Archiv für den Monat: Dezember 2013

Silvester und Neujahr: 1.400 Apotheken sind ständig dienstbereit

Zu Silvester und Neujahr leisten jederzeit rund 1.400 Apotheken den Notdienst – wie auch an allen anderen Feiertagen, Wochenenden und Nächten des Jahres. Bundesweit werden somit rund 500.000 Nacht- und Notdienste pro Jahr erbracht. Während Großstadtapotheken oft nur ein- oder zweimal pro Monat dienstbereit sind, müssen viele Apotheken auf dem Lande ein- bis zweimal pro Woche im Einsatz sein. Darauf weist die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hin. In Deutschland gibt es insgesamt fast 21.000 Apotheken mit knapp 150.000 Beschäftigten.

Der Nacht- und Notdienst der Apotheken ist eine Gemeinwohlpflicht der Freiberufler. Alle Apotheken in Deutschland sind gesetzlich zur ständigen Dienstbereitschaft verpflichtet, können sich davon jedoch durch ihre Landesapothekerkammer befreien lassen, wenn die Arzneimittelversorgung in dieser Zeit durch eine andere Apotheke sichergestellt ist. Die Landesapothekerkammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts legen in ihren Richtlinien faire Kriterien für die turnusmäßige Einteilung der Dienstbereitschaft fest.

Die nächstgelegene dienstbereite Apotheke lässt sich jederzeit mit Hilfe der Apotheken-Notdienstsuche 22 8 33 finden. Per Handy kann man einfach die 22 8 33 anrufen – oder eine SMS mit „apo“ oder der fünfstelligen Postleitzahl dorthin schicken (69 Cent/Minute oder SMS). Von zuhause aus kann man die kostenlose Festnetznummer 0800 00 22 8 33 wählen oder bequem im Internet unter www.aponet.de recherchieren. Zudem hängt in jedem Apothekenschaufenster eine Liste der nächsten dienstbereiten Apotheken aus.

Nicht jedes Abführmittel ist langfristig empfehlenswert

Wer unter Verstopfung leidet, sollte sich vom Apotheker individuell beraten lassen. Rezeptfreie Abführmittel wirken zuverlässig und sind bei gelegentlicher Anwendung gut verträglich. „Aber einige Wirkstoffe sollten ohne ärztlichen Rat nicht länger als ein bis zwei Wochen eingenommen werden, da sie bei langfristiger Einnahme selbst Verstopfung auslösen können“, sagt Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Für die langfristige Einnahme in der Selbstmedikation geeignet sind Füll- und Quellmittel, z.B. Leinsamen, Weizenkleie oder Flohsamen. Damit sie ihre Wirkung entfalten können, sollte reichlich Wasser getrunken werden. Die Dosis wird über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen langsam gesteigert. Arnold: „Leinsamen als Abführmittel besser ungeschrotet einnehmen, da durch das Schroten die Samenschale verletzt wird und das fettreiche Innere des Samens verdaut werden kann. Geschroteter Leinsamen ist daher sehr kalorienreich.“ Wird Methylcellulose als Quellstoff eingesetzt, sollte das Pulver zunächst mit kaltem Wasser vorquellen und dann getrunken werden.

Bei chronischer Verstopfung raten Apotheker grundsätzlich von einer Selbstmedikation ab. Wenn rezeptfreie Abführmittel nicht ausreichend wirken oder dauerhaft benötigt werden, sollten Patienten einen Arzt aufsuchen. Ein Arzt sollte unter anderem auch dann zu Rate gezogen werden, wenn die Verstopfung mit Symptomen wie Übelkeit, Fieber oder krampfartigen Bauchschmerzen verbunden ist oder wenn sich Verstopfung und Durchfall abwechseln. Verstopfung bei Kindern unter 6 Jahren sollte immer ärztlich untersucht werden.

Eine Verstopfung liegt vor, wenn der Stuhlgang seltener als zweimal pro Woche erfolgt. Sie ist in der Regel harmlos, vermindert aber die Lebensqualität. Oft sind Völlegefühl oder starkes Pressen bei der Stuhlentleerung die Hauptbeschwerden. Die oft befürchtete „Selbstvergiftung“ durch eine zu seltene Darmentleerung gibt es aber nicht. Eine ballaststoffreiche Ernährung normalisiert die Darmtätigkeit nicht immer zufriedenstellend. Zudem wirken einige Lebensmittel wie Schokolade oder schwarzer Tee stopfend. Auch einige Medikamente können den Darm träge machen, zum Beispiel starke Schmerzmittel oder Arzneimittel gegen Parkinson.

Krankheitsdaten gehören dem Patienten

Patienten, die einen Arzt wechseln wollen oder etwa wegen eines Umzugs wechseln müssen, können die Herausgabe ihrer Krankenakte verlangen. Der bisherige Arzt wird dann in der Regel Kopien zur Verfügung stellen, die der Patient mit bis zu 50 Cent pro Blatt bezahlen muss, berichtet die „Apotheken Umschau“ unter Berufung auf die Unabhängige Patientenberatung, Berlin. Kostengünstiger sei es, die Unterlagen auf einen Datenträger zu kopieren. Röntgenbilder müssen dem Patienten im Original gegen Quittung überlassen werden.

Erstmals Zuschüsse für Gemeinwohlpflicht

Mit den ersten Auszahlungen von Zuschüssen an Apotheken für die Monate August und September 2013 stellt der Nacht- und Notdienstfonds des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) seine Arbeitsfähigkeit und Effizienz unter Beweis. Mit dem Apothekennotdienstsicherstellungsgesetz (ANSG) war der Fonds erst am 1. August dieses Jahres ins Sozialgesetzbuch V (SGB V) aufgenommen und damit ins Leben gerufen worden.

„Der Notdienst der Apotheken spielt für die flächendeckende Arzneimittelversorgung der Menschen eine entscheidende Rolle“, sagt DAV-Vorsitzender Fritz Becker. „Mit den Zuschüssen für diese Gemeinwohlpflicht werden gerade die Apotheken im ländlichen Raum, die häufiger Notdienste als städtische Apotheken leisten müssen, gestärkt. Durch geringe Verwaltungs- und Personalkosten arbeitet der Fonds effizient und kostengünstig.“

Der DAV hat den Notdienstfonds innerhalb kürzester Zeit errichtet und verwaltet ihn auch – unter Aufsicht des Bundesministeriums für Gesundheit. Finanziert wird der im ANSG auf 120 Mio. Euro pro Jahr festgesetzte Notdienstzuschuss über einen Festzuschlag pro Packung bei rezeptpflichtigen Medikamenten in Höhe von 16 Cent. Die Landesapothekerkammern bestätigen dem Fonds derweil die angeordneten und tatsächlich geleisteten Notdienste pro Apotheke, um die Zuschüsse pro Notdienst und Apotheke berechnen zu können.

Jede Nacht, jeden Feiertag und jedes Wochenende versorgen rund 1.400 Apotheken etwa 20.000 Patienten. Für Patienten gilt laut Arzneimittelpreisverordnung eine Notdienstgebühr in Höhe von 2,50 Euro pro Inanspruchnahme des Notdienstes. Der Arzt kann die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen in dringenden Fällen jedoch von dieser Notdienstgebühr entbinden, indem er auf dem Rezeptformular das „noctu“ (lat. nachts)-Feld ankreuzt.

Weitere Informationen unter www.dav-notdienstfonds.de

Auch Medikamente können frieren

Im Winter kann es nicht nur Menschen sondern auch Arzneimitteln zu kalt werden. Zwar ist die „weiße Weihnacht“ nach neuesten Prognosen in Deutschland eher unwahrscheinlich. Manch einer wird jedoch die Feiertage und Neujahr nutzen, um in den Skiurlaub zu fahren. Neben Mütze, Schal und warmer Kleidung gehört natürlich auch die Reiseapotheke ins Urlaubsgepäck. Aber Vorsicht: Die Medikamente sind im Winter besonders extremen Bedingungen ausgesetzt: „In vielen Fällen ist eine kalte Umgebung für die Aufbewahrung von Arzneimitteln durchaus sinnvoll, zum Beispiel im Kühlschrank“, erklärt Thomas Brückner, Apotheker und Leiter Pharmazie beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). „Bei Minusgraden und Frost können die Präparate jedoch schnell nutzlos werden. Vor allem Cremes, Tropfen oder Säfte vereisen mitunter oder der Wirkstoff flockt aus. Ich rate deshalb schon bei der Anreise in die Winterferien davon ab, die Medikamente im Kofferraum oder Handschuhfach des Autos zu verstauen. Auch auf Piste, Loipe oder Rodelbahn sollten Arzneimittel wenn möglich nicht mitgenommen werden.“

Es gibt natürlich Ausnahmen: Insbesondere chronisch kranke Menschen können auch während des Wintersports auf keinen Fall auf ihre Medikamente verzichten. So sollten zum Beispiel Diabetiker ihr Insulin immer für den Notfall greifbar haben, das gleiche gilt für Asthmatiker, die für alle Fälle immer ein Spray oder ähnliches zur Hand haben sollten. Auch Patienten mit Herz- und Kreislaufproblemen sind gut beraten, die entsprechenden Medikamente ständig mit sich zu führen. Wie aber können diese Wintersportler ihre oft lebenswichtigen Präparate vor der Kälte schützen?

Thomas Brückner weiß Rat: „Am besten ist es, Arzneimittel in einem speziellen Thermobehälter oder einer Kühltasche zu verwahren, die man gegebenenfalls im Rucksack mitführen kann. Manche Präparate kann man auch dicht am Körper, also in der Innentasche der Skijacke, bei sich führen. Noch besser fragen Sie zur richtigen Aufbewahrung vor Reiseantritt ihren Apotheker.“

HINWEIS: Die hier genannten allgemeinen Ratschläge bieten keine Grundlage zur medizinischen Selbstdiagnose oder -behandlung. Sie können keinen Arztbesuch ersetzen.

Achtung Herzinfarkt

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Rund 300.000 Menschen erleiden pro Jahr einen akuten Herzinfarkt, 2011 verstarben laut Statistischem Bundesamt 52.000 Betroffene daran. Ursache ist meist eine Koronare Herzkrankheit, bei der die Gefäße durch Arteriosklerose verengt sind. Doch gerade hier kann man wirksam vorbeugen und Risiken verringern.

Auf Gewicht und Puls achten

Wenn auch Faktoren wie Lebensalter, Geschlecht oder genetische Veranlagung nicht beeinflusst werden können, so hat man andere Risiken selbst in der Hand: Besonders gefährlich ist Rauchen, dazu kommen Diabetes und Bluthochdruck, die wiederum durch Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung begünstigt werden. Neben dem Verzicht auf Zigaretten und Co. gehören deshalb regelmäßiger Sport und bewusstes Essen zu den effektivsten Vorbeugemaßnahmen. Außerdem sollte man auf seinen Puls achten, denn ein erhöhter Ruhepuls gilt als wichtiger Risikofaktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gerade wenn der Herzmuskel bereits geschwächt ist, kann das die Infarktgefahr steigern. Normalerweise liegt die Pulsfrequenz bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute, bei Patienten mit Herzschwäche sollte sie möglichst bei 55 bis 60 eingestellt werden. „Neben sogenannten Betablockern und speziellen Calcium-Antagonisten gibt es mit Ivabradin seit 2007 einen speziellen Pulssenker, der ausschließlich auf den Puls einwirkt“, erklärt dazu Dr. med. Norbert Smetak, Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie aus Kirchheim und Schirmherr der Initiative Pulsgesund. Zusätzlich macht es Sinn, einen erhöhten Puls unterstützend auch durch regelmäßige Bewegung zu regulieren.

Mittelmeerkost fürs Herz

Für eine gesunde und gewichtsbewusste Ernährung empfiehlt der Experte außerdem die sogenannte Mittelmeerkost – Tipps und Informationen dazu auch unter www.pulsgesund.de im Internet. Diese ist durch die Verwendung von „guten“ Fetten mit vielen ungesättigten Fettsäuren gekennzeichnet. Hinzu kommen reichlich Obst, Salate und knackiges Gemüse.

Vorhofflimmern durch Stress

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und tritt auch im Zusammenhang mit Stress auf. Allein in Deutschland leiden fast 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern. Zwar wird Vorhofflimmern im Gegensatz zu Kammerflimmern nicht zu den lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen gezählt, die Sterblichkeitsrate von Vorhofflimmerpatienten im Vergleich zu Gleichaltrigen mit einem normalen Herzrhythmus ist jedoch doppelt so hoch: mitverantwortlich hierfür ist die Gefahr einer Blutgerinnselbildung in den Herzvorhöfen, die im Fall einer Streuung in das hirnversorgende Gefäßsystem zum Schlaganfall führen kann. Um diese gefürchtete Komplikation des Vorhofflimmerns zu vermeiden, müssen die meisten Patienten mit dieser Rhythmusstörung konsequent Gerinnungshemmer einnehmen. Zudem steht für die betroffenen Patienten oft auch eine deutliche Verminderung der Lebensqualität mit starkem Leidensdruck im Vordergrund, nicht selten verbunden mit der Notwendigkeit einer dauerhaften Medikamenteneinnahme.

In ihrer Studie „Die Bedeutung von Stress in der Pathogenese des Vorhofflimmerns“ widmet sich Dr. med. Gertrud Goppel, Fachärztin für Innere Medizin, Schwerpunkt Kardiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München, der bislang ungeklärten Fragestellung nach dem Mechanismus, der Stress mit Vorhofflimmern verbindet. „Neue Erkenntnisse zur genaueren Klärung des Zusammenhangs von Stress und Vorhofflimmern sind für die patientenorientierte Herzforschung äußerst wichtig. Aus diesem Grund fördern wir diese Forschungsarbeit“, sagt Herzspezialist Prof. Dr. med. Udo Sechtem, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF). Das Vorhaben wird von der DSHF mit einer Fördersumme von 58.380 Euro für die Dauer von 2 Jahren unterstützt.

Fußball-WM-Spiele: Wie wirkt sich emotionaler Stress auf das Auftreten akuter Herzereignisse aus?
Bereits in der World Cup Event-Studie von 2006 konnte die Forschungsgruppe „Stress und Arteriosklerose“ der Medizinischen Klinik I der LMU München den Einfluss von emotionalem Stress auf das Auftreten von akuten Herzereignissen und Herznotfällen nachweisen: „Während der sieben Tage mit WM-Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stieg das Risiko nicht nur für das Auftreten von Herzinfarkten, sondern auch für Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, deutlich an. Nun stellt sich die Frage, wie genau es über Stress zur Ausbildung von Vorhofflimmern kommt“, erläutert Dr. Goppel.
Zunächst überprüft das Forscherteam um Dr. Goppel, ob bei prinzipiell herzgesunden Patienten unter 65 Jahren mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern eine vermehrte Stressbelastung im Vergleich zu einer gesunden Testgruppe vorliegt. Eine strukturelle oder funktionelle Veränderung der Herzmuskulatur oder eine andere, erkennbare Grunderkrankung als Ursache des Vorhofflimmerns wird zuvor ausgeschlossen.

Stressbelastung als Messgröße
Patienten und Kontrollpersonen werden zunächst einer Charakterisierung der Stressbelastung unterzogen. Diese beinhaltet die Erfassung von chronischer Stressbelastung (von mehr als drei Monaten) und der Alltagsstressbelastung mittels zweier psychometrischer Tests. Diese liefern jeweils Stress-Scores, wobei man zwischen Personen mit hoher Stressbelastung und solchen mit geringer Stressbelastung unterscheiden kann.
Bei allen Studienteilnehmern werden ein EKG sowie ein Herzultraschall durchgeführt und der psychosoziale Status erhoben. Hierbei spielen z. B. vorbekannte psychiatrische Erkrankungen, insbesondere Depressionen oder Angststörungen, aber auch die soziale Situation sowie selbst genannte Stressfaktoren eine Rolle. Zudem werden alle Studienteilnehmer auf die Freisetzung von bekannten, im Rahmen von Stress freigesetzten Stressmolekülen und Entzündungsmediatoren im Blut untersucht.

Wer stärkt Ihnen den Rücken?

Die meisten Menschen in Deutschland können in schwierigen Zeiten auf Familie und Freunden zählen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken“. Weit weniger suchen Unterstützung bei Ärzten, Kollegen oder Religionsgemeinschaften. Rund ein Viertel der Befragten kann zudem in Notlagen auf einen externen Beratungsdienst zurückgreifen, der vom Arbeitgeber finanziert wird.

Eine oder mehrere Vertrauenspersonen zu haben, die einem in schwierigen Zeiten den Rücken stärken, kann Stress und seine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, zum Beispiel Rückenschmerzen, verringern.

Bei den meisten Menschen finden sich diese Vertrauenspersonen im Verwandten- und Freundeskreis. 40 Prozent der Befragten gaben ebenfalls an, Unterstützung von Ärzten und Therapeuten zu erhalten. Eine geringere Rolle spielen dagegen die Glaubensgemeinschaften. Nur rund jeder Fünfte antwortete, sich in schwierigen Zeiten an einen Vertreter seiner Religion zu wenden. Von Kolleginnen und Kollegen erhält rund ein Drittel der Befragten Ermutigung und Hilfe, immerhin jeder sechste nannte auch die eigenen Vorgesetzten.

28 Prozent der Befragten können in Notlagen auf externe Betreuungsangebote zurückgreifen, die über den Arbeitgeber bereitgestellt werden. Diese Beratungsdienste bieten kurzfristig erste Hilfestellung, zum Beispiel bei beruflichem Stress, Ehestreitigkeiten oder Suchterkrankungen. Fast jeder Dritte, dem dieses Angebot zur Verfügung steht, hat es auch schon in Anspruch genommen.

„Ein solcher Dienst kann nicht nur für die Betroffenen eine Hilfe sein, sondern sich auch für den Arbeitgeber lohnen“, sagt Dr. Marlen Cosmar, Psychologin am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) in Dresden. „Denn andauernder Stress schadet der Arbeitsleistung.“ Wichtig sei, dass solche Angebote strikte Anonymität gewährleisteten und mit dem Betriebsrat abgestimmt seien, damit sie akzeptiert würden. Echte Tabus scheint es übrigens nicht mehr zu geben. Der Mehrheit fällt es nach eigenen Angaben nicht schwer, zum Beispiel über Krankheit, Geldnöte oder Probleme in der Familie oder im Beruf zu sprechen.

Hintergrund „Denk an mich. Dein Rücken“

In der Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau und die Knappschaft zusammen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Rückenbelastungen zu verringern. Weitere Informationen unter www.deinruecken.de

Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Mehr als 200 Spezialisten für Herzrhythmusstörungen aus der ganzen Welt trafen sich am Wochenende in Berlin, um sich hier über die neuesten Entwicklungen bei der Behandlung gefährlicher Rhythmusstörungen der Herzkammern auszutauschen. Das hochkarätig besetzte „EURO VT/VF-Meeting“ hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens zu einer globalen Denkfabrik (Think Tank) entwickelt, in der die weltweit führenden Experten dieser hochkomplexen medizinischen Spezialdisziplin ihre Erfahrungen zusammentragen und gemeinsam neue und künftige Behandlungsmethoden bewerten und weiter entwickeln.

In diesem Jahr sorgten eine ganze Reihe neuer Entwicklungen und Erkenntnisse für Aufsehen in der Fachwelt – von winzigen Schrittmachern, die direkt in der Herzkammer verankert werden und ganz ohne fehlerträchtige Elektroden auskommen, über neue Erkenntnisse zur Rolle des vegetativen Nervensystems bei Rhythmusstörungen und daraus resultierenden Behandlungsoptionen bis hin zu einem Paradigmenwechsel, was Leistungssport bei schweren Herzrhythmusstörungen angeht: Bedeuteten die bislang gültigen amerikanischen und europäischen Empfehlungen für Leistungssportler mit häufigen Rhythmusstörungen ein nahezu vollständiges Sport- und Wettkampfverbot, plädieren führende Experten aufgrund neuer Erfahrungen inzwischen für eine differenzierte Betrachtung des einzelnen Sportlers, die in den allermeisten Fällen ein weiteres Sporttreiben erlaubt.

Für ein Umdenken in der Fachwelt gaben auch brandneue Studienergebnisse Anlass, die auf dem Kongress vorgestellt wurden. So zeigt die sogenannte IN-TIME-Studie eine überraschende lebensverlängernde Wirkung der telemedizinischen Überwachung von Herzschwäche-Patienten mit Defibrillatoren, während die Echo-CRT-Studie eine Behandlung von gefährlichen Kammerrhythmusstörungen bei Patienten mit schmalem QRS-Komplex durch spezielle Schrittmacher (CRT-System) als nicht nur nutzlos sondern sogar gefährlich entlarvte. Die Auswertung der Daten eines großen dänischen Registers zeigte, dass die Bedeutung der Erfahrung und Routine der Ärzte beim Einbau von Herzschrittmachern und Defibrillatoren bislang weit unterschätzt wurde. Auf dem Kongress betonten die Experten, dass man mindestens 50 solche Geräte pro Jahr implantieren müsse, um die nötige Routine zu entwickeln. Ein vor rund 100 Jahren entwickeltes Behandlungsverfahren feierte bei dem Kongress eine überraschende Renaissance – allerdings in modernisierter, minimal invasiver Form: Die Beeinflussung des vegetativen Nervensystems durch einen chirurgischen Eingriff.

Hintergrund dafür ist die Rolle des vegetativen Nervensystems bei der Entstehung von Herzrhythmusstörungen. Neben schon bekannten Verfahren präsentierten die Experten hier auch eine überraschende Wirkung der bisher vor allem zur Therapie des hohen Blutdruckes eingesetzten Nierenarteriendenervation: Sie kann auch bei der Behandlung von Rhythmusstörungen der Herzkammern hilfreich sein!

Zahlreiche weitere Vorträge beschäftigten sich mit der Perfektionierung verschiedener Therapieverfahren und der Vermeidung von Infektionen bei Schrittmachereingriffen und anderen Komplikationen bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen durch Katheterablation im Bereich der Herzkammern.

Mehr zum 5. EURO VT/VF Meeting 2013: www.euro-vtvf.eu

Über 100.000 Menschen drohen trotz Beitragsschuldenerlass auf ihren Krankenversicherungsschulden sitzen zu bleiben

Noch über 100.000 Menschen in Deutschland haben keinen Krankenversicherungsschutz und sind dennoch von erheblichen Beitragsschulden betroffen, befürchten die großen Sozial- und Wohlfahrtsverbände. Gemeinsam appellieren Der Paritätische Gesamtverband, der Sozialverband VdK und der Volkssolidarität Bundesverband an alle Menschen, die sich bislang nicht krankenversichert haben, dies unbedingt bis zum 31. Dezember 2013 nachzuholen, um noch von der bestehenden Regelung zum Beitragsschuldenerlass profitieren zu können.

„Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht auf eine bezahlbare Krankenversicherung. Noch bis zum 31.12. können bisher Nichtversicherte vom befristeten Schulderlass profitieren. Wir raten den Betroffenen dringend: Melden sie sich bei ihrer letzten Krankenversicherung“, so Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. „Das Beitragsschuldengesetz bietet die Möglichkeit, in die Krankenversicherung einzutreten, ohne sich neu zu verschulden. Auch Familien, Freunde und Bekannte von Nichtversicherten werden deshalb gebeten, Betroffene auf diese Möglichkeit hinzuweisen“, so Dr. Frank-Michael Pietsch, amtierender Präsident des Volkssolidarität Bundesverbandes.

Gleichzeitig wird dazu aufgerufen, die Regelung für den Beitragsschuldenerlass zu entfristen. „Die geringe Beteiligung hat gezeigt, dass die Befristung keine Anreizwirkung hat. Wir brauchen deshalb eine Entfristung der Regelung, um das absurde Anhäufen von Beitragsschulden durch Nichtversicherte ein für allemal zu beenden“, so Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes.

Hintergrund des gemeinsamen Appells ist die zum 31. Dezember 2013 auslaufende Regelung zum Beitragsschuldenerlass für Nichtversicherte. Seit 2007 besteht eine Versicherungspflicht in Deutschland. Menschen, die bisher ohne Krankenversicherung waren, müssen in der Regel alle seit Einführung der Versicherungspflicht aufgelaufenen Beiträge nachbezahlen, selbst wenn sie bis heute keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Mit dem so genannten Beitragsschuldengesetz, das zum 1. August 2013 in Kraft getreten ist, wurde eine befristete Regelung zum Erlass dieser Schulden getroffen. Diese können Betroffene jedoch nur noch bis zum 31. Dezember 2013 in Anspruch nehmen. Nach Schätzungen der Verbände haben nur wenige tausend Menschen die Regelung bisher in Anspruch genommen, über 100.000 Menschen sind dagegen noch immer ohne Krankenversicherung.