Archiv für den Monat: Juni 2014

Mehrheit der Deutschen will gesetzliche Krankenversicherung für alle

In der Debatte um die Reform der Krankenversicherungen sorgen neue Zahlen für Sprengstoff: Nach einer exklusiven Umfrage für das Magazin Reader’s Digest (Juli-Ausgabe) plädieren 58 Prozent der Deutschen dafür, dass sich alle Bürger in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern müssen – also auch Selbstständige, Besserverdienende und Beamte. Die Mehrheit der Bürger empfindet es offenbar als ungerecht, dass diese Berufsgruppen aus dem Solidarsystem ausscheren und sich privat versichern können. Vor allem in den östlichen Bundesländern sind sieben von zehn Befragten für die Abkehr von den privaten Kassen. Das Meinungsforschungsinstitut Emnid befragte 1005 repräsentativ ausgewählte Personen.

Seit Jahren reißen die Diskussionen um die Zwei-Klassen-Medizin nicht ab. Die Umfrage für das Magazin Reader’s Digest ergab, dass 48 Prozent einen Versicherungsbeitrag fordern, der sich am Einkommen orientiert. Nur 10 Prozent plädieren für die sogenannte Kopfpauschale, bei der jeder Bürger unabhängig vom Einkommen denselben Beitrag bezahlt. Aus Sicht von Prof. Michaela Wänke vom Lehrstuhl für Konsumentenpsychologie an der Universität Mannheim sind die Umfrageergebnisse ein klares Signal: „Wie es scheint, finden die meisten Deutschen es richtig, dass Menschen mit höherem Einkommen auch mehr zur Allgemeinheit beitragen.“

Doch so groß der Wunsch nach Reformen ist, Experten erwarten Steigerungen bei den Kassenbeiträgen. Zwar wird zum 1. Januar 2015 der Beitrag der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zur gesetzlichen Krankenversicherung auf 7,3 Prozent sinken, doch die Kassen dürfen danach den Versichertenbeitrag selbstständig erhöhen. „Das bedeutet, dass Kostensteigerungen in Zukunft allein zulasten der Versicherten gehen“, sagt Kai Vogel, Leiter des Teams Gesundheit beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, in der Juli-Ausgabe von Reader’s Digest. Er geht davon aus, dass einige Kassen ihre Sätze 2015 wieder erhöhen werden. Dabei ergab die Umfrage, dass 63 Prozent der Deutschen den aktuellen Beitragssatz von 15,5 Prozent des Einkommens gerade noch für „akzeptabel“ halten.

Immerhin 35 Prozent der Befragten können sich vorstellen, bis zu 20 Prozent ihres Einkommens zu bezahlen, damit der Standard der medizinischen Versorgung erhalten bleibt. „Die Angst vor gravierenden Krankheiten, die jeden treffen können, bewegt Menschen dazu, im Notfall auch mehr zu bezahlen, um abgesichert zu sein“, meint Gesundheitsexperte Vogel. Müssten Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen werden, könnten die meisten (63 Prozent) auf nicht lebensnotwendige Arzneimittel verzichten. Kuren (43 Prozent), Hilfsmittel wie Hörgeräte (41 Prozent), Vorsorgeuntersuchungen (39 Prozent) und Zahnersatz (35 Prozent) folgen. Hingegen werden Sparmaßnahmen bei Organtransplantationen zu 76 Prozent abgelehnt.

Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Juli-Ausgabe von Reader’s Digest Deutschland ist ab 30. Juni an zentralen Kiosken erhältlich.

Ratgeber für Reizblase-Patienten

Nicht nur Hämorrhoiden oder Magen-Darm-Probleme gehören zu den Beschwerden, über die niemand gerne spricht. Auch eine Reizblase zählt zu den schambehafteten Tabuthemen. Ein Grund, der den Leidensdruck der Betroffenen zusätzlich erhöht und zum Problem werden kann. Denn durch das Stillschweigen fehlt den Patienten häufig das Wissen über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ihrer Symptome. Es besteht also Gesprächsbedarf.

Wenn die Suche nach dem nächsten WC und die Angst, das stille Örtchen nicht rechtzeitig zu erreichen, das Leben bestimmt, wird der Alltag zur Herausforderung und die Lebensqualität leidet. Fast fünf Millionen Frauen haben hierzulande eine Reizblase – mehr als acht Mal müssen sie täglich zur Toilette. Permanenter Harndrang, aber nur geringe Urinmengen und diffuse Unterbauchschmerzen sind ihre ständigen Begleiter. Besonders belastend und vor allem unangenehm ist der unkontrollierbare Harnverlust, der bei einigen Betroffenen auftritt. Eine schwache Beckenbodenmuskulatur kann dies zusätzlich begünstigen. Weiteres Problem: Reizblasen kennen keine Nachtruhe. Reizblase-Patienten müssen auch nachts oft mehrmals zur Toilette. Der Schlafmangel trübt nicht nur die Stimmung, sondern kann zu verminderter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit führen.

Überaktivität mit zahlreichen Ursachen

Vor allem Frauen ab 40 leiden an einer gereizten Blase. Schuld am krankhaften Harndrang sind übersensible Nerven in der Blase, die bereits bei geringen Urinmengen das Signal zum Entleeren geben. Diese Hypersensibilität entwickelt sich häufig als Folge wiederkehrender Blasenentzündungen und wiederholter Reizungen der Blasenschleimhaut. Harnwegsinfekte und Reizblase stehen in einem engen Zusammenhang. Denn einerseits kann sich aus einer rezidivierenden Blasenentzündung eine Reizblase entwickeln, andererseits ist eine gereizte Blase auch anfälliger für bakterielle Infekte.

Ebenso können Veränderungen des hormonellen Gleichgewichts wie ein sinkender Östrogenspiegel während der Wechseljahre oder auch psychischer Stress eine Reizblase begünstigen. Nicht verantwortlich für eine chronisch überaktive Blase dagegen sind Bakterien. Diese verursachen „nur“ eine Blasenentzündung, die allerdings mit ähnlichen Symptomen verläuft wie eine Reizblase.

Infokasten: Natürliche Hilfe für gereizte Blasen

Bei der Behandlung einer akuten Reizblase haben sich zwei Arzneipflanzen besonders bewährt: Echte Goldrute und Bärentraube (wie in Cystinol® N Lösung). Echte Goldrute wirkt durchspülend und krampflösend und beruhigt mit ihren entzündungshemmenden Effekten die gereizte Blasenschleimhaut. Der Harndrang wird gemindert und die Kapazität der Blase spürbar erhöht. Bärentraubenblättertrockenextrakt hemmt die Entzündung und wirkt zusätzlich antibakteriell. Haben Bakterien zur Entstehung einer akuten Reizblase beigetragen, werden diese durch die Wirkstoffe des Bärentraubenblättertrockenextrakts effektiv abgetötet. Bei einer chronisch gereizten Blase ohne bakterielle Ursache ist eine langfristige Behandlung sinnvoll. Extrakt aus Echtem Goldrutenkraut (wie in Cystinol long® Kapseln) beruhigt die Blase dauerhaft und unterstützt wirksam das Blasentraining.

Bei akuten Blasenentzündungen dagegen, sind pflanzliche Mono-Präparate mit Bärentraubenblättertrockenextrakt (wie Cystinol akut®) effektiv und gleichzeitig schonend. Der enthaltene Wirkstoff Arbutin sorgt durch sein antibakterielles und entzündungshemmendes Wirkprofil für eine rasche Besserung der Symptome wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, Krämpfe und verstärkten Harndrang. Die gereizte Schleimhaut kann sich schnell erholen.

Tipps für eine starke Blase

Wer folgende Tipps beherzigt, kann seine Blase zusätzlich unterstützen

Training für die Blase

Wer seine Blase trainiert und die Abstände zwischen den Toilettengängen langsam vergrößert, kann nach und nach die Blasenkapazität erhöhen und die Überaktivität der Blase minimieren. Ein Miktionstagebuch hilft, ein Gefühl für die eigenen „Blasengewohnheiten“ zu bekommen.

Stress reduzieren

Häufig trägt Stress zu einer übersensiblen Blase bei. Deshalb: Bewusst auf Entspannung setzen, achtsam auf die eigenen Bedürfnisse hören und Stressfaktoren reduzieren. Das entspannt auch die gereizte Blase.

Auf reizende Nahrungsmittel verzichten

Zumindest bei starken Beschwerden sollte auf Lebensmittel, welche die Blase zusätzlich reizen, eine Weile verzichtet werden. Dazu zählen neben stark gewürzten Speisen und scharfen Nahrungsmitteln auch Kaffee und hochprozentiger Alkohol.

Bewusst trinken

Sind Bakterien die Ursache für Blasenbeschwerden – wie bei einer Cystitis – ist eine erhöhte Trinkmenge (min. 2l) besonders wichtig, um die Erreger auszuspülen. Bei einer Reizblase ohne bakteriellen Hintergrund, muss nicht auf eine verstärkte Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Im Gegenteil: Aktuellen Expertenmeinungen zufolge sollte zwar ausreichend (ca. 1,5l), aber nicht übermäßig viel getrunken werden, um die Blase nicht zusätzlich zu strapazieren.

Warum Kohlensäure nicht sauer macht

Kohlensäure schmeckt erfrischend und prickelt angenehm auf der Zunge. Doch es gibt noch mehr gute Gründe, Mineral- und Heilwässer mit Kohlensäure zu trinken.

Verbessert den Geschmack

Neben ihrem angenehm frischen Geschmack reinigt Kohlensäure auch die Geschmackspapillen und macht sie dadurch sensibler. Die Mundschleimhaut wird zudem besser durchblutet und die Speichelproduktion angeregt.

Sorgt für viele Mineralstoffe

Heilwässer mit viel natürlicher Kohlensäure sind meist sehr mineralstoffreich. Bei ihrer Entstehung tief in der Erde werden durch Kohlensäure besonders viele Mineralstoffe aus dem Gestein gelöst.

Regt sanft die Verdauung an

Kohlensäure dehnt den Magen leicht. Das kurbelt die Bewegung des Magens an und bringt die Nahrung zügiger voran. Zugleich fördert Kohlensäure die Durchblutung der Magenschleimhaut und sorgt dafür, dass mehr Verdauungssäfte gebildet werden.

Hilft beim Abnehmen

Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen sich satter fühlen, wenn der Magen durch Kohlensäure leicht gedehnt wird. So aßen die Studienteilnehmer bei den Mahlzeiten weniger, wenn sie kohlensäurehaltiges Wasser getrunken hatten.

Gut bei Blasenentzündungen und Harnsteinen

Kohlensäurehaltige Heilwässer fördern die Ausscheidung des Harns und spülen die Harnwege. So können sie Harnsteinen und Harnwegsinfekten vorbeugen oder bei der Behandlung helfen.

Kohlensäure macht nicht sauer

Kohlensäure trägt nicht zur Übersäuerung des Körpers bei. Auf den Säure-Basen-Haushalt wirkt sie neutral. Selbst bei Sodbrennen oder saurem Magen ist Kohlensäure nicht unbedingt ein Problem. Ein hydrogencarbonathaltiges Heilwasser kann hier überschüssige Säuren neutralisieren.

Kohlensäurehaltige Heilwässer wirken sanft

Menschen reagieren unterschiedlich auf Kohlensäure. Wer von Kohlensäure aufstoßen muss, Magendrücken oder Blähungen bekommt, sollte kohlensäurereiches Wasser entweder schluckweise trinken oder zu einem stillen Wasser greifen. Tipp: Heilwässer enthalten in der Regel deutlich weniger Kohlensäure als klassischer Sprudel und wirken dadurch auf sanfte Weise.

Weitere Informationen: www.heilwasser.com und www.heilwasser-ratgeber.de

Kassenausgaben für Osteopathie explodieren

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Osteopathie haben sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Das zeigen nicht öffentliche Zahlen der 60 größten Krankenkassen, die dem Radioprogramm NDR Info vorliegen. Demnach erstatteten die Kassen im vergangenen Jahr ihren Versicherten mehr als 110 Millionen Euro für die alternative Heilbehandlung. Diese Zahlungen haben den Recherchen zufolge bei den osteopathischen Berufsverbänden einen Boom ausgelöst. Deren Mitgliederzahlen haben sich in den vergangenen drei Jahren demnach mehr als verdoppelt.

Den gesetzlichen Krankenkassen wurde mit dem zu Jahresbeginn 2012 in Kraft getretenen Versorgungsstrukturgesetz ermöglicht, auch Leistungen wie Osteopathie ganz oder teilweise zu erstatten. Vorreiter war die Techniker Krankenkasse, eine Vielzahl weiterer Kassen zogen nach. 2012 beliefen sich die Ausgaben nach Informationen von NDR Info zunächst auf ca. 34 Millionen Euro. Grund für den in seinem Umfang unerwarteten Anstieg im Folgejahr war neben der Tatsache, dass zahlreiche weitere Krankenkassen Osteopathie in ihren Leistungskatalog aufgenommen haben, auch die immense Nachfrage der Versicherten. Zudem habe die deutlich erhöhte Anzahl von osteopathischen Behandlern offenbar erheblich zu der Kostenexplosion beigetragen, heißt es aus Kassenkreisen. Für 2014 wird eine weitere spürbare Zunahme der Osteopathieausgaben auf deutlich über 130 Millionen Euro erwartet.

Ärztevertreter, aber auch einzelne Sprecher der Osteopathenverbände sehen diesen Boom mit Skepsis. So kritisiert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin, Matthias Psczolla, die fehlende Qualitätssicherung: „Man fordert einfach Ärzte auf, die gar nicht osteopathisch ausgebildet sind, ein Rezept auszustellen. Und damit geht man dann zum Osteopathen, der auch keine qualitätsgesicherte Ausbildung haben muss.“ Gabi Prediger von der Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie begrüßt zwar den durch die Kassen ausgelösten „Aufschwung“ der Osteopathie, bemängelte jedoch ebenfalls, dass es keine einheitlichen Richtlinien für die Ausbildung von osteopathischen Behandlern gebe. Das sei „eine Gefahr für die Patienten“.

Die Wirkung osteopathischer Behandlungen ist, ähnlich wie bei der Homöopathie, wissenschaftlich bisher wenig belegt und deshalb nicht unumstritten. Gleichwohl ist Osteopathie bei vielen Versicherten populär. Einige Krankenkassen hoffen, dass sich durch osteopathische Behandlungen u. a. Folgekosten für Operationen reduzieren lassen. Erste Analysen zeigen nach Informationen von NDR Info bislang ein uneinheitliches Bild.

Immer mehr Kinder leiden unter Rückenschmerzen

Dass Rückengesundheit schon bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiges Thema ist, lässt sich beim Blick in die Wartezimmer von Orthopäden erahnen: Hier findet man unter den Patienten gehäuft auch immer mehr junge Menschen, was daran liegt, dass viele Heranwachsende schon unter Rückenschmerzen leiden. Wir haben mit Dr. Dieter Breithecker, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) e. V., über Hintergründe und Präventionsmöglichkeiten gesprochen.

Herr Dr. Breithecker, in den Köpfen vieler Menschen gelten Rückenschmerzen als typisches Altersleiden. Ist diese Annahme veraltet?

Natürlich, denn schon seit Jahren verlagern sich immer mehr sogenannte Alterskrankheiten auch auf jüngere Generationen. Hierzu zählen beispielsweise neben Diabetes-Typ 2 auch Rückenleiden. Zwischen 23 und 48 Prozent der Grundschüler leiden unter Rückenschmerzen. Im weiteren Schulalter steigen die Angaben signifikant an. Bis zu 83 Prozent der Schüler haben mit diversen Schmerzsymptomen wie Rückenschmerzen, Migräne und Bauchschmerzen zu kämpfen. Insbesondere wiederkehrende und chronische Schmerzen sind ein häufiger Grund von Schulfehlzeiten. Rückenschmerzen beeinträchtigen somit den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Sie stehen im Zusammenhang mit einer verringerten Lernmotivation und reduziertem Lernerfolg bei betroffenen Kindern und Jugendlichen.

Aber warum leiden schon so viele Kinder an Rückenschmerzen?

Das hat multifaktorielle Gründe. Die gegenwärtigen Forschungsergebnisse zeigen, dass bei Kindern und Jugendlichen ein komplexes Zusammenspiel von körperlichen, psychologischen und sozialen Faktoren das Rückenschmerzgeschehen bestimmt. Man muss auch immer wieder hervorheben, dass Kinder Heranwachsende sind. Das heißt, ihr Körper durchläuft wichtige und vor allem kritische biologische Reifungsprozesse. Dadurch weisen sie eine geringere Belastungsverträglichkeit auf, was aber nicht heißt, dass sie grundsätzlich geschont werden müssen. Aber: Einseitige Belastungen, Fehlbelastungen wie stundenlanges Sitzen auf schlechten und schlecht angepassten Schulmöbeln, Haltungsschwächen infolge einer mangelhaft ausgebildeten Muskulatur bzw. mangelhaften Körperwahrnehmung und zunehmende psychische Belastungen sind schlechte Garanten für eine gesunde Entwicklung des Rückens.

Inwiefern spielt die moderne Entwicklung der Gesellschaft eine Rolle?

Der Mensch steht immer in einem Wechselbezug zu seiner Umwelt. Diese verlangt uns heute im Gegensatz zu früher immer weniger körperliche Aktivität ab. Die Sekundärmobilität wie z. B. durch Autos und Rolltreppen löst die Primärmobilität, also das Fahrradfahren oder zu Fuß gehen, immer mehr ab. Kinder gehen heutzutage selten noch zu Fuß zur Schule. Ihre Umwelt- und Lebenserfahrungen sammeln sie heute mehr und mehr sitzend aus zweiter Hand (über Fernseher, Computer etc.). Klassische und durch die Vielfalt einer natürlichen Umwelt ermöglichte Bewegungsherausforderungen wie beispielsweise auf Bäume klettern, bleiben Kindern weitestgehend verschlossen. An diese Stelle treten immer mehr durchorganisierte und eingeschränkte Bewegungsangebote in Vereinen, auf Schulhöfen und Spielplätzen. Diese erreichen Kinder nicht in ihrem spielerischen Erkundungsbedürfnis, sind meistens übergesichert und damit wenig herausfordernd und langweilig. Die Folge: Kinder verbringen täglich im Schnitt neun Stunden sitzend und bewegen sich nur rund eine Stunde. Damit fehlen ihnen wichtige Impulse für die körperliche, geistige und psychische Entwicklung.

Viel Bewegung im Kindesalter ist also wichtig für einen gesunden Rücken. Aber muss es denn immer gleich Sport sein?

Viel Bewegung – und das bedeutet ca. drei Stunden täglich – ist elementar für die Entwicklung von Körper, Geist und Psyche und damit auch für den Rücken. Die Betonung liegt hier zuerst einmal auf Bewegung nicht auf Sport. Je jünger Kinder sind, umso mehr steht die spielerische und selbstorganisierte Bewegung im Vordergrund. Das heißt, dass insbesondere im Vor- und Grundschulalter die Vielseitigkeit vor der Spezialisierung stehen sollte. Gerade komplexe körperliche Aktivitäten wie Klettern, Balancieren, Hangeln, Springen, Rennen, Fahrrad fahren und mit Bällen spielen, geben wichtige Entwicklungsimpulse für alle biologischen Funktionen. Sportliches Interesse und Handeln kann mit zunehmendem Grundschulalter parallel dazu Berücksichtigung finden. Und da die Kinder in ihrer Freizeit heute mehr Zeit vor Fernseher, Computer und Co. sitzend verbringen, sollte dies möglichst auf kindgerechtem Mobiliar erfolgen.

Was bedeutet denn „kindgerechtes Mobiliar“? Und warum ist besonders das lange Sitzen in der Schule und zu Hause so schädlich?

Langes Sitzen ist für alle Generationen eine sehr unnatürliche Verhaltensweise. Das gilt insbesondere für Kinder, da gerade sie im Zuge ihrer Reifungsprozesse viele Entwicklungsreize in Form von vielseitiger Bewegung benötigen. Und diese Bewegungsreize fordert ein gesundes Kind auch permanent ein. Ein Grund, warum Kinder selten still sitzen können und auf dem Stuhl beginnen unruhig hin- und her zu rutschen oder zu kippeln. Das ist eine natürliche und gesunde „Strategie“ des heranwachsenden Organismus, sich gegen diese ungesunden Bedingungen zur Wehr zu setzen. Langes Sitzen und vor allem Stillsitzen bedeutet dagegen „Stress“ für Rücken, Geist und Seele. Kinder im Grundschulalter können maximal fünf Minuten still sitzen. Sie benötigen einen Stuhl, der ihre gesunde Bewegungsunruhe aufnimmt und nicht blockiert und sie sollten häufiger an einem Stehpult arbeiten.

Welche Anforderungen stellen Sie an einen idealen ergonomischen Arbeitsplatz für Kinder? Was zeichnet Ihrer Meinung nach gute Tische und Stühle aus?

Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum sitzen müssen, dann sollten sie als allererstes einen Stuhl und einen Tisch haben, der sich ihren konstanten, wachstumsbedingten Körperproportionsveränderungen stufenlos anpassen lässt. Darüber hinaus brauchen sie einen Stuhl mit einer dreidimensional beweglichen Sitzfläche. Diese nimmt die gesunde Bewegungsunruhe auf, anstatt sie zu blockieren. Dadurch wird auch während des Sitzens eine natürliche und intuitive Selbstorganisation von Sitzvariationen ermöglicht, die wir heute als dynamisches Sitzen bezeichnen. Darüber hinaus sollte häufig das Sitzen unterbrochen werden und z. B. an einem Stehpult weiter gelernt werden. Die Aktion Gesunder Rücken zeichnet besonders rückenfreundliche (Schreibtisch-) Stühle und Tische mit dem AGR-Gütesiegel aus. Zertifizierte Produkte gibt es beispielsweise von den Firmen aeris, moll, MOIZI und VS-Möbel. Weitere Informationen gibt es auf der AGR-Homepage unter www.agr-ev.de/produkte/guetesiegel in der Kategorie „Aktion Gesunder Kinderrücken“.

Abschließende Frage: Was tun Sie selbst für einen gesunden Rücken?

Grundsätzlich keine spezielle Rückengymnastik. Ich versuche so viel Bewegung wie möglich in meinen Alltag zu integrieren. Mein Bürostuhl und meine Freizeitstühle haben eine dreidimensional bewegliche Sitzfläche, mein Arbeitstisch kann ich zum Stehpult verändern, was ich auch regelmäßig nutze. Das Telefonieren erledige ich im Stehen oder laufe währenddessen hin und her. Ich ziehe grundsätzlich die Treppe Aufzügen und Rolltreppen vor. Darüber hinaus gilt für mich das bekannte Lebensmotto „Der Weg ist das Ziel!“ und ich versuche so viele Schritte wie möglich in meinen Alltag zu integrieren, ohne mich an der Maxime von 10.000 Schritten pro Tag zu orientieren. Ab und zu führt mich dann auch mal der Weg ins Fitnessstudio, aber nur, wenn es draußen kalt und regnerisch ist.

Weiterführende Informationen zu rückengerechten Kinderprodukten mit dem AGR-Gütesiegel und einem Verzeichnis geschulter und zertifizierter Fachgeschäfte sind auf Anforderung als Infopaket mit dem „Ergonomie-Ratgeber“ und dem Ratgeber „AGR-MAGAZIN“ zum Preis von 12,95 Euro bei der AGR (Tel. 04284/926 99 90 oder www.agr-ev.de/patientenmedien) erhältlich.

Kindern den Rücken stärken: Aktion Gesunder Kinderrücken

Die Initiative „Aktion Gesunder Kinderrücken“ der AGR und BAG fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und erweitert das Bewusstsein von Eltern, Lehrern und Kindern für ein rückengerechtes Umfeld sowie ausreichend Bewegung. Neben den bereits erwähnten Sitzmöbeln und Schreibtischen werden auch andere rückengerechte Kinderprodukte ausgezeichnet wie z.B. Autokindersitze. Bei langen Autofahrten schmerzt nicht nur bei Erwachsenen irgendwann das Kreuz, auch der Kinderrücken leidet. Viele der im Handel erhältlichen Sitze sind eher unkomfortabel und unergonomisch. Deshalb gilt: Kindersitze müssen nicht nur alle Sicherheitsbedingungen erfüllen, sondern auch den ergonomischen Anforderungen des Nachwuchses gerecht werden. AGR-zertifizierte Kindersitze gibt es bei der Firma kiddy (www.kiddy.de). Auch ein falsches Schuhwerk kann bei Heranwachsenden schnell zu Rückenbeschwerden führen. Denn ein Großteil der Kinder und Jugendlichen leidet unter Fußschwächen und teilweise sogar unter beginnenden Fußschäden, die schließlich zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen führen. Produkte mit dem AGR Gütesiegel aus diesem Bereich sind der chung shi® DUX Trainer Kids sowie der chung shi® DUXFree Kids (www.chung-shi.com).

Beschwerden in den Wechseljahren

Bei den weiblichen Sexualhormonen steht meist das Östrogen im Vordergrund. Ebenso wichtig ist jedoch das Progesteron, auch als Gelbkörperhormon bezeichnet. Es wird bei gebärfähigen Frauen nach dem Eisprung im Gelbkörper gebildet, der sich aus den Resten der Eihülle entwickelt. Das Hormon sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut auf die folgende Schwangerschaft vorbereitet. Wird die Frau nicht schwanger, fällt der Progesteronspiegel wieder ab und schließlich setzt die Menstruation ein.

Bleibt der Eisprung aus, fehlt Progesteron

Mit Beginn des Klimakteriums findet immer öfter kein Eisprung mehr statt, womit auch die erhöhte Progesteronproduktion in der zweiten Zyklushälfte ausbleibt. Dadurch kommt es in dieser Phase zu einem relativen Östrogenüberschuss. Dann zeigen sich oft die ersten Wechseljahresbeschwerden durch Progesteronmangel mit Symptomen wie unregelmäßigen Monatszyklen, besonders starken Blutungen, Stimmungsschwankungen und schmerzhaftem Brustspannen. Schlafstörungen sind ebenfalls häufig, da die schlaffördernde Wirkung des Progesterons wegfällt. Und weil der Östrogenüberschuss auch die Einlagerung von Wasser begünstigt, legen Frauen oft an Gewicht zu.

Progesteronmangel lässt sich behandeln

Durch einen Progesteronmangel verursachte Beschwerden lassen sich oft durch eine Substitution des Hormons (www.hormontherapie-wechseljahre.de) lindern. Eine Untersuchung des Münchener Max-Planck-Instituts hat beispielsweise ergeben, dass der gestörte Nachtschlaf durch mikronisiertes Progesteron wieder deutlich ruhiger werden kann. Ödeme und damit die lästigen Brustschmerzen können ebenfalls verringert werden, da es auch wasseraustreibend wirkt. Weiterhin werden dem Progesteron stimmungsaufhellende und hautglättende Wirkungen zugeschrieben. Bei einer Hormonersatztherapie setzt man es auch gemeinsam mit Östrogen ein, um Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut zu verhindern.

Besser natürlich als synthetisch

Um Wechseljahresbeschwerden durch Progesteronmangel zu behandeln, gibt es sowohl synthetische Gestagene als auch körperidentisches Progesteron, etwa Utrogest. Dabei zeigte sich das natürliche Progesteron in Studien verträglicher und hatte ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen. So konnte bei der Therapie mit dem naturidentischen Hormon im Gegensatz zu einer längerfristigen Therapie mit Gestagenen kein erhöhtes Brustkrebsrisiko beobachtet werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten für Progesteron sind die Behandlung von Brustbeschwerden und unerfüllter Kinderwunsch. Auch kann es Frühgeburten verhindern helfen.

Selbsthilfe mit Sport und Entspannung

Neben einer medikamentösen Behandlung kann auch Eigeninitiative menopausale Beschwerden lindern. Besonders günstig ist regelmäßiger Sport, aber auch aktive Entspannung etwa mit Meditation, Yoga oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobson kann die Nerven beruhigen und stärken. Feste Schlafenszeiten erleichtern das Einschlafen. Auf Alkohol und Zigaretten sollte man weitgehend verzichten, dafür gesund und vitaminreich essen.