Archiv für den Monat: Februar 2014

Künstlich erzeugter Terminmangel führt zu langen Wartezeiten für Patienten

Bundesärztekammer bestreitet das Problem im ARD-Politikmagazin „Kontraste“

Lange Wartezeiten auf Facharzt-Termine sind nach Recherchen des ARD-Politikmagazins „Kontraste“ auf ein Fehlverhalten von Medizinern und falsche Anreize in der Gebührenordnung zurückzuführen. Demnach erzeugen Fachärzte vor allem in Ballungsgebieten künstlich eine Terminnot, indem sie jedes Quartal auch solche Patienten einbestellen, bei denen dies medizinisch nicht notwendig ist. Das wissenschaftliche Institut der AOK (WIDO) hat auf Anfrage von „Kontraste“ Patientendaten ausgewertet, die diese Vorgehensweise von Fachärzten bestätigen.

Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann, spricht von einer alarmierenden Praxis. Es gebe „völlig falsche Anreize im Vergütungssystem“, die eine solche Vorgehensweise beförderten. Hintergrund sei, dass sie für diese Dauerpatienten im Wesentlichen genauso viel Geld bekämen wie für schwer kranke Menschen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, räumt ein, dass es in einigen Fällen Dauereinbestellungen von Patienten gebe. Jedoch bestreitet er im ARD-Politikmagazin „Kontraste“, dass dies zu langen Wartezeiten für andere Patienten führe: „Die Tatsache, dass Menschen keine Termine bekommen, hat mit der regelhaften Einbestellung von anderen Patienten, die man schon kennt, zahlenmäßig nichts zu tun“.

Der langjährige Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, wirft Fachärzten dagegen Fehlverhalten vor. Er bestätigt dem ARD-Politikmagazin „Kontraste“: „Unsinnige, unnötige Termine verstopfen den Terminplaner für Patienten, die akut erkrankt sind“. Dies sei ein Mechanismus, der sich aufgrund von Fehlanreizen der Gebührenordnung eingebürgert habe.

Pollenallergiker leiden besonders in Großstädten

Die Zahl der Pollenallergiker nimmt stetig zu, berichtet die Zeitschrift Wunderwelt Wissen in ihrer März-Ausgabe. Ein Grund dafür scheint die hohe Feinstaubbelastung in den Städten zu sein. Feinstaub ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Pollenallergien häufiger in Städten als in ländlichen Gebieten auftreten. Martin Metz, Professor für Dermatologie am Allergie-Centrum-Charité in Berlin und Vertreter dieser Theorie, erklärt: „Es ist bekannt, dass Kohlendioxid zu einer höheren Allergenkonzentration in Pollen beitragen kann.“

Warum nur einige Menschen zu Allergikern werden, ist unklar. „Eine Grundvorrausetzung ist, dass man die für Allergien verantwortlichen Antikörper gegen Pollen entwickelt, sich also gegen Allergene in Pollen sensibilisiert“, erklärt Martin Metz. Geraten Pflanzenpollen in Kontakt mit Flüssigkeit, zum Beispiel dem menschlichen Speichel, werden aus ihrer Oberfläche Allergene herausgewaschen. Diese wirken wie eine Bedrohung auf das Immunsystem eines Pollenallergikers, und der Körper versucht sie möglichst schnell wieder loszuwerden. Reagiert der Körper einmal auf ein bestimmtes Allergen, mobilisiert er bei jedem weiteren Kontakt mit der speziellen Pollenart die Immunabwehr.

Aufgrund der milden Winter der vergangen Jahre verlängert sich die Leidenszeit der Pollenallergiker – im Frühjahr setzt der Pollenflug eher ein und nimmt im Herbst später ab. In der Stadt ist die Pollenbelastung abends höher als am Morgen, auf dem Land ist es genau umgekehrt – Allergiker sollten das beim Lüften beachten. Wenn die Pollenbelastung zu groß wird, ist ein Kurztrip auf eine Insel, ins Hochgebirge oder ans Meer die beste Taktik, um den Quälgeistern aus dem Weg zu gehen.

„Nachsorge ist Vorsorge“

Mit der Internetseite www.nachsorge-ist-vorsorge.de haben ehemalige Krebspatienten, aber auch Ärzte und allgemein Interessierte jetzt die Möglichkeit, sich eingehend über die Bedeutung der Krebsnachsorge und die notwendigen Nachsorgeuntersuchungen zu informieren.

Die Webseite wurde insbesondere für Menschen konzipiert, die in ihrer Kindheit, Jugend oder als junge Erwachsene an Krebs erkrankt waren und durch die Behandlung geheilt wurden. Rund 30.000 Überlebende einer Krebserkrankung im Kindesalter leben derzeit in Deutschland. Da die Erkrankung wie auch deren Behandlung langfristig Spuren hinterlassen kann, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach Abschluss der Krebsbehandlung wichtig. Sie sollen dafür sorgen, dass ein eventuell erneutes Auftreten des Tumors (Rezidiv) oder potenzielle Spätfolgen der oftmals aggressiven Krebstherapie frühzeitig entdeckt werden und dann effektiv behandelt werden können.

Das Bewusstsein für die Bedeutung der Nachsorge schärfen

„Eine gute Krebsnachsorge ist somit eine effektive Vorsorge“, erläutert Professor Dr. Thorsten Langer, Lübeck, als Leiter der Studiengruppe LESS (Late Effects Surveillance System). Die Studiengruppe hat sich unter anderem zur Aufgabe gesetzt, die nach einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter möglicherweise auftretenden Spätfolgen der Erkrankung und ihrer Behandlung systematisch zu erfassen und zu erforschen. Betroffene können sich daher über die Webseite auch als Teilnehmer am Projekt anmelden. Ziel der LESS-Initiative „Nachsorge ist Vorsorge“ ist dabei die Erarbeitung von umfassenden Informationsmaterialien für die ehemaligen Patienten und ihre Angehörigen sowie die Entwicklung spezieller Nachsorge-Kalender für die einzelnen Tumorerkrankungen. „Wir wollen außerdem das Bewusstsein für die Bedeutung der Nachsorge schärfen“, sagt Professor Langer.

Dem soll letztlich auch die neue Webseite dienen, auf der neben allgemeinen Informationen zur Bedeutung einer konsequenten Nachsorge auch Informationen zu LESS zu finden sind. Außerdem bietet die Internetseite eine Übersicht mit den bereits verfügbaren Nachsorgeplänen sowie Links zu weiterführenden Informationen. Über die Internetadresse www.nachsorge-ist-vorsorge.de ist ferner ein Download der von der LESS-Studiengruppe erarbeiteten Informationsbroschüren zu einzelnen Krankheitsbildern möglich. Erschienen ist bereits eine Broschüre zum Osteosarkom und zum Ewing-Sarkom, Informationsbroschüren zu weiteren Krankheitsbildern sind in der Erarbeitung. Die Broschüren mit den dazu gehörigen Nachsorgekalendern können von Betroffenen kostenfrei, von allen anderen Personen gegen einen Unkostenbeitrag von 5 Euro inklusive Porto online angefordert werden.

Spezieller Bereich für Ärzte

Die neue Homepage bietet zugleich einen speziellen Bereich für Ärzte, die sich an klinischen Studien beteiligen. Ihnen werden die erforderlichen Studienunterlagen bis hin zu Formularen für Einverständniserklärungen der Patienten zum Download geboten. Eine Galerie, die mit Bildern bestückt ist, welche von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankung gemalt wurden, rundet die Internetseite ab.

„Wir wollen mit der neuen Webseite und den dort vermittelten Informationen den Wissensstand zur Nachsorge verbessern. Denn die Betroffenen brauchen Informationen darüber, was sie beachten sollten, wie häufig welche Kontrolluntersuchungen angeraten sind und sie sollten um die Bedeutung einer adäquaten Nachsorge wissen“, betont Professor Langer.

Entwickelt wurde die Webseite auf Initiative der LESS-Studiengruppe Lübeck/Erlangen. Konzeption und Umsetzung erfolgten durch Petra Wöhrmann, München, finanziert wird das Projekt von der Madeleine Schickedanz-KinderKrebs-Stiftung in Fürth.

Auch ein Zinkmangel kann der Epidermis zusetzen

In der kalten Jahreszeit sind Hauterkrankungen oft noch belastender als sonst. Durch die Strapazen, denen die Haut im Winter ausgesetzt ist, verschlechtern sich häufig bestehende Störungen. Bereits gereizte Haut muss mit starken Temperaturschwankungen, trockener Heizungsluft und frostigen Außentemperaturen zurechtkommen. Vor allem die Kälte bringt das natürliche Gleichgewicht der Epidermis aus dem Lot. All das kann etwa eine Neurodermitis verschlechtern. Auch Akne blüht in der kalten Jahreszeit oft regelrecht auf.

Lichtmangel macht der Haut zu schaffen

Eine zusätzliche Belastung für die Haut ist der Mangel an natürlichem Sonnenlicht. Durch die kurzen Wintertage und die geringere Aufenthaltsdauer im Freien fehlt der positive Einfluss, den die Sonne zum Beispiel auf Akne hat. Ein Zinkmangel kann diese jahreszeitlich bedingten Einflüsse noch verstärken. Die Haut brauche Zink, um sich zu regenerieren und Entzündungen zu heilen, erklärt die Stuttgarter Biologin Dr. Christine Reinecke. „Das funktioniert deutlich weniger gut, wenn das Spurenelement Mangelware ist“, so Reinecke. Davon sind gerade Aknepatienten betroffen. In ihrer Haut ist der Zinkanteil meist deutlich geringer als bei gesunden Menschen und der Bedarf an dem Spurenelement erhöht.

Auch zur Wundheilung wird Zink benötigt

Zum Ausgleich dieser Defizite werden zum Beispiel Zinkorot-Tabletten mit 25 Milligramm Zink pro Tag eingesetzt. Das darin enthaltene Zinkorotat zählt zu den organischen Zinksalzen, die vom Körper gut aufgenommen und verwertet werden können. Auch die ausreichend hohe Dosierung ist wichtig für die Wirksamkeit. Ebenfalls haben Neurodermitiker überdurchschnittlich häufig einen Mangel an Zink, der das Hautproblem verstärken kann. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Wundheilung, weiß Dr. Reinecke: „Zink lagert sich zu Beginn des Heilprozesses im geschädigten Gewebe ein und unterstützt den Heilungsprozess. Es hemmt außerdem die Aktivität von entzündungsauslösenden Bakterien.“ Auch die Kollagenbildung profitiert von diesem wichtigen Spurenelement.

Elektronische Gesundheitskarte

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) steht mit dem Rücken zur Wand. Nach Bekanntwerden des vernichtenden Rechtsgutachtens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist die neue Karte als Versicherungsnachweis gescheitert und stellt ein Sicherheitsrisiko für Patienten und Ärzte dar. Das erklärte die Freie Ärzteschaft (FÄ) am Montag in Essen. „Dass die Karten als Schlüssel zu hochsensiblen Patientendaten gar nicht geeignet sind, weil die Kassen die Identität der Versicherten nicht prüfen, war bisher nur Insidern bekannt. Nun ist diese Bombe geplatzt“, teilte Wieland Dietrich, Vorsitzender der FÄ, mit.

Der Umgang mit individuellen Sozial- und Medizindaten erfordere einen sehr hohen Sicherheitsstandard. Wie bei der Ausstellung eines Personalausweises müsse beim Ausstellen der eGK jeder Bürger zum Nachweis seiner Identität persönlich und zweifelsfrei authentifiziert werden. Das sei 2004 auch Grundlage für das eGK-Projekt gewesen. Die Krankenkassen hätten dies aber systematisch versäumt.

„Mit diesen ungeprüften Karten können die Ärzte auch keine Versichertenstammdaten abgleichen, denn die Identität des Trägers ist nicht sicher“, erläuterte Dietrich. „Und Personalausweise ständig zu überprüfen, ist keine ärztliche Aufgabe.“ Erstens seien Ärzte nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs keine Beauftragten der Krankenkassen – also auch keine Hilfspolizisten. Zweitens ändere die Prüfung des Personalausweises nichts an einem falschen Inhaber der elektronischen Gesundheitskarte. „Wenn die Zuordnung der Person zur Karte nicht stimmt, bleibt die Karte in jedem Fall ein Sicherheitsrisiko – für den falschen Träger hinsichtlich seiner Gesundheit, für den Arzt in Sachen Haftung.“

Zu lange Wartezeiten, inkompetentes Persona

Die repräsentative Querschnittsstudie zur Servicequalität von Inbound Call-Centern in Kooperation der Universität Koblenz-Landau und Sanvartis GmbH zeigt erhebliche Unterschiede im Qualitätsniveau und deutlichen Handlungsbedarf in deutschen Krankenhäusern.

Obwohl die Geschäftsvorfälle, also das Anliegen der Anrufer, als „allgemeine Informationen“ konzipiert wurden, wurden mehr als die Hälfte der Anrufe erst mal weitergeleitet. Die Wartezeit bis zur ersten Anrufabnahme liegt aber schon bei durchschnittlich ca. 30 Sekunden und dann gibt es eine erneute Wartezeit bei Weiterleitung von durchschnittlich über 30 Sekunden. „Dieses Prozedere ist verwunderlich und lässt darauf schließen, dass das Kontaktpersonal der Call-Center nicht ausreichend geschult ist!“, sagt Prof. Dr. Volker Nürnberg von der Hochschule für angewandtes Management (TU München), der die Studie für die Universität Koblenz-Landau begleitete. So wurden 1.111 Anrufe weitergeleitet, obwohl es sich um leicht zu beantwortende Fragen gehandelt hat, wie beispielsweise „Ich möchte mich röntgen lassen. Geht das bei Ihnen?“ oder „Ich werde in der nächsten Woche einen stationären Aufenthalt bei Ihnen beginnen. Wie sind die Essenszeiten?“.

Auch Helge Lewerenz, Gesellschafter der Sanvartis GmbH sieht die Ergebnisse kritisch und erläutert die üblichen Benchmarks: „Die Anzahl der Weiterleitungen ist definitiv viel zu hoch, die Wartezeiten sind zu lang. Ein gutes Inbound Call-Center muss 80 bis 90 Prozent der Anfragen beantworten können. Wir nennen das die „first time fix rate“. Und: Wartezeiten über 20 Sekunden bis zur ersten Anrufabnahme liegen definitiv über einem normalen Servicelevel.“ Problematisch sei die Wartezeit am Telefon, da sie als wichtigste Kennzahl zur Messung der Professionalität des Service Centers wahrgenommen werde und die Wartezeit am Telefon vom Kunden um ein vielfaches länger empfunden werde, als etwa die Wartezeit an einer Supermarktkasse.

Kathrin Berkenkamp, Master of Arts im Studiengang Gesundheitsmanagement der Uni Koblenz-Landau und Verfasserin der Studie, ergänzt: „Es wurde zudem festgestellt, dass je länger die Wartezeit bei Weiterleitung ist, desto geringer werden Leistungskompetenz, Leistungswille, Einfühlungsvermögen und kommunikative Fähigkeiten der Kontaktperson eingeschätzt. Ganz abgesehen davon, dass fünf Prozent aller Weiterleitungen komplett ins Leere laufen; der Anrufer also überhaupt niemanden mehr ans Telefon bekommt.“

Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Trägern bestehen insbesondere bei der untersuchten Dimension „Leistungswille“(Assurance). Das Personal privater Träger wird hinsichtlich des Leistungswillens signifikant besser bewertet als das Personal öffentlicher Träger. Dennoch: in einer erheblichen Anzahl von Vorgängen, unabhängig von der Trägerschaft, wurden die Anrufer unfreundlich behandelt oder mussten sogar Krankenhaus-Interna „mithören“. Agenten berichten beispielsweise: „…sie wollte mich weiterverbinden, was ihr nicht gelungen ist. Ich war die ganze Zeit am Telefon und habe vertrauliche Daten einer anderen Patientin mitbekommen…“, „…Mitarbeiter vom Empfang hat erst mal den Hörer danebengelegt und sich mit der Kollegin über Berufskleidung unterhalten…“, „…Habe dort vier Mal angerufen und wurde jedes Mal weggedrückt…“, „… nach 8 Minuten in der Warteschleife wurde einfach aufgelegt…“.

„Manchmal reicht der gute Wille eben nicht aus und das kann doch alles nicht im Sinne des Datenschutzes sein! Und was das für das Image des Krankenhauses bedeutet, dessen sind sich scheinbar die wenigsten bewusst. Ich empfehle den Häusern dringend, die Zufriedenheit der Patienten oder derer Angehörigen in Bezug auf die telefonische Erreichbarkeit und den dann professionellen Umgang mit den Menschen mit auf die Agenda zu setzen.“, so Prof. Nürnberg.

In der Zeit von September bis Oktober 2013 wurden 3.157 Anrufe in Form von Mystery Calls durch Agenten der Sanvartis GmbH in 210 Krankenhäusern durchgeführt. Die Auswahl der Zufallsstichprobe wurde entsprechend der bundesdeutschen prozentualen Verteilung aus der Brutto-Gesamtheit (N= 1.940 Krankenhäuser) gewählt. Für die Bewertung der Dimensionen der Servicequalität wurde eine 7-stufige Likert-Skala (1=stimme überhaupt nicht zu | 7= stimme völlig zu) verwendet. Die Reaktionszeit wurde durch Zeitmessung untersucht.

Schmerzmittel für Kinder

In Deutschland versäumen Kinder jährlich etwa eine Million Schultage wegen Kopfschmerzen. „Es gibt gut verträgliche Schmerzmittel für Kinder. Leider werden rezeptfreie Schmerzmittel in der Werbung oft verharmlost und als ’speziell für Kinder‘ angepriesen. Eine Daueranwendung von Schmerzmitteln kann aber auch bei Kindern Kopfschmerzen auslösen“, sagte Prof. Dr. Boris Zernikow beim pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer. Der Kinderarzt ist Chefarzt der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln der Universität Witten/Herdecke. Grundsätzlich gilt, dass Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden sollten.

Rezeptfreie Schmerzmittel mit Paracetamol oder Ibuprofen werden bei Kindern oft eingesetzt. Beide Arzneistoffe haben Vor- und Nachteile. Paracetamol ist gut verträglich und auch für die ersten Lebensmonate zugelassen. Es gibt verschiedene Darreichungsformen wie Tabletten, Zäpfchen oder Säfte. Paracetamol wirkt aber nur schwach schmerzhemmend. Da es leicht zu gefährlichen Überdosierungen kommt, darf die gewichtsabhängige Tageshöchstdosis nicht überschritten werden. Zernikow: „Paracetamol ist in vielen Kombipräparaten enthalten. Wer seinem Kind mehrere rezeptfreie Medikamente gibt, etwa gegen eine Erkältung, sollte mit dem Apotheker über die Gesamtdosis an Paracetamol sprechen.“ Ibuprofen wirkt stärker und länger schmerzhemmend als Paracetamol. Gefährliche Überdosierungen sind nicht bekannt. Ibuprofen ist erst für Kinder ab dem 6. Lebensmonat zugelassen.

Etwa 7 bis 10 Prozent aller 7- bis 15-Jährigen leiden unter Migräne. Ibuprofen ist Mittel der Wahl und sollte möglichst früh gegeben werden. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht des Kindes, maximal dürfen 600 Milligramm pro Tag eingenommen werden. Zusätzlich können Arzneistoffe aus der Gruppe der Triptane bei Migräneattacken helfen. Sie lindern die Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Laut Zernikow sind Nasensprays mit dem Wirkstoff Sumatriptan derzeit das Mittel der ersten Wahl für Kinder ab 12 Jahren. „Die Handhabung des Nasensprays unterscheidet sich von der eines Schnupfensprays. Eltern und Jugendliche sollten sich die korrekte Anwendung in der Apotheke demonstrieren lassen“, rät Zernikow.

Darmkrebs: Heilbar dank Früherkennung

Im Jahr 2010 erkrankten rund 470.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Nach Brustkrebs bei Frauen sowie Prostata- und Lungenkrebs bei Männern ist Darmkrebs die häufigste Krebsart. Frauen und Männer sind davon gleichermaßen betroffen. Darmkrebs entwickelt sich aus Geschwülsten im Darm, sogenannten Polypen. Gefährlich wird es, wenn diese sich von gutartigen zu bösartigen Tumoren verändern. „Die Betroffenen bemerken lange nichts von einem Tumor. Beschwerden wie Blut im Stuhl, anhaltender Durchfall oder chronische Verstopfung treten meist erst spät auf“, sagt Dr. Wiete Schramm, Gesundheitsexpertin bei TÜV Rheinland.

Vorsorgeangebote nutzen

Die gute Nachricht: Früh genug erkannt bestehen gute Heilungsaussichten. Aus diesem Grund sind Vorsorgeuntersuchungen die effektivste Waffe gegen Darmkrebs. „Gesetzliche Krankenkassen bieten Menschen ab dem 50. Lebensjahr jährlich kostenlos einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl an“, so Dr. Wiete Schramm. Ab dem 55. Lebensjahr besteht Anspruch auf eine Darmspiegelung. Diese kann nach zehn Jahren wiederholt werden. Alternativ dazu wird angeboten, in zweijährigen Intervallen weiterhin einen Test auf Blut im Stuhl durchführen zu lassen.

Lebensgewohnheiten oft entscheidend

Um über das Thema Krebs und Krebserkrankungen zu informieren und aufzuklären, findet jedes Jahr am 4. Februar der Weltkrebstag statt. Vor allem Ernährungsgewohnheiten wie fettreiches Essen und geringer Gemüseverzehr, aber auch Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und Alkohol erhöhen die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Bei fast einem Drittel aller Darmkrebspatienten lässt sich eine familiäre Vorbelastung feststellen. Natürlich bedeutet das nicht, dass die Krankheit zwangsläufig vorliegen muss. Allerdings sollte in diesem Fall verstärkt Wert auf die Früherkennungsmaßnahmen gelegt werden, empfiehlt die TÜV Rheinland-Gesundheitsexpertin.

Arzneimittelausgaben 2013

Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind 2013 entsprechend den gesundheitspolitischen Erwartungen gestiegen. In ihren Rahmenvorgaben für 2013 hatten GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einen Anstieg von 3,6 Prozent prognostiziert. Tatsächlich wuchsen die Ausgaben um 4,2 Prozent. Das ergeben die aktuellen Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). Hauptursache ist der Zuwachs an verordneten Arzneimittelpackungen um 2,9 Prozentpunkte. 0,9 Prozentpunkte der Steigerung resultieren aus dem teilweisen Ausgleich der gestiegenen Kosten bei der Arzneimittelversorgung durch die Anpassung der Apothekenvergütung und 0,4 Prozentpunkte aus der neuen Pauschale für geleistete Notdienste.

„Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz hatte den Apothekern in den Jahren 2011 und 2012 ein massives Sonderopfer abverlangt“, sagt DAV-Vorsitzender Fritz Becker. „Nun werden die Apotheken und somit die Strukturen der Arzneimittelversorgung endlich wieder unterstützt. Mit dem geringeren Kassenabschlag, dem erhöhten Festhonorar und dem neuen Notdienstzuschuss bekommen gerade Apotheken, die viele Notdienste leisten müssen, eine bessere Perspektive, ihre Patienten auch künftig optimal versorgen zu können.“ Becker weiter: „Welche Gründe es für das Mehr an Packungen gibt, lässt sich anhand dieser ersten Zahlen nicht beurteilen. Dazu müsste man Morbidität und Demographie noch genauer analysieren.“

Von den auf 28,8 Mrd. (2012: 27,6 Mrd.) Euro gestiegenen GKV-Arzneimittelausgaben abzuziehen sind die Einsparungen der einzelnen Krankenkassen durch die Rabattverträge mit pharmazeutischen Herstellern, die allein in den ersten drei Quartalen 2013 schon 2,1 Mrd. Euro an Rabatten für die GKV erbracht haben (Gesamtjahr 2012: 2,3 Mrd. Euro). Dabei stieg die Zahl der Arzneimittel (mit Hilfsmitteln, Rezepturen, Nichtarzneimitteln), die dieser Erhebung zugrunde liegen, auf 746 Mio. Packungen; davon wurden 582 Mio. rezeptpflichtige Medikamente mit dem Festhonorar laut Arzneimittelpreisverordnung (8,35 Euro) abgerechnet.

Die gesundheitspolitische Stärkung der Arzneimittelversorgung kam 2013 dreifach voran: Nach einem Jahrzehnt ohne Inflationsausgleich wurde das Festhonorar pro Medikament von 8,10 auf 8,35 Euro erhöht. Zudem einigten sich DAV und GKV-Spitzenverband auf eine Absenkung des Kassenabschlags von 2,05 auf 1,80 Euro pro Arzneimittel. Seit 1. August 2013 werden pro Arzneimittelpackung 0,16 Euro als Zuschuss zum Nacht- und Notdienst erhoben. Zum Vergleich: Alle 21.000 Apotheken mit ihren 150.000 Beschäftigten erhalten nur 15,2 Prozent (4,2 Mrd. Euro) der gesamten GKV-Arzneimittelausgaben (Stand: 2012).