Archiv für den Monat: Oktober 2015

Herzinfarkt und seine Vorboten

Deutsche Herzstiftung und Notfallmediziner beklagen die weiterhin hohe Zahl von mehr als 55.000 an Herzinfarkttoten pro Jahr in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Herzinfarktpatienten sterben, noch bevor sie die Klinik erreichen. Zwei Gründe erklären diese hohe Infarktsterblichkeit: einerseits das besonders hohe Risiko, in den ersten Minuten und Stunden nach Verstopfung der Herzkranzarterie zu versterben und andererseits das häufig zu lange Zögern der Betroffenen, die 112 anzurufen, damit ein Rettungswagen mit Notarzt kommt. Um die Bevölkerung, aber auch Millionen von Herzpatienten mit erhöhtem Infarktrisiko, besser für diese lebensbedrohliche Situation zu sensibilisieren, bietet die Deutsche Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html den Experten-Ratgeber „Herz in Gefahr“ an, der wichtigste Informationen zu den Herzinfarkt-Alarmzeichen, den Infarkt-Vorboten (Angina pectoris/Brustenge), und zum richtigen Notfallverhalten bei Herzinfarkt enthält.
„Durch besseres Vorwissen möglicher Betroffener und deren Angehöriger wollen wir dazu beitragen, die Infarktsterblichkeit noch außerhalb der Klinik zu senken“, betont Herzspezialist Prof. Dr. med. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung. „Immer noch wissen zu viele Menschen in unserem Lande nicht, dass beim Herzinfarkt jede Minute zählt und warten zu lange: Aber je schneller der Patient in der Klinik behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen und umso geringer das Risiko einer schwerwiegenden Schädigung des Herzens bis hin zur Herzmuskelschwäche mit erheblichen Einbußen an Lebensqualität.“

Warum sind beim Notruf 112 die Überlebenschancen am besten?
Das Zögern vor dem Notruf 112 ist beim Herzinfarkt so gefährlich, weil der Infarkt jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auslösen kann, die, wenn sie nicht sofort behoben werden, zum Herzstillstand führen. „In dieser Situation kann nur der mit der 112 herbeigerufene Rettungswagen mit einem Notarzt den Patienten durch den Einsatz eines Defibrillators vor dem plötzlichen Herztod schützen“, warnt Kardiologe Prof. Schunkert. Achtung: Hausarzt oder ärztlicher Notdienst können nichts anderes tun, als die 112 anzurufen. Das kostet den Betroffenen wertvolle lebensrettende Zeit, in der die verheerenden Folgen des Herzinfarkts ihren Lauf nehmen. Betroffene sollten unbedingt den Verdacht auf Herzinfarkt deutlich äußern, damit ein Rettungswagen mit Notarzt geschickt wird. Die Infarkt-Alarmzeichen sind oft leicht zu erkennen: Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Auch ein starkes Engegefühl, heftiger Druck und ein Brennen im Brustkorb gehören dazu. Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen.

„Schlüssel der erfolgreichen Behandlung liegt beim Patienten“
Ordnen Betroffene schnell und richtig diese Beschwerden dem Herzen zu und nicht dem Rücken oder Bauch, führt das zur schnelleren Entscheidung, sofort den Notarzt (112) zu rufen. „Der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung liegt beim Patienten und seinen Angehörigen. Je eher wir einen Infarktpatienten in der Klinik behandeln, desto mehr Herzmuskel und damit Pumpkraft des Herzens erhalten wir“, betont Prof. Schunkert. „Der Herzinfarkt ist heute so gut behandelbar, so dass sich das Herz bei einer schnellen Behandlung in der Regel vollständig erholt.“ Fatal sind Zeitverluste von Stunden oder gar Tagen aufgrund vermeidbarer Fehler der Betroffenen im Notfall, z. B. Abwarten, Scheu vor Fehlalarm besonders am Wochenende oder an Feiertagen („Belästigung der Ärzte“) oder die Einnahme von Schmerzmedikamenten.

Gibt es Vorboten eines Herzinfarkts?
Dem Herzinfarkt geht oft jahrzehntelang unbemerkt die koronare Herzkrankheit (KHK) voraus. Die KHK ist durch Brustschmerzen und/oder Atemnot charakterisiert, die bei körperlicher Belastung (Treppensteigen, Getränkekisten tragen) oder seelischer Erregung auftreten. Endet die Belastung, verschwindet der Schmerz in wenigen Minuten wieder (stabile Angina pectoris). Die koronare Herzkrankheit kann jahrelang stabil bleiben, aber sie kann gefährlich werden, weil sie die Grundlage für den Herzinfarkt darstellt. Nimmt die Intensität oder Dauer der Angina-pectoris-Anfälle zu, sollte der Patient sofort einen Internisten oder Kardiologen aufsuchen. Ist ein Termin nicht sofort zu erhalten, sollte man sich an eine CPU (Chest Pain Unit, Brustschmerzambulanz) oder an die Ambulanz einer Klinik (möglichst mit Herzkatheterlabor) wenden.

Notruf 112 auch bei Brustschmerz bei kleinsten Belastungen/in Ruhe
Besonders alarmierend ist es, wenn Brustschmerz und/oder Atemnot bei kleinsten Belastungen oder in Ruhe (instabile Angina pectoris) auftreten. „Dann muss die 112 sofort angerufen werden, weil sich daraus jederzeit ein Herzinfarkt entwickeln kann. Übergänge zwischen instabiler Angina pectoris und Herzinfarkt sind fließend“, warnt Prof. Schunkert. Bei der instabilen Form verschließt ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß teilweise, beim Herzinfarkt vollständig.

Zeitumstellung: Körper an Winterzeit gewöhnen

Am 25. Oktober ist es wieder soweit. Die Uhr wird um eine Stunde auf die normale Zeit zurückgestellt – die Winterzeit beginnt. „Nicht jeder weiß die geschenkte Stunde zu schätzen, denn die Umstellung bringt den Biorhythmus des Menschen aus dem Takt“, weiß Kerstin Anger, Gesundheitsmanagerin der IKK classic. Viele Menschen wachen dann morgens eher auf und werden abends früher müde. Müdigkeit, Unwohlsein und Abgeschlagenheit sind häufig die Folge. Besonders schwierig ist die notwendige Anpassung für Menschen, die bereits unter Schlafstörungen leiden. Auch ältere Menschen, Säuglinge und Kinder sind häufig betroffen. Da sich die Zeitumstellung direkt auf den Schlaf-Wach-Rhythmus auswirkt, braucht der Körper Zeit, um sich anzupassen. Nach einer Anpassungsphase von vier bis 14 Tagen, in der sich die innere Uhr und der äußere Tagesablauf aufeinander einpendeln, verschwinden die Auswirkungen der Zeitumstellung meist wieder.

Lichtverhältnisse ändern sich abrupt: Die Zeitumstellung kann vor allem unruhigen Schläfern Probleme bereiten. Kerstin Anger rät, auf die innere Uhr zu hören und nicht krampfhaft im Bett zu bleiben. Der Körper sollte sich allmählich an die neue Zeit gewöhnen können. „Die Umstellung auf die Winterzeit ändert die Lichtverhältnisse abrupt“, erläutert Anger. Dabei ist das Tageslicht ein natürlicher und wichtiger Taktgeber für die innere Uhr des Menschen. Um sie zu regulieren, sollte man sich daher möglichst viel im Freien aufhalten. Besonders in der zweiten Tageshälfte bewirkt dies, dass man später müde wird. Wer nicht mehr mobil genug für einen Spaziergang sei, kann alternativ eine Weile am Fenster sitzen.

Alles eine halbe Stunde nach hinten verschieben: Die Expertin der IKK classic empfiehlt die schrittweise Annäherung der Tagesstruktur an die Winterzeit: „Die regelmäßigen Uhrzeiten – wann ich aufstehe, esse und schlafen gehe – verschiebt man am besten eine halbe Stunde nach hinten.“ Dadurch gewöhnt sich der Körper langsam an den neuen Rhythmus. Hilfreich ist es auch, sich abends etwas vorzunehmen, zum Beispiel ein Treffen mit Freunden. Dann kommt man automatisch später ins Bett und kann am nächsten Morgen länger schlafen.

Die besten Übungen für ein kräftiges Kreuz

Rund 80 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen. Die gute Nachricht dabei: Über 90 Prozent der Beschwerden sind unkompliziert und werden durch unser eigenes Verhalten beeinflusst – im positiven wie im negativen Sinn. Sport und Bewegung beugen Verspannungen und Schmerzen vor und tragen dazu bei, dass sich bestehende Beschwerden bessern.

„Es gilt also dem chronischen Bewegungsmangel den Kampf anzusagen, denn dieser ist meist die Wurzel allen Übels“, weiß Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. Übrigens: Nicht nur Ihr Rücken profitiert davon. Eine groß angelegte Studie zeigt, dass nur 15 Minuten leichte Bewegung am Tag ausreichen, um die Lebensdauer um bis zu 3 Jahre zu verlängern*.

Gezielte Rückenübungen sind speziell für das Training der Rückenmuskulatur entlang der Wirbelsäule konzipiert und lassen Rückenschmerzen der Vergangenheit angehören. Eine effektive Trainingsmöglichkeit ist beispielsweise Rücken-Yoga. Oberstes Prinzip beim Yoga: Überfordern Sie sich nicht und hören Sie auf Ihren Körper – sobald eine Übung unangenehm oder schmerzhaft wird, sollten die Dehnung und Intensität nicht verstärkt werden. Atmen Sie bewusst und gleichmäßig. Die AGR hat die besten Übungen für ein kräftiges Kreuz ausgewählt:

Bauchlage: Belebt und kräftigt den Rücken

Gehen Sie in die Bauchlage, legen die Stirn auf den linken Handrücken und strecken den rechten Arm als Verlängerung des Körpers nach vorne aus, der Po ist angespannt. Beim Einatmen den rechten Arm und das linke Bein sowie den Kopf anheben. Drücken Sie sich dabei mit dem linken Arm und rechten Oberschenkel vom Boden weg. Wiederholen Sie die Übung drei- bis viermal und wechseln dann die Seite.

Die Schulterbrücke: Sanfte Dehnung für Wirbelsäule und Nacken

Stellen Sie in der Rückenlage die Füße hüftbreit auf, so dass Sie mit den Fingerspitzen die Fersen leicht berühren können. Führen Sie während des Einatmens die Arme über den Kopf oder breiten Sie sie auf Schulterhöhe aus und heben das Gesäß an. Halten Sie die Spannung und atmen einige Atemzüge tief ein und aus. Anschließend die Arme über den Kopf zurückführen, neben dem Körper ablegen und den Po zum Boden bringen.

Drehsitz: Dehnt und entspannt die Rückenmuskulatur

Setzen Sie sich aufrecht hin (Fortgeschrittene im Schneider- oder Lotussitz, Anfänger auf einen Stuhl/Hocker mit den Füßen auf dem Boden), legen die Hände auf die Knie, strecken die Wirbelsäule und atmen dabei tief ein. Während des Ausatmens die linke Hand auf das rechte Knie legen und den Oberkörper nach rechts drehen. Stellen Sie die rechte Hand hinter dem Becken auf. Beim Einatmen die Wirbelsäule strecken, bei nächsten Ausatmen die Drehung verstärken. Einige Atemzüge halten und anschließend mit der anderen Seite wiederholen.

Übungsreihe für den Rücken: Aktiviert Wirbelsäule und Schultern

Starten Sie im Fersensitz, legen dann den Brustkorb auf die Oberschenkel, die Stirn auf die Matte und strecken die Arme nach vorne aus (1). Strecken Sie beim Einatmen die obere Wirbelsäule, heben den Brustkorb und Kopf an, der Nacken ist gestreckt (2). Gehen Sie beim Ausatmen in den Vierfüßlerstand und machen einen Katzenbuckel (3). Senken Sie beim anschließenden Einatmen den mittleren Rücken so weit ab, bis Sie ins Hohlkreuz gehen, der Brustraum weitet sich (4). Nur für Fortgeschrittene: Stellen Sie beim Ausatmen die Füße auf und nehmen Sie die Position des herabschauenden Hundes ein. Achten Sie dabei auf die Dehnung des Rückens und lassen Sie die Beine gebeugt, wenn es sich besser anfühlt (5). Halten Sie die Position für einige Atemzüge. Dann die Knie zum Boden bringen und in den Vierfüßlerstand gehen (6). Beginnen Sie die Übung nun von vorne und wiederholen Sie sie 5-mal.

Alle Übungen mit Bildern finden Sie auch unter http://bit.ly/1VCIeNp

Kursvideos für Zuhause

Weitere Übungen und Kurse gibt es auf www.AGR-Coach.de. Das Online-Fitnessstudio „pur-life“ bietet in Kooperation mit der AGR einen Monat lang kostenlosen Zugang zur Plattform. Dort stehen über 2.500 Kursvideos zur Verfügung, viele davon auch mit AGR-zertifizierten Sportgeräten.