neue Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. „Wenn wir unterbinden, dass Krebszellen Mikropartikel abgeben, könnten wir damit auch die Ausbreitung von Tumoren verhindern“, so Engelmann. „Ein weiterer Ansatzpunkt für neue Therapien wäre das Aufbrechen des Schutzwalls der Partikel, um sie so für das Immunsystem angreifbar zu machen.“

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Derzeit erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 490.000 Menschen neu an Krebs. Die von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekte haben daher das Ziel, innovative Strategien zu entwickeln, die den Betroffenen schnellstmöglich zugutekommen.“

Leben retten mit dem Mobiltelefon

Neue App der Deutschen Herzstiftung für Laien zeigt, was im Herznotfall zu tun ist

Lebensrettende Informationen zum richtigen Verhalten bei Herzinfarkt sowie eine Anleitung zur Herzdruckmassage bei plötzlichem Herzstillstand gibt die Deutsche Herzstiftung in einer neuen kostenlosen Herznotfall-App für das iPhone. Die App (Abkürzung für engl. „Application“: Anwendung) mit über 20 anschaulichen grafischen Abbildungen informiert Laien über die häufigsten Herzinfarkt-Alarmzeichen und hilft, die infarkttypischen Symptome schnell und richtig zu deuten. Auch stellt die App die überlebenswichtige Herzdruckmassage dar und gibt dazu in kurzen Sätzen konkrete Handlungsanweisungen. Das Besondere an der Anwendung ist, dass sie den direkten Notruf 112 ermöglicht und so keine lebensrettende Zeit verloren geht. „Die neue App der Deutschen Herzstiftung ist ein weiterer wichtiger Informationskanal für richtiges Verhalten bei Verdacht auf Herzinfarkt sowie beim Vorliegen eines plötzlichen Herzstillstands. Sofortiges und richtiges Handeln ist in beiden Fällen überlebenswichtig“, betont Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Direktor der Klinik für Kardiologie/Konservative Intensivmedizin am Vivantes-Klinikum Am Urban/Im Friedrichshain in Berlin und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

Für Laien einfach zu handhaben
Die App gliedert sich in die Herznotfall-Situationen „Akute Brustschmerzen“ und „Bewusstlosigkeit“. In beiden Notfallsituationen wird mit einfachen grafischen Abbildungen und wenigen Fragen an den Laienhelfer geklärt, ob Schmerzen im Brustkorb auf einen Herzinfarkt hindeuten oder ob eine akute Bewusstlosigkeit, hervorgerufen durch einen Herzstillstand, vorliegt. Ist letzteres der Fall, erhält der Helfer die Anleitung zur Durchführung der Herzdruckmassage Schritt für Schritt. „Die kurze und konkrete Anleitung der App zur Herzdruckmassage soll helfen, die lebenswichtige Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zu überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft“, betont der Herzspezialist und Notfallmediziner Prof. Andresen. Allerdings ist die App nicht als Ersatz einer Ausbildung in der Herz-Lungen-Wiederbelebung gedacht.

Hemmschwelle beim Herznotfall senken
Der plötzliche Herzstillstand gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jedes Jahr erleiden hierzulande ca. 80 000 Menschen einen sog. Plötzlichen Herztod. Ist der Betroffene bewusstlos, reagiert er nicht auf lautes Zurufen oder andere Reize (Zwicken) und atmet nicht normal, muss man von einem plötzlichen Herzstillstand ausgehen. Wenn ein solcher Herznotfall eintritt, ist das für zufällig Anwesende oder Angehörige eine extrem belastende Situation. Aus Angst etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht und nur abgewartet, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Die App soll dazu beitragen, diese Hemmschwelle zu überwinden und im Notfall schnell und gezielt zu handeln, um Leben zu retten“, sagt Prof. Andresen.

Mit der neuen kostenlosen App setzt die Deutsche Herzstiftung – neben ihren bewährten Aufklärungsaktionen wie den bundesweiten Herzwochen mit zahlreichen Informationsveranstaltungen oder Expertenbeiträgen der Herzspezialisten in ihrer Zeitschrift „Herz Heute“ – auch auf die weit verbreitete Nutzung mobiler Apps zur Informationsvermittlung. Mit dieser modernen Technologie schafft die Patientenorganisation ein zusätzliches Angebot zur Aufklärung der breiten Bevölkerung, d.h. auch der jüngeren Menschen, über das richtige Verhalten bei Verdacht auf Herzinfarkt. Die Herznotfall-App ist auch für andere Smartphone-Systeme (Android) geplant.

Die Entwicklung der App erfolgte in Zusammenarbeit mit einem externen IT-Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt, der compeople AG. Das Unternehmen hat sich auf die Realisierung benutzungsfreundlicher IT-Anwendungen und Apps spezialisiert.

Die Herznotfall-App für das iPhone steht ab sofort kostenlos zum Download bereit unter:
itunes.apple.com/de/app/herzstiftung-app/id540338564
oder unter:
itunes.com/apps/herzstiftungapp
Auf dem iPhone starten Sie den App Store und verwenden Sie dort in der Schnellsuche den Begriff Herzstiftung.
Einen Kurz-Film der Herzstiftung zur App finden Sie unter:
www.herzstiftung.de/spots/notfall-app.avi

Forscher identifizieren potentielle neue Wirkstoffe gegen Krebs

Das als „Wächter des Genoms“ bekannte Eiweiß p53 verhindert, dass kranke Zellen sich vermehren und Krebs entsteht. Bei der Hälfte aller Krebserkrankungen ist p53 jedoch außer Kraft gesetzt. Der Grund: Ein zelleigenes Kontrollsystem läuft Amok und blockiert das p53-Eiweiß. Forscher des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried haben nun eine Reihe von Wirkstoffen identifiziert, die diese Blockade wieder aufheben. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Diese Forschungsergebnisse sind richtungsweisend und die Basis für neuartige Wirkstoffe gegen unterschiedliche Krebserkrankungen.“ Die Deutsche Krebshilfe hat das Forschungsprojekt mit 340.000 Euro unterstützt.

Eine Zelle ist vergleichbar mit einer gigantischen Fabrik, die eine Vielzahl von verschiedenen Produkten herstellt. Eines der wichtigsten Zellgüter sind Eiweiße. Sie dienen als Baustoffe, verdauen die Nahrung oder schützen den Organismus vor Krankheiten. Eines davon ist das Eiweiß p53, auch Wächter der Erbsubstanz genannt. Es hat im Wesentlichen die Aufgabe, Zellen mit genetischen Schäden davon abzuhalten, sich zu vermehren. Kleinere Reparaturen kann die Zelle selbst ausführen. Ist der Schaden jedoch zu groß, signalisiert p53 der Zelle, sich umzubringen, da sonst die Gefahr besteht, dass sich ein Tumor bildet.

Spezielle Kontrollmoleküle regulieren die Anzahl der p53-Eiweiße. Denn in einer Zelle dürfen nur die Eiweiße vorhanden sein, die sie gerade benötigt, da es sonst zu schädlichen biochemischen Nebenwirkungen kommen kann. Normalerweise ist nur sehr wenig p53 in der Zelle. Treten jedoch genetische Defekte auf, durch die sie zur Tumorzelle entarten könnte, erhöht sich die Anzahl der p53-Moleküle – diese beginnen sogleich mit den nötigen Reparaturen. Ist die Krise überwunden und die Zelle gerettet, muss sie die überschüssigen p53-Moleküle wieder entfernen. Nun treten Kontrollmoleküle auf den Plan, die wie molekulare Handschellen p53 fesseln und entweder deaktivieren oder zur zellulären Recyclinganlage transportieren: die so genannten Mdm2/Mdmx-Komplexe, die aus zwei Eiweißen mit den wissenschaftlichen Namen Mdm2 und Mdmx bestehen.

Doch bei mehr als der Hälfte aller Krebserkrankungen werden viel zu viele Mdm2/Mdmx-Moleküle hergestellt. Mit verheerenden Folgen: Alle p53-Moleküle werden festgesetzt – nun können sich die bösartigen Zellen ungehindert ausbreiten. Den Martinsrieder Wissenschaftlern um Professor Dr. Tad Holak ist es nun gelungen, die molekularen Fesseln wieder zu lösen.

„Wir haben eine Reihe von Wirkstoffen hergestellt, die den Mdm2/Mdmx -Komplex in Krebszellen ausschaltet. So können die p53-Moleküle wieder ihre lebenswichtigen Aufgaben erfüllen“, erläutert Holak. „Es gibt zwar schon Wirkstoffe, die Mdm2 allein hemmen, doch das ist nur die halbe Miete: Die Heilungschancen sind viel größer, wenn wir auch Mdmx ausschalten. Ein Wirkstoff der das kann, war bis jetzt noch nicht bekannt.“

Die Substanzen werden derzeit weiter untersucht, um die am besten wirksamsten zu identifizieren. Diese sollen dann in klinischen Studien getestet werden. „Dies ist ein großer Schritt für die Krebsforschung“, so Nettekoven. „Nun ist es wichtig, die Erkenntnisse rasch aus dem Labor in die klinische Prüfung zu bringen, damit sie schnellstmöglich den Betroffenen zu Gute kommen.“