Archiv für den Monat: Juli 2014

DVD „Lungenkrebs“ hilft Patienten und Angehörigen

Obwohl Lungenkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland ist, kommt die Diagnose meist unerwartet. Für die rund 55.600 jährlich neu Betroffenen in Deutschland ist sie ein Schock, der das bisherige Leben und zukünftige Planungen auf den Kopf stellt. Um den Patienten und ihren Angehörigen Mut zu machen und ihnen Hoffnung zu geben, hat die Deutsche Krebshilfe in ihrer Reihe „Die blaue DVD“ nun den Patienten-Informationsfilm „Lungenkrebs“ veröffentlicht. Der Film kann ab sofort kostenlos bei der Deutschen Krebshilfe unter der Telefonnummer 02 28/ 7 29 90-0 und unter www.krebshilfe.de angefordert werden.

In dem Patienten-Informationsfilm erklären Experten, wie sich Lungenkrebs behandeln lässt und welche Nebenwirkungen dabei auftreten können. Betroffene berichten von ihren Erfahrungen und wie sie ihren Alltag mit der Erkrankung erleben. Sämtliche Informationen zu medizinischen Sachverhalten und Therapiemöglichkeiten werden allgemein verständlich und umfassend vermittelt. Ergänzend zum Hauptfilm enthält diese DVD kurze Bonusfilme – unter anderem zu den Themen Chemotherapie, zusätzliche Heilmethoden, Patienten und Ärzte als Partner, Palliativmedizin sowie Hilfen für Angehörige.

Neben dem Patienten-Informationsfilm „Lungenkrebs“ sind DVD-Ratgeber über Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs, Fatigue, Hautkrebs, Palliativmedizin, Hodgkin Lymphom und Krebs bei Kindern verfügbar. Weitere Informationen erhalten Interessierte auch in der Broschüre „Lungenkrebs“ aus der Reihe „Die blauen Ratgeber“. Diese und viele weitere Titel sind kostenlos erhältlich bei der Deutschen Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, unter der Telefonnummer 02 28/ 7 29 90-0 sowie als Download im Internet.

Hintergrund-Informationen: Lungenkrebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 500.000 Menschen neu an Krebs, darunter rund 55.600 Menschen an einem Bronchialkarzinom. Mit etwa 36.000 Neuerkrankungen sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Allerdings steigt die Zahl der Neuerkrankungsfälle bei den Frauen stetig. Die Ursache: Immer mehr Frauen rauchen. Etwa 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Zigarettenrauch enthält zahlreiche krebserzeugende Substanzen. Ein erhöhtes Risiko liegt auch beim Passivrauchen vor. Substanzen wie Radon in Wohnhäusern, Asbest, Dieselruß, ionisierende Strahlung, Quarzstäube, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und ionisierende Strahlung können die Entstehung von Lungenkrebs ebenfalls begünstigen.

Naturmoorbäder können geplagte Gelenke und Muskeln entlasten

Knirschende Gelenke und schmerzende Muskeln – fast zehn Millionen Deutsche haben der Herner Arthrose-Studie zufolge täglich mit dieser Last zu kämpfen. Gemäß einer repräsentativen Umfrage des „Senioren Ratgeber“, durchgeführt von der GfK Marktforschung im Jahr 2010, sind bei Menschen im Alter von 70 Jahren aufwärts sogar 43 Prozent betroffen. Kein Wunder also, dass es vielen Senioren vor der dunklen Jahreszeit graut: Denn Nässe und Kälte können die Beschwerden verschlimmern. Darum bietet es sich an, ganz bewusst im Herbst oder Winter einen Kuraufenthalt oder einen Kurzurlaub in einem Kurort einzuplanen – wie beispielsweise Bad Bocklet: Das Bayerische Staatsbad ist bekannt für sein Angebot an verschiedenen Naturmooranwendungen, die Gelenk- und Muskelprobleme lindern können.

Wohltuende Wärme im Vollbad

Der ganze Körper schwebt hierbei wie schwerelos in der breiigen Masse, die wohltuende Wärme verteilt sich gleichmäßig und dringt tief in die Gewebeschichten ein. Die Durchblutung wird angeregt, Entzündungen und Schwellungen werden gelindert und die Muskulatur entspannt sich. Der hydrostatische Druck gleicht einer Lymphdrainage und regt den Abfluss angestauter Gewebeflüssigkeit an. Zugleich beeinflussen biologische Substanzen das Immunsystem und den Hormonhaushalt auf positive Weise.

Es ist diese Kombination aus thermo-physikalischer, chemischer und mechanischer Wirkung, die Schmerzgeplagte – seien es die Gelenke, die Muskeln oder der Rücken – auf Moorbäder schwören lassen. Doch nicht viele Kurbäder in Deutschland bieten noch Anwendungen mit flüssigem Badetorf an. In Bad Bocklet hingegen haben sie seit mehr als 150 Jahren Tradition. Nähere Informationen gibt es unter www.badbocklet.de.

Wer rastet, der rostet

Während Orthopäden und Ärzte früher die Schonung von schmerzenden Gelenken empfahlen, gilt heute das gute, alte Sprichwort: „Wer rastet, der rostet“. Denn maßvolle, aber regelmäßige Bewegung sorgt dafür, dass die sogenannte Gelenkschmiere die Blutgefäße in den Knorpeln ausreichend mit Nährstoffen versorgt, indem sie quasi in die Zellen hineinmassiert wird. In Bad Bocklet erwarten den Kurgast oder Kurzurlauber nicht nur wohltuende Naturmoor-Anwendungen: Die schönen Wege entlang der fränkischen Saale laden auch zum Spazierengehen oder Nordic Walking ein. Zahlreiche Schwimmbäder bieten Wassergymnastik-Kurse an: Eine besonders gelenkschonende Möglichkeit, um Sport zu treiben.

Lebensmittelkeim im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Ein Darmkeim, der eigentlich Lebensmittelvergiftungen auslöst, könnte zukünftig in der Krebstherapie eingesetzt werden: Das Bakterium Clostridium perfringens sondert einen Giftstoff ab, die Hülle von Tumorzellen durchlöchert und diese so zerstört. Berliner Wissenschaftler untersuchen derzeit die Wirksamkeit des Bakteriengiftes gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 240.000 Euro.

Ob Rind, Fisch oder Geflügel – verdorbene Fleischwaren sind der bevorzugte Aufenthaltsort des Lebensmittelkeims Clostridium perfringens. Gelangt das stäbchenförmige Bakterium durch den Verzehr der schlecht gewordenen Lebensmittel in den Magen und weiter in den Darm, drohen Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Ursache für die Symptome ist ein spezieller Giftstoff, den der Keim absondert – das sogenannte Clostridium perfringens Enterotoxin.

Im Darm freigesetzt, erkennt das Enterotoxin zwei Moleküle auf der Oberfläche von Zellen der Darmschleimhaut, die als Claudin-3 und Claudin-4 bezeichnet werden. An diese Moleküle heftet sich der Giftstoff und beginnt damit, die Zellhülle zu durchlöchern. Mit verheerenden Folgen: Die schwer beschädigte Zelle stirbt ab.

Diesen Effekt wollen sich die Wissenschaftler des Experimental and Clinical Research Center der Berliner Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zunutze machen. Ebenso wie Darmzellen besitzen auch Tumorzellen der Bauchspeicheldrüse große Mengen von Claudin-3 und Claudin-4 auf ihrer Oberfläche. „Somit sind diese Krebszellen ein perfektes Ziel für das Enterotoxin. Es erkennt die Claudine auf den Tumorzellen und greift an“, erläutert der Studienleiter Professor Dr. Wolfgang Walther. „Genau wie Darmschleimhautzellen bei einer Lebensmittelvergiftung werden die Tumorzellen perforiert und zerstört.“

Per nadelloser Hochdruckinjektion wollen die Forscher eine Art Genfähre direkt in das Tumorgewebe schießen. Diese enthält den genetischen Bauplan für das Enterotoxin und ermöglicht so die Produktion des Giftstoffes. „Das Clostridium perfringens Enterotoxin wird so direkt vor Ort hergestellt“, so Walther weiter. „Für gesunde Zellen der Bauchspeicheldrüse ist das ungefährlich, da diese kein Claudin-3 oder Claudin-4 auf ihrer Oberfläche ausbilden.“

Derzeit überprüfen die Wissenschaftler ihre Theorie im Labor. „Erweist sich unser Therapieansatz als erfolgreich, haben wir eine schlagkräftige Waffe gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs an der Hand“, hofft Walther. Rund 17.400 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einem äußerst aggressiven Tumor. Meistens wird die Erkrankung erst spät bemerkt und nur wenige Patienten überleben die Diagnose länger als ein Jahr. Der Tumor breitet sich schnell aus, verstreut Kolonien in anderen Organen und ist gegenüber gängigen Therapien weitgehend unempfindlich.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den problematischsten Tumorerkrankungen. Die Entwicklung besserer Diagnose- und Therapiemöglichkeiten ist daher wichtig, um die Überlebenschancen der Betroffenen zu verbessern.“

Hintergrundinformation: Krebsforschung

Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und immer wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken – die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. In den letzten Jahren investierte die Deutsche Krebshilfe jährlich rund 35 bis 40 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Ziel der Forschungsförderung der Deutschen Krebshilfe ist es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen, sowie die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen stetig zu verbessern.

Das MDC und ECRC, Berlin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und die Charité – Universitätsmedizin Berlin haben 2007 auf dem Campus Berlin-Buch ein Zentrum für die klinische Forschung gegründet, das Experimental and Clinical Research Center (ECRC). Es fördert die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und klinischen Forschern. Ziel dieser engen Zusammenarbeit ist es, die Erkenntnisse aus den Forschungslaboren beschleunigt in die medizinische Praxis zu bringen. Das MDC, eine außeruniversitäre Einrichtung, die zur Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gehört, und die Charité – Universitätsmedizin betreiben das ECRC gemeinsam. Sie finanzieren es jährlich mit jeweils mit rund sechs Millionen Euro. Direktor des ECRC ist der Nieren- und Bluthochdruckspezialist Professor Friedrich C. Luft.

„Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“

„Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“ ist das Motto der Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie von WÖRWAG Pharma und der Deutschen Diabetes-Stiftung. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin zogen die Initiatoren ein vorläufiges Resümee: Im vergangenen Jahr wurden in 17 Städten über 700 Fuß-Checks durchgeführt. Deren Ergebnisse zeigen, dass bei etwa jedem zweiten Untersuchten ein Verdacht auf eine diabetesbedingte Nervenschädigung, eine so genannte diabetische Neuropathie, vorlag. „Viele der Untersuchten wussten zuvor nichts von dieser Erkrankung. Die Daten unterstreichen, wie wichtig die Aufklärung zu diesem Thema ist“, erklärte Professor Dan Ziegler, Düsseldorf, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Aufklärungsinitiative. Die Experten waren sich einig, dass erste Warnsignale dieser diabetischen Folgeerkrankung frühzeitig erkannt und ernst genommen werden sollten. Denn Kribbeln, Brennen, Schmerzen oder Taubheitsgefühle in den Füßen können Anzeichen einer diabetischen Neuropathie sein. Wer frühzeitig handelt, kann dem Voranschreiten der Nervenschädigung entgegenwirken und schwerwiegende Komplikationen vermeiden.

Zentrale Elemente der bundesweiten Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“ sind der einzigartige Barfuß-Parcours und die bei den Aktionstagen bundesweit vorgenommenen Fuß-Checks. Hierbei untersuchen Podologen die Füße, überprüfen die Fußpulse und analysieren die Temperatur-, Druck- und Vibrationswahrnehmung an den Füßen. So können sie feststellen, ob bei den Untersuchten ein Verdacht auf eine Neuropathie besteht. Im ersten Jahr der Aufklärungsinitiative wurden über 700 Menschen in 17 Städten untersucht. „Die Ergebnisse zeigen, dass etwa bei der Hälfte der Untersuchten Anzeichen einer diabetischen Neuropathie vorliegen“, erklärte Prof. Dr. med. Oliver Schnell, München. Die Auswertung ergab außerdem, dass mehr als zwei Drittel der Menschen mit Verdacht auf Neuropathie nicht wussten, dass sie an einer Nervenstörung leiden. Eine aktuelle Studie zeigt ähnliche Ergebnisse: 77 % der Patienten mit einem bekannten Diabetes und einer Neuropathie wussten nichts von ihrer Nervenerkrankung.(1)

Auf die Füße „hören“: Diabetische Neuropathie frühzeitig erkennen und handeln

Je früher eine Neuropathie erkannt wird, desto erfolgreicher kann man Folgekomplikationen wie dem diabetischen Fuß-Syndrom entgegenwirken. „Jährlich sind in Deutschland rund 50.000 Amputationen auf ein diabetisches Fußsyndrom zurückzuführen“, sagte Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Stuttgart. Umso wichtiger ist es also auf seine Füße zu „hören“ und seinem Arzt unbedingt alle auffälligen Wahrnehmungsveränderungen mitzuteilen. Durch regelmäßige Untersuchungen mit einfachen Tests kann die diabetische Neuropathie frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen diabetesbedingte Komplikationen ist eine konsequente Blutzuckereinstellung und die Vermeidung so genannter Blutzuckerspitzen, wie Prof. Dr. med. Kristian Rett, Frankfurt am Main ausführte. Für den Alltag der Patienten bedeutet dies, den Verzehr von raffiniertem Zucker möglichst komplett zu vermeiden und stattdessen auf komplexe Kohlenhydrate, die z. B. in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Gemüse enthalten sind, umzusteigen. Zudem sollte ein Vitamin-B1-Mangel vermieden werden.

Die Therapie der diabetischen Neuropathie

Bei der Behandlung der diabetischen Neuropathie empfiehlt Prof. Dr. med. Karlheinz Reiners, Würzburg, nach dem „Drei-Säulen-Schema“ vorzugehen. Danach steht die erste Säule der Therapie für eine individuell angepasste, optimale Diabeteseinstellung. Die zweite Säule hat zum Ziel, krankmachende Stoffwechselwege auszuschalten, die in der Folge Nerven und Gefäße schädigen können. Hier steht z. B. die Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin zur Verfügung. Die vitaminähnliche Substanz aktiviert das Enzym Transketolase und kann so die Bildung von aggressiven Zuckerabbauprodukten (AGEs, Advanced Glycation Endproducts), die durch die Überzuckerung des Blutes vermehrt entstehen, hemmen. Dadurch kann Benfotiamin bei regelmäßiger Einnahme Nerven und Blutgefäße vor Schädigungen schützen und die Symptome der diabetischen Neuropathie lindern. Als dritte Säule der Therapie gilt die rein symptomatische Therapie, die neuropathische Schmerzen medikamentös behandelt und so die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann, aber auch potenzielle Nebenwirkungen hat.

Quelle:
(1) Bongaerts BWC et al. Diabetes Care 2013;36:1141-46.

Über die Aufklärungsinitiative

Mit der Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“ informieren WÖRWAG Pharma und die Deutsche Diabetes-Stiftung (DDS) zusammen mit renommierten Experten über die diabetische Neuropathie, um Früherkennung und rechtzeitige Therapie zu fördern und Komplikationen, wie das diabetische Fußsyndrom, zu verhindern. Die Initiative wurde im Mai 2013 ins Leben gerufen. Seitdem hat sie mit ihrer Informationstour 18 Stopps in 17 Städten gemacht. Spannende Aktionen rund um das Thema Fußgesundheit laden die Menschen mit Diabetes und Interessierte am Aktionsstand zum Mitmachen ein. So können sie beispielsweise auf einem Barfuß-Parcours das eigene Gespür in den Füßen auf die Probe stellen. Gibt es Anzeichen von Empfindungsstörungen, besteht vor Ort die Möglichkeit, von einem Podologen einen kostenlosen Fuß-Check durchführen zu lassen. Hierbei werden Temperatur-, Druck- und Vibrationswahrnehmung untersucht. Im Rahmen von Expertenvorträgen erhalten die Standbesucher außerdem vielfältige Tipps – von der richtigen Fußpflege bis hin zum Tragen des richtigen Schuhwerks.

Weitere Informationen zur Aufklärungsinitiative und zu den Tourstopps 2014 finden Interessierte unter www.hoerensieaufihrefuesse.de.

Gefahr für Herzpatienten durch Terminnot beim Arz

Die langen Wartezeiten für Facharzttermine, die zurzeit im Zentrum öffentlicher Diskussion stehen, sind für Herzpatienten besonders kritisch, unter Umständen sogar gefährlich. „Die Terminnot bei vielen Fachärzten kann für Herzpatienten mit ernsthaften Beschwerden durch eine Erkrankung der Herzkranzgefäße oder durch bedrohliche Herzrhythmusstörungen fatale Auswirkungen haben“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Um dieser Terminnot abzuhelfen, hat der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) ein Modell entwickelt, das bundesweit verwirklicht werden soll: die Brustschmerz-Ambulanz, die durchgehend von 8 bis 18 Uhr von Montag bis Freitag Patienten mit Brustschmerz ohne Voranmeldung und ohne Überweisung offensteht. Dadurch bieten die Brustschmerz-Ambulanzen wichtige Vorteile:

– Patienten mit möglicherweise gefährlicher Entwicklung ihrer Herzkrankheit können umgehend untersucht und behandelt werden. Voraussetzung für die Zertifizierung einer Brustschmerz-Ambulanz durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist ja die Anbindung an eine CPU (Chest Pain Unit/Herznotfallambulanz).

– Noch immer scheitert eine schnelle, effektive Behandlung von Herzinfarkten daran, dass Patienten zu spät die 112 anrufen oder sich zu spät in eine CPU fahren lassen. Die Hemmschwelle der Patienten wäre gegenüber Brustschmerz-Ambulanzen deutlich niedriger, sodass auch bei der Therapie des Herzinfarkts durch die Brustschmerz-Ambulanzen deutliche Fortschritte erzielt werden könnten.

– Bei vielen Patienten ist der Brustschmerz auf andere Erkrankungen, z. B. orthopädische Probleme, zurückzuführen. Diese Patienten würden schnell herausgefiltert und anderen Fachärzten überwiesen. So würden Notfallaufnahmen der Krankenhäuser und CPUs entlastet.

„Wir sehen die Verteilung von Brustschmerz-Ambulanzen gerade in versorgungsschwachen Regionen wie Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Brandenburg, wo die nächste CPU oft weit entfernt ist, als eine notwendige Ergänzung, um eine umgehende Versorgung von gefährdeten Herzpatienten zu gewährleisten. Bei den Brustschmerz-Ambulanzen ist von Anfang auf eine flächendeckende bundesweite Verteilung zu achten“, mahnt Prof. Meinertz.

Finanzierung problematisch
Allerdings stellt die Finanzierung solcher Ambulanzen noch ein Problem dar. Die Brustschmerz-Ambulanzen erfordern Investitionen in Infrastruktur und gut ausgebildetes Assistenzpersonal. „All diese zusätzlichen Leistungen müssen finanziert werden“, sagt der Kardiologe Dr. med. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK. „Angebracht wäre eine Vergütung von etwa 100 Euro für jeden untersuchten Patienten, damit die Brustschmerz-Ambulanz sich finanziell trägt.“ Smetak zufolge erhält ein Kardiologe für den Kassenpatienten pro Quartal je nach Region 40 bis 60 Euro. Darin seien Untersuchungen (EKG, Echokardiographie, Labor) eingeschlossen.

Die Deutsche Herzstiftung unterstützt das Modellprojekt des BNK. „Es ist klar, dass dieses Projekt nicht ohne zusätzliche Honorierung umgesetzt werden kann. Man kann von den Kardiologen nicht verlangen, dass sie umsonst diese Leistung vollbringen“, stellt Prof. Meinertz fest. Deshalb erfolgten bereits erste Gespräche mit den Krankenkassen: „Zusammen mit der Herzstiftung haben wir wegen der Finanzierung bereits Gespräche mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen geführt und die Brustschmerz-Ambulanz als optimales Modell zur Terminentzerrung vorgestellt“, hebt Dr. Smetak hervor.