Archiv der Kategorie: Krankenversicherung

Kurantrag abgelehnt?

Millionen gesetzlich Krankenversicherte haben Anspruch auf ambulante Vorsorgemaßnahmen oder bezuschusstes Gesundheitstraining in Kurorten. Doch immer öfter lehnen gesetzliche Krankenkassen Anträge auf Bezuschussung solcher Leistungen ab – mit meist zweifelhaften Begründungen. „Wehren Sie sich“, rät der Kurdirektor von Europas übernachtungsstärkstem Kurort Bad Füssing. „Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass zwei von drei abgelehnten Anträgen für ambulante Badekuren in Heilbädern nach einem Einspruch letztendlich doch genehmigt werden“, so Weinberger. Sein Ratschlag: Nach einem Ablehnungsbescheid grundsätzlich Einspruch einlegen.

Viele Krankenkassen setzen bei der Ablehnung von Anträgen auf ambulante Badekuren offensichtlich auf die Unwissenheit der Versicherten: Denn ohne Einschränkungen können Krankenkassen auch heute erhebliche Zuschüsse zu ambulanten Vorsorgeleistungen beim Aufenthalte in einem anerkannten Heilbad zahlen – und zwar eben nicht nur zur Behandlung bestehender Krankheiten, sondern auch zur Krankheitsvermeidung, also der Prävention. Statt alle vier Jahre können Versicherte heute sogar wieder alle drei Jahre bei ihrer Kasse eine solche Maßnahme beantragen.

Die Zahl der ambulanten Badekuren ist trotzdem deutschlandweit in den letzten Jahren von über 550.000 auf derzeit knapp 58.000 genehmigte Anträge gesunken. Diese Entwicklung schadet den Versicherten und kostet die Versichertengemeinschaft letztendlich mehr Geld als eine solche Maßnahme zur Krankheitsvermeidung gekostet hätte. Studien zeigen, dass jeder in die Prävention, also die Gesundheitsvorsorge, investierte Euro langfristig das Dreifache an Ausgaben für spätere Krankheitsbehandlung vermeiden kann.

Das gilt letztendlich auch für wohnortferne Präventionskurse etwa für Bewegungstraining, Entspannung oder zur Ernährungsschulung, wie sie in Bad Füssing rund ums Jahr angeboten werden. Hier können die Kassen pro Kurs bis zu 75 Euro Zuschuss zahlen.

Wertvoller Ratgeber „Das Bad Füssing Sparbuch“- jetzt wieder erhältlich

Informationen, welche Ansprüche Versicherte bei Kuren und Gesundheitsvorsorgemaßnahmen haben, welche Zuschüsse ihnen zustehen und wie sie ihre Rechte erfolgreich durchsetzen liefert der Ratgeber „Das Bad Füssing Sparbuch“. Die kostenlose Broschüre ist jetzt in Neuauflage erschienen. Einfach anfordern unter der Telefonnummer 08531/975-580, über das Internet unter www.badfuessing.de/infomaterial oder per eMail an tourismus@badfuessing.de.

Teilnehmer gesucht: Neue Studie BAVARIA vergleicht Wirksamkeit von Kur oder Therapie zu Hause – was ist besser?

Der Bayerische Heilbäder-Verband e.V. startet demnächst zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Beobachtungsstudie zur Wirkung ambulanter Vorsorgemaßnahmen am Kurort im Vergleich zu ambulanten therapeutischen Maßnahmen am Wohnort.

Für dieses zweigleisig angelegte Studienprogramm mit dem Namen BAVARIA sucht der Bayerische Heilbäder-Verband e.V. Teilnehmer. Gesucht werden Personen, die unter Erkrankungen im Bereich des Bewegungsapparats (Wirbelsäule, Rheuma, Gelenkbeschwerden), an Herz- oder Kreislaufproblemen leiden und deswegen demnächst eine ambulante Kur absolvieren wollen. Die Bewerbung zur Studienteilnahme muss dabei vor Beantragung der Maßnahme erfolgen. Interessenten, die an der Studie teilnehmen möchten, finden weitere Informationen über den Ablauf des BAVARIA-Forschungsprojekts und die Teilnahmevoraussetzungen im Internet unter: http://bavaria-studie.de Informationen gibt es auch telefonisch unter: 08531 975-590.

Krankenkassen können Patienten von Medikamentenzuzahlungen entlasten

Die gesetzlichen Krankenkassen können ihre Versicherten auf verschiedenen Wegen von Zuzahlungen zu Arzneimitteln befreien. „Die Krankenkassen erhalten schließlich auch die kompletten Zuzahlungen der Patienten, die jede Apotheke einziehen und weiterleiten muss“, sagt Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV), angesichts aktueller Berichte über steigende Zuzahlungen. „Die Kassen könnten ihre Versicherten jedoch schnell und wirksam entlasten. Ob Befreiungsbescheinigung, Festbetragsregelung oder Rabattvertrag – es gibt viele Möglichkeiten, auch Millionen chronisch kranke Patienten vor finanzieller und bürokratischer Überforderung zu schützen. Leider passiert oft das Gegenteil, wenn zum Beispiel ein zuzahlungsfreies Medikament nicht abgegeben werden darf, weil ein zuzahlungspflichtiges Rabattarzneimittel Vorrang hat.“ Die Vermutung, größere Packungen oder teure Medikamente würden die Zuzahlungen erhöhen, sei dagegen falsch: „Egal wie teuer ein Arzneimittel ist, die Zuzahlung ist per Gesetz bei 10 Euro gedeckelt.“ Becker weiter: „Die Apotheken tun ihr Bestes, ihren Patienten zuzahlungsfreie Alternativmedikamente zu empfehlen. Apotheker und Patient sollten über das Arzneimittel, nicht über die Zuzahlung sprechen.“

Grundsätzlich von der Zuzahlung befreit sind Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Erwachsene können bei ihrer Kasse eine Befreiung von der Zuzahlung für das jeweilige Kalenderjahr beantragen, sofern ihre finanzielle Belastung zwei Prozent des Bruttojahreseinkommens überschreitet. Bei chronisch kranken Patienten ist es ein Prozent. Mit der Festlegung eines Festbetrags, einem für alle gesetzlichen Krankenkassen geltenden Erstattungshöchstbetrag, lassen sich durch die Krankenkassen auch einzelne Arzneimittel von der Zuzahlung befreien, wenn ihr tatsächlicher Preis 30 Prozent darunter liegt. Sogar jede Kasse allein kann über ihre Rabattverträge definieren, ob ihre Versicherten nur die Hälfte oder gar keine gesetzliche Zuzahlung für die Rabattarzneimittel leisten müssen. Grundsätzlich müssen Patienten 10 Prozent des Arzneimittelpreises zuzahlen: mindestens 5 Euro, höchstens 10 Euro. Die Zuzahlung ist aber immer begrenzt auf die tatsächlichen Kosten des Medikaments.

Weitere Informationen unter www.abda.de und www.aponet.de

Patientenberatung muss unabhängig bleiben

Der SoVD übt scharfe Kritik an der unmittelbar bevorstehenden Vergabe der Unabhängigen Patientenvertretung (UPD) an ein privatwirtschaftlich gewinnorientiertes Unternehmen. Den Zuschlag soll offenbar die Sanvartis GmbH erhalten. Das Unternehmen ist bislang sowohl als Dienstleister für verschiedene Krankenkassen in Erscheinung getreten als auch in seiner Tätigkeit für Ärzte- und Apothekerorganisationen und die Healthcare-Industrie.

„Der Grundsatz der Unabhängigkeit und Neutralität würde beim ausgewählten Gebot massiv verletzt. Die hohe Qualität und die unabhängige Unterstützung von Patientinnen und Patienten ist in Gefahr, wenn die Beratung über einen kommerziellen Anbieter erfolgt“, erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer in einem aktuellen Schreiben an den Patientenbeauftragen der Bundesregierung und an den Gesundheitsminister. „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass ein anerkanntes Beratungsangebot, das sich seit langem bewährt hat, nicht weiter finanziert werden soll. Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Interessenvertretung von Patientinnen und Patienten durch die UPD mitunter unbequem für die Krankenkassen sein kann.“

Der SoVD-Präsident befürchtet, dass der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung entgegen dem begründeten Protest aus dem wissenschaftlichen Beirat der UPD sowie zahlreicher sozialpolitischer Interessenvertretungen an ihrem Vorhaben festhalten.

Wenn der bisherige Verbund der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) nach 2015 nicht mehr finanziert wird, stehen insgesamt 21 Beratungsstellen vor dem Aus. Betroffen ist auch die hannoversche Beratungsstelle, deren Träger der SoVD ist.

Kundenbefragung: Gesetzliche Krankenkassen 2015 / Wechselabsichten

Die 16 bewerteten gesetzlichen Krankenkassen erzielten bei ihren Mitgliedern in allen Kernbereichen im Schnitt gute Noten – dennoch zeigte sich eine nicht unerhebliche Wechselbereitschaft. Dieses Ergebnis erbrachte eine Befragung unter gesetzlich Krankenversicherten, die das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) durchgeführt hat.

Drei gesetzliche Krankenkassen erzielten in der Kundenzufriedenheit das Gesamturteil „sehr gut“, acht weitere schnitten mit „gut“ ab. Insgesamt betrachtet, konnte der Bereich Service am meisten überzeugen. Dabei stachen vor allem der Service per Telefon und vor Ort am positivsten hervor (rund 85 Prozent beziehungsweise knapp 84 Prozent positive Bewertungen durch die Mitglieder).

Markus Hamer, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Service-Qualität, bringt die erfreulichen Ergebnisse auf den Punkt: „Nicht nur der Service stellte die meisten Mitglieder zufrieden, ein im Schnitt gutes Urteil gab es auch für das Leistungsangebot sowie die Zuverlässigkeit und Sicherheit, beispielsweise im Hinblick auf Leistungserfüllung und Datenschutz.“

Frei von jeder Kritik waren die gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht. 13 Prozent der Befragten berichteten über ein negatives Erlebnis mit ihrem Krankenversicherer. Davon bemängelte mehr als jeder Vierte eine zu geringe Kostenerstattung.

Erstaunlich vor dem Hintergrund der guten Resultate: Auf die Frage „Haben Sie Ihre Krankenkasse in diesem Jahr gekündigt oder einen Wechsel geplant?“ antworteten immerhin 8,8 Prozent der Befragungsteilnehmer mit Ja. Das bedeutet, annähernd jeder zehnte Versicherte trägt sich mit dem Gedanken, seine Krankenkasse zu wechseln oder hat dies in den letzten Monaten bereits getan. Überraschend: Der von Wechselwilligen am häufigsten genannte Grund war nicht die Höhe des Zusatzbeitrages, den die eigene Krankenkasse erhebt, sondern das Bonusprogramm. Die betreffenden Mitglieder bemängelten, dass dieses entweder schlecht oder schlichtweg nicht vorhanden sei (siehe auch Infografik zum Download: www.disq.de/pressefotos/).

Als Sieger und damit beliebteste gesetzliche Krankenkasse ging die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse aus der Befragung hervor. Das Unternehmen (Qualitätsurteil: „sehr gut“) punktete mit fast durchweg hervorragenden Resultaten. Bestwerte im Anbietervergleich gab es für den Service insgesamt, wobei die Bereiche Beratung/Service vor Ort sowie Kundenservice per E-Mail hervorstachen. Zudem äußerten die befragten Mitglieder die höchste Bereitschaft zur Weiterempfehlung der Krankenkasse. Den zweiten Rang nahm die Techniker Krankenkasse mit einem ebenfalls sehr guten Qualitätsurteil ein. Das Unternehmen profilierte sich insbesondere durch die im Vergleich höchsten Kundenzufriedenheiten mit dem Leistungsangebot sowie der Zuverlässigkeit und Sicherheit. Sehr gute Ergebnisse erzielte das Unternehmen zudem beim Service. Auf Rang drei folgte AOK Plus. Die Krankenkasse erzielte durchgängig sehr gute Kundenbewertungen in den drei abgefragten Kernbereichen. Darüber hinaus gab ein vergleichsweise geringer Anteil der Befragten (sieben Prozent) an, dass sie sich bei der AOK Plus schon einmal über etwas geärgert hatten. Hinter den drei erstplatzierten Krankenkassen (alle „sehr gut“), erreichten acht Unternehmen das Qualitätsurteil „gut“: IKK Classic, BKK Mobil Oil, Knappschaft, AOK Rheinland/Hamburg, KKH Kaufmännische Krankenkasse, DAK-Gesundheit, IKK Südwest und Barmer GEK.

In die Online-Befragung flossen insgesamt 2.405 Bewertungen von Kunden ein, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert waren. Im Mittelpunkt der Panel-Befragung standen die Meinungen der Mitglieder zu den Aspekten Service, Leistungsangebot sowie Zuverlässigkeit und Sicherheit. Letzteres bezog sich etwa auf die Einhaltung von Leistungszusagen und den Schutz persönlicher Daten. Kundenärgernisse und die Weiterempfehlungsbereitschaft flossen ebenfalls mit in die Gesamtbewertung ein. Berücksichtigt wurden alle gesetzlichen Krankenkassen, zu denen sich jeweils mindestens 100 Mitglieder geäußert hatten. Dies traf auf 16 Unternehmen zu.

Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) verfolgt das Ziel, die Servicequalität in Deutschland zu verbessern. Das Marktforschungsinstitut mit Sitz in Hamburg führt zu diesem Zweck unabhängige Wettbewerbsanalysen und Kundenbefragungen durch. Rund 1.500 geschulte Tester sind in ganz Deutschland im Einsatz. Die Leitung der Forschungsprojekte, bei denen wissenschaftlich anerkannte Methoden und Service-Messverfahren zum Einsatz kommen, obliegt einem Team aus Soziologen, Ökonomen und Psychologen. Dem Verbraucher liefert das Institut wichtige Anhaltspunkte für seine Kaufentscheidungen. Unternehmen gewinnen wertvolle Informationen für das eigene Qualitätsmanagement. Das Deutsche Institut für Service-Qualität arbeitet im Auftrag von renommierten Print-Medien und TV-Sendern; Studien für Unternehmen gehören nicht zum Leistungsspektrum des DISQ.

Nachbesserungen im Präventionsgesetz

„Das geplante Präventionsgesetz bringt nur kleine Verbesserungen, erfüllt aber die Erwartungen immer noch nicht“, so kommentiert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, die heutige 1. Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag.

Zwar sollen die Krankenkassen ab 2016 pro Versichertem im Jahr 7 Euro statt rund 3 Euro für Präventionszwecke ausgeben, aber die Verteilung der Mittel stellt der VdK in Frage. „Man beschränkt sich weiter auf punktuelle Leistungsverbesserungen. Insgesamt sind Prävention und Gesundheitsförderung im Bereich der Krankenversicherung auch dann noch unterfinanziert. Sie sind aber gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Alle Sozialversicherungsträger und die private Kranken- und Pflegeversicherung müssen in die Pflicht genommen werden“, so Mascher.

Der Sozialverband VdK kritisiert vor allem, dass mit dem Präventionsgesetz Bevölkerungsgruppen wie Langzeitarbeitslose, Ältere oder Menschen mit Behinderung kaum erreicht werden. Dabei würden diese in besonderem Maße von Vorsorge profitieren. „Es ist beispielsweise hinreichend bewiesen, dass Prävention bei Älteren einer Pflegebedürftigkeit vorbeugt oder diese zumindest abmildert und damit enorme Kosten für die Pflege- und Krankenkassen einspart.“

Der Sozialverband VdK begrüßt zwar, dass die Pflegekassen Präventionsleistungen in voll- und teilstationären Einrichtungen erbringen müssen. „Es ist aber nicht nachvollziehbar, dass der Präventionsauftrag der Pflegeversicherung nur auf diesen Bereich beschränkt wird. Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen oder ambulanten Pflegediensten zu Hause versorgt. Auch dort sind Präventionsleistungen notwendig“, so Mascher. Angebote wie etwa die Sturzprophylaxe müssten noch viel häufiger bei den Betroffenen ankommen. Dazu gehöre auch, den präventiven Hausbesuch in den Pflichtleistungskatalog der Krankenversicherung aufzunehmen. „Der Hausarzt muss als Präventionslotse fungieren und individuelle präventive Maßnahmen verordnen dürfen. Dafür muss aber auch die bessere Qualifizierung der Ärzte und Medizinstudentinnen und -studenten hinsichtlich Gesundheitsförderung und -beratung gewährleistet sein“, sagt Mascher.

Elektronische Gesundheitskarte

Die neuesten Veröffentlichungen aus den Dokumenten von Edward Snowden zeigen ganz deutlich: Es gibt keine Sicherheit für das Mammutprojekt elektronische Gesundheitskarte (eGK). „Nach 11-jähriger erfolgloser Planung sollte es endlich eingestellt werden“, sagte die Sprecherin der Aktion „Stoppt die e-Card“, Dr. Silke Lüder, heute in Hamburg. Den Geheimdiensten der USA und Großbritanniens sei es den Snowden-Dokumenten zufolge schon im Jahr 2010 gelungen, Sicherheitskonzepte eines Chipkartenherstellers zu überwinden und bis jetzt unbemerkt an deren Sicherheitsschlüssel zu gelangen. Dieses Unternehmen hat nicht nur SIM-Karten für Handys hergestellt, sondern auch die elektronischen Gesundheitskarten für 25 Millionen AOK-Versicherte sowie Kartenlesegeräte für Arztpraxen.

„Wenn bis heute dieses Datenleck den Betreibern der Firma nicht aufgefallen ist, bedeutet das, dass interne Kontrollen völlig versagt haben müssen. Es gibt also keine Sicherheit mit den jetzt ausgegebenen elektronischen Karten“, sagte der Sicherheitsexperte Rolf Lenkewitz heute in München. „Allein die potenziellen Auswirkungen erfordern einen sofortigen Stopp der eGK und telematischen Infrastruktur. Die von den Geheimdiensten erlangten Informationen könnten die Bausteine sein, um jederzeit in der Zukunft, dieses größte IT-Projekt Europas zu kompromittieren und die sensibelsten und schützenswertesten Daten der Versicherten einzusehen und zu missbrauchen.“

Auch Professor Hartmut Pohl, Mitglied des Beirats der International Security Academy und Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises „Datenschutz und IT-Sicherheit“ der Gesellschaft für Informatik e. V., warnte heute vor den Folgen: „Dies ist nicht das erste Mal, dass ein Trust Center von Sicherheitsbehörden und Nachrichtendiensten wie der NSA geknackt wurde und alle Sicherheitsschlüssel ausgelesen werden konnten. Die erfolgreichen Angriffstechniken funktionieren auch für SIM-Karten und Handy-Schlüssel, elektronische Personalausweise und Reisepässe, Kredit- und Debitkarten, elektronische Türöffner, TAN-Generatoren, die eGK …“ Laut Pohl dürften in Deutschland aktuell weit mehr als 50.000 der wichtigsten Server in Unternehmen, Regierung und Verwaltung mit sogenannten Backdoors der NSA versehen sein (Strategic Servers).

Ziel der Geheimdienstangriffe sollen auch andere Großhersteller für elektronische Gesundheitskarten in Deutschland gewesen sein. „Der Nachweis dieser unbemerkten Angriffe ist der Super-GAU für das eGK-Projekt“, teilten die Sprecher der Aktion „Stoppt die e-Card“ in einer Stellungnahme mit. „Das zeigt, dass es die von der eGK-Betreibergesellschaft Gematik immer wieder behauptete Datensicherheit nicht gibt.“ Mit den ausgegebenen Chipkarten könne man keine der geplanten Anwendungen im eGK-Projekt realisieren: weder sensible Sozial- oder Medizindaten online versenden, noch Notfalldaten, Organspende-Ausweise und Medikationsdaten auf der eGK speichern, noch die Karte als Schlüssel für die Erstellung einer elektronischen Patientenakte verwenden.“

„Wir fordern, dass das gescheiterte milliardenteure Projekt sofort eingestellt und die geplanten weiteren Gelder in eine gute medizinische Behandlung und in sichere dezentrale moderne Kommunikationswege in der Medizin investiert werden“, so die Aktionssprecher. „Alle Planungen für das neue E-Health-Gesetz der schwarz-roten Koalition müssen gestoppt werden, denn auf Basis derart fraglicher Datensicherheit können solche Gesetzesvorhaben nicht realisiert werden.“

Über die Aktion „Stoppt die e-Card“

„Stoppt die e-Card“ ist ein breites Bündnis von 54 Bürgerrechtsorganisationen, Datenschützern, Patienten- und Ärzteverbänden. Unter anderem gehören dazu: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Digitalcourage, Chaos Computer Club, IPPNW, Freie Ärzteschaft e. V., NAV-Virchowbund, Deutsche AIDS-Hilfe. Das Bündnis lehnt die eGK ab und fordert, das milliardenschwere Projekt einzustampfen. Sprecher der Aktion „Stoppt die e-Card“ sind Dr. Silke Lüder, Gabi Thiess, Dr. Manfred Lotze und Kai-Uwe Steffens.

52 Millionen Operat­ionen und medi­zinische Proze­duren bei statio­nären Patien­ten im Jahr 2013

Knapp 52 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren wurden bei den im Jahr 2013 aus vollstationärer Krankenhausbehandlung entlassenen Patientinnen und Patienten durchgeführt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 2,0 % mehr als im Jahr 2012. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, ob der Zuwachs auf Veränderungen des Operationen- und Prozedurenschlüssels oder auf andere Gründe zurückzuführen ist. Die Anzahl der Krankenhausfälle, bei denen eine Operation oder medizinische Prozedur durchgeführt wurde, stieg im selben Zeitraum nur um 0,7 % auf 15 Millionen. Bei jedem dieser Fälle wurden 2013 im Durchschnitt 3,5 Maßnahmen durchgeführt.

Knapp ein Drittel der im Jahr 2013 durchgeführten Maßnahmen waren Operationen (15,8 Millionen), gefolgt von nichtoperativen therapeutischen Maßnahmen mit einem Anteil von 26,3 % (13,7 Millionen), bildgebende Diagnostik mit 19,7 % (10,3 Millionen) und diagnostische Maßnahmen mit 19,2 % (10 Millionen). Der Rest verteilte sich auf ergänzende Maßnahmen wie zum Beispiel geburtsbegleitende Behandlungen (1,9 Millionen) sowie die Verabreichung spezieller Medikamente (0,3 Millionen).

Von den 15,8 Millionen Operationen entfielen 41,9 % auf die über 65-jährigen Patientinnen und Patienten. Zu den häufigsten Operationen in dieser Altersgruppe zählten andere Operationen am Darm (zum Beispiel Lösen von Verwachsungen oder Aufdehnung von Darmabschnitten), endoskopische Operationen an den Gallengängen sowie die Implantation einer Endoprothese am Hüftgelenk.

Arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken spielten vor allem bei den 45- bis 64-Jährigen eine große Rolle. Auf den weiteren Rängen in dieser Altersgruppe folgten bei den Frauen andere Operationen am Darm und bei den Männern der Verschluss eines Leistenbruchs.

Bei Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren waren Operationen, die im Zusammenhang mit Entbindungen stehen, am häufigsten. Bei Männern dieser Altersgruppe wurden in erster Linie operative Eingriffe an der unteren Nasenmuschel sowie arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken vorgenommen.

Bei Kindern bis 14 Jahren gehörten das Einschneiden des Trommelfells zur Eröffnung der Paukenhöhle sowie die Entfernung der Rachenmandeln zu den häufigsten Operationen.

Mehrheit der Deutschen will gesetzliche Krankenversicherung für alle

In der Debatte um die Reform der Krankenversicherungen sorgen neue Zahlen für Sprengstoff: Nach einer exklusiven Umfrage für das Magazin Reader’s Digest (Juli-Ausgabe) plädieren 58 Prozent der Deutschen dafür, dass sich alle Bürger in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern müssen – also auch Selbstständige, Besserverdienende und Beamte. Die Mehrheit der Bürger empfindet es offenbar als ungerecht, dass diese Berufsgruppen aus dem Solidarsystem ausscheren und sich privat versichern können. Vor allem in den östlichen Bundesländern sind sieben von zehn Befragten für die Abkehr von den privaten Kassen. Das Meinungsforschungsinstitut Emnid befragte 1005 repräsentativ ausgewählte Personen.

Seit Jahren reißen die Diskussionen um die Zwei-Klassen-Medizin nicht ab. Die Umfrage für das Magazin Reader’s Digest ergab, dass 48 Prozent einen Versicherungsbeitrag fordern, der sich am Einkommen orientiert. Nur 10 Prozent plädieren für die sogenannte Kopfpauschale, bei der jeder Bürger unabhängig vom Einkommen denselben Beitrag bezahlt. Aus Sicht von Prof. Michaela Wänke vom Lehrstuhl für Konsumentenpsychologie an der Universität Mannheim sind die Umfrageergebnisse ein klares Signal: „Wie es scheint, finden die meisten Deutschen es richtig, dass Menschen mit höherem Einkommen auch mehr zur Allgemeinheit beitragen.“

Doch so groß der Wunsch nach Reformen ist, Experten erwarten Steigerungen bei den Kassenbeiträgen. Zwar wird zum 1. Januar 2015 der Beitrag der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zur gesetzlichen Krankenversicherung auf 7,3 Prozent sinken, doch die Kassen dürfen danach den Versichertenbeitrag selbstständig erhöhen. „Das bedeutet, dass Kostensteigerungen in Zukunft allein zulasten der Versicherten gehen“, sagt Kai Vogel, Leiter des Teams Gesundheit beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, in der Juli-Ausgabe von Reader’s Digest. Er geht davon aus, dass einige Kassen ihre Sätze 2015 wieder erhöhen werden. Dabei ergab die Umfrage, dass 63 Prozent der Deutschen den aktuellen Beitragssatz von 15,5 Prozent des Einkommens gerade noch für „akzeptabel“ halten.

Immerhin 35 Prozent der Befragten können sich vorstellen, bis zu 20 Prozent ihres Einkommens zu bezahlen, damit der Standard der medizinischen Versorgung erhalten bleibt. „Die Angst vor gravierenden Krankheiten, die jeden treffen können, bewegt Menschen dazu, im Notfall auch mehr zu bezahlen, um abgesichert zu sein“, meint Gesundheitsexperte Vogel. Müssten Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen werden, könnten die meisten (63 Prozent) auf nicht lebensnotwendige Arzneimittel verzichten. Kuren (43 Prozent), Hilfsmittel wie Hörgeräte (41 Prozent), Vorsorgeuntersuchungen (39 Prozent) und Zahnersatz (35 Prozent) folgen. Hingegen werden Sparmaßnahmen bei Organtransplantationen zu 76 Prozent abgelehnt.

Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Juli-Ausgabe von Reader’s Digest Deutschland ist ab 30. Juni an zentralen Kiosken erhältlich.

Verzweifeltes Säbelrasseln für die elektronische Gesundheitskarte

Die Freie Ärzteschaft (FÄ) begrüßt die Erkenntnis des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, dass für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) in den vergangenen zehn Jahren hohe dreistellige Millionenbeträge an Versichertengeldern verbrannt wurden. Für die Versicherten habe sich dabei nichts positiv verändert – dem kann Dr. Silke Lüder nur zustimmen. Die FÄ-Vizevorsitzende kritisiert jedoch: „Wieder einmal suchen die Krankenkassen aber die Schuld bei anderen. Die Ärzteschaft in Deutschland lehnt das eGK-Projekt seit vielen Jahren auf allen Deutschen Ärztetagen entschieden ab.“

Die eGK und die Pläne für eine zentrale bundesweite Datenautobahn in der Medizin würden maßgeblich vom Datenhunger der Krankenkassen und von der Kontrollwut der Verwaltungsbürokratie getrieben. Zudem würden die Kassen ihren Versicherten reihenweise Missbrauch von Gesundheitsleistungen unterstellen, erläuterte Lüder heute in Hamburg.

„Jetzt zeigt sich, dass das Projekt schon im Vorwege gescheitert ist. Statt aber den eigenen Fehler zu erkennen, schiebt der GKV-Spitzenverband den Ärzten die Schuld in die Schuhe und ruft nach dem Staat“, kritisiert der Ärzteverband. Ginge es nach dem GKV-Spitzenverband, dann solle Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe der Ärzteschaft mit finanziellen Sanktionen drohen, damit das Projekt endlich vorankomme. „Hier wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich heute in Essen.

Die FÄ fordert, die Geldverbrennungsmaschine eGK sofort zu stoppen. „Arztpraxen“, so Dietrich, „sind keine Außendienststellen der Kassen. Die Online-Aktualisierung von Versichertenstammdaten ist eine Verwaltungsarbeit der Kassen und gehört nicht an den Praxistresen.“ Sensible Patientendaten müssten weiterhin weit entfernt von jeglichen zentralen Infrastrukturen aufbewahrt werden. „Täglich neue Datenskandale und eine weltweite Überwachungsmaschinerie im Internet verpflichten uns zu Datensparsamkeit und Datenschutz.“

Arztpraxis oder Klinik-MVZ?

Krankenhäuser wollen zunehmend in eigenen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Patienten auch ambulant behandeln. Doch wie finanzieren sich diese Klinik-MVZ? Die Freie Ärzteschaft (FÄ) fordert einen fairen Wettbewerb zwischen Kliniken und freien Arztpraxen. „Krankenhäuser dürfen ihre MVZ nicht mit den Einnahmen aus stationären Behandlungen subventionieren“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich heute in Essen. „Wie Arztpraxen müssen sich Klinik-MVZ allein durch ihre ambulanten Behandlungen wirtschaftlich tragen. Nur dann haben freie Praxen und Klinik-MVZ die gleichen Chancen.“

Die FÄ begrüßt den Beschluss der Ärztekammer Nordrhein, nachdem der Gesetzgeber aufgefordert wird, für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. „Neben der Subventionierung aus den Einnahmen stationärer Behandlungen gehört aber auch die sogenannte duale Klinikfinanzierung auf den Prüfstand“, ergänzte Dietrich. Krankenhäuser werden einerseits von den Krankenkassen finanziert, andererseits bekommen sie im Rahmen der Krankenhausbedarfsplanung zusätzlich Mittel der Länder. Der FÄ-Vorsitzende kritisiert: „Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung. Wir fordern entsprechende Gesetzesänderungen, die eine duale Finanzierung der Klinik-MVZ ausschließen.“

Zudem gehe es nicht allein um einen fairen Wettbewerb der verschiedenen Akteure im deutschen Gesundheitssystem, sondern auch um eine sinnvolle und wirtschaftlich effiziente medizinische Versorgung der Bevölkerung. Dabei müsse man den gesetzlichen Auftrag der MVZ im Auge behalten: Sie sollen die ambulante Versorgung verbessern und nicht als Ein- und Zuweiserportale für Kliniken von Gesundheitskonzernen herhalten.