Archiv der Kategorie: Gesundheit für Kinder

So wichtig ist die Windpockenimpfung

Windpocken gehören zu den häufigsten Kinderkrankheiten weltweit. Viele Eltern nehmen eine Ansteckung in Kauf, da sie von einem harmlosen Krankheitsverlauf ausgehen. Jedoch erfolgt die Windpockeninfektion nicht immer ohne Komplikationen. Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Windpocken für alle Kinder und Jugendliche.

Notwendigkeit einer Windpockenimpfung

„Eine Windpockeninfektion ist mit sehr unangenehmen Symptomen wie hohem Fieber und einem juckenden Hautauschlag verbunden“, erklärt Dr. Taner Uguz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Kleinkinder würden diese Zeit zwar meist ohne Komplikationen überstehen, in einzelnen Fällen könne es aber auch zu unschönen Narben oder sogenannten Sekundärinfektionen kommen. Davon seien nicht nur Neugeborene oder Kinder mit einem geschwächten Immunsystem betroffen, sondern auch gesunde. Vor der Einführung der Impfung hätten etwa 2.000 Kinder unter 16 Jahren wegen einer Windpockenerkrankung oder deren Folgen ins Krankenhaus gemusst.

Zeitgleich mit Masern, Mumps und Röteln impfen

Die Windpockenimpfung kann als Einzel- oder als Kombinationsimpfung mit Masern, Mumps und Röteln verabreicht werden. Bei der Frage, ob das Immunsystem eines Kleinkindes mit einer Mehrfachimpfung nicht überlastet sei, erklärt Uguz: „Das Immunsystem – auch das eines Kleinkindes – setzt sich tagtäglich mit weitaus mehr Fremdmolekülen auseinander als es bei einer Kombinationsimpfung der Fall ist.“

„Nestschutz“ geht verloren

Die Impfung gegen Windpocken wird zwischen dem vollendeten 11. und 14. Lebensmonat empfohlen und sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten wiederholt werden. „Hatte eine schwangere Frau selbst schon die Windpocken oder ist sie durch eine Impfung immun, überträgt sie die Antikörper über die Blutbahn auf das ungeborene Kind“, erklärt Uguz. Nach der Geburt würden diese auch durch die Muttermilch weitergegeben. Dieser sogenannte „Nestschutz“ sei aber lediglich in den ersten Monaten vorhanden. „Daher ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen gegen Windpocken immun sind und so vor allem Babys mit schützen“, betont Uguz.

Kinder : Herzkrank und Sport?

Sport ist für alle Kinder wichtig. Denn die Entwicklung von Kindern wird maßgeblich von Bewegung beeinflusst. Bewegungserfahrungen bestimmen nicht allein das körperliche und motorische Heranreifen. Sie sind auch entscheidend für den psychosozialen, emotionalen und kognitiven Bereich – und damit für die gesamte Persönlichkeit. „Auch herzkranke Kinder sollten ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben dürfen und hierbei möglichst keine Einschränkungen erfahren“, betont Birna Bjarnason-Wehrens, Professorin an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Was herzkranke Kinder und deren Eltern, Jugendliche und junge Erwachsene zum Thema Sport und Bewegung wissen und beachten sollten, fasst „herzblatt“ – das Magazin der Deutschen Herzstiftung für ein Leben mit angeborenem Herzfehler – für seine Leser in der ersten Ausgabe des Jahres 2016 zusammen.

Die meisten herzkranken Kinder können Sport treiben
Sehr viele angeborene Herzfehler, erläutert die Sportwissenschaftlerin Bjarnason-Wehrens im Gespräch mit „herzblatt“, können heute im Neugeborenen- oder Kleinkindalter vollständig korrigiert werden, sodass keine oder nur geringe körperliche Restbefunde vorliegen. Das schaffe gute Voraussetzungen für eine normale Entwicklung. Die meisten dieser Kinder könnten ihre Bewegungsaktivitäten unbeschränkt ausleben. Einschränkungen bestünden nur bei einer kleinen Gruppe von Patienten mit schweren Herzfehlern, die nur unvollständig korrigiert werden konnten und demzufolge bedeutungsvolle Restbefunde aufweisen. Doch auch sie sollten möglichst wenige Einschränkungen in ihrem Bewegungsverhalten erfahren und am Schulsport oder an Freizeitaktivitäten mit Gleichaltrigen teilnehmen können. Die neue Leitlinie „Sport bei angeborenen Herzerkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) empfiehlt regelmäßige Untersuchungen beim Kinderkardiologen. Er bzw. sie kann Einschränkungen definieren und auf dieser Basis eine individuelle Sportempfehlung aussprechen. Die DGPK bietet auf ihrer Homepage (www.kinderkardiologie.org) ein kostenfreies Computerprogramm an, das es dem Arzt erlaubt, die Sporttauglichkeit eines Patienten ohne größeren zeitlichen Aufwand ausführlich zu beurteilen und ein „Sportattest“ auszustellen.

Sportgruppen eigens für Herzkinder
Die „herzblatt“-Grafik nennt bundesweit Sportgruppen eigens für Herzkinder: Die „Kinderherzsportgruppen“ haben zum Ziel, Kleinkinder und Kinder im schulfähigen Alter, die mit einem Herzfehler zur Welt kamen, in ihren motorischen Fähigkeiten so weit zu fördern, dass sie am regulären Schulsport teilnehmen können. Die „herzblatt“-Fotoreportage stellt exemplarisch einen Kletterkurs für Kinder mit angeborenem Herzfehler vor, den die Technische Universität München (TUM) in ihrem Modellprojekt „KidsTUMove“ anbietet. Mit integrativen Bewegungsgruppen, Wochenendfreizeiten, Sommercamps und vielfältigen Sportangeboten sprechen die Mitarbeiter des Münchener Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie gezielt chronisch kranke Kinder und Jugendliche an, um ihnen einen Zugang zu Sport und Bewegung zu ermöglichen.

„Absolut – es wirkt!“
Aus der Sicht der Betroffenen beschreibt Joachim Mohr, 53 Jahre und Redakteur beim „Spiegel“ in Hamburg, seine Erfahrungen mit Sport und Bewegung. Die Ärzte haben ihm mit ihrer Heilkunst Lebenszeit geschenkt – gesund machen aber konnten sie ihn nicht. Gerade wegen seines Herzleidens, unterstreicht Mohr, müsse er seinen Körper pflegen und fit halten. Ein chronisch Kranker, der Sport betreibt, schreibt der Journalist in seinem Beitrag für „herzblatt“, müsse vor allem eines sein: ein Egoist. „Denn nur er selbst kann entscheiden, welchen Sport er wann und in welchem Umfang macht. Er kann sich nie nach anderen richten, denn damit könnte er sich schaden.“ Neben der körperlichen Fitness, ergänzt Joachim Mohr, habe das Training einen bemerkenswerten weiteren Effekt: Es erfrische die Seele und helfe gegen dunkle Gedanken.

„Was für ein Zirkus!“
Das „herzblatt“-Feuilleton präsentiert den „Circus Sonnenstich“, ein Projekt des Berliner Zentrums für bewegte Kunst. „Bei uns treten Artisten mit Handicap und besonderen Fähigkeiten auf“, erläutert Michael Pigl-Andrees, der Leiter des Zentrums. Zu seinen Künstlern zählen die 16-jährige Nina und der 24-jährige Felix. Sie sind beide mit Downsyndrom und einem Herzfehler zur Welt gekommen. Im „Circus Sonnenstich“ gehören sie zu den Stars. Vor ihren umjubelten Auftritten im glitzernden Zirkuszelt steht ein intensives Training, „herzblatt“ hat sie dabei begleitet. „Unsere Artisten erbringen Höchstleistungen“, sagt Michael Pigl-Andrees. Die soziale und künstlerische Persönlichkeit könne sich dabei voll entfalten. Und manches, fügt der Sonnenstich-Leiter hinzu, erscheine dabei „wie ein kleines Wunder“.

Der Ausgabe 1/16 von „herzblatt“ liegt die Broschüre „Mit Impfungen vor Krankheiten schützen“ bei. Der Kinderkardiologe Dr. med. René Höhn von der Klinik für Angeborene Herzfehler des Universitäts-Herzzentrums Freiburg/Bad Krozingen erläutert darin, worauf Eltern von Kindern mit angeborenem Herzfehler achten sollten.

E-Shishas gehören nicht in Kinderhände

E-Zigaretten und E-Shishas liegen bei jungen Menschen im Trend. Obwohl sie gesundheitlich bedenklich sind, können Kinder und Jugendliche diese Produkte mit Erdbeer oder Karamellgeschmack ohne Einschränkung am Kiosk kaufen. Um Minderjährige vor den gesundheitlichen Gefahren und einer möglichen späteren Nikotinsucht zu schützen, fordert die Deutsche Krebshilfe gemeinsam mit dem AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN und weiteren Experten diese Gesetzeslücke zu schließen.

Sowohl nikotinfreie als auch nikotinhaltige Flüssigkeiten, die in E-Zigaretten und E-Shishas verdampft werden, bestehen aus verschiedenen Chemikalien, die nachweislich zu Atemwegsreizungen führen können und zudem die Innenraumluft verschlechtern. „Durch die Inhalation von Chemikalien beim Gebrauch von E-Zigaretten werden die Atemwege auch von Kindern und Jugendlichen gereizt. Dies bereitet den Boden für Infektionen, langfristig sind Lungenveränderungen nicht auszuschließen“, so Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, weist darauf hin, dass insbesondere Kinder und Jugendliche geschützt werden müssen, weil mit „kinderfreundlichen“ Aromen und Produkt-Designs gezielt junge Konsumenten angesprochen werden. „Mit vermeintlich harmlosen und schmackhaften E-Shishas und E-Zigaretten wird das Rauchritual eingeübt. Ihr Konsum kann den Einstieg in das Rauchen fördern und damit die bisherigen Erfolge der Tabakprävention bei Jugendlichen zunichte machen.“

Auch Kinder- und Jugendärzte sehen neben den gesundheitlichen Risiken durch die „Liquids“, wie sie zum Beispiel in E-Zigaretten enthalten sind, die Gefahr des Einübens eines falschen Verhaltensmusters. „Wir unterstützen daher das generelle Verbot von E-Zigaretten und E-Shishas für Minderjährige – unabhängig davon, ob sie einen Wirkstoff enthalten oder nicht“, so Dr. Ulrich Fegeler, Pressesprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Insbesondere Jugendliche konsumieren immer häufiger nikotinfreie und nikotinhaltige E-Shishas und E-Zigaretten. Auf Schulhöfen sind sie mittlerweile allgegenwärtig. Diese Entwicklung besorgt Eltern, Lehrer und Schulleitungen gleichermaßen.

Wolfgang Pabel, stellvertretender Vorsitzender des Bundeselternrates erklärt: „Dank gesetzlicher Regelungen gehört Rauchen nicht mehr zum selbstverständlichen Alltag von Heranwachsenden – insbesondere nicht in der Schule. Deshalb haben auch E-Zigaretten auf Schulhöfen nichts zu suchen. Die Bundesregierung muss hier für klare Regeln sorgen“.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will den Verkauf von E-Zigaretten und E-Shishas an Jugendliche verbieten und kündigte Mitte Januar 2015 eine entsprechende Novelle des Jugendschutzgesetzes an. Ähnlich äußerten sich Bundesernährungsminister Christian Schmidt und Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN sowie Kinder- und Jugendärzte und Bundeselternrat setzen sich vehement für eine konsequente Novellierung und ein Abgabeverbot aller E-Inhalationsprodukte – ob mit oder ohne Nikotin – an Minderjährige ein.

AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN E.V.

Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN E.V. ist ein Zusammenschluss von elf bundesweit tätigen Organisationen des Gesundheitswesens in Deutschland. Es wurde mit dem Ziel gegründet, Maßnahmen zur Tabakkontrolle auf politischer Ebene anzuregen, zu fördern und zu begleiten. Folgende Organisationen bilden das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, Bundesärztekammer, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Deutsche Herzstiftung, Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe und Deutsche Lungenstiftung.

Gesund leben – Krebs vorbeugen – von klein an!

Die Deutsche Krebshilfe ruft dazu auf, bei Kindern und Jugendlichen stärker auf eine gesunde Lebensweise zu achten. „Tabak, Alkohol, Sonnenbrände, Übergewicht und Bewegungsmangel schaden der Gesundheit junger Menschen und können langfristig Krebs verursachen“, so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Experten gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden könnte. Interessierten bietet das Präventionsfaltblatt „Kindergesundheit – Gut geschützt von Anfang an“ praktische Alltagstipps. Es kann kostenlos unter www.krebshilfe.de bestellt werden.

Kinder sind um ein Vielfaches schutzbedürftiger als Erwachsene. Dies gilt insbesondere für krebserregende Faktoren, auf die ihr Organismus wesentlich empfindlicher reagiert, als der von Erwachsenen. Krebseregend sind laut Weltgesund-heitsorganisation vor allem Tabakprodukte und der von ihnen ausgehende Rauch, ultraviolette Strahlen von Sonne und Solarien sowie Alkohol.

Nach Ansicht von Experten werden zudem zwei weitere Krebsrisikofaktoren bei jungen Menschen unterschätzt: Fettleibigkeit und körperliche Inaktivität. Beides begünstigt schädliche Stoffwechselvorgänge im Körper, die das Entstehen von Tumoren fördern. Ob ein Mensch im Laufe seines Lebens Übergewicht entwickelt, wird maßgeblich in der Kindheit entschieden. Denn in frühen Jahren wird die Anzahl der Fettzellen im Körper festgelegt, die danach zeitlebens konstant bleibt. In den letzten dreißig Jahren hat der Anteil junger Übergewichtiger in Deutschland stark zugenommen. Fast zwei Millionen Kinder sind es hierzulande – Tendenz steigend. Bei den Schülern ist heute bereits jeder Sechste zu dick.

„Wer Kindern einen gesunden Lebensstil nahebringt, der stattet sie in vielerlei Hinsicht mit einem Startkapital für die Zukunft aus“, so Nettekoven. „Verhaltensmuster aus Kindertagen behalten Jugendliche und Erwachsene oft ihr Leben lang bei.“ Dies ist besonders vor dem Hintergrund stetig steigender Krebszahlen in Deutschland von Bedeutung: Eine halbe Million Menschen erkranken jährlich bundesweit neu an einem Tumor. Insbesondere für einige sehr häufig auftretende Krebsarten, wie Haut-, Darm- und Brustkrebs gilt: vorbeugen ist leichter als heilen.

Die Deutsche Krebshilfe rät: Gesundheitstipps für Kinder

Ausgewogen ernähren, viel bewegen

Geben Sie Ihren Kindern viel frisches Obst und Gemüse sowie Salat, am besten der Saison entsprechend. Diese Lebensmittel enthalten viele Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Fleisch- und Wurstwaren gehören nur selten auf den Speiseplan.
„Fast food“ sollte die Ausnahme sein. Denn Pizza, Pommes und Co. enthalten viele Kalorien und wenig lebenswichtige Inhaltsstoffe.
Süßigkeiten sind bei Kindern begehrt. Bieten Sie diese nur in Maßen an. Ersetzen Sie Süßigkeiten durch Obst.
Haben Sie ein wachsames Auge auf das Gewicht Ihrer Kinder.
Ermuntern Sie Ihre Kinder, Sport zu treiben.

Achtung bei Tabak und Alkohol

Leben Sie rauchfrei. Wenn Sie selbst nicht aufhören können, rauchen Sie nicht in Gegenwart von Kindern.
Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihrer Kinder, damit sie dem Druck Gleichaltriger entgegen setzen können: „Ich muss nicht rauchen“.
Verharmlosen Sie Alkohol nicht – weder als Garant für Fröhlichkeit noch als Seelentröster.
Haben Sie im Blick, ob Ihr Kind an manchen Tagen oder Wochenenden besonders viel trinkt. Holen Sie sich bei Bedarf Rat und Hilfe in einer Beratungsstelle.

Starke UV-Bestrahlung vermeiden

Setzen Sie Babys im ersten Lebensjahr nicht der direkten Sonne aus.
Schützen Sie Ihre Kinder in jedem Fall vor Sonnenbrand! Textiler Sonnenschutz und Aufenthalt im Schatten sind der effektivste Schutz vor UV-Strahlen.
Der Besuch von Solarien ist Kindern und Jugendlichen gesetzlich verboten.

Immer mehr Kinder leiden unter Rückenschmerzen

Dass Rückengesundheit schon bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiges Thema ist, lässt sich beim Blick in die Wartezimmer von Orthopäden erahnen: Hier findet man unter den Patienten gehäuft auch immer mehr junge Menschen, was daran liegt, dass viele Heranwachsende schon unter Rückenschmerzen leiden. Wir haben mit Dr. Dieter Breithecker, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) e. V., über Hintergründe und Präventionsmöglichkeiten gesprochen.

Herr Dr. Breithecker, in den Köpfen vieler Menschen gelten Rückenschmerzen als typisches Altersleiden. Ist diese Annahme veraltet?

Natürlich, denn schon seit Jahren verlagern sich immer mehr sogenannte Alterskrankheiten auch auf jüngere Generationen. Hierzu zählen beispielsweise neben Diabetes-Typ 2 auch Rückenleiden. Zwischen 23 und 48 Prozent der Grundschüler leiden unter Rückenschmerzen. Im weiteren Schulalter steigen die Angaben signifikant an. Bis zu 83 Prozent der Schüler haben mit diversen Schmerzsymptomen wie Rückenschmerzen, Migräne und Bauchschmerzen zu kämpfen. Insbesondere wiederkehrende und chronische Schmerzen sind ein häufiger Grund von Schulfehlzeiten. Rückenschmerzen beeinträchtigen somit den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Sie stehen im Zusammenhang mit einer verringerten Lernmotivation und reduziertem Lernerfolg bei betroffenen Kindern und Jugendlichen.

Aber warum leiden schon so viele Kinder an Rückenschmerzen?

Das hat multifaktorielle Gründe. Die gegenwärtigen Forschungsergebnisse zeigen, dass bei Kindern und Jugendlichen ein komplexes Zusammenspiel von körperlichen, psychologischen und sozialen Faktoren das Rückenschmerzgeschehen bestimmt. Man muss auch immer wieder hervorheben, dass Kinder Heranwachsende sind. Das heißt, ihr Körper durchläuft wichtige und vor allem kritische biologische Reifungsprozesse. Dadurch weisen sie eine geringere Belastungsverträglichkeit auf, was aber nicht heißt, dass sie grundsätzlich geschont werden müssen. Aber: Einseitige Belastungen, Fehlbelastungen wie stundenlanges Sitzen auf schlechten und schlecht angepassten Schulmöbeln, Haltungsschwächen infolge einer mangelhaft ausgebildeten Muskulatur bzw. mangelhaften Körperwahrnehmung und zunehmende psychische Belastungen sind schlechte Garanten für eine gesunde Entwicklung des Rückens.

Inwiefern spielt die moderne Entwicklung der Gesellschaft eine Rolle?

Der Mensch steht immer in einem Wechselbezug zu seiner Umwelt. Diese verlangt uns heute im Gegensatz zu früher immer weniger körperliche Aktivität ab. Die Sekundärmobilität wie z. B. durch Autos und Rolltreppen löst die Primärmobilität, also das Fahrradfahren oder zu Fuß gehen, immer mehr ab. Kinder gehen heutzutage selten noch zu Fuß zur Schule. Ihre Umwelt- und Lebenserfahrungen sammeln sie heute mehr und mehr sitzend aus zweiter Hand (über Fernseher, Computer etc.). Klassische und durch die Vielfalt einer natürlichen Umwelt ermöglichte Bewegungsherausforderungen wie beispielsweise auf Bäume klettern, bleiben Kindern weitestgehend verschlossen. An diese Stelle treten immer mehr durchorganisierte und eingeschränkte Bewegungsangebote in Vereinen, auf Schulhöfen und Spielplätzen. Diese erreichen Kinder nicht in ihrem spielerischen Erkundungsbedürfnis, sind meistens übergesichert und damit wenig herausfordernd und langweilig. Die Folge: Kinder verbringen täglich im Schnitt neun Stunden sitzend und bewegen sich nur rund eine Stunde. Damit fehlen ihnen wichtige Impulse für die körperliche, geistige und psychische Entwicklung.

Viel Bewegung im Kindesalter ist also wichtig für einen gesunden Rücken. Aber muss es denn immer gleich Sport sein?

Viel Bewegung – und das bedeutet ca. drei Stunden täglich – ist elementar für die Entwicklung von Körper, Geist und Psyche und damit auch für den Rücken. Die Betonung liegt hier zuerst einmal auf Bewegung nicht auf Sport. Je jünger Kinder sind, umso mehr steht die spielerische und selbstorganisierte Bewegung im Vordergrund. Das heißt, dass insbesondere im Vor- und Grundschulalter die Vielseitigkeit vor der Spezialisierung stehen sollte. Gerade komplexe körperliche Aktivitäten wie Klettern, Balancieren, Hangeln, Springen, Rennen, Fahrrad fahren und mit Bällen spielen, geben wichtige Entwicklungsimpulse für alle biologischen Funktionen. Sportliches Interesse und Handeln kann mit zunehmendem Grundschulalter parallel dazu Berücksichtigung finden. Und da die Kinder in ihrer Freizeit heute mehr Zeit vor Fernseher, Computer und Co. sitzend verbringen, sollte dies möglichst auf kindgerechtem Mobiliar erfolgen.

Was bedeutet denn „kindgerechtes Mobiliar“? Und warum ist besonders das lange Sitzen in der Schule und zu Hause so schädlich?

Langes Sitzen ist für alle Generationen eine sehr unnatürliche Verhaltensweise. Das gilt insbesondere für Kinder, da gerade sie im Zuge ihrer Reifungsprozesse viele Entwicklungsreize in Form von vielseitiger Bewegung benötigen. Und diese Bewegungsreize fordert ein gesundes Kind auch permanent ein. Ein Grund, warum Kinder selten still sitzen können und auf dem Stuhl beginnen unruhig hin- und her zu rutschen oder zu kippeln. Das ist eine natürliche und gesunde „Strategie“ des heranwachsenden Organismus, sich gegen diese ungesunden Bedingungen zur Wehr zu setzen. Langes Sitzen und vor allem Stillsitzen bedeutet dagegen „Stress“ für Rücken, Geist und Seele. Kinder im Grundschulalter können maximal fünf Minuten still sitzen. Sie benötigen einen Stuhl, der ihre gesunde Bewegungsunruhe aufnimmt und nicht blockiert und sie sollten häufiger an einem Stehpult arbeiten.

Welche Anforderungen stellen Sie an einen idealen ergonomischen Arbeitsplatz für Kinder? Was zeichnet Ihrer Meinung nach gute Tische und Stühle aus?

Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum sitzen müssen, dann sollten sie als allererstes einen Stuhl und einen Tisch haben, der sich ihren konstanten, wachstumsbedingten Körperproportionsveränderungen stufenlos anpassen lässt. Darüber hinaus brauchen sie einen Stuhl mit einer dreidimensional beweglichen Sitzfläche. Diese nimmt die gesunde Bewegungsunruhe auf, anstatt sie zu blockieren. Dadurch wird auch während des Sitzens eine natürliche und intuitive Selbstorganisation von Sitzvariationen ermöglicht, die wir heute als dynamisches Sitzen bezeichnen. Darüber hinaus sollte häufig das Sitzen unterbrochen werden und z. B. an einem Stehpult weiter gelernt werden. Die Aktion Gesunder Rücken zeichnet besonders rückenfreundliche (Schreibtisch-) Stühle und Tische mit dem AGR-Gütesiegel aus. Zertifizierte Produkte gibt es beispielsweise von den Firmen aeris, moll, MOIZI und VS-Möbel. Weitere Informationen gibt es auf der AGR-Homepage unter www.agr-ev.de/produkte/guetesiegel in der Kategorie „Aktion Gesunder Kinderrücken“.

Abschließende Frage: Was tun Sie selbst für einen gesunden Rücken?

Grundsätzlich keine spezielle Rückengymnastik. Ich versuche so viel Bewegung wie möglich in meinen Alltag zu integrieren. Mein Bürostuhl und meine Freizeitstühle haben eine dreidimensional bewegliche Sitzfläche, mein Arbeitstisch kann ich zum Stehpult verändern, was ich auch regelmäßig nutze. Das Telefonieren erledige ich im Stehen oder laufe währenddessen hin und her. Ich ziehe grundsätzlich die Treppe Aufzügen und Rolltreppen vor. Darüber hinaus gilt für mich das bekannte Lebensmotto „Der Weg ist das Ziel!“ und ich versuche so viele Schritte wie möglich in meinen Alltag zu integrieren, ohne mich an der Maxime von 10.000 Schritten pro Tag zu orientieren. Ab und zu führt mich dann auch mal der Weg ins Fitnessstudio, aber nur, wenn es draußen kalt und regnerisch ist.

Weiterführende Informationen zu rückengerechten Kinderprodukten mit dem AGR-Gütesiegel und einem Verzeichnis geschulter und zertifizierter Fachgeschäfte sind auf Anforderung als Infopaket mit dem „Ergonomie-Ratgeber“ und dem Ratgeber „AGR-MAGAZIN“ zum Preis von 12,95 Euro bei der AGR (Tel. 04284/926 99 90 oder www.agr-ev.de/patientenmedien) erhältlich.

Kindern den Rücken stärken: Aktion Gesunder Kinderrücken

Die Initiative „Aktion Gesunder Kinderrücken“ der AGR und BAG fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und erweitert das Bewusstsein von Eltern, Lehrern und Kindern für ein rückengerechtes Umfeld sowie ausreichend Bewegung. Neben den bereits erwähnten Sitzmöbeln und Schreibtischen werden auch andere rückengerechte Kinderprodukte ausgezeichnet wie z.B. Autokindersitze. Bei langen Autofahrten schmerzt nicht nur bei Erwachsenen irgendwann das Kreuz, auch der Kinderrücken leidet. Viele der im Handel erhältlichen Sitze sind eher unkomfortabel und unergonomisch. Deshalb gilt: Kindersitze müssen nicht nur alle Sicherheitsbedingungen erfüllen, sondern auch den ergonomischen Anforderungen des Nachwuchses gerecht werden. AGR-zertifizierte Kindersitze gibt es bei der Firma kiddy (www.kiddy.de). Auch ein falsches Schuhwerk kann bei Heranwachsenden schnell zu Rückenbeschwerden führen. Denn ein Großteil der Kinder und Jugendlichen leidet unter Fußschwächen und teilweise sogar unter beginnenden Fußschäden, die schließlich zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen führen. Produkte mit dem AGR Gütesiegel aus diesem Bereich sind der chung shi® DUX Trainer Kids sowie der chung shi® DUXFree Kids (www.chung-shi.com).

Schmerzmittel für Kinder

In Deutschland versäumen Kinder jährlich etwa eine Million Schultage wegen Kopfschmerzen. „Es gibt gut verträgliche Schmerzmittel für Kinder. Leider werden rezeptfreie Schmerzmittel in der Werbung oft verharmlost und als ’speziell für Kinder‘ angepriesen. Eine Daueranwendung von Schmerzmitteln kann aber auch bei Kindern Kopfschmerzen auslösen“, sagte Prof. Dr. Boris Zernikow beim pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer. Der Kinderarzt ist Chefarzt der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln der Universität Witten/Herdecke. Grundsätzlich gilt, dass Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden sollten.

Rezeptfreie Schmerzmittel mit Paracetamol oder Ibuprofen werden bei Kindern oft eingesetzt. Beide Arzneistoffe haben Vor- und Nachteile. Paracetamol ist gut verträglich und auch für die ersten Lebensmonate zugelassen. Es gibt verschiedene Darreichungsformen wie Tabletten, Zäpfchen oder Säfte. Paracetamol wirkt aber nur schwach schmerzhemmend. Da es leicht zu gefährlichen Überdosierungen kommt, darf die gewichtsabhängige Tageshöchstdosis nicht überschritten werden. Zernikow: „Paracetamol ist in vielen Kombipräparaten enthalten. Wer seinem Kind mehrere rezeptfreie Medikamente gibt, etwa gegen eine Erkältung, sollte mit dem Apotheker über die Gesamtdosis an Paracetamol sprechen.“ Ibuprofen wirkt stärker und länger schmerzhemmend als Paracetamol. Gefährliche Überdosierungen sind nicht bekannt. Ibuprofen ist erst für Kinder ab dem 6. Lebensmonat zugelassen.

Etwa 7 bis 10 Prozent aller 7- bis 15-Jährigen leiden unter Migräne. Ibuprofen ist Mittel der Wahl und sollte möglichst früh gegeben werden. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht des Kindes, maximal dürfen 600 Milligramm pro Tag eingenommen werden. Zusätzlich können Arzneistoffe aus der Gruppe der Triptane bei Migräneattacken helfen. Sie lindern die Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Laut Zernikow sind Nasensprays mit dem Wirkstoff Sumatriptan derzeit das Mittel der ersten Wahl für Kinder ab 12 Jahren. „Die Handhabung des Nasensprays unterscheidet sich von der eines Schnupfensprays. Eltern und Jugendliche sollten sich die korrekte Anwendung in der Apotheke demonstrieren lassen“, rät Zernikow.

Barth Syndrom: Erbkrankheit als Ursache einer Herzschwäche bei Kindern

Die Dilatative Kardiomyopathie ist eine wichtige zugrundeliegende Ursache der chronischen Herzinsuffizienz. Die Ursachen einer Dilatativen Kardiomypathie sind vielfältig und gehen häufig auf genetische Defekte zurück, die krankhafte Veränderungen der Struktur und/oder Funktionsweise der Herzmuskelzellen bedingen. Im Rahmen der Margret Elisabeth Strauß-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung in Höhe von 91.000 Euro, die zum Ziel die Weiterentwicklung der Behandlungsmethoden auf dem Gebiet der Dilatativen Kardiomyopathie hat, sollen Entstehungsmechanismen dieser Erkrankung näher untersucht und mögliche Therapieansätze erforscht werden, die eine Linderung der Erkrankung herbeiführen könnten. Bei Kindern wird eine Dilatative Kardiomyopathie unter anderem durch das Barth Syndrom verursacht. Diese Erbkrankheit ist auf einen Gendefekt zurückzuführen, der zur Beeinträchtigung der Energiegewinnung in Herzmuskelzellen führt. Die genauen Mechanismen, die letztlich zur Herzinsuffizienz führen, sind hierbei aber noch unvollständig verstanden.

Das Forscherteam um Prof. Dr. med. Christoph Maack, Oberarzt und Heisenberg-Professor an der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, wird daher in Zusammenarbeit mit der Gruppe um Prof. Dr. rer. nat. Peter Rehling vom Zentrum Biochemie der Universitätsmedizin Göttingen die Herzmuskelzellen von Mäusen untersuchen, die den gleichen genetischen Defekt wie Patienten mit Barth Syndrom haben. „Von der Arbeit des Forscherteams um Professor Maack erhoffen wir uns neue Erkenntnisse zur Krankheitsentstehung des Barth Syndroms. Dank solcher Erkenntnisse lassen sich womöglich neue Therapiemöglichkeiten zur Bekämpfung der Dilatativen Kardiomyopathie bei Kindern aufzeigen“, hebt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, hervor. Das Forschungsprojekt trägt den Titel „Das Barth Syndrom als mitochondriale Form der dilatativen Kardiomyopathie: Rolle von Redoxstatus und oxidativem Stress“.

Erbkrankheit mit schwerwiegenden Folgen betrifft nur Jungen
Das Barth Syndrom ist eine Erbkrankheit, die nur Jungen betrifft, oft bereits in den ersten Lebensmonaten auftritt und durch eine Herzschwäche, eine Muskelschwäche der Skelettmuskulatur und einen Immundefekt gekennzeichnet ist. Die Herzschwäche ist hierbei meist das führende Problem, hat eine schlechte Prognose und kann in 14 % der Fälle nur noch durch eine Herztransplantation behandelt werden. Die Immunschwäche geht auf eine Verringerung der Zahl der weißen Blutkörperchen (Neutropenie) zurück und kann lebensbedrohliche Infektionen verursachen. Die Muskelschwäche verursacht eine schnelle Ermüdbarkeit der Kinder, die ihnen das Rennen beim Spielen spürbar erschweren kann.

Die Erkrankung, erstmals 1983 durch Dr. Peter Barth beschrieben, geht auf einen Defekt des sog. Taffazin-Gens zurück, der die zelleigene Produktion von Cardiolipin beeinträchtigt. Cardiolipin ist ein wichtiger Membranbestandteil in Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zellen, die für die Versorgung der Körperzellen mit Energie in Form von Adenosintriphosphat (kurz: ATP), dem wichtigsten Energieträger in den Zellen, verantwortlich sind. Defekte in der Cardiolipin-Herstellung führen dazu, dass in den Kraftwerken die „Turbinen“ der ATP-Produktion nicht mehr effektiv ineinander greifen, was dazu führt, dass weniger Energie, aber mehr „Abgase“ in Form von Sauerstoffradikalen entstehen. Sauerstoffradikale sind dafür bekannt, dass sie krankhafte Umbauprozesse und Schwächung des Herzens, aber auch Defekte anderer Organ- bzw. Zellsysteme und Alterung verursachen können.

Neu im Fokus der Forschung: Zusammenspiel zwischen den Kalzium-Speichern der Zellen und den Mitochondrien
Der Schwerpunkt der Arbeiten wird darauf liegen, das Zusammenspiel zwischen den Kalzium-Speichern der Zellen und den Mitochondrien genauer zu analysieren, da der Defekt des Taffazin-Gens auch die Verbindung zwischen diesen beiden Zellbestandteilen beeinträchtigen könnte. Da jedoch die Energie-Produktion sowie die Entgiftung von Sauerstoffradikalen auf Kalzium-Belieferung der Mitochondrien aus den Speichern angewiesen ist, könnte ein solcher Defekt auch eine Energieverarmung und Radikalstress verursachen. Schließlich soll ein neuartiges Medikament getestet werden, welches Cardiolipin stabilisieren und Sauerstoffradikale abfangen kann und sich bereits in klinischer Erprobung bei Patienten mit Herzinfarkt befindet.

Infos zur Forschungsförderung der Deutschen Herzstiftung unter: www.herzstiftung.de/Forschung.html

Herzversagen bei Kindern mit nur einer funktionsfähigen Herzkammer

Kinder, die mit nur einer funktionsfähigen Herzkammer auf die Welt kommen – einem sog. funktionell univentrikulären Herzen – benötigen in den ersten Lebensjahren mehrere aufeinanderfolgende Herzoperationen, die insgesamt als Fontan-Operation bezeichnet werden. Das Ergebnis dieser Operationen ist eine Fontan-Zirkulation: Die verbleibende Herzkammer pumpt dabei das sauerstoffreiche Blut aktiv durch den Körperkreislauf. Da keine zweite funktionierende Herzkammer vorhanden ist, die das sauerstoffarme Blut durch die Lungen pumpt, erfolgt die Durchblutung der Lungen passiv. Eine Fontan-Operation stellt keine Korrektur und damit Heilung dieser Herzfehler, sondern eine Linderung (Palliation) dar. Bei manchen Kindern mit Fontan-Zirkulation kommt es zum Herzversagen, einem sogenannten Failing, dessen Ursachen noch weitgehend unklar und somit Gegenstand aktueller Forschung sind.

Failing-Fontan unter der Lupe
Dr. med. Julia Moosmann von der Kinderkardiologischen Abteilung der Klinik für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Erlangen, geht in dem Forschungsprojekt „Systemische Inflammation als maßgeblicher Pathomechanismus der Failing-Fontan Physiologie“ der Frage nach, ob eine Entzündungsreaktion im ganzen Körper eine wesentliche Rolle spielt, wenn bei Menschen mit nur einer funktionsfähigen Herzkammer das Herz versagt („Failing-Fontan“). Die Verschlechterung der Herzfunktion geht hier mit einer bislang nicht komplett erklärbaren Ausscheidung des Eiweißes Albumin aus dem Blut in den Darm einher. Dies wird als Eiweißverlust-Enteropathie oder Eiweißverlust-Syndrom bezeichnet – eine Komplikation, die etwa 3 bis 15 % der Menschen mit Fontan-Kreislauf betrifft.
„Um die Prognose und Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern, sind genauere Erkenntnisse über die Ursachen dieser schwerwiegenden Erkrankung wichtig. Das Forschungsvorhaben von Dr. Moosmann könnte einen wichtigen Baustein hierbei liefern“, sagt der Herzspezialist Prof. Dr. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Das Vorhaben wird deshalb von der Deutschen Herzstiftung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) mit der Gerd Killian-Projektförderung in Höhe von 44.400 Euro unterstützt. Dr. Moosmann nahm die Projektförderung auf der DGPK-Jahrestagung im November 2013 in Weimar entgegen.

Identifizierung neuer Biomarker
Das Eiweißverlust-Syndrom ist eine schwerwiegende Erkrankung, zu deren Folgen u.a. Durchfälle, Störungen im Salz-Wasser-Haushalt mit Wassereinlagerungen (Ödeme und Ergüsse), Lymphgefäßerweiterungen und Bronchitis plastica gehören. Das Syndrom ist ferner mit einer Einschränkung der Lebensqualität und Lebenserwartung verbunden. „Die Ursachen dieses Phänomens sind bisher noch nicht restlos geklärt. Unser Ziel ist es deshalb, Entzündungsvorgänge und Vorgänge der Immunabwehr zu identifizieren, die für die Eiweißverlust-Enteropathie und damit für ein Versagen der Fontan-Zirkulation verantwortlich sind“, erläutert Dr. Moosmann. „Anhand dieser Faktoren sollen neue Biomarker zur Prognoseabschätzung und Früherkennung etabliert sowie Angriffspunkte für neue Therapieansätze identifiziert werden, die wiederum zur Verbesserung der Lebenserwartung und -qualität der Betroffenen beitragen sollen.“

Dafür erfolgen laborexperimentelle Analysen mit der Bestimmung von entzündlichen Parametern im Blut des Patienten. Hierbei vergleicht Dr. Moosmann die Blutergebnisse von drei unterschiedlichen Patientengruppen miteinander: Patienten mit Versagen der Fontan-Zirkulation, Patienten ohne Fontan-Versagen und Patienten mit einer Transposition der großen Gefäße.

Sonnenschutz von Anfang an reduziert das Hautkrebsrisiko

Die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Derzeit erkranken etwa 234.000 Menschen pro Jahr neu an einem Tumor der Haut: Rund 207.000 an einem weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom: 137.000, Plattenepithelkarzinom: 70.000) und etwa 28.000 am schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. Experten machen insbesondere UV-bedingte Hautschäden, die in der Kindheit und Jugend erworben wurden, für diesen Trend verantwortlich. Denn die im Vergleich zu Erwachsenen noch anders strukturierte kindliche Haut ist besonders empfindlich gegen UV-Strahlen. „Sonnenschutz muss daher bereits bei Kindern so selbstverständlich werden wie das tägliche Zähneputzen“, fordert Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Schon bevor ein Sonnenbrand sichtbar wird, können ultraviolette Strahlen der Sonne das Erbgut der Zellen in der Haut schädigen. In der Regel beseitigt ein körpereigenes Reparatursystem entstandene Schäden. Ist dieses System überlastet, verändert sich das Erbgut und die Zelle kann entarten. Hautkrebs ist die Folge.

Kinderhaut reagiert ganz besonders empfindlich auf UV-Strahlen. Epidemiologische Studien zeigen: Jugendliche, die in ihrer Kindheit häufig der Sonne ausgesetzt waren und Sonnenbrände erlitten, weisen ein deutlich erhöhtes Risiko auf, später an Hautkrebs, insbesondere am malignen Melanom zu erkranken. Experten machen die spezifische Struktur der Kinderhaut für das erhöhte Hautkrebsrisiko verantwortlich. „Die UV-empfindlichen Stammzellen liegen bei Kindern sehr viel dichter unter der Hautoberfläche als bei Erwachsenen und sind UV-Strahlen somit stärker ausgesetzt“, erklärt Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Auch bei Sonnenbränden reagiert die kindliche Haut anders als die Erwachsener. Dieses „Alarmsignal“ des Körpers tritt bei Kindern zeitverzögert auf. Die Haut ist dann bereits erheblich geschädigt. „Kinderhaut muss daher ganz besonders vor krebserregenden UV-Strahlen geschützt werden“, betont Dr. Herbert Grundhewer vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

UV-Schäden und Sonnenbrände können durch richtigen Sonnenschutz ganz einfach vermieden werden: Bei Kindern gilt es in erster Linie, starke Sonnenbestrahlung zu vermeiden. Sonnengerechte Kleidung sowie richtig aufgetragene Sonnenschutzmittel bieten zusätzlichen Schutz.

Wie stark die ultraviolette Strahlung von April bis September in Deutschland tagesaktuell ist, darüber informiert der UV-Index des Bundesamtes für Strahlenschutz im Internet unter www.bfs.de. Je höher der Indexwert auf einer Skala von 1 bis 11 steigt, desto größer ist das Sonnenbrandrisiko beim ungeschützten Aufenthalt in der Sonne. Schutzmaßnahmen werden, entsprechend des individuellen Hauttyps, bei einem mittleren UV-Index von 3 bis 5 empfohlen. Ein Wert, der meist schon im April erreicht wird.

Wer mehr über richtigen Sonnenschutz wissen möchte, erhält weitere Informationen im Internet bei der Deutschen Krebshilfe unter www.krebshilfe.de, der ADP unter www.unserehaut.de sowie der Deutschen Krebsgesellschaft unter www.krebsgesellschaft.de. Für Kinder ab drei Jahren hält die Deutsche Krebshilfe altersgerechte Materialien bereit. Dazu gehören die Sonnengeschichte vom Clown Zitzewitz mit einem Sonnen-Memory zum Selbstbasteln sowie Sonnenmützen für die Kleinen. Alle Materialien können kostenlos bei der Deutschen Krebshilfe e. V., Postfach 1467, 53004 Bonn, unter der Telefonnummer 02 28/ 7 29 90-0 und im Internet bestellt werden.

UV-Schutztipps für Babys und Kinder

Vermeidung starker UV-Bestrahlung

• Babys im ersten Lebensjahr nicht der direkten Sonne aussetzen.
• Haut langsam durch kurze Aufenthalte an die Sonne gewöhnen.
• Sonnenbrand stets vermeiden!
• In der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten aufhalten.
• Bei allen Aktivitäten im Freien auf den UV-Index achten: www.bfs.de
• Solarien sind für Kinder und Jugendliche tabu.

Sonnengerechte Kleidung

Textiler Sonnenschutz besteht aus: dicht gewebten T-Shirts oder Hemden, Tuch, Kappe oder Hut mit Schirm und Nackenschutz, Schuhen, die den Fußrücken schützen. Bei spezieller Sonnenschutzkleidung auf die Kennzeichnung achten: UV-Protektion-Faktor UPF 30 oder Prüfsiegel „UV-Standard 801“.
Sonnenbrille tragen. Einen geeigneten UV-Schutz bietet die Kennzeichnung DIN E 836 mit dem Standard „UV-400“.
Beim Schwimmen T-Shirt tragen!

Sonnenschutzmittel

• Unbekleidete Hautpartien von Kindern mit Sonnenschutzmitteln eincremen.
• Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor LFS 30 benutzen, die einen UVA-
und UVB-Schutz bieten und keine Duftstoffe enthalten.
• Vor dem Sonnenaufenthalt Sonnencreme dick und gleichmäßig
auftragen und besonders auf die „Sonnenterassen“ des Körpers achten:
Nase, Ohren, Lippen, Schultern und Fußrücken.
• Eincremen nach zwei Stunden wiederholen, nach dem Baden ebenfalls.

Babys und Kleinkinder von Allergien befreien

Allergien sind eine Volkskrankheit. Das Erschreckendste: Jedes dritte Kleinkind ist betroffen und auch Säuglinge erkranken schon. Bei der CAM, einer europäischen Fachmesse für komplementäre und alternative Medizin, die am 27. April in Düsseldorf stattfindet, wird mit dem Medikament urexent® erstmalig ein Therapeutikum speziell für Babys, Kleinkinder und Teenager vorgestellt.

Das Gute vorweg: urexent® ist keine „Chemie-Bombe“: Das Ausgangsmaterial dieses Medikaments wird aus dem Urin des Kindes gewonnen. Bei dem Herstellungsverfahren werden körpereigene biochemische und immunologische Vorgänge nachvollzogen.

So wirkt das neue Medikament: „urexent® löst Reize aus, die das Immunsystem so umstimmen, dass seine ursprüngliche Funktion wieder aufgenommen und Abwehrzellen gebildet werden“, erläutert Dr. Horst Kief, der das Therapeutikum entwickelt hat, das entscheidende Wirkprinzip. Die hohe antibakterielle Wirkung des für jeden Patienten „maßgeschneiderten“ Medikaments, so der Mediziner, sei geeignet, die Infektanfälligkeit nachhaltig zu vermindern. Dr. Kief, der über jahrzehntelange Erfahrung in Personalisierter Medizin verfügt: „Das Wesentliche ist: Nicht die Symptome werden behandelt, sondern die Ursache der Störung.“

Abwehrkräfte stärken

Der körpereigene Stoff Urin enthält neben dem Harnstoff wichtige immunologische Substanzen, die die Abwehrkräfte des Körpers stärken. So wird das körpereigene Immunsystem wieder reguliert, es nimmt seine ursprüngliche Funktion wieder auf. Der Hersteller verweist darauf, dass urexent® nicht mit der bekannten Eigenurin-Therapie oder mit homöopathischen Mitteln verwechselt werden dürfe.

Das Immunsystem des menschlichen Körpers verfügt über zwei Abwehrmechanismen: die unspezifische Reaktion, die angeboren ist und die spezifische Reaktion, bei der nach dem ersten Kontakt des Körpers mit Krankheitserregern Gedächtniszellen und Antikörper gebildet werden. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Erreger ist die Reaktion dann erheblich schneller, da die Gedächtniszellen bereits den Prozess der Abwehr beherrschen.

Bei einer gestörten Immunkompetenz funktioniert die zweite Form der Abwehrreaktion nicht, es werden ungenügend Antikörper gebildet. Hier wird es notwendig, das Immunsystem zu unterstützen.

urexent® ist in Tropfenform dosierbar, nahezu geschmacksneutral und kann mit etwas Tee oder Saft eingenommen werden – somit ideal für Säuglinge und Kleinkinder. In einzelnen Fällen ist es zu Beginn der Therapie zu Erstverschlimmerung der Symptome gekommen, die jedoch schnell wieder verschwanden. Urexent® ist frei von chemischen Zusatzstoffen. Info: www.urexent.de // Telefon: 0621-669300