Archiv für den Monat: Januar 2016

Mein Rheuma wird erwachsen

Der Übergang vom Kinder- zum Erwachsenen-Rheumatologen ist für junge
Patienten mit großen Hürden verbunden. Jedes Jahr steht für etwa
2.500 junge Erwachsene ein solcher Wechsel an. Jeder Dritte bricht
die notwendige Behandlung ab, unter Umständen mit schweren Folgen für
die Gesundheit. Die Deutsche Rheuma-Liga unterstützt nun mit einem
umfangreichen und innovativen Projekt zur Transition. Ziel ist es,
Jugendliche mit einer rheumatischen Erkrankung beim Wechsel zum
Erwachsenen-Rheumatologen zu unterstützen und sie in ihren
Entscheidungen zu stärken, damit keine kritische Versorgungslücke
entsteht. Heute fällt der Startschuss für die neue Online-Plattform,
die sich an Jugendliche richtet: www.mein-rheuma-wird-erwachsen.de.
Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das wissenschaftlich
begleitete Projekt seit 2014.

Die 21-jährige Saskia Staudt erinnert sich noch gut an die Schwierigkeiten, die sie bei ihrem Übergang hatte: „Der Erwachsenen-Rheumatologe hat nicht mehr so viel Zeit für mich wie mein alter Kinder-Rheumatologe. Auch die Wartezeiten bis zu einem Termin sind länger. Am Anfang ist mir das sehr schwer gefallen. Ich war einfach nicht darauf vorbereitet“, sagt die junge Frau.

Saskia ist kein Einzelfall. Studien des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin (DRFZ) belegen, dass jeder dritte Jugendliche seine Behandlung abbricht. Veröffentlichungen von Prof. Kirsten Minden und Martina Niewerth vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin zeigen die Probleme, auf die Jugendliche bei ihrer Transition stoßen. Die Wissenschaftlerinnen beraten die Deutsche Rheuma-Liga in diesem Projekt und werden es evaluieren. Den meisten jungen Erwachsenen mit Rheuma fällt es schwer, sich auf die ungewohnte Situation und einen neuen Ansprechpartner einzustellen. „Die Patienten suchen erst wieder einen Facharzt auf, wenn Komplikationen auftreten“, sagt die Rheumatologin Prof. Kirsten Minden. Das neue Transitions-Angebot der Deutschen Rheuma-Liga soll dies verhindern.

Zentrale virtuelle Anlaufstelle ist die neue Webseite. Als interaktives Selbsthilfemodul aufgebaut, vereint sie alle nötigen Informationen für einen reibungslosen Übergang. Gleichaltrige wie Saskia fungieren als Transition-Peers. In ihren Geschichten berichten sie, wie sie den Übergang erlebt haben. Die zehn Transition-Peers stehen per WhatsApp, eMail oder telefonisch für Fragen zur Verfügung. Betroffene Jugendliche können zudem ihre eigene Geschichte aufschreiben oder als Videobotschaft einsenden.

„Der Austausch mit anderen jungen Leuten, die wie ich eine Rheumaerkrankung haben, hat mir persönlich sehr geholfen, die Krankheit zu akzeptieren“, erinnert sich Saskia. Deshalb ist die 21-Jährige selbst in die Helferrolle geschlüpft und begleitet Jugendliche beim Übergang. Die gegenseitige Unterstützung ist ein zentraler Bestandteil des Transitions-Projektes. Dabei kommt die Information über die verschiedenen rheumatischen Erkrankungsformen und über bereits bestehende Angebote für junge Erwachsene nicht zu kurz. Dies ist wichtig, da viele der Betroffenen nicht genau über ihr Erkrankungsbild informiert sind. Dies haben zuvor oft die Eltern für sie übernommen.

Saskia hat sich zunehmend abgenabelt, ohne jedoch komplett auf die Hilfe ihrer Mutter zu verzichten. Für die Eltern heißt es, loszulassen und den Kindern Spielraum für die Eigenverantwortung geben. In einem Workshop der Deutschen Rheuma-Liga lernte die Mutter, wie sie den Weg für ihre Tochter ebnen kann, ihre Erkrankung selbst in die Hand zu nehmen. Saskia hat den Übergang geschafft. „Den Start bei meiner zweiten Ärztin habe ich besser geplant und mir eine Liste gemacht mit den Themen, die ich besprechen möchte. Auch habe ich mir in Stichworten aufgeschrieben, was die Ärztin über meine Krankheit wissen sollte, welche Medikamente ich einnehme, wann mein letzter Schub war, wie lang dieser ging und vieles mehr. Früher hat Mama eben alles gemanagt.“

Weitere Informationen:

www.rheuma-liga.de
www.mein-rheuma-wird-erwachsen.de

Grippewelle in Niedersachsen hat begonnen

Die Grippewelle in Niedersachsen hat begonnen. Die Fachleute aus dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt haben in der vergangenen Woche in mehr als 23 Prozent der untersuchten Proben aus Arztpraxen Influenzaviren nachgewiesen. Auch der Krankenstand in den Kindertageseinrichtungen ist deutlich angestiegen. Das zeigt: Landesweit sind Atemwegserkrankungen zurzeit weit verbreitet.

Um sich und andere vor einer Erkrankung zu schützen, gibt es verschiedene Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen, besonders wenn man sich an Orten aufgehalten hat, an denen viele Menschen aufeinandertreffen, wie in Bussen und Bahnen oder in Stadtzentren. Husten sollte man immer in die Armbeuge und nicht in die Hand.

„Eine Influenza-Erkrankung sollte zu Hause und nicht am Arbeitsplatz auskuriert werden“, betonte Gesundheitsministerin Cornelia Rundt. „Eine angemessene Ruhephase fördert nicht nur die Genesung, sondern schützt auch die Kolleginnen und Kollegen sowie weitere Kontaktpersonen.“

Kennzeichnend für die Influenza ist ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Husten und Gliederschmerzen. Wenn die Erkrankung besonders schwer verläuft, sollte das weitere Vorgehen mit einem Arzt abgestimmt werden. „Eine Behandlung mit Antibiotika ist bei einer Influenza-Erkrankung nicht sinnvoll, da der Erreger ein Virus und kein Bakterium ist“, sagte Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. „Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen.“

Auch eine Influenza-Schutzimpfung kann zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll sein. In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle nicht selten bis Anfang April angedauert. Ein voller Impfschutz besteht aber erst 10 bis 14 Tage nach der Impfung.

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt die Impfung insbesondere bestimmten Risikogruppen. Dazu zählen unter anderem alle Personen, die älter als 60 Jahre sind, Menschen mit Diabetes, mit chronischen Krankheiten der Atmungsorgane oder des Nervensystems, sowie mit Herz-Kreislauferkrankungen und mit Störungen des Immunsystems. Schwangere sollten sich ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft impfen lassen. Außerdem empfiehlt die STIKO eine Impfung denjenigen, die einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, da sie viele Kontakte mit anderen Menschen haben. Dazu gehören insbesondere Menschen, die medizinisch und pflegerisch in Krankenhäusern arbeiten und die Influenzaviren auf abwehrgeschwächte Patientinnen und Patienten übertragen können.

Das Landesgesundheitsamt fasst den Stand der ARE-Aktivität (ARE: akute respiratorische Erkrankungen) wöchentlich in einem Bericht zusammen, der auf der Internetseite www.nlga.niedersachsen.de heruntergeladen werden kann.

Krankenkassen können Patienten von Medikamentenzuzahlungen entlasten

Die gesetzlichen Krankenkassen können ihre Versicherten auf verschiedenen Wegen von Zuzahlungen zu Arzneimitteln befreien. „Die Krankenkassen erhalten schließlich auch die kompletten Zuzahlungen der Patienten, die jede Apotheke einziehen und weiterleiten muss“, sagt Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV), angesichts aktueller Berichte über steigende Zuzahlungen. „Die Kassen könnten ihre Versicherten jedoch schnell und wirksam entlasten. Ob Befreiungsbescheinigung, Festbetragsregelung oder Rabattvertrag – es gibt viele Möglichkeiten, auch Millionen chronisch kranke Patienten vor finanzieller und bürokratischer Überforderung zu schützen. Leider passiert oft das Gegenteil, wenn zum Beispiel ein zuzahlungsfreies Medikament nicht abgegeben werden darf, weil ein zuzahlungspflichtiges Rabattarzneimittel Vorrang hat.“ Die Vermutung, größere Packungen oder teure Medikamente würden die Zuzahlungen erhöhen, sei dagegen falsch: „Egal wie teuer ein Arzneimittel ist, die Zuzahlung ist per Gesetz bei 10 Euro gedeckelt.“ Becker weiter: „Die Apotheken tun ihr Bestes, ihren Patienten zuzahlungsfreie Alternativmedikamente zu empfehlen. Apotheker und Patient sollten über das Arzneimittel, nicht über die Zuzahlung sprechen.“

Grundsätzlich von der Zuzahlung befreit sind Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Erwachsene können bei ihrer Kasse eine Befreiung von der Zuzahlung für das jeweilige Kalenderjahr beantragen, sofern ihre finanzielle Belastung zwei Prozent des Bruttojahreseinkommens überschreitet. Bei chronisch kranken Patienten ist es ein Prozent. Mit der Festlegung eines Festbetrags, einem für alle gesetzlichen Krankenkassen geltenden Erstattungshöchstbetrag, lassen sich durch die Krankenkassen auch einzelne Arzneimittel von der Zuzahlung befreien, wenn ihr tatsächlicher Preis 30 Prozent darunter liegt. Sogar jede Kasse allein kann über ihre Rabattverträge definieren, ob ihre Versicherten nur die Hälfte oder gar keine gesetzliche Zuzahlung für die Rabattarzneimittel leisten müssen. Grundsätzlich müssen Patienten 10 Prozent des Arzneimittelpreises zuzahlen: mindestens 5 Euro, höchstens 10 Euro. Die Zuzahlung ist aber immer begrenzt auf die tatsächlichen Kosten des Medikaments.

Weitere Informationen unter www.abda.de und www.aponet.de