Archiv für den Monat: Februar 2015

Elektronische Gesundheitskarte

Die neuesten Veröffentlichungen aus den Dokumenten von Edward Snowden zeigen ganz deutlich: Es gibt keine Sicherheit für das Mammutprojekt elektronische Gesundheitskarte (eGK). „Nach 11-jähriger erfolgloser Planung sollte es endlich eingestellt werden“, sagte die Sprecherin der Aktion „Stoppt die e-Card“, Dr. Silke Lüder, heute in Hamburg. Den Geheimdiensten der USA und Großbritanniens sei es den Snowden-Dokumenten zufolge schon im Jahr 2010 gelungen, Sicherheitskonzepte eines Chipkartenherstellers zu überwinden und bis jetzt unbemerkt an deren Sicherheitsschlüssel zu gelangen. Dieses Unternehmen hat nicht nur SIM-Karten für Handys hergestellt, sondern auch die elektronischen Gesundheitskarten für 25 Millionen AOK-Versicherte sowie Kartenlesegeräte für Arztpraxen.

„Wenn bis heute dieses Datenleck den Betreibern der Firma nicht aufgefallen ist, bedeutet das, dass interne Kontrollen völlig versagt haben müssen. Es gibt also keine Sicherheit mit den jetzt ausgegebenen elektronischen Karten“, sagte der Sicherheitsexperte Rolf Lenkewitz heute in München. „Allein die potenziellen Auswirkungen erfordern einen sofortigen Stopp der eGK und telematischen Infrastruktur. Die von den Geheimdiensten erlangten Informationen könnten die Bausteine sein, um jederzeit in der Zukunft, dieses größte IT-Projekt Europas zu kompromittieren und die sensibelsten und schützenswertesten Daten der Versicherten einzusehen und zu missbrauchen.“

Auch Professor Hartmut Pohl, Mitglied des Beirats der International Security Academy und Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises „Datenschutz und IT-Sicherheit“ der Gesellschaft für Informatik e. V., warnte heute vor den Folgen: „Dies ist nicht das erste Mal, dass ein Trust Center von Sicherheitsbehörden und Nachrichtendiensten wie der NSA geknackt wurde und alle Sicherheitsschlüssel ausgelesen werden konnten. Die erfolgreichen Angriffstechniken funktionieren auch für SIM-Karten und Handy-Schlüssel, elektronische Personalausweise und Reisepässe, Kredit- und Debitkarten, elektronische Türöffner, TAN-Generatoren, die eGK …“ Laut Pohl dürften in Deutschland aktuell weit mehr als 50.000 der wichtigsten Server in Unternehmen, Regierung und Verwaltung mit sogenannten Backdoors der NSA versehen sein (Strategic Servers).

Ziel der Geheimdienstangriffe sollen auch andere Großhersteller für elektronische Gesundheitskarten in Deutschland gewesen sein. „Der Nachweis dieser unbemerkten Angriffe ist der Super-GAU für das eGK-Projekt“, teilten die Sprecher der Aktion „Stoppt die e-Card“ in einer Stellungnahme mit. „Das zeigt, dass es die von der eGK-Betreibergesellschaft Gematik immer wieder behauptete Datensicherheit nicht gibt.“ Mit den ausgegebenen Chipkarten könne man keine der geplanten Anwendungen im eGK-Projekt realisieren: weder sensible Sozial- oder Medizindaten online versenden, noch Notfalldaten, Organspende-Ausweise und Medikationsdaten auf der eGK speichern, noch die Karte als Schlüssel für die Erstellung einer elektronischen Patientenakte verwenden.“

„Wir fordern, dass das gescheiterte milliardenteure Projekt sofort eingestellt und die geplanten weiteren Gelder in eine gute medizinische Behandlung und in sichere dezentrale moderne Kommunikationswege in der Medizin investiert werden“, so die Aktionssprecher. „Alle Planungen für das neue E-Health-Gesetz der schwarz-roten Koalition müssen gestoppt werden, denn auf Basis derart fraglicher Datensicherheit können solche Gesetzesvorhaben nicht realisiert werden.“

Über die Aktion „Stoppt die e-Card“

„Stoppt die e-Card“ ist ein breites Bündnis von 54 Bürgerrechtsorganisationen, Datenschützern, Patienten- und Ärzteverbänden. Unter anderem gehören dazu: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Digitalcourage, Chaos Computer Club, IPPNW, Freie Ärzteschaft e. V., NAV-Virchowbund, Deutsche AIDS-Hilfe. Das Bündnis lehnt die eGK ab und fordert, das milliardenschwere Projekt einzustampfen. Sprecher der Aktion „Stoppt die e-Card“ sind Dr. Silke Lüder, Gabi Thiess, Dr. Manfred Lotze und Kai-Uwe Steffens.

E-Shishas gehören nicht in Kinderhände

E-Zigaretten und E-Shishas liegen bei jungen Menschen im Trend. Obwohl sie gesundheitlich bedenklich sind, können Kinder und Jugendliche diese Produkte mit Erdbeer oder Karamellgeschmack ohne Einschränkung am Kiosk kaufen. Um Minderjährige vor den gesundheitlichen Gefahren und einer möglichen späteren Nikotinsucht zu schützen, fordert die Deutsche Krebshilfe gemeinsam mit dem AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN und weiteren Experten diese Gesetzeslücke zu schließen.

Sowohl nikotinfreie als auch nikotinhaltige Flüssigkeiten, die in E-Zigaretten und E-Shishas verdampft werden, bestehen aus verschiedenen Chemikalien, die nachweislich zu Atemwegsreizungen führen können und zudem die Innenraumluft verschlechtern. „Durch die Inhalation von Chemikalien beim Gebrauch von E-Zigaretten werden die Atemwege auch von Kindern und Jugendlichen gereizt. Dies bereitet den Boden für Infektionen, langfristig sind Lungenveränderungen nicht auszuschließen“, so Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, weist darauf hin, dass insbesondere Kinder und Jugendliche geschützt werden müssen, weil mit „kinderfreundlichen“ Aromen und Produkt-Designs gezielt junge Konsumenten angesprochen werden. „Mit vermeintlich harmlosen und schmackhaften E-Shishas und E-Zigaretten wird das Rauchritual eingeübt. Ihr Konsum kann den Einstieg in das Rauchen fördern und damit die bisherigen Erfolge der Tabakprävention bei Jugendlichen zunichte machen.“

Auch Kinder- und Jugendärzte sehen neben den gesundheitlichen Risiken durch die „Liquids“, wie sie zum Beispiel in E-Zigaretten enthalten sind, die Gefahr des Einübens eines falschen Verhaltensmusters. „Wir unterstützen daher das generelle Verbot von E-Zigaretten und E-Shishas für Minderjährige – unabhängig davon, ob sie einen Wirkstoff enthalten oder nicht“, so Dr. Ulrich Fegeler, Pressesprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Insbesondere Jugendliche konsumieren immer häufiger nikotinfreie und nikotinhaltige E-Shishas und E-Zigaretten. Auf Schulhöfen sind sie mittlerweile allgegenwärtig. Diese Entwicklung besorgt Eltern, Lehrer und Schulleitungen gleichermaßen.

Wolfgang Pabel, stellvertretender Vorsitzender des Bundeselternrates erklärt: „Dank gesetzlicher Regelungen gehört Rauchen nicht mehr zum selbstverständlichen Alltag von Heranwachsenden – insbesondere nicht in der Schule. Deshalb haben auch E-Zigaretten auf Schulhöfen nichts zu suchen. Die Bundesregierung muss hier für klare Regeln sorgen“.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will den Verkauf von E-Zigaretten und E-Shishas an Jugendliche verbieten und kündigte Mitte Januar 2015 eine entsprechende Novelle des Jugendschutzgesetzes an. Ähnlich äußerten sich Bundesernährungsminister Christian Schmidt und Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN sowie Kinder- und Jugendärzte und Bundeselternrat setzen sich vehement für eine konsequente Novellierung und ein Abgabeverbot aller E-Inhalationsprodukte – ob mit oder ohne Nikotin – an Minderjährige ein.

AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN E.V.

Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN E.V. ist ein Zusammenschluss von elf bundesweit tätigen Organisationen des Gesundheitswesens in Deutschland. Es wurde mit dem Ziel gegründet, Maßnahmen zur Tabakkontrolle auf politischer Ebene anzuregen, zu fördern und zu begleiten. Folgende Organisationen bilden das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, Bundesärztekammer, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Deutsche Herzstiftung, Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe und Deutsche Lungenstiftung.

Wieder beweglich und aktiv dank künstlichem Hüftgelenk

Tanzen, Tennisspielen oder Wandern waren bisher der pure Genuss. Nun aber treten immer öfter Schmerzen in der Leistengegend auf. Arthrose? Bei dieser Krankheit nutzen sich mit zunehmendem Alter die Knorpel zwischen den Gelenken ab, bis die Knochen aufeinanderreiben. Das führt zu Schmerzen, Gelenksteifheit und Mobilitätsverlust. Das am häufigsten betroffene Gelenk ist die Hüfte. Nach einem Bericht des Magazins Reader’s Digest werden deshalb europaweit jährlich rund 800.000 neue Hüftgelenke eingesetzt, Tendenz steigend. In seiner Februar-Ausgabe informiert das Magazin ausführlich über die Hüftoperation, die mittlerweile ein Routineeingriff ist.

Aktuellen Schätzungen zufolge leiden weltweit rund 18 Prozent aller Frauen und knapp 10 Prozent aller Männer unter Arthrose. Ursachen für die Erkrankung können neben einer erblichen Vorbelastung auch Autoimmunerkrankungen, Schenkelhalsfrakturen oder übermäßiger Alkoholkonsum sein. Schmerzmittel, Gymnastik und Gewichtsreduzierung lindern die Probleme zeitweise. Experten raten aber zur Operation, wenn die Schmerzen zu groß werden. Bei der totalen Hüftprothese wird das betroffene Gelenk durch ein künstliches aus Polyethylen, Keramik oder Metall ersetzt. Die neue Pfanne wird mit dem Becken verbunden, der Stiel in den Oberschenkelknochen eingefügt. Beide Teile werden dabei mit acrylbasiertem Knochenzement befestigt. „Zement ist eine perfekte Sofortlösung“, erklärt Professor Werner Siebert von der Philipps-Universität Marburg und ärztlicher Direktor der Vitos Orthopädischen Klinik in Kassel. „So kann der Patient bereits am nächsten Tag wieder gehen. Eine Hüftoperation dauert etwa zwei Stunden. Schon nach vier Tagen kann der Patient wieder nach Hause.“

Mit der immer häufiger angewandten Spinalanästhesie, bei der der Körper nur von der Taille abwärts betäubt ist, bleiben die Patienten bei vollem Bewusstsein. Sie verlieren bei der OP weniger Blut und benötigen nur wenig Schmerzmittel. Zudem sinkt das Risiko von Blutgerinnseln in Beinen und Lunge. Vorsicht ist geboten, wenn Hüftimplantate aus reinem Metall sind. Der Grund: Die Prothesen müssen viel früher ausgetauscht werden; zudem besteht das Risiko, dass Metallrückstände in den Blutkreislauf gelangen. Das führt zu Gewebeschäden und kann sich langfristig auf die Gesundheit auswirken. Stattdessen setzt man heute vor allem auf Metall-auf-Kunststoff, Keramik- oder Keramik-auf-Kunststoff-Implantate. Wer sich für eine Hüft-OP entscheidet, sollte sich deshalb zuvor intensiv über den behandelnden Arzt und das Material informieren.

Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Februar-Ausgabe von Reader’s Digest Deutschland ist seit Montag, 26. Januar an zentralen Kiosken erhältlich.