Archiv für den Monat: April 2014

Fälschungen des Krebsmedikaments Herceptin® aufgetaucht

Einzelne Packungen des Krebsmedikaments Herceptin® sind gefälscht. Die gefälschten Arzneimittel stellen eine akute Gefährdung der Patienten dar und dürfen nicht angewendet werden. „Falls ein Patient das Medikament Herceptin® wider Erwarten zuhause hat, sollte er es nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker anwenden. Der Fachmann kann prüfen, ob die jeweilige Packung bzw. Charge wegen Fälschungsverdachts behördlich zurückgerufen wurde“, sagt Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer und Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Bislang ist nicht bekannt geworden, dass auch Fläschchen mit gefälschtem Inhalt an Apotheken ausgeliefert wurde.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben darüber informiert, dass gestohlenes bzw. gefälschtes Herceptin® 150 mg zur intravenösen Anwendung in mehreren EU-Staaten in den Handel gebracht wurde. Die betroffenen Chargen des Zytostatikums wurden in italienischen Krankenhäusern gestohlen bzw. gefälscht und von Parallelvertreibern bezogen. Die Ware des Originalanbieters ist nicht von der Fälschung betroffen.

Die gefälschten Herceptin®-Präparate tragen nach bisherigen Erkenntnissen folgende Merkmale:

– Auf den meisten Durchstechflaschen stimmen die dort aufgedruckte
Chargennummer und das Verfallsdatum nicht mit denen auf der äußeren
Verpackung überein.

– Der Inhalt einiger Fläschchen ist flüssig. Herceptin ist
normalerweise ein weißes bis schwach gelbes lyophilisiertes Pulver.

– Gummistopfen, Bördelkappe oder Deckel könnten manipuliert worden
sein.

– Die gefälschten Fläschchen sind ursprünglich als italienisches
Herceptin 150 mg gekennzeichnet, wurden für den deutschen Markt aber
mit deutschsprachigen Etiketten überklebt.

Beim PEI ist ab dem 17.04.2014 unter der Nummer 06103 / 77-1061 eine Hotline eingerichtet, an die sich Patienten und Angehörige der Heilberufe wenden können.

Was Gichtpatienten über das Königsgemüse wissen sollten

Für Spargelfans gibt es kein Halten mehr: Dank des milden Winters ist das königliche Gemüse bereits jetzt erhältlich. Während viele jeden Tag neue Rezepte ausprobieren und dem Genuss des „essbaren Elfenbeins“ frönen, kann das Spargel-Gericht für Gichtpatienten ein bitteres Nachspiel haben. Denn mitunter kann bei diesen Menschen nach dessen Verzehr ein Gichtanfall folgen.

Bei Menschen, die an Gicht erkrankt sind, können die Nieren genetisch bedingt nicht ausreichend Harnsäure ausscheiden, wodurch ihr Harnsäurespiegel im Blut erhöht ist. Wird dann noch purinreiche Nahrung konsumiert, kann das die Harnsäure zusätzlich ansteigen lassen. Das ist nicht nur bei Fleisch, Innereien, Fisch und Hülsenfrüchten der Fall, sondern auch bei dem beliebten Frühlingsgemüse Spargel. Spargel gehört wie auch Broccoli und Rosenkohl zu den Gemüsesorten, die Purine enthalten, wenn auch deutlich weniger als Fleisch und Fisch. Purine wiederum werden im Körper zu Harnsäure umgewandelt. Kann der Überschuss an Harnsäure nicht über die Nieren ausgeschieden werden, können sich Harnsäurekristalle an Gelenken oder den Organen ablagern. Diese wiederum können das Gelenk stark schädigen oder zu Nierensteinen führen.

Um dies nicht noch zu begünstigen, sollten Gichtpatienten neben ausreichend Bewegung auch auf ihr Gewicht und auf eine purinarme Ernährung achten – beispielsweise mit Eiern, Milchprodukten, Obst und Kartoffeln. „Wenn Sie Spargel im Frühjahr genießen wollen, wählen Sie eine überschaubare Portion (ca. 250g) und kombinieren sie diesen am besten mit Eiern oder Milchprodukten, statt mit großen Portionen Fleisch und Fisch“, rät Dr. Ute Gola, Geschäftsführerin vom gleichnamigen Institut für Ernährung und Prävention in Berlin.

Moderne Medikamente können Harnsäure senken

Bei einigen Gichtpatienten reicht allerdings eine alleinige Ernährungsumstellung nicht aus, um dauerhaft erhöhte Harnsäurespiegel zu senken. Diese müssen in der Regel medikamentös behandelt werden, da sie auf vielerlei Weise schädlich für den Körper sind: Unbehandelt können sich nicht nur Harnsäurekristalle an den Gelenken und Organen ablagern, sondern es können auch die Nieren – etwa durch die Bildung von Nierensteinen – in Mitleidenschaft gezogen werden. Um das zu vermeiden oder um bestehende Ablagerungen zu lösen, ist eine frühzeitige und dauerhafte Therapie mit harnsäuresenkenden Medikamenten wichtig. Ziel der Behandlung muss es sein, langfristig einen Harnsäurewert unter 6 mg/dl (360 µmol/l) zu erreichen.

Gichtpatienten, die ihren Harnsäurewert dauerhaft auf einem niedrigen Niveau (unter 6 mg/dl) halten und sonst ihre Ernährung im Blick haben, können auch in der Spargelzeit oder rund um die Osterfeiertage mal dem Genuss des königlichen Gemüses frönen. „Allerdings sollten sie dabei auf die Portionsgröße achten, geschickt mit purinarmen Nahrungsmitteln kombinieren und nach Möglichkeit die Mahlzeiten nicht mit Alkohol und Softdrinks abrunden“, rät Dr. Gola. So hat die Spargel- und Osterzeit, in der das Gemüse häufig auf dem Speiseplan steht, auch für Gichtpatienten ihre schönen Seiten.

Infokasten: Ostermenü und Spargelrezepte

Ostermenü (Nährwerte pro Portion und Menü, berechnet mit EBIS pro:
730 kcal, 40g Eiweiß, 351mg Harnsäure, 116 mg Purin)

Feldsalat mit Walnüssen (für 2 Personen)

100g Feldsalat
30g Walnüsse
1 Esslöffel Raps- oder Olivenöl
1 Esslöffel Senf
2 Esslöffel Joghurt
Salz, Pfeffer

Zubereitung: Den Feldsalat gründlich waschen und trocknen. Die Nüsse
kleinhacken und über den Salat streuen. Aus dem Öl, dem Senf, dem
Joghurt und den Gewürzen ein Dressing zubereiten und vor dem
Servieren über den Salat geben.

Seeteufel mit lauwarmen Spargel-Kartoffelsalat (für 2 Personen)

300g Seeteufelfilet
500g Kartoffeln
400g grüner Spargel
1 kleine rote Paprika
1 kleine Schalotte
2 Esslöffel Raps- oder Olivenöl
2 Esslöffel Essig
150 ml Gemüsebrühe
1 bis 2 Esslöffel Dijon-Senf
Salz, Pfeffer, Zucker
Kresse
Dill

Zubereitung: Die Kartoffeln waschen und in Wasser 15-20 Minuten nicht
zu weich garen. Den Spargel schälen, die Enden abschneiden und in ca.
5 cm lange Stücke schneiden. Dann in wenig Salzwasser 8-10 Minuten
kochen und danach abgießen. Die Kartoffeln abgießen und pellen. Dann
in Scheiben schneiden. Kartoffelscheiben und Spargelstücke in eine
Schüssel geben. Die Paprika putzen, waschen und würfeln. Dann zu den
Kartoffeln geben. Die Schalotte schälen und würfeln. Aus dem Essig,
der Brühe, dem Senf, 1 Esslöffel Öl und der Schalotte ein Dressing
herstellen und über die Kartoffel-Spargel-Mischung geben und etwas
ziehen lassen.

Den Seeteufel vorsichtig etwas flach klopfen. Dann den Seeteufel
salzen und pfeffern. In einer Pfanne das restliche Öl erhitzen und
den Fisch vorsichtig von beiden Seiten ca. 3 Minuten braten. Etwas
Kresse unter den Salat heben und mit dem Schnittlauch zu dem
gebratenen Fisch anrichten.

Erdbeeren mit grünem Pfeffer (für 2 Personen)

400g Erdbeeren
2 Teelöffel eingelegter grüner Pfeffer
150g Naturjoghurt
1 Teelöffel Vanillezucker
1 Esslöffel Zucker
1 Esslöffel Limettensaft
etwas abgeriebene Schale von einer Limette

Zubereitung: Die Erdbeeren waschen, putzen und in Scheiben schneiden.
Den Pfeffer hacken und mit Zucker, Limettensaft und mit etwas von der
abgeriebenen Limettenschale verrühren. Alles über die Erdbeeren geben
und 30 min. marinieren lassen. Den Joghurt mit etwas Vanillezucker
verrühren und zu den Erdbeeren servieren.

Grüner Spargelsalat mit Kräuter-Eier-Vinaigrette zu Käsebrot*
(Nährwerte, berechnet mit EBIS pro: 511 kcal, 21g Eiweiß, 26g
Kohlenhydrate, 36g Fett, 85mg Harnsäure, 29mg Purin)
(für 2 Personen)

400g grüner Spargel
1 Zwiebel
2 Esslöffel Rapsöl
1 Esslöffel Essig oder Zitronensaft
Salz, Pfeffer, Zucker
gehackte Petersilie nach Geschmack
gehackter Schnittlauch nach Geschmack
2 Eier
etwas Schnittlauch zum Garnieren
2 Scheiben Vollkornbrot
2 Teelöffel Butter oder Margarine
2 Scheiben Edamer

Zubereitung: Den Spargel waschen und das untere Drittel schälen. Dann
im kochenden Salzwasser ca. 15 Minuten garen.

Die Eier hart kochen. Die Zwiebel putzen und fein hacken. Aus
Zwiebeln, Essig, Öl und den Kräutern ein Dressing herstellen und mit
Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Den Spargel abgießen und auf
einer Platte anrichten, das Dressing darauf verteilen. Die Eier
pellen und würfeln und auf den Spargel streuen.

Alles etwas durchziehen lassen und genießen. Dazu das Käsebrot
genießen.

Spargelauflauf mit Mozzarella und Champignons* (Nährwerte, berechnet
mit EBIS pro: 520 kcal, 30g Eiweiß, 173mg Harnsäure, 58mg Purin) (für
2 Personen)

400g Spargel
150g Champignons
4 getrocknete Tomaten, kleingeschnitten
150g Mozzarella
1 Esslöffel gehackte Petersilie
Salz, Pfeffer
3 Scheiben Vollkornbrot
3 Esslöffel Olivenöl

Zubereitung: Den Spargel waschen, schälen und die Enden abschneiden.
In kochendem Salzwasser 10 Minuten bissfest garen. Champignons putzen
und in Scheiben schneiden. Tomaten waschen und in Scheiben schneiden.
Den Spargel abgießen und in eine Auflaufform legen. Mit den Tomaten
und Champignons belegen und mit Salz und Pfeffer würzen. Den
Mozzarella in Scheiben schneiden und auf dem Gemüse anrichten. Alles
in dem vorgeheizten Ofen bei 200°C ca. 15- 20 Minuten überbacken. Mit
der Petersilie garnieren. Das Vollkornbrot in heißem Olivenöl rösten
und dazu servieren.

* Rezepte: Dr. Gola – Institut für Ernährung und Prävention GmbH

Welt-Parkinson-Tag: 11. April 2014

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die nicht geheilt, aber über Jahre und Jahrzehnte gut behandelt werden kann. Die Medikamente zielen darauf ab, den Verlust des Botenstoffes Dopamin im Gehirn auszugleichen und so die Krankheitszeichen zu lindern. Im Laufe der Erkrankung erreichen einige Patienten jedoch eine Phase, in der Wirkungsschwankungen auftreten und die Beschwerden mit Tabletten nicht länger kontrollierbar sind. In diesem Stadium stehen ihnen drei Behandlungen zur Verfügung:

– Kontinuierliche Apomorphin-Infusion
– Kontinuierliche L-Dopa-Infusion
– Tiefe Hirnstimulation

Bei den kontinuierlichen Infusionen mit Apomorphin und L-Dopa kommen Medikamentenpumpen zum Einsatz. Die Apomorphinpumpe transportiert eine Art Ersatzstoff für Dopamin direkt unter die Haut. Das erfordert das tägliche Einstechen einer Nadel in die Bauchdecke. Die L-Dopa-Infusion erfolgt über eine Sonde in den Dünndarm, wo der Wirkstoff Levodopa kontinuierlich über das Blut aufgenommen wird. Beide Verfahren sind reversibel und können vorab auf ihre Wirksamkeit getestet werden. Bei der Tiefen Hirnstimulation werden operativ Elektroden im Gehirn platziert („Hirnschrittmacher“). Alle drei Verfahren haben das Ziel, die Lebensqualität und Selbstständigkeit von Menschen mit Parkinson wieder zu steigern. Sie stellen unterschiedliche Anforderungen an den Patienten und sein Umfeld und sind nicht immer für jeden geeignet. Gemeinsam mit dem Neurologen muss daher eine individuell passende Entscheidung gefällt werden. Darüber hinaus profitieren alle Betroffenen von regelmäßiger Physiotherapie, Krankengymnastik und Logopädie. Ebenso von der Empfehlung, sich trotz Schluckbeschwerden gesund und ausreichend zu ernähren.

Verzweifeltes Säbelrasseln für die elektronische Gesundheitskarte

Die Freie Ärzteschaft (FÄ) begrüßt die Erkenntnis des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, dass für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) in den vergangenen zehn Jahren hohe dreistellige Millionenbeträge an Versichertengeldern verbrannt wurden. Für die Versicherten habe sich dabei nichts positiv verändert – dem kann Dr. Silke Lüder nur zustimmen. Die FÄ-Vizevorsitzende kritisiert jedoch: „Wieder einmal suchen die Krankenkassen aber die Schuld bei anderen. Die Ärzteschaft in Deutschland lehnt das eGK-Projekt seit vielen Jahren auf allen Deutschen Ärztetagen entschieden ab.“

Die eGK und die Pläne für eine zentrale bundesweite Datenautobahn in der Medizin würden maßgeblich vom Datenhunger der Krankenkassen und von der Kontrollwut der Verwaltungsbürokratie getrieben. Zudem würden die Kassen ihren Versicherten reihenweise Missbrauch von Gesundheitsleistungen unterstellen, erläuterte Lüder heute in Hamburg.

„Jetzt zeigt sich, dass das Projekt schon im Vorwege gescheitert ist. Statt aber den eigenen Fehler zu erkennen, schiebt der GKV-Spitzenverband den Ärzten die Schuld in die Schuhe und ruft nach dem Staat“, kritisiert der Ärzteverband. Ginge es nach dem GKV-Spitzenverband, dann solle Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe der Ärzteschaft mit finanziellen Sanktionen drohen, damit das Projekt endlich vorankomme. „Hier wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich heute in Essen.

Die FÄ fordert, die Geldverbrennungsmaschine eGK sofort zu stoppen. „Arztpraxen“, so Dietrich, „sind keine Außendienststellen der Kassen. Die Online-Aktualisierung von Versichertenstammdaten ist eine Verwaltungsarbeit der Kassen und gehört nicht an den Praxistresen.“ Sensible Patientendaten müssten weiterhin weit entfernt von jeglichen zentralen Infrastrukturen aufbewahrt werden. „Täglich neue Datenskandale und eine weltweite Überwachungsmaschinerie im Internet verpflichten uns zu Datensparsamkeit und Datenschutz.“

Tanzen bei Parkinson

Parkinson zählt nach Alzheimer zu den häufigsten neurodegenerativen, also langsam fortschreitenden Erkrankungen des Nervensystems. Neben den Hauptsymptomen, die sich in Bewegungseinschränkungen äußern, ist auch bei Vielen die niedergedrückte Stimmung ein wichtiger Aspekt. „Tanzen wirkt sich auf die motorischen Fähigkeiten ebenso positiv aus, wie auf die Lebensfreude und -qualität.“, erklärt Susanne Tuschkan, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.). Sie hat in der Münchner Schön-Klinik ein Gruppenkonzept, Tanzen für Parkinsonkranke, eingeführt.

An Parkinson erkrankte Menschen leiden sehr darunter, dass ihre Krankheit sie immer langsamer, ihre Bewegungen immer schwerfälliger werden lässt. Sie benötigen zunehmend mehr Zeit für die täglichen Dinge wie Ankleiden, Essen, Haushalt. Parkinson beginnt selten vor dem fünfzigsten Lebensjahr und alleine daher sind viele Betroffene nicht mehr berufstätig. Dennoch ist meist der Tag vorbei oder es bleibt ihnen zu wenig Energie übrig, um Freizeitaktivitäten nachzugehen. Studien untermauern, dass diese oft beträchtlichen persönlichen Verluste die Menschen mit Parkinson zusätzlich zu den körperlichen Beeinträchtigungen enorm belasten. Mit diesem Wissen und auf der Suche nach Möglichkeiten, das ergotherapeutische Angebot der Klinik breiter zu gestalten, stieß die engagierte Ergotherapeutin Susanne Tuschkan auf eine New Yorker Selbsthilfegruppe. Diese hat gemeinsam mit einer Modern Dance Group das Konzept „Dance for Parkinson’s Disease“ entwickelt. „Ich habe an einem ihrer Workshops in New York teilgenommen.“, berichtet die Ergotherapeutin und freut sich darüber, dass sie von dort viele gute Ideen und Hintergrundwissen für ihre Parkinsonpatienten mitgebracht hat. „Aus dem, was ich in den USA an die Hand bekommen habe, konnte ich ein für die Klinik passendes ergotherapeutisches Gruppenkonzept entwickeln und meinen Patienten das Tanzen ermöglichen.“

Betroffene Hirnareale austricksen, Bewegung initiieren

Es ist eine Störung in den Basalganglien, die die Bewegungsprobleme von Parkinsonpatienten verursacht. Die Basalganglien sind Areale im menschlichen Gehirn, die beispielsweise an der Willenskraft, dem Antrieb und der Motorik beteiligt sind. Musik oder andere externe Schrittmacher, die den Rhythmus vorgeben, helfen dem Gehirn von Menschen mit Parkinson sozusagen auf die Sprünge. Sie sind quasi ein alternativer Weg, um Bewegungen einzuleiten. Und mit diesem „Trick“ gelingt unter der fachkundigen Anleitung der Ergotherapeutin, was man sonst nicht für möglich hielte: An Parkinson Erkrankte kommen in Bewegung und tanzen. „Das Tanzen als Therapieform schätze ich besonders, denn auch das Beobachten der anderen Tanzenden gibt den Erkrankten Impulse. Dabei werden bestimmte motorische Areale aktiviert. Den Patienten, die sonst kleinschrittig gehen, fällt es dadurch leichter, große Schritte und Bewegungen zu machen“, erläutert Tuschkan ihren besonderen ergotherapeutischen Ansatz.

In der Gruppe tanzen und dabei individuell ergotherapeutisch betreut werden

In Anlehnung an das Training professioneller Tänzer sind auch die Tanzstunden bei der Ergotherapeutin Tuschkan immer dreigeteilt: Warming up im Sitzen, danach im Stehen. Jedenfalls für diejenigen, die das wollen und können. Andere nehmen auch Rollator oder Stöcke zu Hilfe. Denn wie immer schauen die Ergotherapeuten nach dem, was die Erkrankten können und fördern sie nach ihren individuellen Möglichkeiten. So fühlt sich auch bei Gruppentherapien jeder integriert und berücksichtigt. Und beim eigentlichen Tanzen, den Bewegungen im Raum, kommt sowieso jeder auf seine Kosten. Dank der Bewegungsstrategien, die die Ergotherapeutin Susanne Tuschkan ihren Patienten vermittelt, kommt Leichtigkeit auf – und das bei Parkinsonkranken, die mit Fortschreiten ihrer Krankheit immer schwerfälliger werden.

Lebensfreude für Parkinsonpatienten und Angehörige durch Tanzen

Das Zusammenleben mit Menschen, die Parkinson haben, ist meist durch einen extrem stark strukturierten Tagesablauf geprägt und alleine dadurch schon sehr anstrengend. Pflichten dominieren und es gibt kaum Raum für Aktivitäten, die einfach nur Spaß machen und Lebensfreude bescheren. Deshalb ist es ein weiterer Schwerpunkt bei der Behandlung durch Ergotherapeuten, die Angehörigen mit einzubeziehen, auch auf deren Wohl zu achten. Tanzen als Therapieform bietet damit allen Involvierten etwas, bringt Bewegung in den starren Alltag; die an Parkinson Erkrankten und Angehörige oder Partner fühlen sich lebendig, leicht und durch die Musik beschwingt. „Die positive Stimmung, die Musik, das Miteinander und die Erinnerungen an frühere Zeiten – das alles bringt so viele Glücksgefühle, dass ich bestätigen kann: Das Wohlbefinden der Parkinsonpatienten wird auf allen Ebenen beim Tanzen eindeutig positiv beeinflusst.“, fasst die Ergotherapeutin Tuschkan das Feedback ihrer Patienten und ihre eigenen Erfahrungen kurz und eindeutig zusammen.

Informationsmaterial erhalten Interessierte bei den Ergotherapeuten
des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten e.V. (DVE). Diese sind
über die Therapeutensuche auf www.dve.info zu finden.

Bluthochdruck: Wie schützt man sich vor den Risiken für Herz und Gehirn?

Allein in Deutschland haben etwa 20 Millionen Erwachsene einen zu hohen Blutdruck. Bluthochdruck hat die tückische Eigenschaft, dass er jahrelang keine Beschwerden verursacht, unbemerkt und damit unbehandelt bleibt. So führen oft erst die katastrophalen Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks die Menschen zum Arzt: Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Nierenschädigung oder Minderung des Sehvermögens. Deshalb propagiert die Deutsche Herzstiftung frühzeitig – beginnend beim Kinderarzt, später beim Hausarzt – regelmäßige Blutdruckmessungen bei jeder Routineuntersuchung und eine konsequente Behandlung, wenn die Werte zu hoch sind. Für Hochdruckpatienten bietet die Herzstiftung den kostenfreien Blutdruck-Pass unter www.herzstiftung.de/Blutdruckpass.html zur täglichen Eintragung der Blutdruck- und Pulswerte sowie des Körpergewichts.

„Eine frühzeitige Erkennung und konsequente Behandlung des Bluthochdrucks ist wichtig, damit es zu keiner schleichenden schweren Schädigung von Gehirn, Herz, Niere und Augen kommt. Eine Senkung des Bluthochdrucks ist lebensrettend und führt auf Dauer zu einer besseren Lebensqualität. Der Blutdruck-Pass ist hier eine wichtige Hilfe für Arzt und Patient“, betont der Herzspezialist und Hypertonie-Experte Prof. Dr. med. Michael Böhm, Direktor der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Homburg/Saar und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Warum raten Kardiologen zum Blutdruck-Pass?
Mit einem Blutdruck-Pass lässt sich die Blutdrucksituation des Patienten der letzten Wochen oder Monate auf einen Blick erfassen und eine optimale Blutdruckeinstellung erreichen. Dagegen ist eine einmalige Messung in der Sprechstunde häufig nicht repräsentativ und erlaubt nur bedingt Rückschlüsse auf die derzeitige Blutdrucksituation. Grundsätzlich sollte der Blutdruck ab 40 Jahren mindestens einmal pro Jahr gemessen werden, ab 50 Jahren halbjährlich. Tritt Bluthochdruck bei Geschwistern, Eltern oder Großeltern auf, sollte ab 30 Jahren oder früher der Blutdruck jährlich gemessen werden.

Wann ist ein Blutdruckwert krankhaft?
Zu hoher Blutdruck ist definiert als eine durch den Arzt wiederholt gemessene Erhöhung des Ruheblutdrucks über 140 mmHg systolisch (oberer Wert) und 90 mmHg diastolisch (unterer Wert). Bei der Patientenselbstmessung liegt die Grenze zum krankhaften Blutdruck tiefer bei 135 mmHg systolisch und 85 mmHg diastolisch. Beim Überschreiten dieser Werte ist das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöht. Die Blutdruckerhöhung gilt als krankhaft, wenn einer der beiden Grenzwerte überschritten wird. Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaften für Kardiologie (ESC) und Hypertonie (ESH) (Mancia G. et al. 2013) gilt der Zielwert unter 140/90 mmHg (Arztmessung) und unter 135/85 mmHg (Selbstmessung) auch für Patienten mit koronarer Herzkrankheit und chronischen Nierenerkrankungen. Bei Diabetes ist der Wert auf unter 140/85 mmHg (Arztmessung) und unter 135/85 mmHg (Selbstmessung) festgelegt worden. Bei älteren Patienten unter 80 Jahren kommt eine Senkung des Bluthochdrucks auf 140/90 mmHg in Betracht, wenn sie eine solche Senkung gut vertragen. Für Patienten älter als 80 Jahre genügt die Blutdrucksenkung auf 150-140/90 mmHg, wenn sie in guter körperlicher und seelischer Verfassung sind.

Gesunder Lebensstil kann wie Blutdruckmedikament wirken
Ein gesunder Lebensstil kann verhindern oder aufschieben, dass ein hoher Blutdruck entsteht und kann eine Therapie mit Medikamenten verhindern oder aufschieben, wenn der Blutdruck zwischen 140/90 und 159/99 mmHg liegt. Zum gesunden Lebensstil gehören Rauchstopp, eine gesunde Ernährung (Mittelmeerküche), regelmäßige Ausdauerbewegung (optimal: körperliche Aktivität von 30 Minuten an fünf Tagen in der Woche), wenig Alkohol (Männer höchstens 20-30 g pro Tag, Frauen 10-20 g pro Tag) und wenig Salz (5-6 g pro Tag). Übergewicht gilt als wesentlicher Faktor für die Entstehung von Bluthochdruck. „Eine Gewichtsabnahme von 5 kg geht einher mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks um 4 mmHg“, bestätigt Prof. Böhm und betont: „Die Wirkung eines gesunden Lebensstils kann der Wirkung eines Blutdruckmedikaments gleichkommen.“