Archiv der Kategorie: Parkinson

Welt-Parkinson-Tag: 11. April 2014

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die nicht geheilt, aber über Jahre und Jahrzehnte gut behandelt werden kann. Die Medikamente zielen darauf ab, den Verlust des Botenstoffes Dopamin im Gehirn auszugleichen und so die Krankheitszeichen zu lindern. Im Laufe der Erkrankung erreichen einige Patienten jedoch eine Phase, in der Wirkungsschwankungen auftreten und die Beschwerden mit Tabletten nicht länger kontrollierbar sind. In diesem Stadium stehen ihnen drei Behandlungen zur Verfügung:

– Kontinuierliche Apomorphin-Infusion
– Kontinuierliche L-Dopa-Infusion
– Tiefe Hirnstimulation

Bei den kontinuierlichen Infusionen mit Apomorphin und L-Dopa kommen Medikamentenpumpen zum Einsatz. Die Apomorphinpumpe transportiert eine Art Ersatzstoff für Dopamin direkt unter die Haut. Das erfordert das tägliche Einstechen einer Nadel in die Bauchdecke. Die L-Dopa-Infusion erfolgt über eine Sonde in den Dünndarm, wo der Wirkstoff Levodopa kontinuierlich über das Blut aufgenommen wird. Beide Verfahren sind reversibel und können vorab auf ihre Wirksamkeit getestet werden. Bei der Tiefen Hirnstimulation werden operativ Elektroden im Gehirn platziert („Hirnschrittmacher“). Alle drei Verfahren haben das Ziel, die Lebensqualität und Selbstständigkeit von Menschen mit Parkinson wieder zu steigern. Sie stellen unterschiedliche Anforderungen an den Patienten und sein Umfeld und sind nicht immer für jeden geeignet. Gemeinsam mit dem Neurologen muss daher eine individuell passende Entscheidung gefällt werden. Darüber hinaus profitieren alle Betroffenen von regelmäßiger Physiotherapie, Krankengymnastik und Logopädie. Ebenso von der Empfehlung, sich trotz Schluckbeschwerden gesund und ausreichend zu ernähren.

Tanzen bei Parkinson

Parkinson zählt nach Alzheimer zu den häufigsten neurodegenerativen, also langsam fortschreitenden Erkrankungen des Nervensystems. Neben den Hauptsymptomen, die sich in Bewegungseinschränkungen äußern, ist auch bei Vielen die niedergedrückte Stimmung ein wichtiger Aspekt. „Tanzen wirkt sich auf die motorischen Fähigkeiten ebenso positiv aus, wie auf die Lebensfreude und -qualität.“, erklärt Susanne Tuschkan, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.). Sie hat in der Münchner Schön-Klinik ein Gruppenkonzept, Tanzen für Parkinsonkranke, eingeführt.

An Parkinson erkrankte Menschen leiden sehr darunter, dass ihre Krankheit sie immer langsamer, ihre Bewegungen immer schwerfälliger werden lässt. Sie benötigen zunehmend mehr Zeit für die täglichen Dinge wie Ankleiden, Essen, Haushalt. Parkinson beginnt selten vor dem fünfzigsten Lebensjahr und alleine daher sind viele Betroffene nicht mehr berufstätig. Dennoch ist meist der Tag vorbei oder es bleibt ihnen zu wenig Energie übrig, um Freizeitaktivitäten nachzugehen. Studien untermauern, dass diese oft beträchtlichen persönlichen Verluste die Menschen mit Parkinson zusätzlich zu den körperlichen Beeinträchtigungen enorm belasten. Mit diesem Wissen und auf der Suche nach Möglichkeiten, das ergotherapeutische Angebot der Klinik breiter zu gestalten, stieß die engagierte Ergotherapeutin Susanne Tuschkan auf eine New Yorker Selbsthilfegruppe. Diese hat gemeinsam mit einer Modern Dance Group das Konzept „Dance for Parkinson’s Disease“ entwickelt. „Ich habe an einem ihrer Workshops in New York teilgenommen.“, berichtet die Ergotherapeutin und freut sich darüber, dass sie von dort viele gute Ideen und Hintergrundwissen für ihre Parkinsonpatienten mitgebracht hat. „Aus dem, was ich in den USA an die Hand bekommen habe, konnte ich ein für die Klinik passendes ergotherapeutisches Gruppenkonzept entwickeln und meinen Patienten das Tanzen ermöglichen.“

Betroffene Hirnareale austricksen, Bewegung initiieren

Es ist eine Störung in den Basalganglien, die die Bewegungsprobleme von Parkinsonpatienten verursacht. Die Basalganglien sind Areale im menschlichen Gehirn, die beispielsweise an der Willenskraft, dem Antrieb und der Motorik beteiligt sind. Musik oder andere externe Schrittmacher, die den Rhythmus vorgeben, helfen dem Gehirn von Menschen mit Parkinson sozusagen auf die Sprünge. Sie sind quasi ein alternativer Weg, um Bewegungen einzuleiten. Und mit diesem „Trick“ gelingt unter der fachkundigen Anleitung der Ergotherapeutin, was man sonst nicht für möglich hielte: An Parkinson Erkrankte kommen in Bewegung und tanzen. „Das Tanzen als Therapieform schätze ich besonders, denn auch das Beobachten der anderen Tanzenden gibt den Erkrankten Impulse. Dabei werden bestimmte motorische Areale aktiviert. Den Patienten, die sonst kleinschrittig gehen, fällt es dadurch leichter, große Schritte und Bewegungen zu machen“, erläutert Tuschkan ihren besonderen ergotherapeutischen Ansatz.

In der Gruppe tanzen und dabei individuell ergotherapeutisch betreut werden

In Anlehnung an das Training professioneller Tänzer sind auch die Tanzstunden bei der Ergotherapeutin Tuschkan immer dreigeteilt: Warming up im Sitzen, danach im Stehen. Jedenfalls für diejenigen, die das wollen und können. Andere nehmen auch Rollator oder Stöcke zu Hilfe. Denn wie immer schauen die Ergotherapeuten nach dem, was die Erkrankten können und fördern sie nach ihren individuellen Möglichkeiten. So fühlt sich auch bei Gruppentherapien jeder integriert und berücksichtigt. Und beim eigentlichen Tanzen, den Bewegungen im Raum, kommt sowieso jeder auf seine Kosten. Dank der Bewegungsstrategien, die die Ergotherapeutin Susanne Tuschkan ihren Patienten vermittelt, kommt Leichtigkeit auf – und das bei Parkinsonkranken, die mit Fortschreiten ihrer Krankheit immer schwerfälliger werden.

Lebensfreude für Parkinsonpatienten und Angehörige durch Tanzen

Das Zusammenleben mit Menschen, die Parkinson haben, ist meist durch einen extrem stark strukturierten Tagesablauf geprägt und alleine dadurch schon sehr anstrengend. Pflichten dominieren und es gibt kaum Raum für Aktivitäten, die einfach nur Spaß machen und Lebensfreude bescheren. Deshalb ist es ein weiterer Schwerpunkt bei der Behandlung durch Ergotherapeuten, die Angehörigen mit einzubeziehen, auch auf deren Wohl zu achten. Tanzen als Therapieform bietet damit allen Involvierten etwas, bringt Bewegung in den starren Alltag; die an Parkinson Erkrankten und Angehörige oder Partner fühlen sich lebendig, leicht und durch die Musik beschwingt. „Die positive Stimmung, die Musik, das Miteinander und die Erinnerungen an frühere Zeiten – das alles bringt so viele Glücksgefühle, dass ich bestätigen kann: Das Wohlbefinden der Parkinsonpatienten wird auf allen Ebenen beim Tanzen eindeutig positiv beeinflusst.“, fasst die Ergotherapeutin Tuschkan das Feedback ihrer Patienten und ihre eigenen Erfahrungen kurz und eindeutig zusammen.

Informationsmaterial erhalten Interessierte bei den Ergotherapeuten
des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten e.V. (DVE). Diese sind
über die Therapeutensuche auf www.dve.info zu finden.

Apotheker können bei Parkinson-Patienten viele Probleme lösen

Eine pharmazeutische Beratung in der Apotheke kann die Lebensqualität von Patienten mit einer Parkinsonerkrankung signifikant verbessern. Das berichtet die Pharmazeutische Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe und bezieht sich dabei auf eine Studie der Berliner Charité. Die Studie untersuchte die arzneimittelbezogenen Probleme (ABP) bei 113 Parkinson-Patienten über einen Zeitraum von acht Monaten. Die Beratungsleistung der Apotheker verbesserte den Gesundheitszustand, die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Qualität der Arzneimitteltherapie des Patienten signifikant. „Die Studie bestätigt erneut, was unsere Patienten tagtäglich erleben: Die Beratung in der Apotheke hat einen gesundheitlichen Nutzen, weit über die bloße Abgabe eines Medikaments hinaus“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Die Parkinsonerkrankung zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen im Alter. Etwa ein Prozent aller über 60-Jährigen leidet daran. Die Erkrankung äußert sich u.a. durch Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsarmut. Hinzu kommen nicht-motorische Symptome wie vermehrte Talgbildung im Gesicht, Tagesmüdigkeit oder Verwirrtheit. Viele der nicht-motorischen Symptome werden durch die verfügbaren Parkinson-Medikamente nicht gebessert, sondern teilweise sogar verstärkt. Die unzureichende Behandlung der nicht-motorischen Symptome ist laut der zitierten Studie das häufigste ABP bei Parkinsonpatienten. Schmidt: „Wenn der Apotheker ein solches Probleme erkennt, kann er – unter der Voraussetzung, dass der Patient einverstanden ist – gemeinsam mit dem Arzt eine Lösung suchen.“ 65 Prozent der ABP ließen sich in der Studie, die in wohnortnahen Apotheken und immer in Kooperation mit dem jeweiligen Arzt durchgeführt wurde, durch eine pharmazeutische Beratung oder die Anpassung des Therapieschemas vermeiden oder lösen.

Einige Beschwerden, an denen viele Parkinsonpatienten leiden, sind mit rezeptfreien Präparaten gut behandelbar. Alkoholfreie Reinigungstücher oder Reinigungsschäume befreien das Gesicht von überschüssigem Hauttalg. Die erhöhte Talgproduktion kann auch zu Hautentzündungen oder Ekzemen führen. Bei leichten Hauterkrankungen ist eine kurzfristige Behandlung mit rezeptfreien Hydrocortison-Cremes vertretbar. Auch Verstopfung ist bei Parkinsonpatienten weit verbreitet. Empfehlenswert ist die Einnahme von Abführmittel, die bei langfristiger Einnahme gut verträglich sind.