Archiv der Kategorie: Gesundes Herz

Drei Warnsignale für ein schwaches Herz

Wenn der Herzmuskel schwach wird, kann das unterschiedliche Gründe haben. So steckt möglicherweise ein hoher Blutdruck oder eine koronare Herzerkrankung dahinter. Auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Arteriosklerose oder Herzmuskelerkrankungen sind laut Prof. Dr. med. Klaus Kisters, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie, Klinische Geriatrie, Hypertensiologie, Intensiv- und Labormedizin, eventuelle Ursachen. Der Chefarzt am St. Anna-Hospital in Herne, Uni-Professor in Münster und Leiter eines durch die Europäische Hypertonie Gesellschaft (ESH) zertifizierten Blutdruckzentrums nennt drei Warnsignale, an denen sich ein schwaches Herz erkennen lässt:

– Gewichtszunahme
„Bei einer Herzschwäche ist die Pumpfunktion des Herzens eingeschränkt. Dadurch kann es zu Wasseransammlungen im Körper kommen, die zu einer Gewichtszunahme führen“, sagt Professor Kisters und rät, bei einer unerklärlichen Gewichtszunahme immer einen Arzt aufzusuchen.

– Geschwollene Beine und Füße
Wassereinlagerungen bei Herzschwäche finden sich laut dem Experten klassischerweise im Bereich der Beine, vor allem an den Unterschenkeln. Hilfreicher Test: fest mit dem Finger auf eine Stelle drücken und beobachten, ob der Abdruck zu sehen bleibt. Ein weiteres Zeichen: Die Füße schwellen so an, dass die Schuhe nicht mehr passen.

– Leistungsschwäche
Fühlt man sich anhaltend schlapp, kommt kaum mehr die Treppen hoch und hat dabei Atemnot sowie einen schneller gehenden Puls, so sollte man laut Professor Kisters seinen Hausarzt aufsuchen und sich auf eine Herzschwäche untersuchen lassen.

Sind die Ursachen geklärt, kann eine Herzschwäche vom Hausarzt durch Medikamente behandelt werden, die den Empfehlungen der Europäischen Herzgesellschaft (ESC) entsprechen. Kisters: „Häufig muss der Blutdruck gut eingestellt werden.“ Als ergänzende Maßnahme empfiehlt er, Magnesium einzunehmen – insbesondere in Verbindung mit dem Biofaktor Orotsäure als Magnesiumorotat. „So können Patienten mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen einen Magnesium-Mangel ausgleichen, was für eine gesunde Herzfunktion und die Blutdruckeinstellung unverzichtbar ist“, sagt der Experte. Das Orotat fördert nach seinen Worten zudem den Energiestoffwechsel im Herzmuskel. In Studien zeigte sich laut Prof. Kisters, dass eine Einnahme von Magnesiumorotat die Behandlung der Herzschwäche unterstützt und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Dr. med. Rainer Matejka, Experte für biologische Medizin (Univ. Mailand) und medizinischer Leiter der Matejka Tagesklinik in Kassel, weist auf die Bedeutung einer Lebensstiländerung hin: Wer nicht raucht, sehr wenig Alkohol trinkt, sein Gewicht normalisiert und sich regelmäßig moderat bewegt, kann so sein Herz stärken.

Wenn die Psyche das Herz krank macht

Der Volksmund weiß es schon lange: Wem „etwas zu Herzen“ geht, der ist sehr bedrückt. Ärger, Stress und depressive Verstimmungen können laut Studien tatsächlich körperliche Symptome auslösen, die das Risiko für einen Herzinfarkt steigen lassen. Eine von fünf wichtigen Ursachen für eine koronare Herzkrankheit ist Experten zufolge die Depression. Und weil diese wiederum den Verlauf von Erkrankungen wie etwa einem Herzinfarkt ungünstig beeinflussen kann, entsteht schnell ein Teufelskreis.

Besser mit Stress umgehen

Auch andauernder psychischer Stress kann eine Depression fördern. Zunächst einmal gilt es deshalb, individuelle Stressauslöser und das eigene Verhalten unter Druck besser kennenzulernen – ein erster Schritt, um gegen psychische Belastungen vorzugehen. Tests, um die persönliche Stressbelastung und die Hintergründe zu analysieren sowie Tipps, die dabei helfen, damit besser umzugehen, finden sich unter www.rgz24.de/Herzprobleme. Wer nicht in Stressfallen tappt, sondern beispielsweise regelmäßig für körperliche Bewegung sorgt und täglich eine Viertelstunde bis 20 Minuten Muße für die Regeneration einplant, kann es schaffen, die eigene Gesundheit besser vor den belastenden Auswirkungen zu schützen.

Mit Magnesium gegen den Stress

Eine weitere Möglichkeit, gegen Stressfolgen vorzugehen, kann auch eine gute Versorgung mit dem Mineralstoff Magnesium sein. Denn Stress steigert den Magnesium-Bedarf, während ein Magnesium-Mangel wiederum Stress, depressive Verstimmungen und Herzerkrankungen verstärken kann. Um den erhöhten Bedarf zu decken, reicht die Ernährung allein meist nicht aus. Ergänzend eignen sich Verbindungen aus Magnesium und der vitaminähnlichen Substanz Orotsäure. Diese Kombination ist etwa in magnerot Classic N enthalten, das es rezeptfrei in Apotheken gibt. Es kann für eine bessere Versorgung der Zellen mit Energie sorgen und Magnesium-Verlusten entgegenwirken. Beim Vorliegen einer Depression können unter Umständen Antidepressiva angeraten sein. Weil nicht alle Antidepressiva für Herzpatienten geeignet sind, sollte der Kardiologe um Rat gefragt werden.

Wie man sich vor gefährlichen Durchblutungsstörungen am besten schützen kann

In der Jugend stehen die Zeichen für die Durchblutung noch auf Rosa: Die Arterien sind frei von Ablagerungen, elastisch und innen rosig gefärbt. Doch das bleibt nicht so. „Mit zunehmendem Alter entwickeln sich bei jedem von uns krankhafte Veränderungen in den Gefäßen. Fett und Kalk lagern sich im Inneren der Arterien ab, verengen sie – und lassen sie immer mehr versteifen“ warnt Prof. Horst Robenek, Arterioskleroseforscher am Uniklinikum Münster.

Arginin kann Blutfluss verbessern

Bestimmte Risikofaktoren – vor allem Bluthochdruck, aber auch Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Bewegungsmangel und chronischer Stress – können die Ablagerungen begünstigen. So kann immer weniger Blut durch die Adern fließen. „Zum Super-GAU in den Gefäßen kommt es, wenn eines Tages ein Blutgerinnsel die Arterie total verschließt“, so Robenek. Dann drohten Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zur Vorbeugung empfiehlt der Gefäßexperte jedem über 35, seinen Blutdruck regelmäßig checken zu lassen und bei Bedarf schnell zu handeln. Neben den ärztlich verordneten Medikamenten könne dann auch der natürliche Schutzstoff Arginin einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Durchblutung leisten. Das bestätigt eine aktuelle Studie, die eine verbesserte Durchblutung nach der Einnahme dieses Schutzstoffes zeigt. Denn aus ihm wird im Körper ein Botenstoff gebildet, der die Adern weitet und die Gefäße vor Ablagerungen schützt. „Im Idealfall greift man gleich zu einer qualitativ hochwertigen Adernformel mit einer standardisierten Dosis von Arginin plus Folsäure sowie Vitamin B6 und B12 wie etwa ‚Telcor Arginin plus'“, rät Robenek.

Normale Ernährung reicht oft nicht

Von Natur aus steckt der Schutzstoff etwa in Hülsenfrüchten, Nüssen, Garnelen und rotem Fleisch. Eine gesunde Mischkost liefert pro Tag rund drei bis sechs Gramm. Doch gerade Menschen mit Durchblutungsstörungen brauchen deutlich mehr, so Robenek: „Nach heutigem Stand der Wissenschaft muss man davon ausgehen, dass alle Menschen mit Bluthochdruck einen Arginin-Mangel haben.“ Das sei aktuell jeder vierte Deutsche.

Kinder : Herzkrank und Sport?

Sport ist für alle Kinder wichtig. Denn die Entwicklung von Kindern wird maßgeblich von Bewegung beeinflusst. Bewegungserfahrungen bestimmen nicht allein das körperliche und motorische Heranreifen. Sie sind auch entscheidend für den psychosozialen, emotionalen und kognitiven Bereich – und damit für die gesamte Persönlichkeit. „Auch herzkranke Kinder sollten ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben dürfen und hierbei möglichst keine Einschränkungen erfahren“, betont Birna Bjarnason-Wehrens, Professorin an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Was herzkranke Kinder und deren Eltern, Jugendliche und junge Erwachsene zum Thema Sport und Bewegung wissen und beachten sollten, fasst „herzblatt“ – das Magazin der Deutschen Herzstiftung für ein Leben mit angeborenem Herzfehler – für seine Leser in der ersten Ausgabe des Jahres 2016 zusammen.

Die meisten herzkranken Kinder können Sport treiben
Sehr viele angeborene Herzfehler, erläutert die Sportwissenschaftlerin Bjarnason-Wehrens im Gespräch mit „herzblatt“, können heute im Neugeborenen- oder Kleinkindalter vollständig korrigiert werden, sodass keine oder nur geringe körperliche Restbefunde vorliegen. Das schaffe gute Voraussetzungen für eine normale Entwicklung. Die meisten dieser Kinder könnten ihre Bewegungsaktivitäten unbeschränkt ausleben. Einschränkungen bestünden nur bei einer kleinen Gruppe von Patienten mit schweren Herzfehlern, die nur unvollständig korrigiert werden konnten und demzufolge bedeutungsvolle Restbefunde aufweisen. Doch auch sie sollten möglichst wenige Einschränkungen in ihrem Bewegungsverhalten erfahren und am Schulsport oder an Freizeitaktivitäten mit Gleichaltrigen teilnehmen können. Die neue Leitlinie „Sport bei angeborenen Herzerkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) empfiehlt regelmäßige Untersuchungen beim Kinderkardiologen. Er bzw. sie kann Einschränkungen definieren und auf dieser Basis eine individuelle Sportempfehlung aussprechen. Die DGPK bietet auf ihrer Homepage (www.kinderkardiologie.org) ein kostenfreies Computerprogramm an, das es dem Arzt erlaubt, die Sporttauglichkeit eines Patienten ohne größeren zeitlichen Aufwand ausführlich zu beurteilen und ein „Sportattest“ auszustellen.

Sportgruppen eigens für Herzkinder
Die „herzblatt“-Grafik nennt bundesweit Sportgruppen eigens für Herzkinder: Die „Kinderherzsportgruppen“ haben zum Ziel, Kleinkinder und Kinder im schulfähigen Alter, die mit einem Herzfehler zur Welt kamen, in ihren motorischen Fähigkeiten so weit zu fördern, dass sie am regulären Schulsport teilnehmen können. Die „herzblatt“-Fotoreportage stellt exemplarisch einen Kletterkurs für Kinder mit angeborenem Herzfehler vor, den die Technische Universität München (TUM) in ihrem Modellprojekt „KidsTUMove“ anbietet. Mit integrativen Bewegungsgruppen, Wochenendfreizeiten, Sommercamps und vielfältigen Sportangeboten sprechen die Mitarbeiter des Münchener Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie gezielt chronisch kranke Kinder und Jugendliche an, um ihnen einen Zugang zu Sport und Bewegung zu ermöglichen.

„Absolut – es wirkt!“
Aus der Sicht der Betroffenen beschreibt Joachim Mohr, 53 Jahre und Redakteur beim „Spiegel“ in Hamburg, seine Erfahrungen mit Sport und Bewegung. Die Ärzte haben ihm mit ihrer Heilkunst Lebenszeit geschenkt – gesund machen aber konnten sie ihn nicht. Gerade wegen seines Herzleidens, unterstreicht Mohr, müsse er seinen Körper pflegen und fit halten. Ein chronisch Kranker, der Sport betreibt, schreibt der Journalist in seinem Beitrag für „herzblatt“, müsse vor allem eines sein: ein Egoist. „Denn nur er selbst kann entscheiden, welchen Sport er wann und in welchem Umfang macht. Er kann sich nie nach anderen richten, denn damit könnte er sich schaden.“ Neben der körperlichen Fitness, ergänzt Joachim Mohr, habe das Training einen bemerkenswerten weiteren Effekt: Es erfrische die Seele und helfe gegen dunkle Gedanken.

„Was für ein Zirkus!“
Das „herzblatt“-Feuilleton präsentiert den „Circus Sonnenstich“, ein Projekt des Berliner Zentrums für bewegte Kunst. „Bei uns treten Artisten mit Handicap und besonderen Fähigkeiten auf“, erläutert Michael Pigl-Andrees, der Leiter des Zentrums. Zu seinen Künstlern zählen die 16-jährige Nina und der 24-jährige Felix. Sie sind beide mit Downsyndrom und einem Herzfehler zur Welt gekommen. Im „Circus Sonnenstich“ gehören sie zu den Stars. Vor ihren umjubelten Auftritten im glitzernden Zirkuszelt steht ein intensives Training, „herzblatt“ hat sie dabei begleitet. „Unsere Artisten erbringen Höchstleistungen“, sagt Michael Pigl-Andrees. Die soziale und künstlerische Persönlichkeit könne sich dabei voll entfalten. Und manches, fügt der Sonnenstich-Leiter hinzu, erscheine dabei „wie ein kleines Wunder“.

Der Ausgabe 1/16 von „herzblatt“ liegt die Broschüre „Mit Impfungen vor Krankheiten schützen“ bei. Der Kinderkardiologe Dr. med. René Höhn von der Klinik für Angeborene Herzfehler des Universitäts-Herzzentrums Freiburg/Bad Krozingen erläutert darin, worauf Eltern von Kindern mit angeborenem Herzfehler achten sollten.

Herzinfarkt und seine Vorboten

Deutsche Herzstiftung und Notfallmediziner beklagen die weiterhin hohe Zahl von mehr als 55.000 an Herzinfarkttoten pro Jahr in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Herzinfarktpatienten sterben, noch bevor sie die Klinik erreichen. Zwei Gründe erklären diese hohe Infarktsterblichkeit: einerseits das besonders hohe Risiko, in den ersten Minuten und Stunden nach Verstopfung der Herzkranzarterie zu versterben und andererseits das häufig zu lange Zögern der Betroffenen, die 112 anzurufen, damit ein Rettungswagen mit Notarzt kommt. Um die Bevölkerung, aber auch Millionen von Herzpatienten mit erhöhtem Infarktrisiko, besser für diese lebensbedrohliche Situation zu sensibilisieren, bietet die Deutsche Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html den Experten-Ratgeber „Herz in Gefahr“ an, der wichtigste Informationen zu den Herzinfarkt-Alarmzeichen, den Infarkt-Vorboten (Angina pectoris/Brustenge), und zum richtigen Notfallverhalten bei Herzinfarkt enthält.
„Durch besseres Vorwissen möglicher Betroffener und deren Angehöriger wollen wir dazu beitragen, die Infarktsterblichkeit noch außerhalb der Klinik zu senken“, betont Herzspezialist Prof. Dr. med. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung. „Immer noch wissen zu viele Menschen in unserem Lande nicht, dass beim Herzinfarkt jede Minute zählt und warten zu lange: Aber je schneller der Patient in der Klinik behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen und umso geringer das Risiko einer schwerwiegenden Schädigung des Herzens bis hin zur Herzmuskelschwäche mit erheblichen Einbußen an Lebensqualität.“

Warum sind beim Notruf 112 die Überlebenschancen am besten?
Das Zögern vor dem Notruf 112 ist beim Herzinfarkt so gefährlich, weil der Infarkt jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auslösen kann, die, wenn sie nicht sofort behoben werden, zum Herzstillstand führen. „In dieser Situation kann nur der mit der 112 herbeigerufene Rettungswagen mit einem Notarzt den Patienten durch den Einsatz eines Defibrillators vor dem plötzlichen Herztod schützen“, warnt Kardiologe Prof. Schunkert. Achtung: Hausarzt oder ärztlicher Notdienst können nichts anderes tun, als die 112 anzurufen. Das kostet den Betroffenen wertvolle lebensrettende Zeit, in der die verheerenden Folgen des Herzinfarkts ihren Lauf nehmen. Betroffene sollten unbedingt den Verdacht auf Herzinfarkt deutlich äußern, damit ein Rettungswagen mit Notarzt geschickt wird. Die Infarkt-Alarmzeichen sind oft leicht zu erkennen: Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Auch ein starkes Engegefühl, heftiger Druck und ein Brennen im Brustkorb gehören dazu. Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen.

„Schlüssel der erfolgreichen Behandlung liegt beim Patienten“
Ordnen Betroffene schnell und richtig diese Beschwerden dem Herzen zu und nicht dem Rücken oder Bauch, führt das zur schnelleren Entscheidung, sofort den Notarzt (112) zu rufen. „Der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung liegt beim Patienten und seinen Angehörigen. Je eher wir einen Infarktpatienten in der Klinik behandeln, desto mehr Herzmuskel und damit Pumpkraft des Herzens erhalten wir“, betont Prof. Schunkert. „Der Herzinfarkt ist heute so gut behandelbar, so dass sich das Herz bei einer schnellen Behandlung in der Regel vollständig erholt.“ Fatal sind Zeitverluste von Stunden oder gar Tagen aufgrund vermeidbarer Fehler der Betroffenen im Notfall, z. B. Abwarten, Scheu vor Fehlalarm besonders am Wochenende oder an Feiertagen („Belästigung der Ärzte“) oder die Einnahme von Schmerzmedikamenten.

Gibt es Vorboten eines Herzinfarkts?
Dem Herzinfarkt geht oft jahrzehntelang unbemerkt die koronare Herzkrankheit (KHK) voraus. Die KHK ist durch Brustschmerzen und/oder Atemnot charakterisiert, die bei körperlicher Belastung (Treppensteigen, Getränkekisten tragen) oder seelischer Erregung auftreten. Endet die Belastung, verschwindet der Schmerz in wenigen Minuten wieder (stabile Angina pectoris). Die koronare Herzkrankheit kann jahrelang stabil bleiben, aber sie kann gefährlich werden, weil sie die Grundlage für den Herzinfarkt darstellt. Nimmt die Intensität oder Dauer der Angina-pectoris-Anfälle zu, sollte der Patient sofort einen Internisten oder Kardiologen aufsuchen. Ist ein Termin nicht sofort zu erhalten, sollte man sich an eine CPU (Chest Pain Unit, Brustschmerzambulanz) oder an die Ambulanz einer Klinik (möglichst mit Herzkatheterlabor) wenden.

Notruf 112 auch bei Brustschmerz bei kleinsten Belastungen/in Ruhe
Besonders alarmierend ist es, wenn Brustschmerz und/oder Atemnot bei kleinsten Belastungen oder in Ruhe (instabile Angina pectoris) auftreten. „Dann muss die 112 sofort angerufen werden, weil sich daraus jederzeit ein Herzinfarkt entwickeln kann. Übergänge zwischen instabiler Angina pectoris und Herzinfarkt sind fließend“, warnt Prof. Schunkert. Bei der instabilen Form verschließt ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß teilweise, beim Herzinfarkt vollständig.

Hohe Rate plötzlicher Todesfälle

Deutschlands katastrophale Ersthelferquote für mehr als 60.000 Sterbefälle durch plötzlichen Herztod mitverantwortlich / Wiederbelebung durch Laien muss zur Selbstverständlichkeit werden

Als katastrophal bezeichnet die Deutsche Herzstiftung die weiterhin geringe Reanimationsbereitschaft unter Laien-Helfern, bei Patienten mit plötzlichem Herzkreislaufstillstand sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. „Weil Laien als Ersthelfer vor Ort häufig nur unzureichend reanimieren oder aus Angst vor Fehlern gar nichts machen, sterben in Deutschland jährlich über 60.000 Menschen am plötzlichen Herztod“, warnt der Notfallmediziner und Kardiologe Prof. Dr. med. Dietrich Andresen vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Nur etwa 30 bis 35 Prozent der Zeugen eines Herzkreislaufstillstandes führen eine Herzdruckmassage durch. „Eine Sofortmaßnahme, ohne die der Betroffene kaum Überlebenschancen hat“, betont Prof. Andresen in Berlin bei einer Aufklärungsaktion gemeinsam mit Vertretern des Ausschusses für Gesundheit im Bundestag, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), Hertha BSC und der Berliner Feuerwehr. Deshalb bietet die Herzstiftung das kostenfreie Herznotfall-Set unter www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html an, in dem genau erläutert wird, was im Notfall zu tun ist und wie die Herzdruckmassage durchgeführt wird.

Jeder kann die Herzdruckmassage erlernen
„Deutschlands sehr niedriger Helferquote durch Laien können wir nur durch flächendeckende Aufklärungsaktionen und Informationsangebote gegensteuern, die alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen mit einbeziehen. „Wiederbelebung muss zur Selbstverständlichkeit in Familie, Schule, Arbeit sowie Sport- und Freizeitbereich werden“, fordert der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit im Bundestag, Dr. Edgar Franke. Gemeinsam mit weiteren Bundestagsabgebordneten ließ sich Dr. Franke in der Herzdruckmassage unterweisen, um damit der Bevölkerung ein Signal zu setzen: „Jeder kann lernen, Leben zu retten. Die Niederlande und die skandinavischen Länder haben es uns vorgemacht. Dort liegen die Ersthelferquoten deutlich höher bei über 70 Prozent, und entsprechend höher ist die Überlebensrate. Auf der Homepage der Herzstiftung wird gezeigt, wie wir in Zukunft Betroffene vor einem plötzlichen Herztod oder einer schweren Hirnschädigung mit lebenslanger Behinderung bewahren sollten.“ (www.herzstiftung.de)

Was tun bei Herzkreislaufstillstand?
Jederzeit kann es passieren: Jemand bricht plötzlich infolge eines akuten Herzkreislaufstillstandes zusammen, liegt bewusstlos am Boden und atmet nicht mehr oder nur noch in Schnappatmung. Was tun? Sofort muss nach Prüfung der Bewusstlosigkeit und der Atmung des Betroffenen der Rettungsdienst alarmiert werden (Notruf 112). Danach beginnt man sofort mit einer Herzdruckmassage. Der Helfer kniet dazu seitlich neben dem auf dem Rücken liegenden Betroffenen und legt bei durchgestreckten Armen beide Handballen übereinander auf die Mitte des Brustbeins (dort, wo eine gedachte Linie zwischen den Brustwarzen das Brustbein kreuzt). Dann drückt man den Brustkorb schnell (mindestens 100-mal pro Minute) und kräftig (mindestens fünf Zentimeter tief) in Richtung Wirbelsäule ein. Dadurch wird ein künstlicher Blutkreislauf erzeugt, über den der Körper und vor allem das Gehirn des Betroffenen mit Sauerstoff versorgt wird. Gedrückt wird so lange, bis der Rettungsdienst/Notarzt eintrifft. Sind weitere Helfer vor Ort, kann man sich abwechseln. Dazu darf die Herzdruckmassage aber nur ganz kurz unterbrochen werden („fliegender Wechsel“). Deshalb ist auf eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung zu verzichten, um die Herzdruckmassage nicht zu unterbrechen (auch nach Herzkreislaufstillstand befindet sich im Blut für mehrere Minuten ausreichend Sauerstoff).

Erscheint noch vor dem Eintreffen des Notarztes ein anderer Helfer mit einem Defibrillator („AED“ für Automatisierter Externer Defibrillator) – ein Gerät, das durch einen kräftigen Stromstoß das Herz wieder „zum Schlagen bringt“ –, dann kann der AED eingesetzt werden. Eine automatische Stimme führt durch das Programm. Ganz wichtig: „Beim Anschließen des AED darf die Herzdruckmassage möglichst nicht und wenn, nur kurz unterbrochen werden. Auch hier gilt: Fehlende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff lässt tausende Gehirnzellen untergehen“, warnt Prof. Andresen.

Herzstiftung und Deutscher Fußball-Bund starten Initiative zur Laien-Reanimation
Zur Verbesserung der Laien-Wiederbelebung insbesondere in den Fußballvereinen und deren Umfeld bieten die Deutsche Herzstiftung und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit dem Gemeinschaftsprojekt „LEBENSRETTER SEIN“ im Herbst 2015 in zwei Pilot-Regionen Reanimationsschulungen für Fußballer in höherem Lebensalter an, im sogenannten Ü-Fußball (in den meisten Regionen ab einem Alter von 32 Jahren). Mit dem Ü-Fußball sind laut DFB neben verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen auch Risiken verbunden, denn insbesondere ältere Männer stellen eine Gruppe mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. „Daher empfehlen wir den aktiven Ü-Fußballern regelmäßige ärztliche Tauglichkeitsuntersuchungen, um ihre individuelle Gefährdung zu minimieren“, unterstreicht Prof. Dr. med. Tim Meyer, Vorsitzender der Kommission Sportmedizin des DFB und Mannschaftsarzt der Fußball-Nationalmannschaft. „Darüber hinaus erfolgt gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung eine Initiative, die die Laienreanimation in dieser Zielgruppe fördern und den korrekten Umgang mit denkbaren tragischen Ereignissen eines Herzkreislaufstillstandes schulen soll“, so Prof. Meyer weiter.
Der Herzstiftungs-Vorstand ist überzeugt, dass sich die Herzdruckmassage nur mit Hilfe flächendeckender Kurzschulungen in Laien-Reanimation zu einer Notfallmaßnahme etablieren lässt, die dann in der Bevölkerung auch wie selbstverständlich beherrscht wird. „Nur so kommen wir unserem Ziel näher, dass innerhalb der nächsten drei Jahre bei mindestens bei 80 Prozent aller Menschen, die einen beobachteten Herzkreislaufstillstand erleiden, eine qualitativ hochwertige Laienreanimation durchgeführt wird“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Biomarker verbessert Risikobeurteilung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die häufigste Herzerkrankung und diejenige Krankheit, die dem Herzinfarkt vorausgeht. Sie entsteht dadurch, dass sich Herzkranzgefäße in einem langen schleichenden Prozess verengen, so dass die Durchblutung des Herzens behindert wird. Jährlich werden bundesweit über 665.000 Patienten wegen einer KHK ins Krankenhaus eingeliefert, fast 130.000 Menschen sterben daran.

Großes Potenzial für die KHK-Therapie
Für die Therapie von KHK-Patienten sind innovative Messverfahren wichtig, mit deren Hilfe sich schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse, das Sterblichkeitsrisiko und zugleich auch das Erkrankungsrisiko jüngerer, noch nicht erkrankter Menschen genauer bestimmen lassen.
Amyloid-β 1-40 (Aβ40), ein Peptid, also eine Verbindung von Aminosäuren, ist der Forschung bereits als Biomarker bei altersbedingten chronischen Gefäßentzündungen bekannt. Dass Amyloid-β diese Eigenschaften auch für die Risikobewertung von Patienten mit einer stabilen KHK besitzt, hat erstmals Prof. Dr. med. Konstantinos Stellos, Medizinische Klinik III/Kardiologie und Institut für Kardiovaskuläre Regeneration am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, erkannt. Seine Arbeit „Amyloid-β und das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung“ wurde mit dem Wilhelm P. Winterstein Preis 2014 der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet (Dotation: 10.000 Euro) und erscheint am 10. März im renommierten Fachmagazin „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC) (online bereits abrufbar). Insgesamt sind neun Bewerbungen für den Preis bei der Herzstiftung eingegangen. Das Gutachtergremium aus dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Stiftung für Herzforschung gab der Forschungsarbeit von Prof. Stellos die höchste Bewertung.
„Die Arbeit von Professor Stellos stellt einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Herzinfarktsterblichkeit dar, indem Aβ40 eine noch feinere Beurteilung von Erkrankungsrisiko und Schweregrad einer koronaren Herzkrankheit ermöglicht“, würdigt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Klinikum Stephansplatz in Hamburg, die Forschungsarbeit.

Verbesserung der Prognose
Aβ40 wurde in Blutproben von insgesamt 1.464 Teilnehmern aus vier unabhängigen Patientengruppen gemessen. Ziel der Studie war es zu klären, ob der Aβ40-Spiegel im Blut von Patienten mit stabiler KHK, die in zwei Patientengruppen in München und Athen über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren untersucht wurden, zur Prognose der kardiovaskulären Sterblichkeit und anderen Herz-Kreislauf-Ereignissen beiträgt. Zudem wurde untersucht, ob Aβ40-Werte mit einer fortschreitenden Gefäßversteifung und einer beginnenden, jedoch leicht verlaufenden (subklinischen) KHK in Verbindung stehen.
Das Fazit: Stellos und Kollegen konnten zeigen, dass Aβ40 die Beurteilung des Sterblichkeitsrisikos und die Prognose von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Patienten mit stabiler KHK deutlich verbessert. Dies gilt Stellos zufolge unabhängig von anderen etablierten Faktoren wie z. B. Alter, Geschlecht, Nierenfunktion und Pumpfunktion des Herzens. Die Messung des Blutspiegels von Aβ40 identifiziert Patienten mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Tod. „Aβ40 birgt als prognostischer Marker großes Potenzial für die Behandlung von KHK-Patienten und zugleich für die Vorbeugung der KHK. Denn Aβ40-Spiegel korrelieren auch mit dem Ausmaß der leicht verlaufenden Arteriosklerose bei Patienten ohne manifeste KHK. Der Biomarker kann dabei helfen zu entscheiden, ob eine zeitlebens intensive vorbeugende Behandlung nötig ist“, unterstreicht Prof. Stellos. „Das von Prof. Stellos entwickelte Diagnoseinstrument hat großes Potenzial, zum besseren Verständnis der koronaren Herzkrankheit beizutragen. Dieser herausragende Forschungserfolg wird unseren Patienten unmittelbar zugutekommen“, ergänzt Prof. Dr. med. Andreas Zeiher, Direktor der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Frankfurt.

Der Wilhelm P. Winterstein-Preis der Deutschen Herzstiftung wird alljährlich für eine wissenschaftlich herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bevorzugt aus einem patientennahen Forschungsbereich, vergeben. Wilhelm P. und Ursula Winterstein sind seit fast 20 Jahren die Stifter dieses Wissenschaftspreises, der jedes Jahr auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Herzstiftung verliehen wird.

Häufigste Todesursache unter den Herzkrankheiten sind Herzinsuffizienz und Koronare Herzkrankheit

Einen dominierenden Einfluss auf die Sterblichkeit in allen Bundesländern haben vor allem die Koronare Herzkrankheit (KHK) und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Deutschen Herzbericht 2014 www.herzstiftung.de/herzbericht. So starben 2012 in Deutschland 128.171 Menschen an der KHK und 46.410 Menschen an Herzschwäche. Bei der KHK kommt es infolge einer Verengung der Herzkranzgefäße zu einer Mangeldurchblutung des Herzens, im schlimmsten Fall führt sie zum Herzinfarkt und zur Herzschwäche. „Für beide Herzerkrankungen ist die Ausschaltung der Risikofaktoren insbesondere durch einen gesunden Lebensstil enorm wichtig“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Klinikum Stephansplatz Hamburg. „Jeder Mensch sollte deshalb über seine persönlichen Risikofaktoren gut informiert sein, um frühzeitig durch vorbeugende oder therapeutische Maßnahmen gegenzusteuern.“ Einen praktischen Herzinfarkt-Risikotest unter www.herzstiftung.de/Herzinfarkt-Risiko-Test.php bietet die Herzstiftung an.

Herzinfarkt-Risiko Diabetes mellitus
Obwohl Alter, erbliche Belastung und Geschlecht eine Rolle spielen, ist die Hauptursache der KHK unser heutiger Lebensstil: falsche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Stress. Daraus entstehen die Risikofaktoren Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung (hohes Cholesterin) und Diabetes. Eine Übersicht zu diesen Risikofaktoren und ihrer Bedeutung in der Krankheitsvermeidung (Primärprävention) und in der stationären oder ambulanten Rehabilitation (Sekundärprävention) bietet der Herzbericht 2014.
Beispiel Diabetes mellitus: Herzinfarkte ereignen sich bei Diabetikern häufiger als bei Nicht-Diabetikern. Die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“ des Robert-Koch-Instituts ergab, dass aktuell mindestens 4,6 Millionen Diabetiker im Alter zwischen 18 und 79 in Deutschland leben. Dass Aufklärung über die Risikofaktoren der KHK und Herzschwäche unerlässlich ist, verdeutlicht die Tatsache, dass „Patienten mit Herzinfarkten zum Zeitpunkt des klinischen Ereignisses in nahezu zwei Drittel einen Diabetes mellitus oder zumindest eine gestörte Glukosetoleranz aufweisen“, wie der Herzbericht dokumentiert. „Viele schwerwiegende Verläufe der KHK bis hin zu Herzinfarkt und Herzschwäche wären zu vermeiden, wenn die Betroffenen früher von ihrer Grunderkrankung wüssten“, bestätigt Prof. Meinertz.

Der kostenfreie Herzinfarkt-Risikotest der Deutschen Herzstiftung ist erreichbar unter: www.herzstiftung.de/Herzinfarkt-Risiko-Test.php

Weitere Informationen zum Deutschen Herzbericht 2014 unter: www.herzstiftung.de/herzbericht

Wie soll man mit Herzrhythmusstörungen umgehen?

Interview mit Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Kardiologe am Klinikum Stephansplatz, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung

Viele Menschen sind von Herzrhythmusstörungen betroffen. Es besteht eine große Unsicherheit darüber, ob diese harmlos oder gefährlich sind und wie sie behandelt werden können. Allein an Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung, leiden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen. Viele dieser Patienten stehen unter einem erheblichen Leidensdruck. Für sie alle ist es wichtig, die heutigen Therapiemöglichkeiten zu kennen.

Was ist eine normale Herzschlagfolge? Was ist ein normaler Puls?
Prof. Meinertz: Die normale Herzschlagfolge, die normale Herzfrequenz in Ruhe, liegt zwischen 60 und 90 Schlägen pro Minute. Bei seelischer oder körperlicher Belastung kann der Puls ohne Weiteres bis auf eine Frequenz von 160 bis 180 steigen. Dieser Anstieg des Pulses ist völlig normal. Aber: Krankhaft ist ein schlagartiges Umspringen des Pulses von einer normalen Herzschlagfolge auf eine sehr hohe oder sehr niedrige Herzfrequenz.

Wo liegt die Grenze nach unten?
Nachts sinkt die Herzfrequenz ab und liegt bei vielen Menschen zwischen 45 und 55 Schlägen pro Minute. Doch auch tiefere Herzfrequenzen können ohne krankhafte Bedeutung sein. So kann z. B. beim Leistungssportler die Herzfrequenz auf 30 bis 35 Schläge pro Minute abfallen. Eine solch niedrige Herzfrequenz ist natürlich für einen Untrainierten nicht normal. Die untere Grenze zum krankhaften Befund liegt bei etwa 40 Schlägen pro Minute.

Wann muss man anfangen, sich Sorgen zu machen? Wann werden Herzrhythmusstörungen gefährlich?
Herzrhythmusstörungen können etwas völlig Normales sein. Praktisch jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben Unregelmäßigkeiten des Herzschlags – häufig, ohne es zu merken. Oft sind Herzrhythmusstörungen Folge einer Herzkrankheit (z.B. Hochdruckherz, koronare Herzkrankheit, Klappenfehler). Auch Diabetes und Übergewicht können zu Herzrhythmusstörungen führen. Selten sind Herzrhythmusstörungen Vorläufer und Warnzeichen eines drohenden plötzlichen Herztodes. Der Übergang zwischen normal und krankhaft ist fließend. Krankhaft bedeutet nicht immer gefährlich. Die Grenze ist im Einzelfall schwierig zu ziehen. Ob Herzrhythmusstörungen harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden.

Was sind Herzrhythmusstörungen?
Man kann sie mit Fehlzündungen eines Motors vergleichen. Normalerweise bilden die elektrischen Taktgeber im Herzen regelmäßig ihre Impulse. Daher schlägt das Herz regelmäßig. Diese elektrischen Taktgeber sind störanfällig, und Störungen, Fehlzündungen können zu Extraschlägen führen. Die Taktgeber können auch in ihrer Funktion versagen, vorübergehend oder ganz, dann kommt es zu einer Verlangsamung der Herzschlagfolge. Dabei kann die Störung sowohl in den elektrischen Impulsgebern liegen als auch überall im Herzmuskel. Denn bei Herzkrankheiten kann der Herzmuskel selbst elektrische Aktivität entwickeln und zu fehlgebildeten Impulsen Anlass geben.

Herzrhythmusstörung ist also nicht gleich Herzrhythmusstörung.
So ist es. Zu unterscheiden ist zwischen:
– harmlosen Herzrhythmusstörungen, die als Fehlzündungen eines normalen Herzens angesehen werden können,
– Herzrhythmusstörungen, die durch eine Erkrankung der elektrischen Impulsgeber hervorgerufen werden (als Beispiele: AV-Block und das Sinusknoten-Syndrom),
– Herzrhythmusstörungen, die durch überzählige Erregungsleitungsbahnen (z. B. WPW-Syndrom) oder Ionenkanalerkrankungen (z. B. angeborenes QT-Syndrom) ausgelöst werden (sogenannte primär elektrische Erkrankungen des Herzens),
– am häufigsten und am bedeutsamsten: Herzrhythmusstörungen, die Folge einer Herzkrankheit sind, und
– Herzrhythmusstörungen, die Folge anderer Krankheiten sind, wie z. B. einer Schilddrüsenüberfunktion.

Herzrhythmusstörungen sind also in der Regel – wenn sie nicht angeboren sind – keine eigene Erkrankung, sondern meistens die Folge von Herzkrankheiten oder anderen Einflüssen, die das Herz aus dem Takt bringen.

Welche Einflüsse sind das?
Besonders wichtig ist die Störung der Zusammensetzung der Blutsalze, der Elektrolyte: Kaliummangel, Magnesiummangel. Dadurch werden sowohl gutartige wie bösartige Herzrhythmusstörungen verstärkt oder ausgelöst. Daher ist darauf zu achten, dass es zu keinem Kalium- oder Magnesiummangel zum Beispiel bei regelmäßigem Gebrauch von Diuretika (Entwässerungsmitteln) kommt. Aber auch ein zu hoher Kaliumspiegel beeinflusst den Herzrhythmus ungünstig. Auch Genussgifte (reichlicher Konsum von Alkohol, Kaffee oder Nikotin), Medikamente, Schlafmangel und üppige Mahlzeiten können Herzrhythmusstörungen auslösen.

Was ist die beste Strategie?
Die beste Strategie gegen Herzrhythmusstörungen ist die Ausschaltung von Faktoren, die Herzrhythmusstörungen begünstigen, und die Behandlung der Grundkrankheit, die die Herzrhythmusstörung verursacht. Am wichtigsten ist der hohe Blutdruck. Wird ein hoher Blutdruck konsequent gesenkt (auf unter 140/90 mmHg), kann in vielen Fällen Vorhofflimmern gebessert werden. Das geht nicht von einer Woche auf die andere. Das braucht Zeit.

Wann müssen – über die Behandlung der Grundkrankheit hinaus – Herzrhythmusstörungen direkt behandelt werden?
Früher haben wir viele Herzrhythmusstörungen für bedrohlicher gehalten, als sie es tatsächlich sind. Viele Herzrhythmusstörungen müssen überhaupt nicht behandelt werden. Wenn Herzrhythmusstörungen harmlos sind, was sie meistens sind, dann sollte man sie auf keinen Fall behandeln. Heute behandelt man Herzrhythmusstörungen nur, wenn dies zwingend erforderlich ist. Dann aber sollten sie konsequent und nur vom Fachmann behandelt werden. Die Entscheidung für eine Behandlung ist Sache des Kardiologen, die regelmäßige Verlaufskontrolle kann in der Zusammenarbeit zwischen Hausarzt/Internisten und Kardiologen erfolgen.

Wann ist die Behandlung notwendig?
Eine Herzrhythmusstörung muss behandelt werden,
– wenn sie die Gefahr eines plötzlichen Herztodes mit sich bringt,
– wenn sie zu einem Schlaganfall führen kann,
– wenn sie sich auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt,
– wenn sie den Patienten belastet, zum Beispiel durch Schwindelanfälle, durch Herzrasen oder durch ausgeprägtes Unwohlsein.
Erst dann wird eine Therapie eingeleitet – in den meisten Fällen zunächst mit Medikamenten, bei langsamen Herzrhythmusstörungen mit einem Herzschrittmacher.

Was ist mit Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen zu erreichen?
Diese Medikamente können die Herzrhythmusstörung unterdrücken oder zumindest dafür sorgen, dass sie seltener, kürzer oder erträglicher auftritt. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Deren Wirkung im Einzelfall ist nicht sicher vorauszusehen. Da die Patienten unterschiedlich auf die Medikamente ansprechen, braucht man Geduld und unter Umständen auch mehrfachen Medikamentenwechsel, bis das richtige Medikament und die richtige Dosierung gefunden sind. Eines können Rhythmusmedikamente nach neueren Erkenntnissen nicht leisten: bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen den plötzlichen Herztod verhindern. Dafür ist der Defibrillator erfunden worden.

Welche Nachteile haben die Rhythmusmedikamente?
Das Hauptproblem besteht darin, dass alle Rhythmusmedikamente – von Betablockern abgesehen – selten (im Bereich weniger Prozente) selbst Rhythmusstörungen verstärken und so im Einzelfall dramatische und lebensbedrohliche Situationen hervorrufen können – am häufigsten zu Beginn einer Therapie. Deshalb muss man mit diesen Medikamenten vorsichtig umgehen. Man muss sie kritisch und gezielt einsetzen.

Wie lässt sich das Risiko begrenzen?
Man kann die Gefährdung des Patienten verringern, wenn man den Patienten sorgfältig einstellt. Besonders gefährdet durch die Nebenwirkungen von Rhythmusmedikamenten sind Patienten mit einer begleitenden Herzkrankheit. Die Therapie sollte in diesen Fällen – Ausnahme Betablocker – in der Klinik eingeleitet werden, wo die Nebenwirkungen optimal am EKG-Monitor überwacht werden können. Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen ohne begleitende Herzkrankheit sollte der Kardiologe in der Praxis den Herzrhythmus nach der ersten Einnahme des Medikaments überwachen. Auch wenn der Patient gut eingestellt ist, darf man ihn nicht – wie es häufig geschieht – allein lassen, sondern man muss ihn etwa alle drei Monate kontrollieren.

Seit Jahren gibt es einen anderen Weg, Herzrhythmusstörungen zu bekämpfen: die Katheterablation.
Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Herzzellen gezielt durch Hochfrequenzstrom oder Kälte so verödet werden, dass Herzrhythmusstörungen nicht mehr entstehen können. Die Prozedur wird mit Hilfe von Kathetertechnik durchgeführt, bei der millimeterdünne Sonden über die Beinvenen ins Herz geschoben werden. Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass es in vielen Fällen Herzrhythmusstörungen heilen kann, was Medikamente nicht können. Allerdings sind manchmal (z. B. bei Vorhofflimmern) erneute Eingriffe notwendig.

Für wen kommt die Katheterablation in Betracht?
Für die Katheterablation gibt es heute gesicherte Einsatzbereiche: häufige und belastende, schnelle Herzrhythmusstörungen aus dem Bereich der Herzvorhöfe und des AV-Knotens sowie der Herzkammern. Besonders interessant ist die Entwicklung der Katheterablation beim Vorhofflimmern. Vor Jahren noch experimentell, ist sie heute ein Standardverfahren – mit guten Ergebnissen.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Allein in Deutschland leiden etwa 1,8 Millionen Menschen daran. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Vorhofflimmern ist nicht nur die häufigste Herzrhythmusstörung, es ist auch die Herzrhythmusstörung, bei deren Therapie die größten Fortschritte erzielt wurden. Betrachtet man die Entwicklung in den letzten zehn Jahren, so ist es nicht übertrieben, von spektakulären Fortschritten zu sprechen. Oft ist es sinnvoll, Vorhofflimmern bei seltenen Anfällen (z. B. weniger als 1-mal im Monat) zunächst nicht zu behandeln, bzw. nur die Grundkrankheit, die das Vorhofflimmern verursacht, zu therapieren. Der nächste Schritt ist der Einsatz von Rhythmusmedikamenten. Allerdings muss man relativ rasch handeln, damit sich die Anfälle nicht mehr und mehr häufen und Vorhofflimmern dauerhaft wird. Dann ist die Chance, mit Medikamenten, aber auch mit der Katheterablation etwas auszurichten, viel geringer.

Lässt sich durch Medikamente auf Dauer ein Erfolg erzielen?
Leider kann man mit Medikamenten auf Dauer die Anfälle von Vorhofflimmern nicht verhindern. Aber dann gibt es eine andere Form der Behandlung: die Frequenzkontrolle. Dabei wird das durch Vorhofflimmern bedingte Herzrasen, die schnelle Herzschlagfolge (100-160 Schläge/Minute) mit Medikamenten normalisiert, das Vorhofflimmern als solches aber bleibt bestehen. Damit kommen viele Patienten gut zurecht. Wenn die Anfälle selten, also z. B. weniger als 3-mal im Monat, auftreten, gibt es eine andere Möglichkeit der Behandlung: das Pill in the Pocket-Konzept, eine Therapie, bei der der Patient selbst den Anfall beenden kann.

Wie ist das zu verstehen?
Herzgesunde Patienten können Anfälle von Vorhofflimmern beenden, wenn sie im Anfall ein Rhythmusmedikament nehmen. Amiodaron kommt nicht in Frage, da die Wirkung zu langsam eintritt. Wirksam ist Flecainid oder Propafenon. In der Mehrzahl der Fälle sind diese Medikamente erfolgreich: Sie beenden in 2-3 Stunden nach Einnahme den Anfall. Vorsichtshalber sollte der Patient das erste Mal das Medikament unter Aufsicht in der Klinik oder in der kardiologischen Praxis einnehmen, um sicherzustellen, dass keine gefährlichen Herzrhythmusstörungen auftreten.

Wann wird zur Katheterablation geraten?
Wenn Medikamente nicht erfolgreich sind oder nicht vertragen werden und die Patienten erheblich unter Vorhofflimmern leiden, kommt die Katheterablation in Frage. Man braucht allerdings manchmal zwei oder mehr Prozeduren, um Vorhofflimmern dauerhaft zu beseitigen. Wenn ein Patient ohnehin am Herzen operiert werden muss, bietet es sich an, Vorhofflimmern während der Operation durch eine Ablation zu heilen. Das Operationsrisiko erhöht sich dadurch nicht. Da die Entwicklung auf diesem Gebiet schnell vorangeht, ist zu erwarten, dass sich die Katheterablation in Zukunft immer mehr durchsetzen wird.

Bei der Behandlung von Vorhofflimmern sind große Fortschritte erzielt worden. Wo sonst noch?
Neben den Erfolgen bei der Behandlung des Vorhofflimmerns sehe ich in der Vorbeugung des plötzlichen Herztodes große Fortschritte. Heute kennen wir einige Patientengruppen, die durch den plötzlichen Herztod besonders gefährdet sind. Ihnen können wir durch den Defibrillator helfen.

So groß die Fortschritte bei der Behandlung von Vorhofflimmern sind, ein Problem bleibt: Vorhofflimmern bringt die Gefahr des Schlaganfalls mit sich. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern in Deutschland etwa 30 000 Schlaganfälle.
Ja, der Schlaganfall ist die größte Gefahr, die von Vorhofflimmern ausgeht. Denn bei Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden und vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen: Schlaganfall. Die gerinnungshemmenden Medikamente Marcumar/Falithrom/Warfarin oder die neuen Gerinnungshemmer Pradaxa, Xarelto, Eliquis können die Patienten gegen Schlaganfall schützen.

Vorhofflimmern kann heimtückisch sein, wenn es nicht bemerkt wird. Das ist oft der Fall. Wer, ohne es zu wissen, Vorhofflimmern hat, ist besonders gefährdet, einen Schlaganfall zu erleiden, weil er nicht durch gerinnungshemmende Medikamente geschützt wird.
Um unbemerktes Vorhofflimmern aufzudecken, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Wenn ein Patient mit Bluthochdruck oder im Alter von über 65 – aus welchem Grund auch immer – einen Arzt aufsucht, sollte der Arzt seinen Puls fühlen, und wenn er unregelmäßig ist, ein EKG machen, das Vorhofflimmern dokumentieren kann. In jedem Haushalt sollte ein Blutdruckmessgerät vorhanden sein, das ja nicht viel kostet. Die meisten dieser Geräte können den unregelmäßigen Herzschlag anzeigen, wenn man den Blutdruck misst. Das ist eine gute Möglichkeit, Unregelmäßigkeiten des Pulses festzustellen und dann den Herzrhythmus beim Arzt durch ein EKG überprüfen zu lassen. Jeder kann lernen, selbst den Puls zu fühlen, und dadurch kontrollieren, ob der Puls unregelmäßig oder z. B. zu schnell ist, und dann zum Arzt gehen, um zu prüfen, ob Rhythmusstörungen vorliegen.

Bisher haben wir davon geredet, was die heutige Medizin für den Rhythmuspatienten tun kann. Was können die Patienten selbst tun?
Der Patient hat viel in der Hand. Er kann die Faktoren ausschalten, die Rhythmusstörungen auslösen oder verstärken: Rauchen, Alkohol, Koffein, Schlafmangel, üppige Mahlzeiten. Er kann darauf achten, dass er ausreichend Elektrolyte – Kalium, Magnesium – zu sich nimmt, insbesondere, wenn er fiebert, schwitzt oder mit Entwässerungsmitteln behandelt wird. Vor allem kann er Krankheiten vorbeugen, die Vorhofflimmern verursachen (Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes, Übergewicht) oder dafür sorgen, dass sie rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Wichtig ist ein gesunder Lebensstil, der nicht nur für genug Bewegung, gesunde Ernährung und genug Schlaf sorgt, sondern auch ein Gleichgewicht zwischen Belastung und Entspannung herstellt.

Wie soll man mit Herzrhythmusstörungen umgehen?
Mit Gelassenheit. Von Herzrhythmusstörungen darf man sich nicht verrückt machen lassen. Mit harmlosen Rhythmusstörungen muss man leben lernen. Andererseits muss man bei bedeutsamen Herzrhythmusstörungen konsequent vorgehen. Hier sollte man, wenn man einen Arzt gefunden hat, dem man vertraut, dessen Ratschlägen folgen. Die Angst vor Herzschrittmachern oder technischen Geräten wie Defibrillatoren sollte man überwinden. Auch mit einem Herzschrittmacher oder mit einem Defibrillator kann man gut und lange leben, ohne dauernd an die Rhythmusstörung zu denken.

Interview: Irene Oswalt

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Broschüre der Deutschen Herzstiftung „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen“ veröffentlicht. Interessierte können den Ratgeber für 3 EUR in Briefmarken (Versandkostenpauschale) beziehen bei: Deutsche Herzstiftung, Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt oder unter www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-Sonderband.html

Besserer Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankung

Tägliches Sitzen von mehreren Stunden kann riskant für Herz und Kreislauf werden, besonders wenn kein Ausgleich durch Bewegung erfolgt. Umgekehrt kann sich eine konsequente Vermeidung des Sitzens positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Darauf deuten jüngste Untersuchungen der schwedischen Uppsala-Universität (Sjögren P., Br J Sports Med 2014) hin, deren Ergebnisse frühere Arbeiten (Ravussin E., Science 2005) bestätigen. „Das Vermeiden von Sitzen zugunsten von einfachem Umhergehen und Stehen sind für die Gesundheit und das Normalisieren des Körpergewichts außerordentlich vorteilhaft. Jeder sollte im Alltag, ob zu Hause oder bei der Arbeit, jede noch so kleine Gelegenheit nutzen, um aufzustehen und Schritte zu sammeln“, betont Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab, Chefarzt für Kardiologie an der Curschmann-Klinik am Timmendorfer Strand und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Anlässlich des Weltherztages am 29.9. appelliert die Deutsche Herzstiftung mit ihrem kostenfreien Info-Angebot unter www.herzstiftung.de/ausdauer-verbessern an Menschen aller Altersgruppen, das Sitzen im Alltag nach Möglichkeit deutlich zu reduzieren und ihr Bewegungspensum bewusst zu steigern, etwa mit Hilfe eines Schrittzählers. „Schon eine geringfügige Steigerung, etwa durch tägliches flottes Gehen oder Radfahren, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöht die Lebensqualität bedeutsam.“

Wie lässt sich das Sitzen vermeiden – wie wird man zum Schrittsammler?
Wie man kinderleicht seine Aktivität konsequent in den Alltag integriert und bewusst steigert, zeigt die Herzstiftung mit den folgenden Tipps:
Tipp 1: Gehen Sie sportlich: Liegt der Arbeitsplatz oder der nächste Einkaufsmarkt nicht allzu weit entfernt, verzichten Sie auf das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel und fahren Sie mit dem Fahrrad oder gehen Sie zu Fuß. Oder Sie steigen gezielt mehrere Stationen früher aus und legen den Rest der Strecke in flottem Tempo zu Fuß zurück.
Tipp 2: Wenn Sie häufig im Sitzen arbeiten oder am PC Büroarbeiten erledigen, stehen Sie öfter auf. Führen Sie Telefonate im Stehen oder Gehen, lesen Sie die Post im Stehen. Besuchen Sie Ihre Kollegen im Büro oder Ihre Nachbarn zu Hause, anstatt anzurufen oder eine Mail zu schicken.
Tipp 3: Widerstehen Sie der Rolltreppenversuchung: Wenn Sie nicht gerade schwere Koffer, Kisten oder Ähnliches zu tragen haben, dann nutzen Sie die Treppe anstelle des Aufzuges oder der Rolltreppe.
Tipp 4: Schrittzähler helfen, ein tägliches Pensum von mindestens 7.000 Schritten pro Tag zu gehen. Das ist die von der Herzstiftung empfohlene tägliche Mindestschrittmenge mit nachweisbarem Gesundheitseffekt. Optimal sind 10.000 Schritte pro Tag. Jeder kann ganz leicht Schritte sammeln: z. B. in der Wartezeit das Bahngleis auf und ab laufen oder im Park in flottem Tempo spazieren gehen. Attraktiv können in Betrieben Schrittzählerwettbewerbe sein. Wichtig ist flottes Gehen.