Archiv für den Monat: Juli 2015

„Abkassiert beim Zahnarzt?“

Jeder Deutsche geht im Schnitt einmal im Jahr zum Zahnarzt. Kassenpatienten zahlen bei diesen Praxisbesuchen mittlerweile viele Leistungen aus eigener Tasche – und immer mehr von ihnen geraten dabei finanziell ans Limit. Seit der Gesundheitsreform vor zehn Jahren, mit der die Privatisierung der Zahnmedizin begann, ist der Verbraucherschutz offenbar auf der Strecke geblieben. „ZDFzoom“ fragt in der Sendung am Mittwoch, 29. Juli 2015, 22.45 Uhr: Warum werden Millionen Menschen beim Zahnarzt so massiv zur Kasse gebeten?

Patienten können nicht wissen, welche Preise angemessen sind und welche Behandlung sie wirklich brauchen. Viele vertrauen ihrem Zahnarzt blind. „ZDFzoom“-Autor Hannes Vogel spricht mit Zahnärzten, die kritisieren, dass manche in ihrer Branche ungeniert zugreifen oder Patienten zu teuren, unnötigen Behandlungen raten.

Die Analyse des Autors zeigt: Die Krankenkassen haben kein Interesse, an diesem System etwas zu ändern. Denn sie sparen, indem sie die Kosten auf die Versicherten verschieben: Mindestens 3,2 Milliarden Euro zahlen Patienten inzwischen jedes Jahr allein beim Zahnersatz aus eigener Tasche, das haben Berechnungen von „ZDFzoom“ ergeben. Die weitaus höheren Summen, die der Zahnarzt direkt mit dem Patienten abrechnet, werden dagegen von keiner Stelle erfasst oder gar kontrolliert.

Um den Verbraucherschutz ist es seit der Gesetzesänderung 2005 schlecht bestellt. Und die Politik hat all dies bislang kaum als Problem gesehen. Die „ZDFzoom“-Dokumentation deckt auf, wie die Zahnärzteschaft im Bundestag ihre Freiheiten politisch abgesichert hat.
http://zoom.zdf.de

Welt-Hepatitis-Tag

An der meldepflichtigen Virusinfektion Hepatitis B sind im ersten Halbjahr 2015 laut Robert Koch-Institut (RKI) 47 Menschen in Niedersachsen erkrankt. Das teilt die Krankenkasse IKK classic anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli mit.

Vor zehn Jahren gab es im Land noch 296 Neuerkrankungen pro Jahr. Seitdem nehmen die Neuerkrankungen der akuten Hepatitis B deutschlandweit ab. „Diese lässt sich zum Teil auf einen verbesserten Impfschutz in der Bevölkerung zurückführen“, weiß Thomas Wiechert von der IKK classic. Laut IKK classic haben die im Jahr 1995 eingeführten generellen Schutzimpfungen im Säuglings- und Kindesalter ihre Wirkung nicht verfehlt. „Über 90 Prozent der niedersächsischen Schulkinder haben eine vollständigen Schutz gegen das Hepatitis-B-Virus“, erläutert Wiechert.

Die Leberentzündung Typ B gehört weltweit zu den häufigsten durch Viren verursachten Infektionskrankheiten. Gut ein Drittel der Weltbevölkerung hat eine Hepatitis B durchgemacht oder leidet noch an der Leberentzündung. In Deutschland beträgt dieser Anteil etwa sieben Prozent. In den meisten Fällen heilt die akute Infektion mit dem Virus folgenlos aus. Bei etwa fünf Prozent der Betroffenen entwickelt sich aber eine chronische Leberentzündung, deren Behandlung schwierig ist. Im Fall eines chronischen Verlaufs droht Leberzirrhose und Leberkrebs. Besonders gefährdet sind Neugeborene, denen die Mutter das Virus bei der Geburt übertragen hat, und Patienten mit einer Schwäche des Immunsystems. Hepatitis B hat eine hohe Ansteckungsgefahr über Blut- und Sexualkontakte.

In Deutschland fehlen zuverlässige Zahlen, jedoch geht man noch immer von mehreren Hunderttausend chronisch Infizierten aus. Die Dunkelziffer ist sehr hoch, denn das Tückische an der Virushepatitis ist, dass viele Menschen gar nicht merken, dass sie unter Umständen seit Jahren betroffen sind. Warnende Beschwerden oder spezifische Symptome bleiben oftmals lange aus. Erhöhte Leberwerte bei Routineuntersuchungen können ein erstes Warnsignal sein, das jedoch oft ignoriert wird oder anderen Ursachen zugeschrieben wird. Ein Test der Deutschen Leberhilfe zur individuellen Risikoeinschätzung findet sich unter www.lebertest.de.

Warum viele Medikamente so teuer sind

Wer zum Arzt geht, hofft auf schnelle Besserung. Vor allem, wenn der Doktor Medikamente verschreibt. Angesichts der Tatsache, dass es allein in Deutschland inzwischen rund 100.000 Arzneimittel gibt, stellt sich aber immer öfter die Frage: Welche Medizin ist eigentlich die richtige? Und warum muss ich in der Apotheke mal eine Zuzahlung leisten und mal nicht? Außerdem: Stimmt das Motto „Viel hilft viel“ wirklich, damit es einem besser geht? Das Magazin Reader’s Digest widmet sich zur Beantwortung dieser Fragen in seiner August-Ausgabe ausführlich dem Thema „Wa(h)re Gesundheit“.

Dass viele Medikamente teuer sind, kommt nicht von ungefähr. „Allein die klinischen Studien – etwa für ein neues Rheuma-Medikament – mit Tausenden Teilnehmern kosten im Schnitt um die 200 Millionen Euro“, sagt Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung, Entwicklung und Innovation des Verbands forschender Arzneimittelhersteller. Bei der Preisgestaltung spielen auch der Aspekt von Angebot und Nachfrage eine Rolle. „Medikamente, die in großem Umfang verkauft werden, wie beispielsweise Schmerzmittel, sind preiswerter“, sagt Throm.

Medikamente sind ein erheblicher Kostenfaktor im Gesundheitswesen. „2014 gab die gesetzliche Krankenversicherung 33 Milliarden Euro für Arzneimittel aus, im Jahr 2000 waren es noch knapp 20 Milliarden Euro“, weist Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen auf die massiv gestiegenen Kosten hin. Um die Kosten im Rahmen zu halten seien die Apotheker stets gehalten, das preisgünstigste Präparat abzugeben. Und Mittel gegen sogenannte Bagatellkrankheiten wie Husten und Schnupfen muss der gesetzlich Versicherte selbst bezahlen.

Ein Problem bei der Einnahme von Medikamenten sind die möglichen Nebenwirkungen. Siegfried Throm warnt davor, sich „von der Vielzahl der im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen abschrecken“ zu lassen. Denn ob ein Medikament vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werde, hänge auch von der Menge der Nebenwirkungen ab, wie schwer sie sind und wie häufig sie auftreten. Wer nach der Einnahme der Medizin dennoch unerwünschte Nebenwirkungen spürt, sollte sie dem Arzt und Apotheker berichten oder über die Internetadresse www.verbraucher-uaw.pei.de melden.

Patientenberatung muss unabhängig bleiben

Der SoVD übt scharfe Kritik an der unmittelbar bevorstehenden Vergabe der Unabhängigen Patientenvertretung (UPD) an ein privatwirtschaftlich gewinnorientiertes Unternehmen. Den Zuschlag soll offenbar die Sanvartis GmbH erhalten. Das Unternehmen ist bislang sowohl als Dienstleister für verschiedene Krankenkassen in Erscheinung getreten als auch in seiner Tätigkeit für Ärzte- und Apothekerorganisationen und die Healthcare-Industrie.

„Der Grundsatz der Unabhängigkeit und Neutralität würde beim ausgewählten Gebot massiv verletzt. Die hohe Qualität und die unabhängige Unterstützung von Patientinnen und Patienten ist in Gefahr, wenn die Beratung über einen kommerziellen Anbieter erfolgt“, erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer in einem aktuellen Schreiben an den Patientenbeauftragen der Bundesregierung und an den Gesundheitsminister. „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass ein anerkanntes Beratungsangebot, das sich seit langem bewährt hat, nicht weiter finanziert werden soll. Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Interessenvertretung von Patientinnen und Patienten durch die UPD mitunter unbequem für die Krankenkassen sein kann.“

Der SoVD-Präsident befürchtet, dass der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung entgegen dem begründeten Protest aus dem wissenschaftlichen Beirat der UPD sowie zahlreicher sozialpolitischer Interessenvertretungen an ihrem Vorhaben festhalten.

Wenn der bisherige Verbund der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) nach 2015 nicht mehr finanziert wird, stehen insgesamt 21 Beratungsstellen vor dem Aus. Betroffen ist auch die hannoversche Beratungsstelle, deren Träger der SoVD ist.

Vorbräunen im Solarium erhöht Hautkrebsgefahr

Jeder Gang ins Solarium erhöht das Hautkrebsrisiko. Dies gilt auch für das Vorbräunen mit künstlichen UV-Strahlen. Solarien werden derzeit verstärkt als Urlaubsvorbereitung genutzt. Der dadurch erworbene Eigenschutz vor UV-Strahlen ist allerdings gering. Bräune ist generell kein Zeichen von Gesundheit, sondern eine begrenzte Schutzfunktion vor krebserregender UV-Strahlung. Hautkrebs vermeidet, wer sich in der Sonne umsichtig verhält und auf Solarien verzichtet. Ausführliche Informationen dazu bietet der Präventionsratgeber „Ins rechte Licht gerückt. Krebsrisikofaktor Solarium“. Er kann kostenfrei bei der Deutschen Krebshilfe oder unter www.krebshilfe.de angefordert werden.

Hauptrisikofaktor für das Entstehen von Hautkrebs ist die ultraviolette Strahlung, sowohl die natürliche der Sonne als auch künstlich erzeugte aus Solarien. „Durch Vorbräunen im Solarium wird ein Eigenschutz der Haut erreicht, der höchstens einem Lichtschutzfaktor von 6 entspricht. In der Sommersonne nützt das so gut wie nichts“, warnt Professor Dr. Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP). „Die schädliche Wirkung von UV-Strahlung entfaltet sich dagegen in vollem Umfang. Wer ins Solarium geht, erkauft sich dort ein erhöhtes Hautkrebsrisiko.“

Die für Solariengeräte festgelegte maximale Bestrahlungsstärke entspricht der höchsten Strahlungsintensität, die durch die Sonne auf der Erde überhaupt erreicht werden kann – nämlich mittags am Äquator bei wolkenlosem Himmel. Nationale und internationale Gesundheitsorganisationen, darunter die Weltgesundheitsorganisation, raten deshalb auch von jeglicher Solariennutzung ab.

Die ADP und die Deutsche Krebshilfe plädieren daher dafür, Bräune nicht als Zeichen für Vitalität und Schönheit anzusehen. „Wer geschützt in den Sommer starten will, gewöhnt seine Haut jetzt durch kurze Aufenthalte im Freien langsam an die Sonne und ergreift zusätzlich Schutzmaßnahmen“, rät Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe. Dazu gehören die Meidung der Mittagssonne, das Tragen sonnengerechter Kleidung und das Eincremen aller freien Körperstellen mit Sonnenschutzmitteln.

Ausführliche Informationen rund um die Themen UV-Strahlung, Bräune, Solarium, Hautkrebs und Prävention von Hautkrebs bietet der neue Präventionsratgeber „Ins rechte Licht gerückt: Krebsrisikofaktor Solarium“ der Deutschen Krebshilfe und der ADP. Den Präventionsratgeber gibt es kostenfrei bei:

Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn. Außerdem kann die Broschüre im Internet bestellt und heruntergeladen werden.

Tattoos: Wenn der Sommer unter die Haut geht

Der Sommer macht es sichtbar: Für viele Menschen ist Tätowieren zum festen Bestandteil der Körperkultur geworden – ein Trend, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Der für den gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständige Bundesminister Christian Schmidt appelliert zu Beginn der Ferienzeit an die Verbraucher, sich gut zu informieren, bevor man sich ein Tattoo stechen lässt. „Damit der Traum vom Tattoo aber kein Albtraum wird, sollte ein Tattoo wohlüberlegt sein.“

Generell empfiehlt Bundesminister Christian Schmidt, sich vor dem Tätowieren das Tattoo-Studio sorgfältig auszuwählen, dabei besonders auf die Hygiene zu achten und sich gegebenenfalls durch einen Hautarzt beraten zu lassen. „Ich plane dazu eine Informationskampagne, die für die Risiken sensibilisiert und Hinweise gibt, was jeder tun kann, um diese zu minimieren“, kündigte Schmidt an.

Sommerzeit ist auch Tätowier-Zeit, wenn Tattoos besonders gut zu sehen sind und dies gegebenenfalls zur Nachahmung einlädt. „Gerade jetzt in der Urlaubszeit warne ich vor spontanen Tattoos, die aus einer Urlaubslaune heraus entstehen – vor allem im Ausland. Sie sind ein Souvenir, das einem ein Leben lang erhalten bleibt“, betont Schmidt.

Fragen und Antworten rund um das Tätowieren finden Sie auch auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und des BfR unter:
www.bvl.bund.de/faq_taetowieren
www.bfr.bund.de/de/a-z_index/taetowierung-4929.html

Orthopädische Zweitmeinung

Deutschland liegt im OECD-Ranking der Hüft- und Knieimplantate an vorderer Stelle, es gibt regional große Unterschiede in der Häufigkeit dieser orthopädischen Eingriffe. Bei der Entscheidung über das Für und Wider einer lebensverändernden OP wünschen sich Patienten zunehmend mehr Beteiligung. Seit Herbst 2014 bietet die IKK Südwest ihren Versicherten eine kostenlose orthopädische Zweitmeinung vor geplanten Hüft-, Knie- und Bandscheiben-OPs an. Diese kann dazu beitragen, medizinisch nicht notwendige Eingriffe zu vermeiden und stattdessen konservativ zu behandeln. Das Feedback unter den Versicherten ist gut, eine Umfrage liefert Details.

Der Vorstand der IKK Südwest und Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken, Dr. Jörg Loth, und IKK-Geschäftsführer Dr. Lutz Hager haben die Teilnehmer am Zweitmeinungsangebot der IKK Südwest befragt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Welt der Krankenversicherung 6/2015 veröffentlicht. Fazit: 90 % der Patienten sind mit dem Angebot sehr zufrieden, 70 % nutzten es aktiv.

Allerdings überraschte, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer ihren behandelnden Arzt nicht über die Einholung einer Zweitmeinung informierten, auch nicht von diesem auf das Angebot hingewiesen wurden. Rund 70 % gaben an, die vom ärztlichen Zweitmeinungsgutachter erhaltene alternative Therapieempfehlung umgesetzt zu haben. Der Befragung zufolge hat sich dennoch das Vertrauensverhältnis zum Erstbehandler bei rund 91 % der Patienten nicht verändert. Nur 20 % haben die ursprünglich geplante Therapie umgesetzt. In weiteren Studien soll überprüft werden, wie sich das Arzt-Patienten-Verhältnis zum Erstbehandler mittel- und langfristig bei den Patienten entwickelt, die den Rat des Zweitmeinungsgutachters umgesetzt haben.